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Blick auf Motten

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Bad Brückenau ist erreicht

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Marktplatz Hammelburg

Marktplatz Hammelburg

am nächsten Morgen

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Main und Wein

Main und Wein

Blick auf Würzburg

Blick auf Würzburg

alte Stadtmauer in Heidingsfeld

alte Stadtmauer in Heidingsfeld

Rathaus Giebelstadt

Rathaus Giebelstadt

Glaubensbekenntnis

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Oberhausen

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alte Tauberbrücke

alte Tauberbrücke

Blühende Landschaften

auf Schusters Rappen durch Deutschland

Im Freistaat Bayern

27.08.2015 Speicherz bis Bad Brückenau 9 km

Das heutige Tagespensum ist leicht zu schaffen. Mein Problem bei der Tagesplanung ist, dass ich einen Zielort finde, in dem es entweder ein Hotel oder einen Bahnhof, zumindest einen Busanschluss, gibt. Und da bietet sich Bad Brückenau an.
Kurz hinter Speicherz komme ich gleich vom Marienweg ab und ein freundlicher Mann bringt mich zum richtigen Ausgangspunkt. Er fährt mit Freunden den Jacobsweg auf dem Fahrrad und sie haben bereits über 1.400 Kilometer geschafft und die Rhone in Frankreich erreicht. Er meint, wenn er mich zurückbringt könne ich mich noch ein wenig erholen, denn anschließend geht es auf einer Strecke von drei Kilometern den Berg hinauf. Jeder, der mich kennt, weiß, dass meine Kondition und ich nicht gebirgskompatibel sind und entsprechend ehrfürchtig setze ich die Wanderung fort.
Doch der Weg ist gut zu schaffen, ich bin ausgeruht, die Temperatur bewegt sich anfangs noch unter 20 Grad und es macht einfach Spaß, über den 584 Meter hohen Volkersberg zu wandern. In der Ferne sehe ich das zur Diözese Würzburg gehörende ehemalige Franziskaner-Kloster Volkersberg. Heute kommen mir doch tatsächlich ein paar Wanderer entgegen. Eine Frau sammelt Brombeeren am Wegesrand. Auch in Bayern wird es in diesem Jahr eine gute Apfelernte geben, die Bäume sind voller fast reifer Früchte.
Nach zweistündigem Marsch erreiche ich Bad Brückenau und sehe ein Stück der Stadtmauer aus dem Jahre 1260. Ein Touristenbüro im Rathaus verkauft Wanderkarten und ich erwerbe ein Exemplar für die nächste Etappe. Mit dem Bus geht es zurück nach Fulda, oft durch Orte hindurch, die ich auch auf meiner Wanderung in den letzten beiden Tagen gestreift habe. Stolz sinke ich ins Polster meines Sitzes und freue mich über die schöne Landschaft.


21.09.2015 Bad Brückenau bis Hammelburg 30 km


Angereist war ich schon tags zuvor. Ein wundervoller Herbsttag erwartet mich und beschwingt und gut ausgeruht mache ich mich auf den Weg. Über den Ort Buchrasen erreiche ich Oberleichtersbach und kurze Zeit später Unterleichtersbach. Eine Wassertretanlage befindet sich am Ortseingang. Von Schönderling folge ich einem sehr schönen Waldweg bis Hetzlos. Die Sonne meint es gut und ich bedauere, meine Mütze vergessen zu haben. Gern hätte ich eine Pause eingelegt, aber bisher gab es kein Café und das bisher einzige Gasthaus auf dem Weg hat Ruhetag. Dann werde ich doch wieder auf die Bundesstraße gelenkt und erreiche Untererthal. Der mit schönen Blumenkästen geschmückte Landgasthof „Zum goldenen Kreuz“ fällt mir sofort auf und ich freue mich auf ein Erfrischungsgetränk, aber was steht auf einer Tafel angeschlagen: Montags Ruhetag, dienstags geschlossen, Pech gehabt. Ein freundlicher alter Mann stellt seinen Rasenmäher aus und erklärt mir die nächsten günstigen Wanderwege, leider hat er danach große Probleme, den Motor wieder zu starten, ich hoffe, er hatte Erfolg. So gehe ich den Radwanderweg Fulda-Hammelburg weiter, der zeitweise identisch mit dem schon bekannten Fränkischen Marienweg ist. Eine Tankstelle in der Nachbarschaft verkauft leider nur Benzin und kein Wasser, ich hätte doch besser vorsorgen müssen. Die letzte heutige Strecke verbringe ich auf dem Thulba Radweg, schreite über das Flüsschen Thulba, einen Zufluss der Fränkischen Saale, und erreiche bei strahlendem Sonnenschein die schöne Stadt Hammelburg. Es soll sich um Frankens älteste Weinstadt handeln. Die auf einem Berg errichtete Burg Saaleck ist weithin sichtbar. Mein Hotel, das Weinhotel Müller, liegt direkt am Marktplatz, doch vor dem Einchecken nehme ich erst einmal draußen vor einer Cafeteria Platz und stille meinen Durst. Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt darf natürlich nicht fehlen. Besonders beeindruckt bin ich vom Markt mit dem Rathaus und dem Marktbrunnen. Etwas verwundert bin ich über ein Bild von Franz-Josef Strauß in einem Schaukasten, schließlich ist er vor mehr als 20 Jahren gestorben. Abends esse ich auf der Hotelterrasse, Petrus hat ein Einsehen, und gönne mir einen fränkischen Sauerbraten, garniert mit ein paar Gläsern Wein aus hiesigem Anbau.


