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Niederwaldtempel

Niederwaldtempel

Niederwalddenkmal

Niederwalddenkmal

Drosselgasse

Drosselgasse

Brömserburg

Brömserburg

Schönes Deutschland I

Orte und Stätten, die ich immer mal (wieder) besuchen wollte

Rüdesheim

Ein Zimmer im historischen Weinhotel des Riesling „Zum grünen Kranz“ hatte ich vor ein paar Stunden von unterwegs gebucht. Auf einem zentralen Parkplatz stelle ich mein Auto ab und gehe zum Hotel. Beim Einchecken werde ich mit einem Glas Wein begrüßt. Später wird mir eine Kellnerin erklären, dass es sich um eine Weinschorle mit Zimt handelt – das werde ich zu Hause auch einmal ausprobieren.

Im Herbst 1983 war ich das bisher einzige Mal in dieser Stadt mit knapp 10.000 Einwohnern, die wohl zu einer der meistbesuchten Fremdenverkehrsorte am Niederrhein zählt. Zusammen mit Elisabeth habe ich das Rheintal bereist, gewohnt haben wir in Bacharach und von dort Fahrten nach St. Goar, Boppard etc. unternommen. Aufgrund des wunderbaren Wetters beginne ich die Stadterkundung mit einer wunderbaren Seilbahnfahrt zum Niederwalddenkmal. Wegen Corona darf ich die Kabine allein benutzen und habe somit tolle Ausblicke zu allen Seiten. Ich kann mich gar nicht satt sehen, so habe ich Panoramaansichten auf Bingen, die Nahemündung, den Rhein und natürlich auf die Weinberge und Rüdesheimer Altstadt mit der Brömserburg, in der sich das Rheingauer Weinmuseum befindet.

Am Niederwaldtempel aus dem 18. Jahrhundert vorbei erreiche ich nach kurzer Zeit das berühmte Denkmal. Zahlreiche Besucher stehen in Fotopose davor oder genießen an der Balustrade die Aussicht auf das Rheintal. Zum Gedenken an die Gründung des Deutschen Reichs wurde die 10,5 Meter hohe Statue der Germania errichtet. Von hier kann man auch mit der Seilbahn bis Assmannshausen weiterfahren.

Nun wird es aber Zeit für eine der berühmtesten Straßen Deutschlands. Der Besucherandrang in der Drosselgasse hält sich in Grenzen, das habe ich anders in Erinnerung. Damals hatten wir Probleme, einen freien Platz in einem Weinlokal zu finden und die Livemusik, die aus vielen Lokalen zu hören war, hatte ich schon besser erlebt. Heute am späteren Nachmittag ist noch keine Band auf einer Bühne zu sehen.

Jetzt erscheint mir der Zeitpunkt günstig, die heimischen Produkte zu probieren und im Weingarten vom „Lindenwirt“ in der Drosselgasse bestelle ich eine Karaffe Riesling. Diese Sorte und der rote Spätburgunder wachsen an den Lagen von Rüdesheim. Der Weinbau hat im Rheingau eine jahrtausendealte Tradition.

In der Stadtbroschüre wird das Restaurant meines Hotels empfohlen und so suche ich mir einen freien Platz im Wintergarten. Als besondere Spezialität des Hauses wird auf Tannenholz geräucherter hausgemachter Schinken gepriesen – und das möchte ich probieren. Es schmeckt hervorragend, später wechsele ich von Riesling zu Weißburgunder und bleibe den ganzen Abend diesem Gewächs treu. Auf der gegenüberliegenden Seite sind auch Sitzmöglichkeiten vorhanden, hier unterhalte ich mich ein paar Stunden mit drei Gästen aus den Niederlanden, die schon viel von der Welt gesehen haben, aber auch froh sind, diese attraktive Gegend besuchen zu können. Zum Schluss gehe ich noch einmal in die Drosselgasse, aber, vermutlich wegen Corona, werden die Lokale gerade geschlossen und ein Duo, bestehend aus Geige und Saxofon, spielt sein Abschiedslied.

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