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endlich gelandet

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glückliche Angler

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spektakulärer Rückflug

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endlich ein Elch

endlich ein Elch

unterwegs auf der Halbinsel

unterwegs auf der Halbinsel

vor Whittier

vor Whittier

es kann losgehen

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Seelöwen

Seelöwen

mystische Gletscherlandschaft

mystische Gletscherlandschaft

Surprise Gletscher

Surprise Gletscher

drei auf einen Schlag

drei auf einen Schlag

relaxte Seeottern

relaxte Seeottern

in Homer

in Homer

Blick auf Homer Spit

Blick auf Homer Spit

endlich Bären

endlich Bären

am Wasserfall

am Wasserfall

russisch-orthodoxe Kirche in Kenai

russisch-orthodoxe Kirche in Kenai

am Exit Gletscher

am Exit Gletscher

Abenteuer Alaska

wo Fische Bären in den Schlund springen

Kenai Halbinsel

Nun steigen wir wieder ins Auto und fahren südwärts am Portage Gletscher vorbei nach Cooper Landing. Nachmittags erreichen wir unsere bei Booking.com gebuchte Unterkunft und freuen uns auf ein Glas Wein auf dem Balkon mit Blick auf den Fluss Kenai. Jedenfalls glauben wir das. Zu unserem Entsetzen wird uns mitgeteilt, dass keine Reservierung vorliegt und wir nicht die Einzigen sind, die der Zimmervermittler verprellt hat. Was ist zu tun, Hotelzimmer sind knapp. Die Mitarbeiterin ist redlich bemüht und versucht telefonisch, in der Umgebung eine Unterkunft für uns zu ergattern. Zwischenzeitlich telefonieren wir mit der Servicenummer von Booking.com, die angeblich 24 Stunden für deutsche Gäste erreichbar ist – aber nicht heute. Ein englisch sprechender Mann nimmt unsere Beschwerde entgegen, nachdem wir geraume Zeit in der Telefonwarteschleife den monotonen Bandansagen lauschen mussten. Er verspricht einen Rückruf in 15 Minuten, was aber nicht geschieht. Bettina findet online ein Hotelzimmer in der weiteren Umgebung, in Clam Gulch. Eine Frau aus Anchorage wird Zeuge unserer Not und bietet uns an, in ihrer Wohnung zu übernachten. Allerdings in Anchorage – und von dort kommen wir ja gerade. Mitleidig schenkt sie uns ein paar Kekse.

Zwischendurch erhalten wir eine Email von Booking.com mit einem anderen Hotelangebot, aber erheblich teuerer, als das „Alpine Inn Motel“, das uns nun ja versagt bleibt. Wir fahren hin und sind mehr als enttäuscht, dieses Haus als Ersatz anzubieten ist eine Frechheit. Also wieder ins Auto und auf nach Clam Gulch, hier checken wir im „Moose is Inn“ ein. Unser Hotel liegt direkt am Sterling Hwy und ist, wie der Name vermuten lässt, mit reichlich Elch-Zierrat geschmückt. Heidi, die Chefin, gibt uns die üblichen Informationen und vermittelt auf unseren Wunsch hin für den nächsten Tag einen Flug zur Bärenbeobachtung. Zufrieden fahren wir zu Rocky´s Cafe und essen zu Abend. Alkohol wird nicht ausgeschenkt, angeblich liegt das Lokal zu nah an einer Kirche. Bettina wundert sich, dass sofort nach Beendigung ihrer Mahlzeit das Geschirr weggeräumt wird, obwohl ich mit dem Abendessen noch gar nicht fertig bin. Aber so ist es hier halt üblich.
 


Flug zum Big River


Heute soll es also mit der Bärenbeobachtung losgehen. Der Wecker reißt uns im Morgengrauen aus dem Schlaf und nach einem improvisierten Frühstück steigen wir in unseren Toyota und fahren nach Soldotna. Das Büro von Talon Air Service, der „Bear Viewing & Fishing Trips“ im Angebot hat, ist schnell gefunden. Erwartungsvoll bezahlen wir den Flug und erhalten sogar als Gäste des „Moose is Inn“ einen kleinen Rabatt. Wir fliegen bei herrlichem Wetter eine gute Viertelstunde mit einem Wasserflugzeug. Zunächst geht es über den Ort Kenai und über die wunderbar zu erkennenden Windungen des Kenai River, einmal erkennen wir sogar ein Flugzeug unter uns. Ein paar Minuten fliegen wir über das Cook Inlet. Dann ist das andere Ufer erreicht, wir setzen auf den Big River Lakes in der Nähe des Redoubt Vulkans zur Landung an, steigen dann zu viert plus Guide auf ein Boot und fahren zu einer Stelle, wo dicke Lachse, vorwiegend Sockeyes, prächtige Nahrung für Bären abgeben.

