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Venezuela 3
Landkarte von StepMap
StepMap Venezuela 3
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Milena unterwegs in Kolumbien

Milena unterwegs in Kolumbien

Unterwegs in Kolumbien

Unterwegs in Kolumbien

Auf einem Markt in Kolumbien

Auf einem Markt in Kolumbien

Von Venezuela über Kolumbien nach Ecuador

Kolumbien

Nach 1 1/2 Stunden landet die Boeing 757 der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca im National-Airport. Ich beschließe, so bald wie möglich nach Cali weiterzufliegen. Milena, eine in Kolumbien gebürtige und jetzt in Deutschland lebende Freundin von mir, ist dort zur Zeit und besucht ihren Vater. Sie hatte mich vor einem Vierteljahr eingeladen und ich weiß nicht, wie lange sie noch bei ihren Verwandten verweilen wird. Der Weiterflug lässt nicht lange auf sich warten, nach halbstündigem Flug sind wir in der Stadt, die u. a. wegen der Drogenmafia sehr bekannt ist. Mit dem Bus fahre ich zum Stadtterminal, dann mit dem Taxi weiter zum Hotel "Americana".

Milena ist noch in Kolumbien und wir verabreden uns telefonisch. Meine Wertsachen packe ich in den Hotel-Safe denn, so O-Ton Milena, Kolumbien ist gefährlich.

Zusammen mit ihrer Freundin Leonor holt sie mich abends ab. Wir machen Sightseeing, halten an vielen Punkten an, besuchen die alten Stadtviertel mit den schönen Häusern aber auch das neue Cali. Auch hier sind viele Fenster vergittert. Mehrere riesige Grundstücke gehören zwei Tanten von Milena, sie sollen über unerhörten Reichtum verfügen. Auch ihr Vater war früher vermögend, er war zeitweise Konsul in Ecuador, hatte eine Mentholfabrik, zuletzt eine Fabrik für Unterwäsche. Seine Freundinnen sorgten dafür, dass der Reichtum nicht überhand nahm. Angeblich war er häufig Gast in Motels, die in Südamerika eine andere Funktion als in Europa haben.

Leonor kann ein klein wenig deutsch, da ihre Mutter aus Deutschland ist. Milena fährt wie der Teufel, noch nie bin ich so oft von der falschen Seite in Einbahnstrassen gefahren.

An einem der nächsten Tage muss ich schon um 5.3o h aufstehen, wir machen einen Ausflug nach Armenia. Es ist eine superlange aber wunderschöne Fahrt und ich habe viel über Kolumbien erfahren. So höre ich von Milena, dass

- es sich bei der jetzigen Drogenmafia ursprünglich um einfache Landarbeiter handelt. Sie wurden früher selten vom Patron kontrolliert und bauten für sich Kokablätter an. Jetzt herrscht absolute Korruption

- ein Motel mehr oder weniger ein Stundenhotel ist

- Nationalpflanzen des Landes die Orchidee und die Palma de Sera sind

- man immer und überall aufpassen muss. So wurden wir beim Tanken übers Ohr gehauen, die Messuhr wurde nicht auf Null gestellt

- ich als "reicher" Gringo bei möglichen Kontrollen den Mund halten soll, um den Preis auf einem möglichen Strafzettel nicht in die Höhe zu treiben. Auf meine Frage, wer denn die Straßenkontrollen durchführt, meint Milena, meist ist es die Guerilla, sofort steigt mein Adrenalinspiegel

Tatsächlich machen wir noch einige Male die Erfahrung, dass meine Anwesenheit den Preis hochkatapultiert, einmal beim Kauf von Zapotes, einer grünen Frucht mit orangefarbenem Fruchtfleisch, ein anderes Mal in der Autowerkstatt.

Der Mann einer Freundin Milenas wurde vor zwei Jahren gekidnappt, trotz Zahlung des geforderten Lösegeldes hat man kein Lebenszeichen mehr von ihm vernommen. Wenn Mafiosi eine Freundin leid sind, soll es vorkommen, dass man sich ihrer durch Mord entledigt.

Milena hat in Armenia zu tun, ich besuche derweil den Parque de Cafe. Der biologische Pfad ist sehr interessant, das Drumherum eher kitschig. Auf dem Heimweg legen wir eine Pause auf einer der endlos langen Kaffee-Plantagen ein. Außer Kaffee wird in diesem Teil von Kolumbien Zuckerrohr angebaut, auch gibt es viele Bananen-Plantagen.

Cali soll die Salsastadt sein. Einen Abend verbringen wir im "armen Viertel", der Hochburg des Salsatanzes mit vielen Diskotheken. Früher war elegante Abendgarderobe angesagt, heute geht man in normaler Kleidung. Wir wechseln einige Male das Lokal, in einer Gaststätte wird mir eine Frau angeboten.

Den Vorschlag von Milena, eine Indianersiedlung in den Bergen zu besuchen, finde ich ausgesprochen gut. Als sie dann erklärt, dass sich dort auch die Narcotic-Guerillas aufhalten, lehne ich dankend ab. Auch ihre kolumbianischen Freundinnen und Freunde haben kein Interesse, sie dorthin zu begleiten.

Am Stadtrand von Cali befinden sich die Häuser der Reichen, die Anwesen der Drogenbosse sind von einer großen Mauer umgeben. Man kann von hier die imposante Christus-Statue gut erkennen, ähnlich wie Cristo Rei in Rio de Janeiro oder Lissabon. In den weniger vornehmen Stadtbezirken stehen viele Häuser und Wohnungen zum Verkauf an, die Preise sind in den Keller gefallen.

Milenas Vater erhält eine kleine Rente, viele der Landsleute haben dieses Privileg nicht, auch nicht die Kranken und Krüppel, selbst die Kirche hilft diesen Leuten nicht.

Leider müssen wir nach einigen Tagen Abschied nehmen. Die Familie bringt mich zum Flughafen und ich besteige das Flugzeug nach Bogota. Beim Landeanflug kann ich viele Gewächshäuser erkennen, Kolumbien soll nach den Niederlanden der zweitgrößte Blumenexporteur sein.

Mit dem Bus fahre ich vom nationalen zum internationalen Flughafen und habe einige Mühe, Informationen über meinen Anschlussflug nach Quito zu finden, auf den Terminals ist nichts vermerkt, das mir weiterhelfen könnte. Schließlich klappt es doch und nach einstündigem Flug erreiche ich abends die Hauptstadt von Ecuador. Ein Weiterflug nach Guayaquil, der größten Stadt des Landes, ist nicht mehr möglich und so suche ich mir ein Hotel in Flughafennähe.

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