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Karte

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Seafield House

Seafield House

Corbière Leuchtturm

Corbière Leuchtturm

Royal Square

Royal Square

im Howard Davis Park

im Howard Davis Park

Great War Arch

Great War Arch

Jersey Kühe

Jersey Kühe

am Liberation Square

am Liberation Square

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Tulpenbaum

Tulpenbaum

Apfelpresse

Apfelpresse

in der Glaskirche

in der Glaskirche

Lobstersalat

Lobstersalat

auf nach Guernsey

auf nach Guernsey

royale Begleitung

royale Begleitung

kleine Kirche

kleine Kirche

in der kleinen Kirche

in der kleinen Kirche

königliche Ziegen

königliche Ziegen

"Kamel und Affe"

"Kamel und Affe"

Candie Gardens

Candie Gardens

Perlen im Ärmelkanal

Jersey - Guernsey

Jersey

Im Weser-Kurier wird diese Reise angeboten, und das als Nonstop-Flug ab/bis Bremen mit garantierter Durchführung. Allerdings buche ich direkt bei „Poppe Erlebnisreisen, Heusenstamm“. Die meisten Mitreisenden hatten bei „Hanseat Reisen“, Bremen, reserviert. Zwei Stunden und 10 Minuten dauert der Flug mit Logan Air, Scotland´s Airline, bis St. Helier, der Hauptstadt von Jersey. Gerne hätte ich heute, am 8. August 2026, den Reiseverlauf auf einem Bildschirm verfolgt, aber dieser Service wird nicht angeboten. Ein Taxi bringt mich zum „Hotel Merton“, der überwiegende Teil kommt im „Pommes d´Or“ unter, es liegt erheblich zentraler. Verwundert stelle ich fest, dass sich die Rezeption, obwohl ich ebenerdig eintrete, im 4. Stock befindet. Der Grund ist schnell gefunden, denn das Haus wurde an einem Berghang gebaut. Meine Uhr muss ich um eine Stunde vorstellen.

Hunger und Durst treiben mich ins Zentrum, etwa 20 Minuten sind zu gehen. So durchquere ich den benachbarten Howard Davis Park mit den schönen Blumenanlagen, der Spielwiese, einem Soldatenfriedhof und der Bronzestatue von König George V. Im „Zephyr“ gönne ich mir ein Abendessen, es ist viel los und der Lautstärkepegel schwillt an. Nebenan, vor dem Jersey-Museum, zeigt eine Skulptur einen Hafenarbeiter, der ein dickes Seil zieht. Auf dem Rückweg komme ich an der entwidmeten „St. James Church“ vorbei, heute ein Jugend- und Kulturzentrum. Dann noch ein Getränk im „Admirals“, einem Pub mit angenehmer Außengastronomie, und schon ist das Hotel erreicht. In der Bar treffe ich zwei charmante Frauen aus Bremen, die von der leckeren Currywurst im „Roland“ schwärmen, dem kann ich mich nur anschließen. Nachts und am frühen Morgen melden sich einige Möwen lautstark.

Nach dem exzellenten Frühstück setzen wir uns in den Bus und steuern unser erstes Ziel an, das „Seafield House“ aus dem Jahre 1809, während des 2. Weltkrieges diente es als Soldatenheim. Es handelt sich um eine denkmalgeschützte Villa im Regency-Stil mit Elementen des griechischen Klassizismus in St. Lawrence und soll eines der schönsten Herrenhäuser von England und Umgebung sein. Das 1809 vom Kaufmann Francois Giffard errichtete Anwesen verfügt über weitläufige von Mauern umgebene Privatgärten sowie ein Arboretum. Gelegentlich wird es für wohltätige Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Anlage befand sich im Besitz bedeutender lokaler Persönlichkeiten, wir werden vom Besitzer persönlich herumgeführt. Eine verborgene grüne Oase mit Kiefern, Kamelien sowie der mit 200 Jahren ältesten und größten Schwarzpappel Jerseys. Zum Gelände gehören seltene Baumexemplare, große Rasenflächen, Feigen, ein mächtiger, historischer Walnussbaum und kanarische Dattelpalmen.
Auf der Weiterfahrt macht uns Rolf, unser sehr gut informierter und stets freundlicher Reiseleiter, mit der Insel vertraut. Er ist im fortgeschrittenen Mannesalter, sehr vital, wohnt seit vielen Jahren auf Jersey, ist mit einer einheimischen Frau verheiratet, hat im Leben viel erlebt und weiß in ansprechender und humoriger Art zu vermitteln. Unser umsichtig und gut fahrender Buslenker heißt Steward.

