Home # Reiseberichte # Europa # Schönes Deutschland 4 # Orte / Städte an der Romantischen Straße  · 
Bilder
Infokarte

Infokarte

Zwillingshäuser und Münster St. Johannes

Zwillingshäuser und Münster St. Johannes

Rathaus Bad Mergentheim

Rathaus Bad Mergentheim

Residenzschloss

Residenzschloss

Marktplatz von Tauberbischofsheim

Marktplatz von Tauberbischofsheim

eine der 25 Sonnenuhren in Röttingen

eine der 25 Sonnenuhren in Röttingen

Marienaltar in Creglingen

Marienaltar in Creglingen

Schloss Weikersheim

Schloss Weikersheim

Schönes Deutschland IV

Romantik und Wein - Tauber und Rhein

Orte / Städte an der Romantischen Straße

Bad Mergentheim

Am frühen Nachmittag erreiche ich die Stadt. Vor etwa einem Jahr hatte ich einen Teil der südlichen Romantischen Straße bereist und nun erfolgt die Fortsetzung. Ein zentraler Parkplatz ist schnell gefunden und der Marktplatz schnell erreicht. Auch er ist eine absolute Augenweide, umrahmt von schmucken Fachwerkhäusern, anmutigen Barockpalais und dem Rathaus aus dem Jahre 1564. Vor ihm steht der achteckige Renaissancebrunnen mit einer Statue des Deutschmeisters Wolfgang Schutzbar, der auch „Milchling“ genannt wurde. Der Blick über den Markt zu den Zwillingshäusern und dem Münster St. Johannes dahinter ist einmalig. Über 20.000 Einwohner zählt die an der Tauber gelegene und von zahlreichen Brunnen geschmückte Stadt, auch bekannt wegen ihrer umfassenden Gesundheitskompetenz. Eduard Mörike hatte Bad Mergentheim im Jahre 1837 während einer Kur kennen gelernt und wohnte hier von 1844 bis 1851. Als Pfarrer abgesetzt konnte er sich hier ganz dem Schreiben widmen.

Dann wird es Zeit für einen Besuch des ehemaligen Residenzschlosses der Hoch- und Deutschmeister. Zunächst sehe ich mir die Kirche mit den schönen Deckenmalereien an und erreiche dann über eine Wendeltreppe die obere Anlage mit dem Deutschordensmuseum. Hier wird über die Geschichte des Deutschen Ordens berichtet, der Kapitelsaal und eine Puppenküchen- oder -stubenausstellung sind unter anderem zu besichtigen. Anschließend bleibe ich noch ein paar Minuten im Schlosspark mit seinen künstlichen Wasserläufen.

Bei der Weiterfahrt, leider hat es angefangen zu regnen, weisen immer wieder Schilder auf die Romantische Straße hin. Aber es ist gut zu fahren, der Autoverkehr hält sich in Grenzen und so bin ich gespannt auf mein nächstes Ziel. Leider drücken die ständigen Überschwemmungsnachrichten im Autoradio meine Stimmung.


Tauberbischofsheim


Die Kreisstadt des Main-Tauber-Kreises, gut 13.000 Einwohner, ist eine der ältesten Städte des Lieblichen Taubertals. Bekannt wurde sie durch den erfolgreichsten Fechtclub der Welt mit Emil Beck als „Medaillenschmied“. Glücklicherweise zeigt sich die Sonne wieder, als ich die Tauber überschreite und kurz danach den romantischen Marktplatz betrete. Und wieder bin ich mehr als angetan: das neugotische Rathaus, barocke Bauten, prächtige Fachwerkhäuser, die Alte Post aus dem 17. Jahrhundert und die Sternapotheke. Interessant finde ich auch, dass mitten auf dem Markt ein Sandkasten und Spielgeräte für Kinder aufgebaut wurden. Doch plötzlich ist es mit der andächtigen Begeisterung vorbei, ein Gewitter mit Starkregen setzt ein und ich kann gerade noch unter den Sonnenschirm einer Eisdiele flüchten.

Eine gute halbe Stunde später ist der Spuk vorbei und ich schlendere zur St. Liobakirche, einer früheren Kirche des aufgelösten Franziskanerklosters, erbaut im Jahre 1650 und 1735 im barocken Stil erweitert. Der Altar und die Kanzel werden mir nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das Kurmainzische Schloss mit dem Türmersturm ist mein nächster Besichtigungspunkt, doch es ist geschlossen und ich kann es mir nur von außen anschauen. Gefallen hat mir der Brunnen mit der „Bischemer Kröte“, so soll der Spitzname der Einwohner dargestellt werden.

