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China-Transsib 1
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StepMap China-Transsib 1
Bilder
Tor des Himmlischen Friedens

Tor des Himmlischen Friedens

In der Verbotenen Stadt

In der Verbotenen Stadt

In der Verbotenen Stadt

In der Verbotenen Stadt

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Himmelstempel

Himmelstempel

Himmelstempel

Himmelstempel

Geisterallee vor den Ming-Gräbern

Geisterallee vor den Ming-Gräbern

Eingang zu den Ming-Gräbern

Eingang zu den Ming-Gräbern

China und Transsib

hinein ins fernöstliche Abenteuer

Peking

Im "Hua Du Hotel" bleibe ich die nächsten Tage und Nächte. Bislang ist alles gut gegangen, mein Fuß schmerzt noch etwas beim Gehen, aber an sich ist oder war meine Mobilität nicht wesentlich eingeschränkt und ich bin froh, diese Reise doch angetreten zu haben.

Mit der Sprache hapert es allerdings ganz erheblich, weder mein Wörterbuch noch die Sprachkassette helfen mir beim Chinesisch-Sprechen weiter. Immer, wenn ich einen Satz vorlese, stoße ich auf Unverständnis. Vielleicht liegt es daran, dass viele Wörter durch bestimmte Betonungen unterschiedliche Bedeutung haben.

Peking (Beijing), die chinesische Hauptstadt mit 9 Mio. Einwohnern, hat dem Touristen viel zu bieten. Zwar sind einige Tempel und Bauwerke während der Kulturrevolution zerstört worden, aber die Stadt allein ist schon eine Reise nach China wert.

Ein Taxi bringt mich zum Platz des Himmlischen Friedens, zum Tiananmen. Einen so großen Platz habe ich zuvor noch nicht gesehen, er soll eine Fläche von 50 ha abdecken und einer der größten öffentlichen Plätze der Welt sein. Hier ist was los, Kinder, die ihren Drachen steigen lassen, Touristen, Radfahrer, Ehepaare, Männer in den traditionellen Blau- oder Grünanzügen, Frauen in modischerer Kleidung, Gruppen, Großeltern mit ihren Enkeln und viele Fotoportraitstände.
Manche Leute rufen mir ein "hello" zu, ein kleiner Junge überholt mich einige Male, um mich, den Langnasen, von vorn betrachten zu können.

Der Tiananmen liegt im Zentrum von Peking. Er grenzt im Norden an die Verbotene Stadt, dazwischen verläuft eine achtspurige Straße, im Osten befindet sich das Museum der Chinesischen Geschichte und Revolution, an der Westseite des Platzes die Halle des Volkes mit einer Kapazität von 10.000 Sitzplätzen im Hauptversammlungssaal und 5.000 Plätzen in der Banketthalle. Parteiversammlungen, Empfänge und Kongresse werden hier abgehalten.

Im südlichen Teil des Platzes wurde 1976/77 die Gedenkhalle Mao Tse-tungs gebaut, ein Mausoleum. Der Vorsitzende liegt in einem Sarkophag und die Öffentlichkeit kann an ihm vorbeidefilieren und einen letzten Blick auf ihn werfen. Zwei Wärter sorgen für Ordnung.
Es geht eigentlich ganz locker dabei zu, vor Jahren, beim Besuch des Lenin-Mausoleums in Moskau war ich wesentlich ergriffener.
In der Nähe der Gedenkhalle befindet sich noch das Denkmal der Volkshelden.

Sehr eindrucksvoll ist das Tor des Himmlischen Friedens, das Haupttor der Verbotenen Stadt.
Von diesem Platz hat Mao 1949 die Gründung der Volksrepublik China verkündet, ein großes Bild mit seinem Konterfei ist am Tor angebracht.

Tags darauf schließe ich mich einer organisierten Fahrt zu den Ming-Gräbern und zur Großen Mauer an. Wir sind etwa 20 Personen im Bus, Australier, Neuseeländer, Amerikaner und Japaner. Unser freundlicher und sympathischer Begleiter singt uns chinesische Lieder vor, aber auch La Paloma, und zeigt uns ein Fotoalbum mit Bildern seiner Kinder.

Nach etwa 40 km erreichen wir die in einem Talkessel angelegten Gräber. Auf beiden Seiten der Geisterallee, die zum Eingang führt, stehen Elefanten, Löwen, Kamele und andere Steintiere und später Soldaten.
Ein Teil der Grabanlage kann besichtigt werden, 13 Ming-Kaiser wurden hier bestattet.
Es ist Sonntag und viele Menschen haben sich auf den Weg gemacht. Aus den Lautsprechern erklingt laute Volksmusik, überall befinden sich Fotostände für ein schnelles Bildsouvenir.