Jersey ist die größte der fünf Kanalinseln und mit gut 100.000 Einwohnern auch die bevölkerungsreichste. In der Bucht von St. Malo gelegen ist sie etwa 150 Kilometer von Großbritannien und 25 Kilometer von Frankreich entfernt. Neben Englisch wird noch ein normannischer Dialekt gesprochen, allerdings ist Jersey-French oder Jèrriais vom Aussterben bedroht. Die günstige Lage am Golfstrom sorgt ganzjährig für ein mildes Klima und bietet beste Bedingungen für diese einmalige Pflanzenvielfalt. Manchmal habe ich das Gefühl, in der Karibik zu sein. In manchen Reiseführern lese ich von einer Melange aus Savoir vivre und britischer Eleganz, Victor Hugo beschreibt sie als "Ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde“. Verborgende Buchten, atemberaubende Küsten, lange Sandstrände, Südseebotanik, 2.000 Sonnenstunden im Jahr, englische Gartenpracht und französische Küche – Herz, was willst du mehr!

Die Rechtsordnung, nach der sich die Inseln bis heute selbst verwalten, stammt noch aus dem Mittelalter, das britische Parlament spielt keine Rolle, der König von England ist als Duke of Normandy Staatsoberhaupt. Regierungschef im Bailiwick of Jersey (Vogtei) und Bailiwick of Guernsey, mit Alderny, Sark und Herm, ist der jeweilige Bailiff, also der Vogt. Er muss Jurist sein und gilt als höchster Rechtsprecher. Jersey ist in 12 parishes, also Gemeinden oder Kirchspiele, aufgeteilt. Einem gewaltiger Tidenhub von 12 Metern ist es zu verdanken, dass die Insel bei Ebbe, so Rolf, um 19 Prozent an Land gewinnt. Einmal hat es im Winter geschneit. Die Kinder waren so begeistert, bauten Schneemänner, stellten so viele Bilder online, dass der Server zusammengebrochen ist. Auch meint er, dass Banken vom niedrigen Steuersatz, die Einkommenssteuer beträgt 20 Prozent, profitieren und 59 Prozent des Bruttoinlandprodukts bringen.

Bei der Weiterfahrt erkennen wir, dass auch hier die Sommerdürre angekommen ist und es lange nicht mehr geregnet hat. Ein Fasan stellt sich in Pose, es soll viele dieser schönen Tiere geben, da auf der Insel keine Füchse leben. Etliche Bunker, auch deutsche, stehen unweit der Hauptstraße, schließlich wurden die Kanalinseln 1940 von deutschen Truppen besetzt, zur Inselfestung ausgebaut, und erst nach der Kapitulation im Mai 1945 verlassen. Auch Kanonen und Militärkraftfahrzeuge werden gezeigt.

An malerischen Buchen der Südküste vorbei halten wir dann an der Portelet Bay und haben einen wunderbaren Blick auf den Martello-Turm, einen Rundturm zur Verteidigung. Von ehemals 30 existieren noch 14, einige werden wir an den nächsten Tagen sehen. Zum Lunch gehen wir ins Portlet Inn. Danach erfolgt eine aufregende Fahrt entlang der St. Brelade´s Bay und schon sind wir am nächsten Ziel: die Pfarrkirche von St. Brelade, St. Brelade´s Parish Church und die Fischerkapelle, Fishermen´s Chapel. Beide sind aus rauem Granit erstellt, erstere soll eine der ältesten Gotteshäuser auf der Insel sein, sein Chor stammt aus der Zeit vor 1035. Bunte Fenster eines einheimischen Künstlers bringen Licht ins Innere. In der Fischerkapelle, eine der wenigen mittelalterlichen Kapellen auf der Insel, können Fresken aus dem 14. Jahrhundert besichtigt werden.