Es halten schon einige Boote vor uns und im 30-Minuten-Takt rücken wir vor, bis wir in Ufernähe sind. Doch dann die Enttäuschung, in den gesamten fünf Stunden fangen unsere beiden Mitreisenden vier Lachse, die vom Guide professionell zerlegt werden, wir beobachten zwar etliche Adler, sehen jedoch nicht einen einzigen Bären. Bettina nimmt sogar noch all Ihren Mut zusammen, verlässt wegen eines menschlichen Bedürfnisses das sichere Boot und begibt sich auf den täglichen Laufpfad der Bären an Land. Doch auch diese frisch gelegte Spur lockt Meister Petz nicht aus seinem Versteck. Aber Kompliment, wer hätte das schon gewagt. Unser Guide meint dann noch, wir mögen auf Bewegungen im Busch achten, meistens gute Vorzeichen, dass ein Bär im Anmarsch ist, aber heute ist uns das Glück nicht hold. Immer wieder suche ich mit dem Fernglas die Umgebung ab, nur es rührt sich nichts. Als kleine Entschädigung überfliegt der Pilot auf dem Weg zurück noch den Double Glacier und wir erleben eine einmalige und grandiose Aussicht auf den Gletscher, auf die umliegende Bergwelt und spektakuläre Natur.

Frustriert und enttäuscht fahren wir heim. Wiederum geht es durch „Russisch-Alaska“, denn einige Ort haben noch russische Namen bzw. Straßenbezeichnungen, und manchmal auch orthodoxe Kirchen. Als Beispiel sei der Ort „Kasilof“ oder die „Kalifornsky Beach Road“ genannt. Auch heute kehren wir zum Abendessen in Rocky`s Café ein.

Aber der Tag nimmt doch noch ein fantastisches Ende. Nachdem wir völlig niedergeschmettert unserer Vermieterin erzählten, dass wir wieder weder Elche noch Bären gesehen haben, setzt sie uns kurz vor Mitternacht ins Auto und fährt den Highway entlang, es dauert keine zwei Minuten und wir haben doch noch unser heutiges Erfolgserlebnis. Binnen kurzer Zeit sehen wir mehrere Elche, eine Kuh mit Jungen, einen Bullen, mal grasen sie allein in der Dämmerung, mal in einer kleinen Gruppe – und unsere Augen leuchten …


Gletscher am Prince William Sound

Wieder klingelt der Wecker unbarmherzig. Wir klettern aus den Betten und machen uns rechtzeitig auf den Weg, schließlich müssen wir pünktlich in Whittier, dem „Gateway to Prince William Sound“, so die Werbung, ankommen und das Schiff wird unseretwegen seine Abfahrt nicht hinauszögern. Wir sind kaum unterwegs und schon sehen wir wieder ein paar friedlich grasende Elche am Wegesrand. Auch heute meint es der Wettergott wieder gut mit uns, die Sonne scheint vom blauen Himmel und das Autothermometer zeigt am frühen Vormittag schon über 70 Grad Fahrenheit an, umgerechnet über 20 Grad Celsius. Wir kommen durch Cooper Landing und schauen sehnsüchtig auf das „Alpine Inn“. Im Russian River stehen die Angler im Wasser und hoffen auf das Glück, eine der vielen Lachsarten oder eine Regenbogenforelle am Haken zu haben. Ein paar Kilometer weiter finden Sportler beim Rafting über die Stromschnellen des Kenai River ihr Glück.