Weiter geht es zur Mauer. Einachsschlepper kommen uns entgegen, auch Zwei- oder Dreigespanne, immer ein Pferd vorneweg. Ordner mir roter Binde am Arm kümmern sich um den Verkehr.

In Badaling sind wir am Ziel, die Große Mauer steht vor uns. Ich bin sehr beeindruckt von diesem erhabenen Bauwerk, das etwa 6 bis 7 m breit und 7 bis 9 m hoch ist. Von den Aussichtstürmen, die im Abstand von 200 m errichtet wurden, hat man früher in Windeseile mittels Rauch-, Spiegel- oder Lichtsignal Nachrichten übermitteln können.

Das einzigartige Kunstwerk ist rund 6.000 km lang und soll das einzige von Menschenhand hergestellte Bauwerk sein, das vom Mond aus mit bloßem Auge zu erkennen ist.
Hunderte von Besuchern sind unterwegs, vor, neben und auf der Mauer, die einzelnen Stufen sind ganz schön hoch und das Besteigen kostet mich einige Mühe.
Vor der Weiterfahrt kaufe ich noch ein paar kleine Deckchen als Mitbringsel.

Ein Voucher für die Transsib hatte ich schon von meinem Reiseveranstalter in Deutschland erhalten, um das Visum für die Mongolei und die Sowjetunion muss ich mich selbst kümmern. Obwohl genügend Taxis vor dem Hotel warten, winkt der Hotelboy ein Auto erst herbei, als weitere Personen sich zu mir gesellen.

In der russischen Botschaft erfahre ich dann, dass ein Visum in der kurzen Zeit, die mir bleibt, nicht ausgestellt werden kann und ich benötige ja auch noch das mongolische. Aber länger warten kann ich nicht, mein Urlaub neigt sich dem Ende zu und außerdem habe ich am übernächsten Wochenende einen Musiktermin. Eine Welt bricht für mich zusammen, denn die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war der Auslöser, diese Reise anzutreten, der absolut wichtigste Teil.

Keines klaren Gedankens fähig buche ich einen Rückflug nach Hause, vorher tausche ich sämtliche Reiseschecks ein und hebe auch noch etwas Geld mit der Kreditkarte ab, um die 3.900 Yuan für den Flug bezahlen zu können. In der Bank treffe ich einen Angehörigen der Deutschen Botschaft. Er gibt mir seine Visitenkarte und bietet mir jederzeit Hilfe an.
Wenn man jetzt doch einen Reisepartner hätte, um die ganze frustrierende Angelegenheit zu diskutieren!

Den ganzen Tag bin ich betrübt, sauer und enttäuscht, gehe zur Verbotenen Stadt, habe aber eigentlich gar kein Interesse und schaue mir die Kostbarkeiten eher mechanisch an.
Der Kaiserpalast verfügt über 9.000 Räume und gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Chinas. Thronsäle, Gebäude, gewaltige Empfangshallen, all das lese ich im Reiseführer, schaue es mir auch an, nehme es aber gar nicht richtig wahr.

Auch dem Beihei-Park statte ich einen Besuch ab. Aber auch hier kommt noch keine größere Freude auf, obwohl der Park mit dem See, wie ich Tage später feststelle, eine herrliche Oase der Ruhe ist.

Um es vorwegzunehmen, die Zugfahrt hat dann doch noch geklappt. Ich habe gerechnet und gerechnet, verschiedene Fahrpläne studiert und dann herausgefunden, dass es doch noch einen Weg gibt, nämlich den Zug durch die Mandschurei, er fährt einige Tage später, am Samstag, ab und ich brauche nur das russische Visum, nicht aber das für die Mongolei, es müsste soeben zeitlich klappen.

David, einen Mitarbeiter des CTS, des China Travel Service, hatte ich vor einigen Abenden in der Hotelbar kennengelernt. Glücklicherweise ist er auch heute anwesend, ich spreche ihn an und bitte ihn, mir zu helfen. Er sagt spontan zu und holt mich am nächsten Tag ab. Zuerst kaufen wir eine Zugfahrkarte für umgerechnet 330,-- DM, dann fahren wir zum Flugschalter und geben das Flugticket zurück. Der komplette Preis wird mir bis auf den letzten Cent in US-Dollar zurückerstattet.
David ist sehr kompetent, er stellt sich immer in der richtigen Reihe an braucht nur einen kleinen Moment zu warten, ich hätte für diese Transaktionen wohl über einen Tag benötigt. Ich kann ihm gar nicht genug danken.