22.09.2015 Hammelburg bis Retzbach 38 km

Eingestellt habe ich mich auf eine Tagesleistung von rund 28 Kilometern. Aber leider kommt es anders, da ich immer probiere, eine alternative Strecke zur B 27 zu finden. Doch der Reihe nach: Am Stadtausgang gehe ich über die Fränkische Saale, habe wieder einen guten Blick auf die Burg Saaleck und erreiche den Ort Untereschenbach. Hier verlasse ich den Radweg parallel zur B 27, gehe einen Berg hinauf und auf einem kleinen Pfad, den mir eine Briefzustellerin empfiehlt, nach Obereschenbach. Dann allerdings hat mich die Bundesstraße wieder. Bei einsetzendem Regen erreiche ich den Landkreis Main Spessart. Der Wetterbericht hatte vor einigen Tagen, als ich die Strecke recherchierte, für heute gutes Wetter angekündigt, Niederschlag sollte es erst morgen geben. In Weyersfeld frage ich einen Bauern und der rät mir, einen kleinen Nebenweg bis Höllrich zu nehmen. Über Hessdorf und Karsbach erreiche ich Gössenheim, die letzten Kilometer leider wieder auf der viel befahrenen Straße ohne Bürgersteig oder Radweg. Eine freundliche Frau in einem Bäckerladen, wo ich eine kleine Pause einlege, kennt einen ruhigen Fahrradweg bis Eußenheim, leider finde ich ihn nicht auf Anhieb und ein ebenfalls freundlicher junger Mann ist mir noch einmal behilflich. Es wäre eine schöne Wanderung geworden, wenn denn der Regen aufgehört hätte, so sehe ich die ersten Weinberge nur durch einen kleinen Schleier. Eine gefühlte halbe Stunde gehe ich an einem Feld mit Photovoltaikanlagen vorbei. Eußenheim scheint sich ganz dem Weinanbau verschrieben zu haben. Mehrere Weingüter preisen ihren Federweißen an. Weiter geht es auf einer für den Durchgangsverkehr gesperrten Landstraße bis Schönarts mit der schönen Ottilien-Kapelle. Ein älterer Mercedesfahrer hält an und fragt, ob er mich mitnehmen dürfe. Zähneknirschend muss ich das Angebot leider ablehnen und quäle mich dann bis Stetten. Hier gilt es, wieder einen Berg zu erklimmen. Leider ist mein Handy nass geworden und als Navi im Moment nicht zu gebrauchen. Denn sonst hätte ich im nächsten Ort, in Retzbach, mein gebuchtes Hotel angesteuert. So aber gehe ich über den Main nach Zellingen, denn so lautet der Ort auf der Buchung, frage einen Radfahrer nach dem Weg, wandere am Fluss entlang bis zur nächsten Brücke, überquere den „Weißwurstäquator“ ein weiteres Mal und bin endlich, nach mehr als achtstündigem Marsch, am Ziel. Erschöpft belege ich mein Zimmer und belohne mich abends mit einem köstlichen Winzerbraten.