Dann endlich ist Whittier, fast, erreicht, denn nun gilt es noch durch einen gebührenpflichtigen Tunnel zu fahren, in jeweils eine Richtung und im 30-Minuten-Takt. Die sehr reserviert, oder beschäftigt, wirkende Dame am Ticketschalter erklärt uns genau, wie wir uns bei der Durchfahrt zu verhalten haben. Uns bleibt noch etwas Zeit, wir stehen relativ weit vorn in der Schlange und haben ausreichend Gelegenheit, die wunderbare Umgebung mit den in der Sonne leuchtenden schneebedeckten Bergen in Augenschein zu nehmen und zu fotografieren. Ein frecher Rabe hat es sich auf der Kühlerhaube eines Lieferwagens gemütlich gemacht. Punkt 12:00 Uhr setzt sich die Schlange in Bewegung, die Durchfahrt dauert etwa 10 Minuten und auch ein Zug kann den Tunnel passieren. Am Hafen angekommen steigt Bettina aus und kümmert sich um die in Anchorage reservierten Eintrittskarten, ich suche einen Parkplatz, gehe zurück und die Fahrt mit dem „Klondike Express“ mag beginnen.

Leider hat sich das Wetter diesseits des Berges verschlechtert. Wir suchen unseren Platz auf dem ausverkauften Schiff von Philips Cruises & Tours und pünktlich setzt es sich in Bewegung. In den nächsten 4,5 Stunden werden wir an sage und schreibe 26 Gletschern vorbeikommen. Ein fachkundiger Herr versorgt uns mit dem nötigen Wissen und informiert uns über die einzelnen Eisberge über die Tiere, die wir sehen und über die Umgebung.

Auf einer kleinen Insel lümmeln sich Seelöwen. Kleine Punkte, die ich zunächst gar nicht beachtet habe, entpuppen sich als Seeotter, hier auch „playboy“ und „good time girls“ genannt. Es ist amüsant anzusehen, wie sie, auf dem Rücken liegend, durch das kalte arktische Wasser gleiten. Ihr seidiger Pelz, so lese ich im Reiseführer, hat dermaleinst viele russische Jäger nach Alaska gelockt. Auf der Tierbeobachtungsliste stehen weiter noch Wale, Haie und Schwarzbären, nur wir haben sie nicht vor die Linse gekriegt. Dafür aber Eisberge in bester Güte. Unser Schiff fährt in einige Fjorde hinein und durch die Esther Passage. Der Surprise Glacier im Harriman Fjord erlaubt uns sogar, ihm beim Kalben zuzusehen.
Ein großes Raunen der Zuschauer ist zu vernehmen, wenn sich wieder einmal ein riesiger Eisklumpen vom Berg löst und prasselnd ins Wasser fällt. Lachsfischer haben große Netze von ihrem Boot ausgelegt, zwei mutige Kanufahrer rudern nahe an einen Gletscher heran. Beim Zusehen wird mir ganz kalt, denn ein heftiger Wind ist aufgezogen und ich bedauere, meinen Pullover vergessen zu haben. Zum Schluss der Rundfahrt halten wir noch an einem Vogelfelsen. So erleben wir eine interessante Fahrt mit guter Information und perfekter Zeiteinteilung. Gerade die spektakulären Beobachtungen können wir in Ruhe und ohne Hektik genießen. Da wir wieder Probleme haben, mit unseren Handys die Vermittlerin unserer für heute reservierten Bleibe zu erreichen, ist uns eine auf dem Schiff arbeitende deutsche Kellnerin behilflich – leider geht auf der Gegenseite niemand ans Telefon.

Auf dem Rückweg haben wir noch einmal Stress mit der Kommunikation und wissen nicht, wurde unsere Reservierung in Homer bestätigt oder nicht. Das Telefonnetz ist manchmal wegen der hohen Berge etwas rudimentär, mit unseren Handys sind wir, wie gerade erwähnt, bisher nicht weitergekommen und eine entsprechende Email hat uns nicht erreicht. Aber wir haben wieder großes Glück. Eine überaus freundliche Frau im Café Sunrise bei Cooper Landing unterstützt uns, telefoniert für uns trotz eigener Hektik und letztendlich haben wir es ihr zu verdanken, dass wir die beiden nächsten Nächte in einem Ferienhaus in Homer unterkommen werden. Die selbstlose Hilfsbereitschaft der Menschen in Alaska kann gar nicht oft genug betont werden.