Nun steigen wir wieder in den Bus und fahren am gut sieben Kilometer langen größten Strand der Insel entlang, an der St. Queen´s Bay. Hier vergnügen sich Surfer, Spaziergänger und andere Sportler. Die deutsche Wehrmacht errichtete hier eine sechs Kilometer lange Panzersperre, die teils noch sichtbar ist. Sanddünen soweit das Auge reicht. Wir steigen aus und haben eine tolle Sicht auf den Corbière Leuchtturm, der bei Ebbe zu Fuß erreichbar ist. 1874 als erster Betonleuchtturm fertig gestellt erhebt er sich auf rotem Granit. In der Nähe steht ein ehemaliger deutscher Beobachtungs- oder Funkturm aus dem 2. Weltkrieg, heute als Loft genutzt. Beeindruckt bin ich vom „Saint Malo-Denkmal „Rettende Hand“ oder auch „St. Malo Hands“. Die Granitskulptur aus dem Jahre 1997 erinnert an die dramatische Rettung der Passagiere und Besatzung der havarierten Fähre St. Malo im April 1995.

An weiteren Bunkeranlagen und Martello-Türmen vorbei geht es nun nordwärts. Abgeerntete Kartoffelfelder liegen am Wegesrand. Fünf der jährlich 45.000 Tonnen geernteten Knollen bleiben auf der Insel, der Rest wird exportiert. Um die Bodenkultur zu erhalten, wird anschließend Senf angebaut. Dann ist das letzte Ziel der heutigen Rundfahrt errecht: La Mare Wine Estate. Dieses gut 20 Hektar große Weingut produziert außer Wein auch einen Apfel-Brandy nach französischem Calvados-Rezept, Sekt und Cidre. John, möglicherweise hat er schon an einigen Gläsern genippt, zeigt uns frohgelaunt den Betrieb. Die diesjährige Lese ist wegen der Hitze so früh wie noch nie. Zwei Hähne gehören zum Inventar. Im Shop kann außer den genannten Getränken auch hausgemachte black butter gekauft werden, ein dunkler Brotaufstrich aus Cidre, Zimt, Äpfeln und Gewürzen. Wir probieren diese Köstlichkeit, natürlich auch die flüssigen Produkte, und unsere Stimmung steigt zusehends.

Auf der Heimfahrt bin ich sehr angetan von der Fahrweise, der Freundlichkeit und der Höflichkeit der Verkehrsteilnehmer. Enge Straßen, parkende Autos, es ist kein Vergnügen, aber Steward löst die Herausforderung meisterhaft. Rolf macht noch auf die Rivalität der Bewohner von Jersey und Guernsey aufmerksam, erstere werden von den Inselnachbarn als Kröte bezeichnet, umgekehrt als Esel. Das Wort „Frosch“ sollte man im Beisein von Franzosen nicht in den Mund nehmen.

Zum Abendessen gehe ich wieder ins „Zephyr“, viele Restaurants haben sonntags geschlossen, und bleibe dann in der Hotelbar, wo uns eine hübsche Pianistin die Zeit verschönt. An den nächsten Abenden werden wir ebenfalls musikalisch unterhalten. Ich ärgere mich, dass einige Kinder lautstark mit ihren Handys stören und von den Erwachsenen nicht gestoppt werden, das hätte ich mir als Kind nicht erlauben dürfen.