23.09.2015 Retzbach bis Würzburg 20 km

Heute hätte es laut Wettervorhersage regnen sollen, aber es bleibt, glücklicherweise, trocken und ich kann mein Cape im Rucksack lassen. Am Campingplatz und Freibad vorbei erreiche ich die Ortsgrenze und bewege mich dann bis Würzburg auf einem angenehmen Radweg parallel zum Main, eingerahmt von anmutigen Weinbergen. Ein Mann sammelt Walnüsse unter einem Baum auf und verkündet stolz, dass er für ein Pfund fünf Euro erhält. Gegen 10:00 Uhr erreiche ich das Wein- und Clematisdorf Erlabrunn. Wieder befinde ich mich auf dem Fränkischen Marienweg. Vor Margetshöchheim staune ich über den Beachvolleyballplatz am Ortseingang, so eine Anlage hätte ich hier nicht erwartet. Eine große Brücke überspannt den Main, ich bleibe aber auf derselben Seite. Hin und wieder pflücke ich mir eine reife Frucht von den Äpfel- oder Pflaumenbäumen und pausiere eine Weile auf einer der vielen Bänke mit Blick auf den Fluss. Auch die hiesigen Weinbauern preisen ihren Federweißen an. Hinter Markt Zell komme ich am Kloster Oberzell vorbei, wo auch eine Montessori-Schule untergebracht ist. Dann ist Würzburg erreicht und ich muss den schönen Pfad verlassen. Am Exerzitienhaus Himmelspforten vorbei erreiche ich die Innenstadt und gehe wieder über die Mainbrücke dem Bahnhof entgegen. Bisher war ich zweimal in Würzburg, letztmalig im Oktober 2013. Damals schrieb ich im Reisebericht:
 
„Die zu Unterfranken gehörende Stadt, etwa 125.000 Einwohner, wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Eine große Rolle spielt die Bildungspolitik, so ist hier die älteste Universität Bayerns ansässig.

Bis zur Residenz sind es nur ein paar Minuten. Dieses ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Schloss dient heute überwiegend als Museum. Schnell erwerbe ich eine Eintrittskarte, betrete das historische Gebäude und bin ergriffen. Das von Balthasar Neumann hergestellte Treppenhaus mit seinem die vier Erdteile darstellenden Deckenfresko von Tiepolo ist für sich allein die Anreise wert. Der Weiße Saal und der Kaisersaal mit den Werken von Bossi und Tiepolo erscheinen mir einmalig. Langsam schlendere ich durch die unbeschreiblich schönen Räume und überlege, wie es hier in dieser Fülle von Kunst und Prunk wohl früher zugegangen sein mag.

Auch der Hofgarten mit seinen Laubengängen, Pflanzen Skulpturen und Putten ist ein beliebter und interessanter Platz. Gern verweile ich hier und genieße das Ambiente. Um dem Boden wieder Kraft zu geben, wurden die Rosen durch Gründünger, der momentan in hoher Blüte steht, ersetzt.

Auf dem Weg zurück in die Innenstadt komme ich an der alten Universität und am Dom vorbei, das Neumünster erkenne ich aus einiger Entfernung. Nach dem Mittagessen unter freiem Himmel gehe ich noch auf die Alte Mainbrücke, die meines Erachtens an die Karlsbrücke in Prag erinnert, und habe eine wundervolle Aussicht auf die Festung Marienberg.“


28.03.2016 Würzburg bis Giebelstadt 23 km

Der Winter hat sich abgemeldet und der Wetterbericht verspricht ideale Wandervoraussetzungen. Also den Rucksack gepackt, Hotels und Zug gebucht und ab nach Würzburg. Nach gut dreistündiger Fahrt erreicht der ICE pünktlich die fränkische Metropole und beschwingt mache ich mich auf den Weg. Aber es dauert doch geraume Zeit, bis ich den Main auf der Konrad-Adenauer-Brücke überqueren kann. Es ist sehr windig und einige Male fliegt meine Mütze weg. Einen Kilometer bewege ich mich wohl am Fluss entlang, bis ich Familie Kunz treffe. Sie machen einen Spaziergang und empfehlen mir, mich in Richtung Rottenbauer zu orientieren. Da sie nichts Besseres vorhaben und sich sowieso bewegen wollen, begleiten sie mich durch den Vorort Heidingsfeld bis zum Fahrradweg. Ein paar Saatkrähen verursachen einen gehörigen Krach, auf einem Feldweg neben der alten Stadtmauer liegt ein schwarzer BH in einer Pfütze. Frühling lässt sein blaues Band …

Ein schöner Weg führt nach Rottenbauer, von dort gehe ich nach Fuchsstadt, neben mir umgepflügte Maisfelder und Äcker mit Wintergetreide. Einige Büsche stehen schon in heller Blütenpracht, andere in zartem Grün. Es ist sehr hügelig, zeitweise gehe ich auf dem schon bekannten Fränkischen Marienweg. Haarige Raupen liegen auf dem Sandboden. In Essfeld, kurz vor dem Ziel, fängt es leider an zu regnen. Die Zehntageswettervorhersage hat keinen guten Job gemacht.

