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Lenin-Denkmal in Bishkek

Lenin-Denkmal in Bishkek

Gebäude in Bishkek

Gebäude in Bishkek

Ein kleines Stück entlang der Seidenstraße

Bishkek

Von Almaty ging es weiter nach Bishkek, der kirgisischen Hauptstadt. Mit dem Taxi fahren wir zum Busbahnhof, wir mussten feilschen und haben nicht das erste genommen. Beim Bahnhof stürzte sich ein ganzer Haufen freundlicher Helfer auf uns, leider auch ein verbiestert dreinschauender verkniffener junger Polizist. Er forderte uns auf ihm zu folgen. Es ging in den Bahnhof, durch mehrere Räume hindurch in ein kärglich beleuchtetes Hinterzimmer. Hier wartete schon sein Kollege. Nach den üblichen Fragen, woher und wohin, Zweck der Reise usw., fragte er nach unseren Wertsachen. Wieder mussten wir unsere Zollerklärung vorlegen und unsere gut verstauten Schätze offenbaren.

Wir gaben vor, kein Englisch zu verstehen. Umständlich nahmen die Herren unsere Sachen in die Hand, umständlich wurden sie wieder auf den Tisch gelegt, wieder hervorgenommen. Für uns war klar, ohne Bakschisch kommen wir hier nicht raus. Wer verliert die Nerven? Keiner, nach langen Minuten, vielleicht einer Viertelstunde, durften wir zum Bus - das wäre geschafft!

Es sind gut 400 km bis Bishkek, wir fahren rund 4 1/2 Stunden, nach 4-stündiger Fahrt sind wir an der Grenze.

Wilfried muß auf der kirgisischen Seite kurz aussteigen, kommt aber gleich wieder in den Bus, kein Problem. Der kirgisische Grenzer erscheint uns freundlicher als seine Kollegen auf der anderen Seite.

Wir haben im Bus, der nur zur Hälfte gefüllt ist, je einen Fensterplatz und können entspannt die Landschaft genießen. Besonders spannend war es unterwegs nicht, ich fühlte mich durch die endlose Grassteppe und die vielen Schafe an Patagonien erinnert. Kleine Orte mit blauen Hütten liegen am Weg, ab und an sieht man einen Reiter oder einen Schäfer. Einmal werden wir von der Miliz angehalten, der Fahrer zückt sein Portemonnaie und schon geht's weiter.

In Bishkek angekommen tauschen wir im Busbahnhof etwas Geld und nehmen, zusammen mit einem Schweizer, ein Taxi zum Hotel im Business-Center. Im 4. Stock sind Zimmer der Business-Class, wir nehmen mit einem Doppelzimmer parterre in der Economie-Class vorlieb.

Der Schweizer, ein Postbeamter, der acht Monate Urlaub sammeln kann, war mit der Eisenbahn über Moskau nach Almaty gekommen und dann im selben Bus wie wir nach Bishkek weitergefahren.

Den Nachmittag verbringen wir zusammen, genießen die ruhige Atmosphäre in der Innenstadt und wundern uns, dass es doch tatsächlich an bester Stelle, vor dem Museum, noch ein gewaltiges Lenin-Denkmal gibt.

Bishkek gefällt uns, wir haben schönes, sonniges und warmes Herbstwetter, die Stadt ist übersichtlich, die Menschen sind freundlich. Hier kann man es gut aushalten. Die Stadt hat imposante Gebäude, breit angelegte Straßen, einen Vergnügungspark mit Disco, in der Ferne Schneeberge - gerade in der Abendsonne ein wunderschönes Panorama.

Entlang der Straßen haben viele ambulante Obsthändler ihren Stand aufgebaut. Viele Männer, meist ältere, tragen einen lustigen Hut. Die Menschen lassen es gemütlich angehen, oft sieht man sie in einer kleinen Gruppe zusammen hocken. Eine kleine Änderung in der Zeitverschiebung, jetzt sind es nur noch fünf Stunden Zeitunterschied zu Deutschland.

Im Internet können wir uns über die politischen Ereignisse informieren, mit beklommenem Gefühl verlassen wir das Café.

Der Kauf des Bustickets nach Taschkent war nicht so einfach, die Dame am Schalter versteht weder Deutsch noch Englisch, mit Aufschreiben und gutem Willen gelingt es schließlich doch.

Wir haben noch etwas Zeit und essen im Bahnhofsrestaurant zu Mittag. Hier hat es vor 30 Jahren vermutlich genauso ausgesehen. Es gibt Borschtsch, Brot und Tee für einen Minipreis, insgesamt sind umgerechnet knapp DM 3,-- fällig. Neben der elektronischen Kasse steht noch ein Abakus.

Kreditkarten konnte man selten anwenden, Travellerschecks waren nur in bestimmten Banken einzulösen. In Kirgistan ist ausschließlich Papiergeld im Umlauf, das "Wechselgeld" besteht teils aus Zigaretten, einmal gab es usbekische Münzen zurück (was ich aber erst zu Hause gemerkt habe).

Uns bleibt noch genügend Zeit, um Verpflegung für die Nachtfahrt einzukaufen. Zu unserem Bedauern gab es keine Tour tagsüber und ein Taxi war uns zu teuer. Die Plätze im Bus sind vorgegeben, leider auch unsere. Das Fenster an unserer Seite war durch eine Sperrholzplatte ersetzt, schöne Bescherung. Beim Einsteigen wird noch eine Nachgebühr für das Gepäck abverlangt.

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