Am nächsten Tag konzentrieren wir uns auf die Hauptstadt St. Helier, rund 40.000 Einwohner. Rolf holt uns ab, wir schlendern durch den schönen Howard Davis Park und treffen dann die anderen Gäste. Wir gehen zum „Great War Arch“, einem Denkmalsbogen zum 1. Weltkrieg am Weighbridge Place. Hergestellt aus lokalem Granit und 2016 eingeweiht, erinnert er an die Inselbewohner, die in diesem Krieg kämpften. Vorbei am Pub „The Lamplighter“ steuern wir die „Town Church“ oder „Parish Church“ an, im 11. Jahrhundert erwähnt, der jetzige Bau entstand im 14. Jahrhundert aus rötlichem Granit. Ruhemöbel und ein Trinkwasserbehälter laden zum Verweilen ein. An der Decke hängt ein Wappen mit dem Emblem von St. Helier. Die gekreuzten Äxte erinnern an das Martyrium des heiligen Helier, des Schutzpatrons der Insel, der 555 n. Chr. enthauptet wurde.

Längere Zeit bleiben wir auf dem „Royal Square“, dem ehemaligen Marktplatz. Ich wundere mich über Plakate, die zum Stillen von Kleinkindern aufrufen. Hier bin ich nun im zivilen, juristischen und politischen Zentrum der Insel, wir schauen uns das Parlament von außen an, das ehemalige Polizeigebäude und den United Club, früher der Corn Market. An einem Gebäude zeigt eine Sonnenuhr die Zeit an. Am anderen Ende steht eine goldglänzende Statue von George II. Aber auch interessante Lokale findet man an diesem Platz, so „Cock and Bottle“ und „The Peirson“, wo ich einige Male zu Abend essen werde.

Beim Bronzedenkmal „La Vaque dé Jèrri“, die Jersey-Kuh am Platz West´s Centre, staunen wir über zwei lebensgroße Kühe, einen Bullen und ein Kalb an einem Wassertrog. Jersey-Milch ist bekannt wegen dem außergewöhnlich hohen Fettgehalt, ca. 5 bis 6 % und dem erhöhten Proteingehalt, ca. 4 %, sie ist cremiger und leicht gelblich. Kulinarisch geht es weiter, nämlich erst in die Fisch- und danach in die Markthalle. Schade, dass ich so üppig gefrühstückt habe, ansonsten hätte ich mir leckeren Fisch gegönnt. Die Markthalle besticht durch ihre schöne Glaskuppel, unter der ein Brunnen sprudelt, und die griechischen Säulen. Zum Schluss gehen wir zum Rathaus und haben Glück, wir dürfen den Sitzungssaal im ersten Stock besuchen. Dann, endlich, finde ich einen Geldautomaten, denn meine Euroscheine werden nicht angenommen. Das Jersey-Pfund ist 1 : 1 an das englische Pfund gebunden und wird in Deutschland nicht zurück getauscht.

Nach einer kleinen Erfrischungspause gehe ich wieder an die Waterfront. Plötzlich werde ich auf eine kleine Musikgruppe aufmerksam, die um Spenden bittet, dann ist der Liberation Square erreicht. Eine 1995 zum 50. Jahrestag aufgestellte Skulpturengruppe erinnert an das Ende der deutschen Besatzung. Den von Bänken umstellten Brunnenplatz empfinde ich als Ruhepol. Zum Abendessen gönne ich mir im „Pearson“ leckere gegrillte Prawns. Hier halte ich mich gerne auf, denn als Restaurantgast werde ich bedient und muss mich für Getränkenachbestellungen nicht anstellen. Dann noch mit Ines und Roland ein Absacker in der Hotelbar und ein interessanter Tag neigt sich dem Ende zu.

Heute fahren wir zu den Botanischen Gärten Samarès Manor. Ein Tulpenbaum erregt meine Aufmerksamkeit, so etwas habe ich noch nie gesehen. Wir wandern durch die Anlage und kommen am Taubenturm vorbei. Es soll ein typisches Merkmal normannischer Feudalsitze sein. Hier wurden Tauben gezüchtet, die Jungvögel in der Küche verarbeitet und vom Seignor verspeist. Dann stehen wir vor dem Herrenhaus. Wir treten ein und schauen uns die Räume und das kleine Museum an. Eine Apfelpresse veranschaulicht, wie die Früchte früher verarbeitet wurden. Sir James Knott erlangte als Schiffsmakler unermesslichen Reichtum, zog auf die Insel, verlor zwei Söhne und wandte sich dann der Gartenarbeit zu. Mit Hilfe von 40 Gärtnern entstand diese einmalige Anlage, seltene Bäume und Pflanzen wurden aus der ganzen Welt importiert. Ein Nachkomme, Vincent James Obbard, ist nun Feudalherr und wohnt mit seiner Frau im Herrenhaus. Langsam schlendern wir durch den Obst-, Blumen- und Kräutergarten.