Homer

Es beginnt schon zu dunkeln, als wir Homer endlich erreichen. Unsere Vermieterin Sandy hatte uns den Code für den Schlüsselsafe telefonisch mitgeteilt und so haben wir keine Probleme, das Haus zu betreten. Es ist sehr geräumig, muffelt aber etwas und Wifi ist erstmals auf dieser Reise nicht im Angebot. Etwa 5.000 Einwohner leben in der Stadt an der Kachemak Bay. Bekannt ist sie vor allem wegen der großen Heilbutte, die speziell in dieser Gegend mannshoch und bis zu 100 Kilogramm schwer werden können. Angler haben hier diverse Möglichkeiten, mit einem Charterschiff auf Fischfang zu gehen, auch für Kreuzfahrtschiffe ist Homer ein angesagtes Ziel. Nicht ohne Grund nennt sich Homer auch „Halibut Fishing Capital of the World“.

Am nächsten Morgen, bei einem anständigen Frühstück im „Mike´s“ erklärt uns der Inhaber, dass er in den letzten 20 Jahren keinem Bären begegnet sei. Wohlig gesättigt fahren wir dann auf den Spit, eine sieben Kilometer lange Nehrung oder Landzunge und das touristische Ziel der Stadt. Hier findet der Urlauber alles, was sein Herz begehrt: Restaurants, Bars, Souvenirshops, Reisevermittler, Hotels, Angelbedarfsläden und Fischgeschäfte. Wir bleiben geraume Zeit hier, spazieren an der Bay entlang und landen dann im „Chamber of Commerce“, also der Handelskammer, die hier aber als Informationsbüro und Tourvermittler agiert. Ein freundlicher älterer Herr hört sich unsere Wünsche an, schließlich haben wir noch keinen Bären gesehen, und beginnt zu telefonieren.

Wir nutzen die Zeit für den „Skyline Drive“, er wird in Bettinas Reiseführer ausdrücklich empfohlen und dem können wir uns nur anschließen. Gleich hinter dem Stadtzentrum fährt man an schmucken Häusern und Villen in bester Hanglage vorbei und sieht Straßenschilder wie z. B. Garden Eden oder Eagle View. Auf einem Parkplatz halten wir an und haben den besten Blick auf Homer Spit, die Kachemak Bay und die Berge auf der anderen Seite des Cook Inlet.

Zurück auf dem Spit betreten wir erwartungsvoll das Tourist Office und erfahren von Chris, dass der von uns favorisierte Flug leider ausgebucht sei. Zähneknirschend buchen wir dann alternativ eine Bootstour, denn, so hören wir, Bärenbeobachtung wird garantiert – und es ist auch nur halb so teuer. Da gönnen wir uns doch eine Pause bei McDonald´s und surfen kostenlos im Internet. Nachdem wir unsere Vorräte im „Safeway“ aufgefrischt haben, fahren wir wieder auf den Spit, essen in einem Fischrestaurant zu Abend, natürlich Fisch, Kabeljau und Lachs, und trinken dann ein paar Absacker im angesagten „Salty Dawg Saloon“. Hier, so lesen wir, treffen sich abends die Fischer und üben sich im Anglerlatein. Aber es ist wirklich sehr gemütlich in der Bar, die sich in einem Leuchtturm befindet. Unzählige Dollarnoten schmücken Decke und Wände. Ein junger Mann aus Frankfurt leistet uns eine Weile Gesellschaft, wir hatten ihn gestern schon bei der Gletscherfahrt gesehen.

Aufstehen in aller Herrgottsfrühe sind wir mittlerweile gewohnt, und so geschieht es auch heute. Nach einem schnellen Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen und fahren nach Anchor Point. Der Hafen ist schnell gefunden und ein Boot dümpelt auch schon im Wasser – aber nicht das Unserige. Kurz vor der geplanten Abfahrt spricht uns ein junger Mann an und informiert uns, dass die Fahrt wegen heftigen Windes ins Wasser fällt. Wir scheinen nicht kompatibel mit Bärenbeobachtungen zu sein und sind natürlich, wieder einmal, sehr enttäuscht, aber nicht mutlos. Sofort fahren wir nach Homer zurück und haben Glück, dass ein Tourvermittler schon sein Büro geöffnet hat. Ohne lange den Preis zu diskutieren buchen wir für den heutigen Vormittag einen Flug zum Brooks River – die Anwesenheit von Bären wird uns garantiert.