Nach gut fünfstündiger Wanderung erreiche ich Giebelstadt und checke im Fränkischen Gasthof Lutz ein. Da die gastronomische Abteilung heute Ruhetag hat, gehe ich ins Zentrum und bestelle mir in Scheckenbach´s Restaurant, passend zum Osterfest, einen Lammbraten. Auf dem Heimweg ist es kühl und regnerisch, der Ort dunkel. Zum Glück hatte ich vorher im Hotelzimmer die Heizung angestellt.


29.03.2016 Giebelstadt bis Tauberrettersheim 24 km

Heute werde ich ein Stück durch das romantische Taubertal gehen. Mein linkes Knie schmerzt und so kaufe ich mir in der benachbarten Apotheke eine Tube Voltaren – und es hat gut geholfen. Im Hotel erhalte ich keine Hinweise oder Ratschläge, wie ich die Bundesstraße umgehen kann, also zunächst weiter auf der B 19 bis Herchsheim. Auf Schildern und Postern ist zu lesen, dass sich die Bewohner des Dorfes eine Umgehungsstraße wünschen. Immer, wenn mir LKWs entgegenkommen, muss ich für einen Moment meine Mütze festhalten. In Euerhausen frage ich einen Bauern nach möglichen Alternativstrecken und er rät mir, über seinen Hof zum nächsten Feldweg zu gehen und dann auf sogenannten landwirtschaftlichen Bedarfs- oder Flurbereinigungspfaden, Heini aus Ensen hat sie vor Jahrzehnten „Hasenstraße“ genannt, nach Sächsenheim zu gehen. Ein guter Rat, denn jetzt habe ich Ruhe, keinen Verkehrlärm mehr und kann mich auf die schöne Landschaft konzentrieren. Zwar scheint die Sonne ab und zu, aber es ist windig und kühl und in den letzten Tagen muss es hier viel geregnet haben, denn auf den Feldern sind große Wasserlachen zu erkennen. Über Riedenheim geht es bis Oberhausen, mittlerweile habe ich einen gut ausgeschilderten Fahrradweg erreicht. Auf der rechten Seite wird auf einen archäologischen Wanderpfad hingewiesen, links übt der Fallschirmsportclub Oberhausen. Rehe äsen in der Ferne, ein Hase hoppelt aufgeregt über das Feld. Den Ortseingang ziert eine kleine Kirche.

Nachdem ich Strüth erreicht habe, gehe ich an Weinbergen vorbei meinem nächsten Ziel entgegen. Über eine von Balthasar Neumann im Jahre 1733 erbaute und 1980 restaurierte Steinbrücke überquere ich die Tauber und erreiche die in einem Talkessel gelegene Stadt Tauberrettersheim. Ein Schild preist diesen Ort als Heimatgemeinde der Weinköniginnen an. Im Hotel Krone werde ich die nächste Nacht verbringen.

Jetzt habe ich noch genügend Zeit, die Stadt im Landkreis Würzburg, die letzte bayrische Gemeinde auf meiner Wanderung, zu erkunden. Es gibt einen Tretpfad, um sich nach alter Kneippscher Tradition zu erholen, einen Judenhof und eine Judengasse. In der Bäckerei Schmitt erhole ich mich bei einer Tasse Kaffee und erhalte vom Chef persönlich wertvolle Hinweise für den weiteren Verlauf meines Marsches. Bäckermeister Schmitt ist hervorragend informiert und ich freue mich, ihn getroffen zu haben, denn mein Kartenmaterial für die nächsten 20 Kilometer ist eher dürftig.

Abends esse ich im Hotel Krone, bin dann allerdings einziger Gast im Lokal und wechsele deshalb zum „Hirschen“. Hier trinke ich ein paar Gläser fränkischen Silvaner aus dem Nachbarort und gehe dann, denn auch hier ist kein anderer Kunde mehr, ins Hotel zurück. Kein Problem, im Fernsehen wird das erfolgreiche Länderspiel Deutschland gegen Italien übertragen.

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