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Marienburg 1

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Marienburg 2

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Marienburg 3

Marienburg 3

auf der Nehrung

auf der Nehrung

Storchennest mit Einlieger

Storchennest mit Einlieger

Polens Norden

Danzig, Marienburg, Frische Nehrung und Zoppot

Ein Tagesausflug ins Umland

Marian ist pünktlich zur Stelle, die Sonne lugt wieder zwischen den Wolken hervor. Beschwingt und erwartungsvoll machen wir uns auf den Weg. Wir hatten auch andere Taxifahrer nach dem Preis für eine Rundfahrt gefragt, aber das Angebot behagte uns nicht. Unser sympathischer Chauffeur hat deutsche Vorfahren, eine geraume Zeit in der Bundesrepublik gewohnt und ist der deutschen Sprache mächtig, was wollen wir mehr. Auf gut ausgebauten Straßen geht es vorwärts, wir kommen durch kleine Dörfer oder Ortschaften, sehen das zarte Grün auf den Roggenfeldern und fahren an einer riesigen Apfelplantage vorbei. Einmal überqueren wir die Weichsel. Nach einer guten Stunde erreichen wir Marienburg oder, wie es im Lande heißt, Malbork und befinden uns nach wie vor in der Woiwodschaft Pommern. Natürlich besuchen wir die am Ufer des Flüsschens Nogat gelegene Burganlage. Heute ist Dienstag und einer Besichtigung steht nichts im Wege, beim letzten Besuch, an einem Montag, konnte ich mir nur die Außenanlage ansehen.

Im Ort Marienburg wohnen derzeit etwa 38.000 Menschen. Die Burg war von 1309 bis 1457 Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und dadurch Hauptstelle und Machtzentrum des Deutschordensstaates. 10 Millionen Backsteine hat das im 13. und 14. Jahrhundert errichtete Bauwerk verschlungen und die Reiseführer überbieten sich mit Superlativen: größte Backsteinburg Europas, gewaltigste Anlage der alten Deutschritter, mächtigste Burg der deutschen Backsteingotik, flächenmäßig nur vergleichbar mit dem Kreml in Moskau und dem Hradschin in Prag.

Die Anlage teilt sich in drei Bereiche auf: der Vorburg, dem Hochschloss und dem Mittelschloss mit Hofmeisterpalast. Sie misst über 600 Meter Länge. Beim Entrichten des Eintrittsgeldes wird uns ein Audiophon überlassen und so stehen uns bei der Besichtigung der einzelnen Gebäude die wichtigsten Informationen zur Verfügung. Gemütlich wandere ich auf dem Areal entlang, sehe mir Figuren der Hochmeister an, Buntgläser aus der Kirche, den Kapitelsaal, die Mühle oder den Rosengarten. Bilder vermitteln einen Eindruck, wie es hier 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat, als die Burg von der Roten Armee zerstört war. Ein Steg führt über die Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel, und am anderen Ende hat man einen hervorragenden Blick auf die Gesamtanlage. Es stört mich etwas, dass für die Benutzung der Nasszellen eine Gebühr erhoben wird.

Ein Besuch von Marienburg lohnt sich, denn so viele Schulklassen, die uns begegnen oder einzelne Räume lautstark in Beschlag nehmen, können sich gar nicht irren. Mittlerweile hat sich der Parkplatz gefüllt, wir steigen ins Auto und fahren in nördlicher Richtung davon. Fast jeder Ort darf sich über ein paar Storchennester freuen, die meisten davon sind bewohnt und ergeben ein wunderbares Bild. Einmal beobachten wir unterwegs, wie ein Fuchs von einer Elster verfolgt das Weite sucht. In der Nähe kann Szutowo, das ehemalige Konzentrationslager Stutthof, besichtigt werden. Ein paar Kilometer weiter befinden wir uns schon auf der Frischen Nehrung und können dann und wann einen Blick auf das Frische Haff werfen. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Abstecher in unsere Rundfahrt mit einbauen können, beim letzten Mal hatte ich mir den Besuch wegen heftigen Regens versagt. Am frühen Nachmittag erreichen wir nach einer sehr angenehmen Fahrt durch eine schöne Waldlandschaft Krynicka Morska, dtsch. Kahlberg, und befinden uns somit im Zentrum der Nehrung.

Marian sucht einen schattigen Parkplatz, wir steigen aus und gehen über einen Holzsteg an den kilometerlangen weißen Ostseestrand. Ein paar ältere Damen sitzen auf einer Bank, haben ihre Bluse abgelegt und lassen sich, oben nur noch mit BH bekleidet, von der Sonne wärmen. Wir gehen über den weichen Sand ans Wasser und wundern uns über den unerwarteten Betrieb. Später essen wir in einer Imbissgaststätte zu Mittag. Heute gibt es Dorsch zu einem guten Preis und in einem Umfang, dass wir schon der Meinung sind, auf das Abendessen verzichten zu müssen. Es schmeckt hervorragend und guter Dinge gehen wir zum Auto zurück. Gegen Abend erreichen wir Danzig und verbringen die letzten Stunden des ereignisreichen Tages draußen in „Jack´s Bar“ am Langen Markt. Nach kurzer Zeit sind alle Plätze belegt und ein paar Musiker unterhalten uns auf angenehme Weise. Zunächst ist es etwas windig und wir müssen beim Kartenspiel etwas improvisieren. Später, beim Einsetzen der Dunkelheit, werden die Kerzen, alle auf kleinen Jack Daniels-Flaschen befestigt, angezündet. Nun weht nur noch ein laues Lüftchen. Reisen ist doch herrlich.



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