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Berliner Tor in Templin

Berliner Tor in Templin

Karte

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Boitzenburger Schloss

Boitzenburger Schloss

Küchenteich in Boitzenburg

Küchenteich in Boitzenburg

Prenzlau: St. Marienkirche

Prenzlau: St. Marienkirche

Uecker in Ueckermünde

Uecker in Ueckermünde

Schloss der Pommerschen Herzöge

Schloss der Pommerschen Herzöge

Schwedt: Berlischky-Pavillon

Schwedt: Berlischky-Pavillon

Die "Heiden von Kummerow" vor dem Angermünder Museum

Die "Heiden von Kummerow" vor dem Angermünder Museum

Zisterzienserkloster in Chorin

Zisterzienserkloster in Chorin

Durch die Uckermark nach Stettin

Uckermark I

Bei Neuruppin verlasse ich die Autobahn, fahre durch den Ort und anschließend durch Altruppin und was sehe ich auf einem Feld neben mir? Hunderte von Kranichen, die hier pausieren und sich für den Weiterflug stärken, ein herrliches Bild. Heute werde ich mich im Bundesland Brandenburg aufhalten, Templin, auch „Perle der Uckermark“ genannt und flächengrößte Stadt im Landkreis Uckermark, ist mein erstes Ziel. Ein Parkplatz ist schnell gefunden und bei wunderbarem Herbstwetter beginne ich meinen Rundgang durch die etwa 16.000 Einwohner zählende Stadt, die über Brandenburgs einziges Thermalsoleheilbad verfügt. Natürlich sehe ich mir das Schmuckstück des Ortes an, die 1,7 Kilometer lange Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, flankiert von gotischen Backsteintoren. So schaue ich mir den Eulenturm an und gehe weiter zum Berliner Tor, erblicke das 1751 erbaute Rathaus und erfreue mich über die zahlreichen Fachwerkhäuser. Gewundert habe ich mich über einen Roland, der die Fassade des Amtsgerichts ziert.

Boitzenburg, ein Ort ebenfalls im Landkreis Uckermark, ist mein nächstes Ziel. Hiesige Hauptattraktion ist das Renaissanceschloss, malerisch an einem See gelegen. Früher Erholungsheim der Nationalen Volksarmee dient es heute als Jugendhotel. Der gräfliche Marstall, den ich mir als nächstes anschaue, beherbergt heute ein Restaurant, eine Rösterei und eine Bäckerei. Auf einer kleinen Anhöhe erhebt sich die Kirche St. Marien auf dem Berge. Am Ortsausgang verweile ich noch einen Moment bei der restaurierten Ruine eines Nonnenklosters.

Das Autofahren gefällt mir heute. Auf kleinen Landstraßen durchstreife ich die Gegend, meistens durch Waldgebiete im farbenfrohen Herbstglanz, häufig schimmert das Wasser eines nahen Sees durch die Baumstämme. Manchmal hat man den Eindruck, hier sei die Zeit stehen geblieben. Seen, Wälder, Heidelandschaften und kleine Hügel prägen die Uckermark, die auch als „Toskana des Nordens“ bezeichnet wird. Hin und wieder beschleicht mich der Eindruck, noch oder wieder in der DDR zu sein. 60 Prozent der Fläche unterliegen dem Natur- und Landschaftsschutz. Insgesamt gehören 590 Seen, größer als ein Hektar, zur Uckermark und sorgen für eine Vielfalt von Lebensräumen für die Tier- und Pflanzenwelt. Verwundert nehme ich zur Kenntnis, dass der namensgebende Fluss in Brandenburg Ucker, im Pommerschen jedoch Uecker heißt.

Ein Video über diese Reise kann bei YouTube unter

https://youtu.be/iX9RvoXNaes

abgerufen werden.

Gegen Abend erreiche ich Prenzlau, knapp 19.000 Einwohner, und habe mein heutiges Tagessoll geschafft. Mein schon vorher reserviertes Hotel „Overdiek“ liegt zentral und ist schnell gefunden. Gleich nach dem Einchecken mache ich mich auf den Weg, um im letzten Licht der Abendsonne noch etwas von der Schönheit dieser Stadt zu erleben. Leider hat die mächtige St. Marienkirche mit den zwei wuchtigen Türmen geschlossen. Gleich daneben befindet sich die Heiliggeistkirche, und dann schreite ich durch den Mitteltorturm. Er ist Teil der Wehranlage, erbaut im 15. Jahrhundert, ein achteckiger 30 Meter hoher Wehrgang mit runden Schießscharten. Zum Abendessen bleibe ich im Hotel.

Am nächsten Morgen wandere ich durch den nahen Stadtpark und komme an verschiedenen Türmen der Stadtmauer vorbei, dem Hexen-, Seiler- und Pulverturm, das Stettiner Tor trotzt dem heftigen Verkehr. An der Friedrichstraße wundere ich mich, erst ein Stolperstein, dann schon wieder ein Roland. Im vollständig renovierten Dominikanerkloster, meiner nächsten Anlaufstelle, finden heutzutage Kulturveranstaltungen aller Art statt. Nun noch ein kleiner Spaziergang zum Unteruckersee, dann geht es an der Tuchmachermauer und am Steintorturm zurück und die Reise kann fortgesetzt werden.

