Schönes Deutschland XII
Meißen
Es regnet, als ich am 22. September 2025 den IC nach Leipzig besteige. Von dort geht es mit dem Regio nach Coswig und schließlich mit der S1 nach Meißen. Alle Verkehrsmittel starten mit Verspätung. Im S-Bahnhof sehe ich mich vergeblich nach einem Taxi um, aber es ist keines in Sicht. Nach längerer Suche betrete ich ein Geschäft und bitte, mir ein Fahrzeug zu rufen – und tatsächlich, nach 15 Minuten kann ich endlich einsteigen und zum Hotel „Siebeneichen“ fahren, das außerhalb der Stadt auf einem Berg liegt. Hätte ich das vorher gewusst … Als Autofahrer erhält man hier eine ideale Unterkunft mit ausreichendem Parkraum und nebenan befindet sich die Pizzeria „Due Amici“, ansonsten ist man auf das Zentrum angewiesen. Zum Abendessen gehe ich ins „Schwerter Schankhaus“ am Markt und speise ausgezeichnet. Dieses urige Traditionslokal wird von der Privatbrauerei Schwerter Meißen betrieben und liegt romantisch in einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert mit Kreuzgewölbe und verwinkelten Kellern. Trinksprüche zieren die Wände des Gastraumes.
Meißen, ca. 29.000 Einwohner, Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Freistaat Sachsen und malerisch an der Elbe gelegen, trägt den Status „Große Kreisstadt“. Sie ist international berühmt für die Porzellanherstellung, denn das erste im Jahre 1708 in Europa produzierte kommt aus Meißen.
Am nächsten Morgen lacht die Sonne vom Himmel. Zunächst schaue ich mir das in der Nähe des Hotels befindliche Schloss Siebeneichen an. Es liegt am südlichen Elbhang gegenüber dem Spaargebirge und verfügt über einen schönen Bergpark. Dann geht es bergab ins Zentrum, wo ich draußen vor einer Bäckerei gemütlich frühstücke. Zur besseren Orientierung steige ich in einen öffentlichen Bus und fahre ein paar Stationen, bis ich in der Nähe des Burgberges bin. Und dann stehe ich an der Elbe und bewundere die Albrechtsburg und den Dom zu Meißen, die sich majestätisch im Wasser des Flusses spiegeln - was für ein herrliches Bild. Zunächst schaue ich mir die Frauenkirche am Marktplatz an. Sie wurde nach einem Brand im 15. Jahrhundert in den spätgotischen Stil umgestaltet und erhielt 1929 zum tausendjährigen Jubiläum der Stadt das erste Porzellanglockenspiel der Welt.
Dann steige ich hinauf und bin längst nicht der einzige Gast, es sind erstaunlich viele ältere Besucher unterwegs, darunter zahlreiche aus Österreich. Die erste Burgbefestigung stammt aus dem 9. Jahrhundert, somit stehe ich vor der ältesten Burg Deutschlands. Sie ist fast original erhalten und gilt als architektonisches Meisterwerk der damaligen Zeit. Jährlich am 30. April wird hier ausgelassen die Walpurgisnacht gefeiert. Leider kann ich die Anlage momentan nur von außen besichtigen. Direkt neben der Burg erhebt sich der Dom, ebenfalls ein Meisterwerk der gotischen Architektur, errichtet zwischen 1260 und 1410. Sehr beeindruckt haben mich das geschnitzte Chorgestühl, die Kanzel und ein Altartriptychon. Im Bischofsschloss aus dem 15. Jahrhundert hat heute das Amtsgericht seinen Sitz.
Nun wird es Zeit für den Abstieg und das nächste Ziel: die Porzellanmanufaktur. August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, beschloss im Jahre 1708 das Geheimnis der chinesischen Porzellanherstellung zu knacken und, wie wir wissen, mit Erfolg. Ich nehme an einer Führung durch die Werkstatt teil und bin fasziniert von den Exponaten im Museum. Meißener Porzellan steht für Handwerkskunst in höchster Vollendung. Angeblich wohnt der Porzellanmasse, einer absolut gehüteten Mischung aus Quarz, Feldspat und Kaolin, ein Zauber inne, den die geübten Hände der Kunstarbeitenden entfalten.
