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Krieger in Halle 1

Krieger in Halle 1

jeder hat ein anderes Gesicht

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hier wird noch ausgegraben

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Bronzewagen

Bronzewagen

Gedränge bei der Großen Wildganspagode

Gedränge bei der Großen Wildganspagode

mein heutiges Abendessen

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Auf dem Dach der Welt

Tibet & mehr

Xian

Shilam, die wir Man nennen dürfen, empfängt uns in der riesigen Bahnhofshalle und dann geht es in einer etwa einstündigen Fahrt zum „Grand Dynesty Culture Hotel“. Das Busthermometer zeigt warme 24 Grad an.

Unsere neue Reiseleiterin erzählt uns, dass Xi'an, natürlich wegen der Terrakotta - Warriors, rund 10.000 Besucher am Tag hat. Aber auch die Industrie spielt eine große Rolle, wie z. B. die Herstellung von Textilien, der Maschinenbau oder die Pharmazie, Weltkonzerne wie Coca - Cola, Siemens, Bosch, Henkel oder ABB sind hier vertreten. In 43 Universitäten und Hochschulen sind etwa 800.000 Studenten immatrikuliert.

Im Großraum wohnen ca. zehn Millionen Menschen, die eigentliche Stadt zählt rund fünf Millionen Einwohner und soll erste Millionenstadt der Welt gewesen sein, im 8. Jahrhundert mit zwei Millionen Einwohnern sogar größte Stadt der Welt. 1.120 Jahre lang war Xi'an chinesische Hauptstadt. Ihre Bürger kommen im Winter für vier Monate in den Genuss einer Zentralheizung. Eine 14 Kilometer lange und gut erhaltene Stadtmauer umschließt die Altstadt, in der sich unser Hotel befindet. 12 Meter hoch und 18 Meter breit dominiert sie das Stadtbild. Xi'an, wo früher die Seidenstraße ihren Anfang nahm, heißt übersetzt „westlicher Frieden“. Mein erster Eindruck ist positiv, zwar liegt die Stadt unter dicken Wolken, aber sie ist sauber, hat separate Fahrradwege und ist von zahlreichen Blumenanlagen umgeben. Doch werden, so hören wir, täglich 800 neue Autos angemeldet. Probleme gibt es beim Bau der U - Bahn, weil auf der Trasse etliche Gräber den Weiterbau hindern oder erschweren. Man meint, Xi'an sei die Stadt der Vergangenheit, Peking die der Gegenwart und, natürlich, Shanghai Stadt der Zukunft. Der 1. Mai ist auch hier ein Feiertag und viele Chinesen haben vier Tage frei, deshalb wird vorgeschlagen, dass wir morgen um 6:40 Uhr losfahren, da bei den Terrakotta - Kriegern ein riesiger Andrang herrschen wird. Im Hotel bediene ich mich am ATM - Automaten.

Abends fahren wir in ein Hotelrestaurant und nehmen an einem Teigtaschenessen teil. Nach der Vorspeise werden Knödel in allen Variationen aufgetischt, mit Geflügel, Schwein, Fisch, Sauerkraut, Schnittlauch und, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Walnüssen. Dazu werden Getränke gereicht, Tee und Bier und ein 50 %iger Hirseschnaps. Gekostet hat das Spektakel 150 RMB. Eine Lichterfahrt zum gleichen Preis wurde ebenfalls angeboten, wir haben allerdings abgelehnt.

Später wandern wir noch über den Moslemmarkt in Hotelnähe, ich kaufe mir für 3,- Euro einen Rasierer mit Schaum, denn Rasierschaum allein stand nicht im Angebot, und verabschiede mich dann von meinen Begleitern. In der Nähe des Hotels finde ich ein Lokal genau nach meinem Geschmack und trinke noch ein Paar Gläser Bier, der Mitarbeiter stellt mir, for free, wie er sagt, einen Teller mit Bohnen und Salat hin. Zwei Chinesen mit einer ganzen Palette leerer Bierflaschen vor sich prosten mir fortwährend zu.