Und dann setzt der Regen wieder ein. Als ich wieder unter einem Sonnenschirm Schutz suche, erkenne ich auf der anderen Straßenseite das Weinlokal „willvino“, was natürlich eine willkommene Option ist. Die freundliche Mitarbeiterin (Chefin?) kredenzt mir ein paar Gläser Wein aus der Umgebung, Grauburgunder und Müller-Thurgau, und ist mir auch bei der Beseitigung eines Handy-Problems behilflich. Wir unterhalten uns eine gute Stunde und sie empfiehlt mir dann den „Badischen Hof“ zum Abendessen. Hier speise ich anschließend und probiere ein Glas Scheurebe. Leider hat die Gastronomie im Hotel nicht geöffnet und es bleibt mir nur die Minibar.

Fanfaren wecken mich am nächsten Morgen, ich weiß aber nicht, woher sie kommen. Viel wichtiger: um 9:00 Uhr scheint die Sonne, also auf zu neuen Exkursionen.


Röttingen


Der Weinort, ca. 1.800 Einwohner, ist schnell erreicht. Er liegt an der Einmündung des Rippbachs in die Tauber, eingebettet in sanfte Hügel und fränkische Weinberge. Röttingen wird von einer alten Stadtbefestigung mit einigen gut erhaltenen Wehrtürmen umrahmt. Auch hier treffe ich einen historischen Ortskern an, auch hier begeistert der Marktplatz mit seinen pittoresken Fachwerkhäusern und dem barocken Rathaus. Bekannt ist Röttingen wegen seines rund zwei Kilometer langen Sonnenuhrenweges, den ich aber nur zu einem Viertel bis zum Schneckenturm abschreite. Etwa 25 dieser alten Zeitmesser soll man hier vorfinden, fünf dieser Unikate habe ich mir angesehen. Jede Sonnenuhr ist mit einem Spruch versehen, der bekannteste lautet natürlich: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit´ren Stunden nur“. Im Innenhof der Burg Brattenstein finden jährlich die Frankenfestspiele Röttingen statt. Zufrieden setze ich mich ins Auto und, nachdem ich dreimal über eine Tauberbrücke gefahren bin, geht es mit einer neuen Erfahrung weiter.


Creglingen


Creglingen, ca. 5.000 Einwohner, wurden im Jahre 1349 vom damaligen Kaiser Karl IV. die Stadtrechte verliehen. Hier konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Herrgottskirche im gleichnamigen Tal, etwa zwei Kilometer außerhalb des Stadtkerns gelegen. Sie wurde der Legende nach errichtet, weil ein Bauer beim Pflügen an dieser Stelle eine unversehrte Hostie fand. Aber ihre eigentliche Berühmtheit erlangte sie durch den Marienaltar, dem angeblich schönsten Schnitzwerk von Tilman Riemenschneider, der von 1460 bis 1531 lebte, begnadeter Künstler und auch Bürgermeister von Würzburg war. Nachdem die Kirche evangelisch wurde geriet dieses außerordentliche Kunstwerk über 300 Jahre in Vergessenheit.

Der Altar steht auf einer Steinbasis an der Stelle des Hostienfundes und bildet eine spätgotische Monstranz nach. Er zeigt die über den Aposteln zum Himmel auffahrende Maria, darüber die Krönung Mariens. Auch die Seitenflügel präsentieren, natürlich, kirchliche Motive, ebenso die Seitenaltare. Gegenüber des Sakralgebäudes kann ein Fingerhutmuseum mit etwa 3.500 Exemplaren besichtigt werden, aber das ist nicht so nach meinem Geschmack. Lieber wende ich mich meinem neuen Ziel zu.


Weikersheim

Auch dieser Ort mit gut 7.500 Einwohnern ist romantisch in die Weinberge des Lieblichen Taubertals eingebettet. Auch hier finde ich einen Marktplatz von einzigartiger Geschlossenheit vor und erfreue mich an der gotischen Stadtkirche, dem Rokoko-Brunnen und den stattlichen Häusern. Natürlich sehe ich mir auch das prunkvolle Renaissanceschloss mit einem der schönsten Schlossgärten Deutschlands an. Die heutige Form des Gebäudes entstand nach dem 30jährigen Krieg, wurde im frühen 18. Jahrhundert im Barockstil eingerichtet und die originale Ausstattung ist bis heute in vollem Umfang erhalten geblieben.

Überwältigt bin ich beim Anblick des 40 Meter langen Rittersaals mit seiner Kassettendecke, den Deckengemälden mit Jagdszenen, den Geweihen und dem Kamin mit seinen Reliefs. Leider darf hier nicht fotografiert werden, aber die freundlichen Aufseherinnen erlauben mir, von hier oben den Schlossgarten abzulichten. Draußen findet eine Opernprobe statt: Carmen. Der schon genannte barocke Garten wurde nach dem Vorbild von Versailles angelegt, perfekt symmetrisch mit Beeten, Wasser, Statuen und einer Orangerie. Nach diesem Spaziergang ist für mich auf dieser Reise die letzte Station an der Romantischen Straße erreicht und ich widme mich nunmehr dem zweiten Motto: dem Wein.

Reisebericht bewerten (bisher 0 Stimmen)