Unser nächster Stopp erfolgt bei der „St. Matthew´s Church“, besser bekannt als glass church oder Glaskirche in der Gemeinde Saint Lawrence. Diese 1840 geweihte anglikanische Kirche ist bekannt wegen der vom Glaskünstler René Lalique gefertigten gläsernen Engel und anderer künstlerischer Glasarbeiten. Dann ist die heutige Rundfahrt beendet und ich gönne mir eine Auszeit im zum Hotel gehörenden Pool auf der anderen Straßenseite. Auch heute speise ich wunderbar im „Pearson“, später probiere ich in der Hotelbar ein Glas Cidre – nicht übel.

Auch heute geht es lange am Kanal entlang, in der Ferne erkennen wir einige Austernbänke und ich freue mich schon auf den Genuss. Die Tide ist besonders ausgeprägt und viele Boote im Gorey Harbour haben kein Wasser mehr unter dem Kiel
Dann halten wir am Mont Orgueil Castle und quälen uns über 150 Stufen hinauf, werden dann aber mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Als ein Bruder von König Heinrich V. die Festung aus dem 13. Jahrhundert erstmals sah, soll er „Mont Orgueil“ ausgerufen haben, übersetzt etwa Berg Stolz oder Stolzenfels. Zur Zeit der Armbrüste hielt sie allen Angriffen stand, während des Hundertjährigen Krieges galt sie als uneinnehmbar, doch mit Einführung von Kanonen und ähnlichen Waffen wurden die mächtigen Mauern zerstört und mussten permanent repariert oder erneuert werden. Später diente die Burg als Gefängnis, z. B. für politische Gefangene während der Französischen Revolution. In einem Raum ist der „Baum der Nachfolger“ zu besichtigen, eine 3,5 Meter hoher Metallstammbaum der englischen und französischen Königsfamilie.

Dann steigen wir wieder in den Bus, es ist stickig heiß und unser wunderbarer Fahrer öffnet die Tür und spendet eine Runde Abkühlung. An einer Hauswand erkennen wir einen Hexenstein, ihm wurde früher eine Schutzwirkung zugeschrieben. In einem Ort macht Rolf uns auf eine blaue Leine über der Fahrbahn aufmerksam. Sie dient den Eichhörnchen als sichere Straßenüberquerung, Rolf will es einmal beobachtet haben. Auch heute liegen alte Bunker entlang der Straße, und dann sind wir am Ziel: La Hougue Bi. Nun sind wir beim größten Steinzeitgrab der Kanalinseln angekommen, eine mehr als 5.000 Jahre alte Kultstätte der Vorzeit und das bis heute älteste erhaltene Inselbauwerk. Ein paar vitale Mitreisende schaffen es und gehen im Entengang in das neolithische Ganggrab unter einem 14 Meter hohen Hügel, ich probiere es nicht einmal. Im angeschlossenen Museum schauen wir uns kostbare Münzen an und schlendern beeindruckt durch die Kapellen „Notre Dame de la Clarté“ und „Jerusalem Chapel“. Draußen winkt uns eine Skulptur zu: The Slave Worker“, 2001 von einem britisch-niederländischen Künstler hergestellt.

Abends erlebe ich dann noch einen Höhepunkt: Beim Weg an die Waterfront entdecke ich das Restaurant „Sage“, schaue mir die Speisekarte an und siehe da, Lobstersalat zu einem erschwinglichen Preis ist heute im Angebot, dazu ein kühler trockener Weißwein – hier möchte ich Wurzeln schlagen.