Endlich Bären?!

Ob es doch noch klappen wird mit der Bärenbeobachtung? Gespannt warten wir am Beluga Lake in Homer auf den Abflug. Stephanie heißt unsere junge sympathische Pilotin. Sie arbeitet für Berylair, hat eine Zeit lang in Wien gelebt und spricht ein paar Brocken Deutsch. Vier Personen einschließlich Pilot(in) finden Platz in dem kleinen Wasserflugzeug. Auch heute liegt eine grandiose Natur unter uns, kleine Inseln, Gletscher, Berge mit Schneekuppe, Flüsse und pünktlich um 10.38 Uhr sehe ich tief unten in einem Creek die ersten Bären. Wir landen im See und Stephanie trägt uns huckepack an Land (Sie hat Gummistiefel an). Jetzt sind wir im Katmai Nationalpark und weit von der Zivilisation entfernt, aber wir sind schließlich auch knapp 90 Minuten und durch verschiedene Wetterzonen geflogen. Auch hier, am Brooks River, scheint die Sonne und es ist sommerlich warm.

Nach einer kurzen Einweisung durch einen weiblichen Ranger dürfen wir uns dann alleine auf den Weg durch die Wildnis begeben. Sie hat sehr schnell geredet und wir haben längst nicht alles verstanden. Wichtig ist nur, dass wir unsere Rucksäcke mit Lebensmitteln hier am Treffpunkt hinterlassen. Überall im Gelände müssen wir damit rechnen, dass Bären unseren Weg kreuzen und tatsächlich, kurz vor der Plattform ruft uns ein Ranger zu, wir sollten uns beeilen, es seien Bären im Anmarsch, aber wir erreichen ohne Zwischenfälle den ersten Aussichtspunkt und sind fasziniert. Braunbären in allen Größen machen uns ihre Aufwartung, eine Bärin mit zwei Jungen, die sich in der Sonne keilen, einzelne Tiere, mal zu zweit, mal zu dritt, unser Traum hat sich erfüllt. Grizzlys, egal wohin wir schauen, es ist unbeschreiblich und wir glauben schon, es könne nicht besser werden, doch da haben wir uns getäuscht. Etwas später erreichen wir die Plattform an den Wasserfällen und sehen zunächst nur aus dem Wasser springende Lachse, doch dann kommen nach und nach die Bären ins Wasser und man kann nicht behaupten, sie müssen sich ihr Mittagessen verdienen, nein, ganz im Gegenteil, sie leben wie im Schlaraffenland und egal, wie dumm sie sich auch anstellen, die Lachse springen ihnen förmlich ins Maul. Wenn die Fische dann vom Springen ermüdet im Fluss liegen, braucht der Grizzly nur seine Pranke ins Wasser zu stoßen und schon hat er sein Mahl. Es scheint sich um Feinschmecker zu handeln, denn verzehrt wird nur das „Filetstück“ und der Rest achtlos im Wasser gelassen. In Europa hätten sich Möwen darauf gestürzt, aber hier, in diesem Paradies, scheinen sprichwörtlich „die gebratenen Tauben ins Maul zu fliegen“.

Völlig überwältigt machen wir uns nach gut vier Stunden wieder auf den Weg zu Stephanie und plaudern noch beeindruckt von unseren tollen Erlebnissen, als Bettina plötzlich mitten im Wort abbricht, sie hat keine vier Meter rechts von uns einen Bären im Gebüsch entdeckt. Er scheint zu schlafen, aber beim zweiten Blick schaut sie ihm dann doch in die Augen. Schnell rufen wir uns die Einweisung des Rangers wieder ins Gedächtnis, gehen ruhig und uns laut unterhaltend an dem Bären vorbei und unterdrücken das Bedürfnis, ein Foto zu machen und zu rennen. Was für ein unvergessliches Wahnsinnserlebnis! Benommen und überaus glücklich gehen wir zum Flugzeug. Der Rückflug übertrifft noch den Hinflug und nach weiteren 1 ½ Stunden in über 2.300 Meter Höhe landen wir, steigen ins Auto, kehren Homer den Rücken zu und fahren nordwärts zu unserem nächsten Stützpunkt Kenai.