Wieder klingelt der Wecker unbarmherzig um 5:15 Uhr. Und heute sage ich: das ist gut so. Um viertel vor acht fahren wir zu der Terrakotta – Krieger - Ausgrabungsstätte und dort angekommen schlägt meine gute Laune gleich um, mindestens 40 Busse parken bereits gegen acht Uhr auf dem Parkplatz und diverse Reisegruppen strömen dem Eingang entgegen. Wer kann schon wissen, dass es drei Stunden später zig Mal so viele sind …

Zunächst besuchen wir die erste Halle, und das ist die einzige, an die ich mich noch erinnern kann, alles andere ist Neuland. Hier wurden 4.000 der insgesamt 7.000 Figuren gefunden. Es dauert eine kurze Zeit, bis man vorn an der Besichtigungsbarriere steht, aber der Blick lohnt sich. Hier hat man die beste Sicht auf die Krieger, so in etwa hat es 1987 auch ausgesehen. Die Soldaten, jeder ist individuell gebaut und keiner sieht aus wie ein anderer, wurden in einer Schlachtordnung aufgestellt. Sie sind etwa 1,80 Meter groß und halten Waffen, wie Bögen, Langspeere oder Armbrüste in den Händen. Weiter hinten sind Streitwagen zu erkennen. Der Rang der Soldaten wird durch Kopfbedeckung bestimmt. Sieht man einen Krieger mit Haarknoten, handelt es sich um einfaches Fußvolk. Mützen in verschiedenen Variationen bestimmen die Offiziersränge. Wir gehen an der Seitenlinie weiter dem Ausgang entgegen und betreten dann eine Halle, in der einzelne Krieger ausgestellt sind, in der danach folgenden Halle kann man die Ausgrabungen verfolgen und Krieger in bestimmten Positionen wahrnehmen, so über 300 Bogenschützen, kniend oder stehend. In Glaskästen ausgestellt können sie so schonend besichtigt werden, so auch ein 1,94 Meter großer General, die größte bisher gefundene Figur. Doch dann der Schlag! Auf dem Weg zur 4. Halle habe ich den Eindruck, sämtliche Gäste wollen diese Ausstellung besichtigen. Total störend ist es, wenn man sich dann noch für ein Selfie in Pose stellt. Irgendwann ist der Eingang erreicht und dann heißt es nur noch drängeln, wenn man denn etwas sehen möge. Die Ausstellung findet in stark abgedunkelter Umgebung statt, einzelne Krieger, mal stehend, mal sitzend oder in Angriffstellung, später dann die von Pferden gezogenen Bronzewagen des Kaisers oder seines Vortrupps, die nach achtjähriger mühevoller Restaurierung seit 1988 im Museum ausgestellt sind. In dieser Halle herrscht ein Gedränge, wie ich es selten erlebt habe. Nicht auszudenken, wenn hier eine Panik ausbräche …Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich Tour Vital empfehlen, dass solche Reisen nicht an chinesischen Feiertagen angeboten werden, oder dass zumindest auf diesen Sachverhalt hingewiesen wird. Die Terrakotta – Armee ist nicht nur eine militärische Schlachtformation, sondern mit über 10.000 ausgegrabenen Waffen auch ein riesiges Waffenarsenal.

Dann, zurück auf dem Gelände, ich will meinen Augen nicht trauen, Menschen über Menschen vor dem Eingang zur ersten Halle. Ein Samstagabend Freimarkt zusammen mit Oktoberfest und dann noch ein Nord-Derby im Weserstadion, so in etwa vergleiche ich den Menschenansturm in diesem Moment und ich gebe zu, es belastet mich ein wenig. Ich habe einiges erlebt, aber einem solchen Menschenandrang bin ich noch nie begegnet und möchte es auch nicht wieder erleben.

Die Mausoleumsanlage des Kaisers Qin Shihuang liegt ca. 35 Kilometer östlich von Xi'an. Nach der Thronbesteigung hat er mit 13 Jahren angefangen, am Fuße des Berges Li sein Mausoleum bauen zu lassen. 247 v. Chr. wurde mit der Arbeit, die 39 Jahre dauerte und größtenteils von Sträflingen oder Zwangsarbeitern erledigt wurde, die teilweise lebendig begraben wurden, begonnen. Zeitweise wurden 720.000 Bauarbeiter beschäftigt. Die Terrakotta – Armee liegt 1,5 Kilometer östlich des Mausoleums und erstreckt sich über eine Fläche von ca. 20 Hektar. Sie repräsentiert die kaiserliche Leibgarde, die das Grab des Kaisers schützen soll. Im Dezember 1987 nahm die UNESCO die Anlage, die auch als achtes Weltwunder bezeichnet wird, in die Liste des Weltkulturerbes auf. Bis heute ist etwa ein Viertel der gesamten Anlage komplett freigelegt worden. Der Grabhügel selbst ist archäologisch unangetastet. Chinesische Archäologen wollen ihn erst später öffnen.