Guernsey

Eine Stunde und 10 Minuten dauert die Überfahrt. Im Hafen werden wir auf zwei Busse verteilt, unser Fahrer heißt Tom und Gaby ist unsere Begleiterin. Sie ist in Deutschland geboren, hier verheiratet und schon lange auf der Insel tätig. Auch sie verrichtet einen tollen Job und man merkt ihr die Verbundenheit zu Guernsey an.

Begeistert schaue ich mir die Blumenpracht an, in Beeten an der Straße, in Kästen und Kübeln, umwerfend schön! Angeblich sorgt ein bestimmtes Bewässerungssystem für genügend Feuchtigkeit. Es soll selten kälter als 10 Grad werden. Gaby meint, dass die Insel einige Superlative aufzuweisen habe, so gibt es hier die dichteste Entfernung zwischen Kneipe und Kirche. Etwa 64.000 Einwohner leben hier, die Autonummernschilder bestehen nur aus Ziffern, je kürzer die Zahl, desto mehr Wertschätzung wird dem Fahrer zuteil. Hier gibt es ebenfalls Vogteien oder auch Bailiwicks und der Vogt hat die Autonummer 1. Da nur Busse aber keine PKW zum TÜV müssen, sieht man häufig verbeulte Autos, auch hier müssen die Fahrer wegen der engen Straßen konzentriert unterwegs sein. Bezahlt wird mit Guernsey-Pfund, unser Jersey-Pfund wird allerdings akzeptiert. Auch hier wird keine Vermögens-, Erbschafts- oder eine andere Steuer erhoben, hier beträgt die Einkommenssteuer ebenfalls 20 Prozent. Ein einziges Hochhaus gibt es auf der Insel, die überwiegend von einem reiferen Publikum besucht wird. Es gibt ca. 3.000 Gästebetten.

Nachdem wir am total leeren Flugplatz vorbeigefahren sind ist unser erstes Ziel in Sichtweite: die „Little Chapel“ oder „Kleine Kirche“. Manche meinen, es sei die kleinste Kirche der Welt, zumindest ist es das kleinste Gotteshaus und der größte Scherbenhaufen der Insel – aber wunderschön. Fünf Meter lang, 1914 wurde mit dem Bau als kleine Kopie der Kapelle von Lourdes begonnen und nach und nach mit Muschelschalen und Porzellanbruchstücken in allen Farben und Formen angereichert, einfach einmalig.

Gaby geht auch auf den Schimpfnamen „Esel“ ein, denn bekanntlich werden ja ihre Landsleute so von den Bewohnern von Jersey genannt. Sie findet das in Ordnung, schließlich sind die Menschen hier ebenfalls etwas störrisch und Esel sind für bestimmte Arbeiten besser als Pferde geeignet. Guernsey verfügt über 269 Steinbrüche, für das Fundament der Londoner Towerbridge wurde Granit aus einem hiesigen Steinbruch verwendet. Auch die Guernseykuh gibt wertvolle Milch in gelblicher Farbe wegen des höheren Karotinanteils. Die Farbe der Schnauze unterscheidet sich von der Jerseykuh. Etwa 2.000 Kühe weiden auf der Insel, Milch wird nicht exportiert. Das Bussystem ist optimal, alle 30 Minuten, außer sonntags, werden die Haltestellen angefahren. Fünf Prozent Mehrwertsteuer hat der Kunde zu zahlen. Das Gesundheitswesen ist natürlich nicht so wie auf dem Festland, Patienten mit Herz- oder Gehirnproblemen werden nach England geschickt, der Hausarzt muss selbst bezahlt werden.
Gaby´s Ehemann musste wegen einer Augenoperation ein paar Male nach England, diese Leistung wurde von der Krankenkasse übernommen.

Bei einer Pause gönne ich mir ein leckeres Eis. Auf Guernsey wundere ich mich über die zahlreichen Oldtimer. Auch hier ist der Vogt höchster Rechtsprecher und muss Jurist sein. Der hiesige wird demnächst, erstmals in der Geschichte, von einer Frau abgelöst. Auch hier vertritt ein Gouverneur für fünf Jahre den König. Auch heute kommen wir an vielen Bunkern vorbei. Verstanden habe ich nicht, warum ein Haus aufgrund der Anzahl der Schlafzimmer an Wert gewinnt.