Kenai

Am frühen Abend erreichen wir die gut 7.000 Einwohner zählende Stadt und checken im „Aspen Suites Hotel“ ein. Das Wetter hat leider umgeschlagen und es hat angefangen zu regnen. Zum Abendessen gehen wir ins Restaurant „Main Street“. Bettina freut sich über leckere Pasta mit Chicken. Auch meine Spare Ribs schmecken ausgezeichnet und die Portion ist mehr als ausreichend, dabei hatte ich nur die kleine Variante gewählt. Später lauschen wir den Klängen der Band „Mabus“, einige Gäste wagen sich auf die Tanzfläche. Ein nettes einheimisches Paar gesellt sich zu uns und wir unterhalten uns eine Weile.

Glücklicherweise hat sich am nächsten Morgen das Wetter gebessert und die Sonne ist sich ihrer Verantwortung wieder bewusst. Wir fahren am amerikanischen Fort vorbei zu der wohl angesagtesten Sehenswürdigkeit der Stadt, der „Holy Assumption of the Virgin Mary“ aus dem Jahre 1896, eine der ältesten noch erhaltenen russisch-orthodoxen Kirchen in Alaska. Leider ist sie verschlossen und wir können sie nur von außen ansehen. Gleich daneben stehen die nicht so bedeutende St. Nikolas-Kirche, erbaut 1906, und das Oskolhof/Dolchok House, 1918 vom Farmer Oskolhof eigenhändig erbaut und ein Beispiel früherer Lebensweise..


Weiterfahrt nach Seward

Nun verabschieden wir uns endgültig von der Gegend am Cook Inlet, fahren auf dem Sterling Hwy ostwärts und erinnern uns an eine Empfehlung von Heidi aus dem „Moose is Inn“, Clam Gulch. Sie empfahl uns vor einigen Tagen, den Highway bei Sterling zu verlassen und einem kleinen Weg zum Skilak Lake zu folgen, möglicherweise trifft man auf Bären. Gerne nehmen wir diesen Ratschlag an und fahren auf einer Huckelpiste zum See, wo einige Kanuten ihren Sport ausüben. Es geht an weiteren kleinen Lakes vorbei und dann, wir können es nicht glauben, steht ein Schwarzbär vor uns auf der Straße, etwa 50 Meter entfernt. Bettina zückt sofort ihren Fotoapparat und kriegt auch ein paar vernünftige Schnappschüsse. Viel Zeit bleibt ihr nicht, denn der Bär trottet über die Straße und verschwindet sofort und für uns unsichtbar im Gebüsch. Glücklich ob des Gesehenen und Erlebten fahren wir weiter, kommen irgendwann wieder auf den Highway, ein letztes Mal durch Cooper Landing und dann ist die Tern Lake Junction erreicht. Nun beginnt ein für uns unbekanntes Gebiet, auf dem Seward Hwy geht es südlich weiter zum Exit Glacier. Schilder animieren die Autofahrer mit „Adopt a highway“, die Fahrbahn zu sponsern, warnen aber auch davor, Müll unsachgemäß zu entsorgen, denn das „Littering“ wird mit 1.000 Dollar bestraft.

Dann ist der Gletscher erreicht, wir stellen unser Auto ab und wandern, so weit wie möglich, zum blau schimmernden Eisfeld. Jahrestafeln zeigen an, wie weit das Eis damals reichte, wir sind entsetzt, allein der Rückgang in den letzten zehn Jahren stimmt uns doch sehr nachdenklich. Im 2.700 Einwohner zählenden Örtchen Seward bleiben wir eine gute Stunde, sehen uns den Hafen und das Zentrum an und speisen dann in einem Lokal. Heute gibt es Burger, aber nicht mit Rindfleisch, sondern mit Heilbutt und Lachs.

Nun geht es in nördlicher Richtung bis Palmer, wir freuen uns auf eine entspannte Weiterfahrt, schließlich liegen nur noch 270 Kilometer vor uns. Von wegen, selbst bei diesem vergleichsweise kleinen Verkehrsaufkommen passieren Unfälle und wir stehen zwei lange Stunden im Stau. Doch irgendwann löst er sich auf, wir verlassen die Kenai Halbinsel und fahren über Anchorage unserem nächsten Ziel entgegen.

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