Moritzburg
Am Rossmarkt steige ich in den Bus, eine Tageskarte kostet 12,50 Euro, und fahre nach und zur Moritzburg. Der Ort hat gut 8.000 Einwohner und wird vom bekannten Barockschloss beherrscht. Herzog Moritz von Sachsen ließ es im 16. Jahrhundert als Jagdschloss auf einer künstlichen Insel errichten. Dieses wunderschöne Bauwerk liegt inmitten einer großen Teich- und Parkanlage. Auch die Innenausstattung ist faszinierend, vergoldete Lederteppiche und eine bedeutende Jagdtrophäensammlung sind Teil der kostbaren Exponate. Bekannt wurde Moritzburg aber durch den Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, der in der Adventszeit auf vielen Kanälen gezeigt wird. Bei bestem Herbstwetter wandere ich anschließend durch den Park und genieße diese beeindruckende Umgebung.
Zurück im Hotel in Meißen habe ich keine Lust mehr auf eine Wanderung über Berg und Tal, leider fährt nach 20:00 Uhr kein Bus mehr vom Zentrum nach Siebeneichen, und speise von daher im benachbarten „Due Amici“. Im Lokal ist gut was los, andere Hotelgäste scheinen derselben Meinung zu sein.
Pirna
Mit der S-Bahn fahre ich am nächsten Morgen nach Pirna, auch hier war ich vorher noch nie. Ein Mitarbeiter ist mir am Ticketautomat behilflich, denn mit den einzelnen Zonen kenne ich mich noch nicht aus, außerdem erhalte ich als Rentner einen Rabatt. Eine Stunde dauert die Fahrt. Auch heute zeigt sich Petrus von seiner besten Seite, wieder freue ich mich über warmes und sonniges Herbstwetter. Auch Pirna, ca. 40.000 Einwohner, ist eine Große Kreisstadt und außerdem Verwaltungssitz des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Verwaltungsgemeinschaft Pirna im Freistaat Sachsen.
Bis zum angeblich weltbekannten Marktplatz ist es nicht weit, leider ist heute Markttag und Buden und Verkaufswagen lassen ein andächtiges Betrachten nicht zu. So lasse ich es langsam angehen, gehe zuerst in die dreischiffige Hallenkirche „St. Marien“, die die größte Kirchendachfläche Sachsens haben soll. Besonders angetan bin ich vom Altarraum mit dem kostbaren Taufbecken.
Mittlerweise haben die meisten Marktbeschicker ihre Arbeit beendet und so kann ich die Schönheit der nahezu originalgetreu erhaltenen Altstadt auf mich einwirken lassen, erfreue mich an den mit Sandstein verzierten Bürgerhäusern, ihren Eingangsportalen und Erkerverzierungen. Im Canalettohaus, dem venezianischen Maler Canaletto, der einige Stadtansichten von Pirna fertigte, gewidmet, residiert heute der Tourist Service. An einem Imbiss stärke ich mich mit Knacker mit Chili – sehr lecker. Viele Radfahrer stören mich, heute meine ich, zahlreichen Besuchern aus Tschechien zu begegnen.
Längere Zeit bleibe ich vor dem „Pirnaer-Marktschiff“, einem Brunnen stehen. Ein bunt gemischtes Figurenensemble hat auf dem Schiff Platz genommen, ein Trompeter, ein Erzbischof, der Ablasshändler Johannes Tetzel und der Bürgermeister Volckamer, diese Plastik vom Künstler Jan Witte-Kropius basiert auf dem Buch „Pirnaer Sagen und Geschichten“. Bei einer geführten Stadttour kann das Haus von Tetzel besichtigt werden. Sein Spruch „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ ist ja weithin bekannt. Dann wird es Zeit für die Rückfahrt nach Meißen.
Abends sitze ich vor dem Ratskeller am Marktplatz, trinke ein paar Gläser Federweißen und gehe dann zum Abendessen hinein. Heute gönne ich mir hausgemachte Sülze vom Rindertafelspitz mit Bratkartoffeln und Salat. Nach dieser Kalorienbombe verzichte ich für die Heimfahrt auf ein Taxi und mache mich zu Fuß auf den Weg. Zum Glück hat, beim Hotel angekommen, der Italiener noch geöffnet. Mit 15-minütiger Verspätung setzt sich der Zug am nächsten Morgen in Bewegung, in Helmstedt sind es schon 39 Minuten und draußen regnet es. Aber es stört mich nicht, gemütlich lasse ich mich ins Polster des Waggons fallen.