Natürlich halten wir auch bei den Königlichen Ziegen, König Charles III. verlieh den seltenen goldblonden Tieren bei einem Besuch im Jahre 2024 diesen Ehrentitel, Royal Golden Guernsey Goat. Vorbei an der zerklüfteten Vazon Bay erreichen wir die Cobo Bay, hier fasziniert mich die Steinformation „Kamel und Affe“. Gaby stellt uns noch ein paar Superlative vor, so ist eine Frau mit 59 Jahren schwanger geworden und ein Mann mit langsamem Herzschlag wurde 111 Jahre alt und lebte tatsächlich in drei Jahrhunderten. Kinder können mit vier Jahren eingeschult werden, man trägt eine Schuluniform. Es gibt keine Emigranten, keine Universität, kein Mc Donalds und keine Moschee, 90 Millionen Tonnen Tomaten werden jährlich geerntet. Übeltäter werden in der hiesigen Zeitung namentlich an exponierter Stelle genannt, Weltpolitik kommt später.

Nun ist die Hauptstadt erreicht, St. Peter Port mit seinen rund 19.000 Einwohnern. In den Candie Gardens begrüßt uns eine Statue mit Königin Victoria, danach eine Blumenpracht sondergleichen. Bekannte Pflanzen und botanische Raritäten in allen Farben, Gaby zeigt uns auch eine Jersey Lilly. Victor Hugo, der hier lebte, wird mit einem Denkmal geehrt, leider haben wir keine Zeit, um auch sein Wohnhaus zu besichtigen. Dann geht es an der St. James-Kirche vorbei, jetzt als Konzerthalle genutzt. Gegenüber befindet sich eine Schule. Auf Guernsey sind die Straßennamen in französischer Sprache.

Auch vor dem Royal Court, dem Gericht der Vogtei und Sitz des Vogts, schmücken große Blumenkästen den Eingangsbereich. Und dann erblicke ich, zum ersten Mal im Leben, einen „Lucky Face“, einen bearbeiteten Stein. Wenn man ihn berührt, wird das Glück auf einen zukommen, leider müssen wir im Bus bleiben. Auf dem Weg zum Hafen freue ich mich noch über eine Bronzeskulptur, die eine vierköpfige Familie darstellt. Dann geht es auf´s Schiff.


Zurück auf Jersey

Abends gönne ich mir Austern im „Square“, tagsüber hätte eine während der Happy Hour bis 16.00 Uhr nur ein Pfund gekostet. Es schmeckt köstlich, zwei junge Männer rauchen Zigarre, das hatte ich länger nicht gesehen, und draußen fährt ein Auto mit Blaupunkt-Werbung vorbei. Die frühere Firma aus Hildesheim ist seit Jahren insolvent.
Der Tag vor dem Rückflug steht zur freien Verfügung. Im letzten Moment schaffe ich noch den Gang an das Frühstücksbuffet. Anschließend lese ich ein wenig und gehe dann langsam in Richtung Waterfront. Nach längerer Suche finde ich tatsächlich einen Geldautomaten. Die „Battle of flowers“ beginnt mit 50-minütiger Verspätung. Das Thermometer zeigt 30 Grad an, zuerst stehe ich im Schatten eines Kiosk, danach in der prallen Sonne, einige Gäste stricken. Erfreulicherweise verteilen ein paar Offizielle Sonnencreme, die dankend angenommen wird. Dann beginnt der Korso, bunte blumengeschmückte Wagen mit vielen unterschiedlichen Motiven fahren an uns vorbei, teils mit Livemusik, ich fühle mich an das Nendorfer Erntefest erinnert. Eine tolle Parade! Danach muss der Wasserhaushalt wieder aufgefüllt werden. Abends esse ich im „Person“ Breaded Butterfly Prawns und bin begeistert. Ein letzter Cidre an der Hotelbar und eine wunderbare, interessante und vielseitige Reise ist beendet. Morgen fliegen wir zurück nach Bremen.

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