Beim Brunnenbohren wurden am 29.03.1974 die ersten Krieger entdeckt. Bauern hatten beim Pflügen auch schon die eine oder andere Entdeckung gemacht, dem aber keine Bedeutung zugemessen bzw. als böse Geister angesehen. Etwa 1.000 Krieger sind in den Hallen ausgestellt. Viele Figuren ruhen noch in der Erde, man lässt sie dort, um erst einmal ein geeignetes Konservierungsmittel zu erforschen.

Danach bleiben wir zum Mittagessen auf dem Gelände und erleben dann eine Teezeremonie. Eine charmante Chinesin stellt uns einige Sorten vor, wir dürfen probieren und danach, selbstverständlich, auch kaufen. Leider kommt mir der Tee auf unbekannte Art und Weise abhanden. Auf der Weiterfahrt wundere ich mich über die zahlreichen im Bau befindlichen Hochhäuser, freue mich aber auch über das Blumendekor am Straßenrand. Rote Granatäpfel hängen am Ast und leuchten. Das Busthermometer zeigt 29 Grad an. Am Straßenrand parken Busse auf einer Strecke von geschätzt fünf Kilometern und warten darauf, die Besucher zurück zu den Hotels, in die Stadt oder nach Hause zu bringen. In dieser Gegend hätten wir uns in einer der vielen Thermalquellen vom Stress erholen können.

Nächstes Ziel ist der Besuch einer Jadewerkstatt. Wir erhalten Informationen über den Rohstoff, die Herkunft und dürfen danach, wie sollte es anders sein, auch wieder einkaufen. In der Provinz Shaanxi, Hauptstadt ist Xi'an, wird Jade abgebaut. Die Form dieses Landesteils ähnelt einem Bogenschützen.

Anschließend fahren, besser schleichen, wir zur Großen Wildganspagode. Unterschiedliche Legenden werden um die Herkunft des Namens gesponnen. Auch hier wieder ein Besucheraufkommen, wie ich es mir nicht vorstellen kann. Eine Monobahn zu dieser Sehenswürdigkeit wird derzeitig erstellt. Männer mit Megaphon lenken die Massen in die richtigen Bahnen. Wir schauen uns die einzelnen Hallen an, genervte Kinder zerren an den Händen der Eltern oder stehen im Weg, es ist kein Vergnügen, diese absolute Sehenswürdigkeit zu genießen, das habe ich anders in Erinnerung. Ein Besuch der mehrstöckigen Pagode ist nahezu unmöglich, es sei denn, man wartet ein paar Stunden, um eine Eintrittskarte zu erhalten. Eine schier endlose Schlange steht vor dem Kassenhäuschen und windet sich um die Pagode. Der 64 Meter hohe Bau entstand 652 im Hofe des Klosters der großen Wohltätigkeit und ist ein Geschenk Kaisers Gaozong an seine verstorbene Mutter.

Später klärt uns ein Kalligraph über die chinesischen Schriftzeichen auf und jeder, der mag, kann seinen Namen auf Chinesisch erwerben, kostenlos auf Reispapier, für 50 RMB auf anderen dekorativeren Blättern. Ein kleiner Junge schaut mich fortwährend an und freut sich, dass seine Mutter erlaubt, sich mit mir fotografieren zu lassen. Junge Frauen in aufreizenden Kleidern, man könnte sie für Bräute halten, schlendern durch die Anlage und lassen sich fotografieren.

Auch die Fahrt zum Hotel gestaltet sich als grauenhaft, wir kommen fast nicht vorwärts. Man informiert uns, dass gekaufte Wohnungen 70 Jahre im Eigentum bleiben, danach muss wieder verhandelt werden. Ein Parkplatz kann, ebenfalls für 70 Jahre, für 200.000 CNY erworben werden. Sie erwähnt auch, dass die meisten Chinesen Atheisten sind und keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Ihre kleine Tochter kam mit drei Jahren in den Kindergarten bzw. die Tagesstätte. Ein großer Teil unserer Gruppe verlässt in der Nähe des Südtores den Bus, um noch einen Blick auf die oder einen Gang auf der Mauer zu erleben, der Rest fährt nach Hause. Ich beeile mich, gehe zur Mauer in der Nähe des Hotels und fotografiere ein wenig, danach geht es zum Abendessen in das Lokal, wo ich auch gestern schon ein Bier getrunken habe. Bilder zeigen die einzelnen Speisen an, ich zeige auf einen Teller und die Kellnerin erklärt mir mittels Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone, was ich gerade ausgewählt habe. Es schmeckt sehr lecker und der Chef des Hauses stößt mit mir an, er allerdings mit einem Glas Tee.

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