Ein kurzer Anruf in Deutschland und Freund Harms organisiert alles weitere. Er sorgt dafür, dass alles parat liegt und ich sofort nach dem Eintreffen zum Auftritt fahren kann, schließlich ist jede Minute nach der Ankunft kostbar. Auch führt er einige notwendige Telefonate für mich.

Wie konnte diese tragische Planungspanne passieren? Das Frankfurter Reiseunternehmen nahm an, dass mir genügend Zeit für die Visumbeschaffung zur Verfügung stehen würde, hatte aber nicht realisiert, dass ich am Freitag in Peking eintreffe und die Botschaften am Wochenende nicht arbeiten und somit zwei Tage für die Bearbeitung fehlen.
Jetzt bleibe ich halt noch einige Tage länger in der chinesischen Hauptstadt.
Später in Deutschland habe ich über einen Rechtsanwalt meinen Schaden geltend gemacht und den geforderten Betrag auch anstandslos von Panda-Tours erhalten.

Jetzt kann der Urlaub also weitergehen. Beschwingt fahre ich zum Himmelstempel und bin begeistert von dieser wunderschönen Konstruktion, es ist ein grandioser Anblick. Habe wohl auch einen günstigen Zeitpunkt erwischt, denn beim Weggehen kommen mir etliche Busse entgegen.

Bekannte hatten mich gebeten, eine Freundin von ihnen zu besuchen. Frau Schink arbeitet in der hiesigen Niederlassung der Bremer Importfirma Melchers, das Büro befindet sich im Beijing-Hotel. Natürlich komme ich dieser Bitte gern nach und überrasche Frau Schink mit einem Gruß aus der Heimat. Wir verabreden uns für einen der nächsten Abende, es kommt aber aus betrieblichen Gründen zu keinem weiteren Treffen. Im Restaurant dieses Hotels, das sich in der Nähe des Tiananmen befindet, habe ich später einige Male gegessen.

Lieder von Richard Clayderman sind gerade populär als Tischmusik, leider höre ich diese Stücke auch permanent im Hotel, selbst auf den Hotelfluren.
Auf jeder Etage des Hua Du Hotels wacht eine Anstandsdame.

An einem der nächsten Tage nehme ich wiederum an einer Gruppenfahrt teil. Unser Reiseteam besteht dieses Mal aus Amerikanern, Italienern, Mexikanern, Hongkong-Chinesen und Ursula, einer Schweizerin, die am nächsten Samstag ebenfalls mit der Transsib fahren wird.

Zuerst fahren wir zum Zoo, um das chinesische Symboltier, den Pandabären, zu beobachten

Der Sommerpalast ist unser nächstes Ziel. Die Anlage wurde einige Male verwüstet und geplündert, aber immer wieder renoviert. Mir gefallen die Gebäude und der Park richtig gut, wenn es man nicht so überlaufen wäre. Sehr beeindruckt hat mich der lange Korridor mit den 8.000 Bildern. Mit der Fähre geht es über den malerischen See zum Ausgangspunkt zurück.

Zum Schluss wird noch der Lamatempel besucht. In diesem sehr gut erhaltenen Tempel leben einige Mönche.

Einen Teil der 6 Mio. Fahrräder in Peking hatte ich schon gesehen, nicht aber das andere wichtige städtische Verkehrsmittel, die U-Bahn. Ohne besonderes Ziel steige ich ein und will nach einigen Stationen wieder aussteigen, jedoch, es gelingt mir nicht. Bei jedem Halt drängen sich dermaßen viele Fahrgäste in den Wagen, dass man nur bei Anwendung von Gewalt hinauskommt, manchmal endet das Gedränge in einer Schlägerei.

Der letzte Tag ist angebrochen. In einem Freundschaftsladen decke ich mich für die bevorstehende Zugfahrt ein und kaufe einige Bücher in deutscher Sprache, Lebensmittel, Rotwein und Sherry-Brandy.
Abends trinke ich einige Flaschen Bier mit einem Amerikaner. Cola ist z. Zt. nicht lieferbar, die Rechnung wird in dreifacher Ausfertigung ausgefüllt.

Nun also zum Bahnhof. Auch hier Menschenmengen wie überall und immer. Auf dem Bahnhofsvorplatz lagern Hunderte, ihre Habseligkeiten bewahren sie in großen Taschen oder in Säcken verschnürt. Hier werde ich besonders angestarrt und gemustert, wahrscheinlich haben die Reisenden aus der Provinz noch kein europäisches Gesicht gesehen.
Der Warteraum für Transsib-Reisende ist relativ leer, die Lautsprecherdurchsagen sind, obwohl in Englisch, schwer zu verstehen.
Ein Zugabteil 2. Klasse wird in den nächsten sechs Tagen und Nächten mein Zuhause sein.

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