Wieder geht es durch eine prächtige Herbstnatur gemütlich weiter, vorbei an gewaltigen Windparks, und schon ist die frühere Hansestadt Pasewalk, gegründet um 1150 und rd. 10.000 Einwohner, erreicht. Nun befinde ich mich im Landkreis Vorpommern-Greifswald und somit in Mecklenburg-Vorpommern. Auch diesen an der Uecker gelegenen Ort schmückt eine alte Befestigungsmauer, jeweils zwei Backstein- und Tortürme sind noch erhalten. Im Zentrum erhebt sich die dreischiffige St. Marienkirche.

Die knapp 9.000 Einwohner zählende Kleinstadt Torgelow ist schnell erreicht. Hier besichtige ich eine alte Burgruine und fahre dann an den Stadtrand ins so genannte Ukranenland. Heute ist die Anlage geschlossen, aber gegen eine kleine Spende darf ich sie dennoch betreten. Direkt an der Uecker wurde eine slawische Händler- und Handwerkersiedlung des 9,/10. Jahrhunderts rekonstruiert. Zwei Zimmermänner sind mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt.

Nun ist der nördlichste Punkt meiner Rundreise erreicht, Ueckermünde, die Stadt, wo die Uecker ins Stettiner Haff mündet. Einen Parkplatz finde ich in der Nähe des Stadthafens. Zunächst schlendere ich durch das Zentrum, muss allerdings warten, da die Zugbrücke gerade geöffnet wird und ein paar Schiffe Vorfahrt haben. Im Herzogsschloss sind heute ein Museum und die Stadtverwaltung untergebracht. Etwas außerhalb überspannt eine schöne alte Holzbrücke den Fluss. Anschließend setze ich mich ins Auto und fahre zur Mündungsstelle ans Stettiner Haff, freue mich über die tolle Aussicht und den riesigen Strand. Hier sollte man im Sommer noch einmal die Weite genießen. In südöstlicher Richtung setze ich die Reise fort und nach ein paar Minuten sind die Landesgrenze und das Land Polen in Sicht.


Stettin/Szczecin

Zehn Kilometer sind es nur noch bis Stettin, doch der Verkehr ist zähflüssig, meistens halten wir und meine Tankanzeige zeigt zum Schluss nur noch 20 Kilometer Restweite an. Eine knappe Stunde später erkenne ich das Übel, wir münden auf einen Kreisverkehr. Dann, endlich, ist eine Tankstelle in Sicht und erleichtert verlasse ich die Fahrbahn. Der Sprit ist hier rund 25 Prozent günstiger als in Deutschland. Weitere 90 Minuten benötige ich, um endlich mein Hotel „Focus Hotel Stettin“ zu erreichen, teils wegen eines starken Feierabendverkehrs, teils wegen gesperrter Straßen und teils aus eigener Schuld.

Stettin, etwa 410.000 Einwohner, liegt an der Oder (Odra), ist Hauptstadt der Woiwodschaft Westpommern und hat eine über 700 Jahre dauernde Geschichte als deutsche Stadt. Es beginnt bereits zu dunkeln, dennoch habe ich keine Probleme mit der Orientierung, denn kleine rote Streifen auf den Fußwegen führen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten, ein Verirren ist unmöglich. Als erstes gehe ich zu einer der Hauptattraktionen der Stadt, nämlich zur 500 Meter langen Hakenterrasse (Wały Chrobrego), 19 Meter über der Oder gelegen. Von diesem Punkt kann man das Oderpanorama genießen und den Stadthafen sehen. Pavillons, schöne Gebäude, in denen sich die Seefahrtsakademie, das Zeitgenössische Theater und das Nationalmuseum befinden. Einfach großartig!

In der Altstadt, der Stary Miasto, geht es zum Schloss der Pommerschen Herzöge, immer wieder renoviert und vergrößert, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und wieder aufgebaut. Von vier Flügel umgeben finden im arkadengesäumten Innenhof Konzerte statt, im fünften Flügel ist das Schlossmuseum untergebracht. Das Alte Rathaus mit seinem gotischen Ziergiebel, am ehemaligen Hauptmarktplatz gelegen, ist ein beliebtes touristisches Ziel, aber auch das Loitzenhaus, ein orangefarbenes Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich jetzt eine Kunsthochschule befindet. Leider hat es nun angefangen zu regnen, nicht stark, aber immerhin. Auf dem Weg zum Hotel komme ich noch am herzoglichen Reitstall und dem Siebenmantelturm vorbei. Ich hatte nicht gedacht, dass Stettin so hügelig ist. Zum Abendessen gehe ich ins benachbarte Restaurant „Columbus“ und erhalte gerade noch den letzten freien Tisch. Zu den Piroggen trinke ich polnisches „Tyske“-Bier, aber es ist nicht besonders gut bzw. professionell eingeschenkt. Also noch ein Absacker an der Hotelbar, hier wird das einheimische „Bosman“ gezapft, lecker. Am nächsten Morgen freue ich mich, dass mein Auto nicht abgeschleppt wurde und ich nicht mal ein Strafticket an der Windschutzscheibe vorfinde. Mit dem Parkautomaten hatte ich Probleme, keine Münzen im Portemonnaie und so auf einen Parkschein verzichtet. In Stettin habe ich ausschließlich mit Creditcard gezahlt. Heute ist der Stadtverkehr nicht so heftig und motiviert und neugierig fahre ich dem Bundesland Brandenburg entgegen. Kurz vor der Grenze hat Amazon ein riesiges Warenlager eingerichtet.


Uckermark II


Nebel ist aufgezogen und es regnet etwas. Das kleine Dorf Gramzow ist schnell erreicht und auf kleinen Wegen fahre ich zur Klosterruine. Hier sieht man Reste einer ehemaligen evangelischen Klosterkirche aus Backstein. Am ehemaligen Bahnhof befindet sich ein Eisenbahnmuseum.

Schwedt an der Oder, die mit über 33.000 Einwohnern bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises Uckermark und einer der bedeutendsten Raffineriestandorte Deutschlands, wird als nächstes angesteuert. Ein zentraler Parkplatz ist schnell gefunden und so habe ich keine Probleme, die touristischen Angebote aufzusuchen. Mit den ortsansässigen Fahrgastschiffen hätte man eine Tour nach Stettin unternehmen können, aber von dort komme ich ja gerade. Beide Kirchen sind noch geschlossen, sowohl die katholische St. Maria Himmelfahrt, als auch die evangelische Pfarrkirche St. Katharinen, ein kreuzförmig angelegter Feldsteinbau. So lasse ich mich einfach treiben, wandere durch den Stadtpark und lande dann beim Berlischky-Pavillon, einer ehemaligen französisch-reformierten Kirche aus dem 18. Jahrhundert. In der Nähe des Amtsgerichts freue ich mich über den Tabakbrunnen, vorher war mir der Brunnen „Mutter Erde“ schon aufgefallen.

In Angermünde, dem „Tor in die Uckermark“, beende ich meine heutige Reise und im „Hotel am Seetor“ werde ich die letzte Nacht meiner Uckermark-Rundfahrt verbringen. Die Stadt mit ihren über 13.000 Einwohnern trägt seit 2010 das Prädikat „staatlich anerkannter Erholungsort“. Vom Hotel sind es nur ein paar Schritte bis zum Markt mit den restaurierten Fachwerkhäusern, dem denkmalgeschützten Rathaus und dem Marktbrunnen. Auch die Marienkirche ist in Sichtweite. Vor dem Museum weist ein Denkmal auf die Heiden von Kummerow hin, die Geschichte soll sich in dieser Gegend zugetragen haben.

Das Franziskanerkloster Peter und Paul ist mein nächstes Ziel, ein Bauwerk der Backsteingotik, das heute als Veranstaltungsort genutzt wird. An der Stadtmauer entlang gehe ich zu der Stelle, an der sich früher das Schwedter Tor befand und sehe ein paar Momente später den alten Pulverturm. Auf dem Weg zum Mündesee komme ich noch an der Heilig-Geist-Kapelle aus dem 15. Jahrhundert vorbei, ein Überbleibsel des früheren im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Spitals. Kurz vor dem Gewässer bemerke ich noch eine alte Mälzerei und eine antike Burgruine. Der Mündesee wirbt mit „Steinzeit der Moderne“, denn an der wunderschönen Promenade können Skulpturen aus eiszeitlichen Findlingen bewundert werden. Leider ist das gastronomische Angebot der Stadt recht übersichtlich und so bleibe ich abends im Hotel und stärke mich im dortigen Restaurant.

Nun ist der letzte Tag dieses sehr interessanten Ausflugs angebrochen. Aber einen Zwischenstopp werde ich noch einlegen, nämlich in Chorin, einer kleinen Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Barnim und im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gelegen. Dieser Ort ist überregional bekannt wegen seines Zisterzienserklosters, einer mittelalterlichen Anlage im Stil der Backsteingotik. Dauerausstellungen informieren über bestimmte Themenbereiche des Klosters, verschiedene Räume, die früher als Küche, Speisesaal oder anderen Zwecken dienten, stehen dem Besucher offen, man findet Spiritualität und Ruhe, kann im Sommer an einer Führung teilnahmen oder sich hier trauen lassen. Der Historische Bahnhof, den ich mir als letztes im Ort anschaue, hat leider geschlossen und kann nur von außen besichtigt werden. Wiederum freue ich mich über ein sonniges Herbstwetter, halte noch kurz am Choriner Amtssee und erfreue mich an den schönen Spiegelungen.

Zügig geht es nach Hause, lediglich in Hamburg-Stillhorn ist ein längerer Stau zu bewältigen, was dazu führt, dass ich das Spiel des ruhmreichen SVW erst mit Verspätung verfolgen kann.

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