Eine Rundreise durch Lykien

Ephesus - Aphrodisias - Pamukkale - Antalya

bei Antalya

„Auf was haben wir uns da eingelassen“ denke ich mir. Hin- und Rückflug Hannover – Antalya – Hannover und eine sechstägige Rundreise einschließlich Hotel und Frühstück für schlappe 129,- Euro. Wo ist der Haken? Aber es kommt ganz anders als gedacht. Der auf die Minute pünktliche Flug mit „Freebird“, die Unterkünfte und das Programm sind in Ordnung und, von kleinen Ausnahmen abgesehen, bin ich im Nachhinein sehr zufrieden mit dem Erlebten. Später werden wir erfahren, dass der türkische Staat diese Veranstaltungen sponsert und unterstützt, um den Hotels und anderen Beteiligten außerhalb der Saison ein Überleben zu ermöglichen. Wenn die Rundreise sich mehr oder weniger als Butterfahrt oder Werbetour herausgestellt hätte, wäre ich aus der Gruppe ausgestiegen und zum Rückflug wieder rechtzeitig am Flughafen gewesen.

Der nach knapp drei Stunden beginnende Landeanflug ist phantastisch, so haben wir sowohl einen herrlichen Blick auf die Gipfel der Taurusberge als auch auf das Mittelmeer. In Antalya stellen wir die Uhr um, hier ist es schon eine Stunde später. Schnell haben wir die Abfertigung hinter uns und verteilen uns dann draußen auf die rund zehn bereitstehenden Busse des türkischen Veranstalters NBK Touristik.

Auf dem Weg zum in der Nähe von Beldibi gelegenen „Hotel Yelken“, übersetzt „Segel“, zeigt ein Thermometer warme 18 Grad an, einige Tage später kommen wir sogar in den Genuss von 22 Grad – und das im November!
Özer, unser Reiseleiter, stellt uns den heutigen Programmablauf vor und preist zusätzlich buchbare Leistungen an. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich für das sogenannte Genusspaket, denn hier sind die täglichen Abendessen und interessante Besichtigungen eingeschlossen. Da die Hotels manchmal sehr abgelegen sind, ergibt sich gar keine Alternative zum abendlichen Dinner. Unabhängig davon ist die Gruppe aber wegen der unterschiedlichen Buchungen häufig auseinander gerissen und man hätte diese Problematik sicher besser lösen können. Ein weiteres Paket würde andere Eintrittsgelder, ein tägliches Mittagessen und den Besuch des sogenannten Türkischen Abends abdecken.

Die Fahrt zum Hotel gefällt mir. Auf der einen Seite sehen wir das teils im Nebel liegende Taurusgebirge, auf der anderen das in der Abendsonne glänzende Mittelmeer. Einige Mitreisende nehmen nach dem Einchecken ein Bad, denn unsere heutige Unterkunft liegt direkt am Strand. Viele Nachbarhäuser, riesige Hotelanlagen, haben ihren Dienst in der jetzt vorherrschenden Nebensaison eingestellt. So auch meine Uhr und ich mache mich auf den Weg in den Ortskern, um eine neue Batterie zu kaufen. Der Mitarbeiter hat jedoch Probleme, meinen Zeitmesser zu öffnen und so erwerbe ich nach kurzer Verhandlung ein neues Chronometer. Doch keine 20 Minuten später hat es seinen Geist aufgegeben. Batterie leer oder Uhr kaputt? Ich weiß es nicht, kehre zurück und lasse mir das Geld wiedergeben. Die Preise sind häufig in Euro angegeben, heute erhalten wir einen Kurs von 2,20 (1 Euro ~ 2,20 TL), beim Tausch im Hotel wäre es etwas ungünstiger. Später können wir feststellen, dass ausreichend Bankautomaten zur Verfügung stehen, einige enthalten außer der Türkischen Lira zusätzlich Euro- oder Dollarscheine. Die Bedienungsanleitung ist manchmal sogar in russischer Sprache zu lesen.

Am nächsten Morgen macht uns Özer im Bus auf ein paar Änderungen des Reiseverlaufs aufmerksam. Als ich höre, dass Pamukkale ausfallen wird, reagiere ich wohl eine Spur zu energisch. Aber ich bin total enttäuscht, da Ephesus und die Kalkfelsen in Pamukkale für mich die wichtigsten oder interessantesten Ziele dieser Reise darstellen und mich zur Buchung bewegten. Doch auch die Reaktion von Özer ist alles andere als souverän. Seit diesem Moment steht für mich fest, dass ich die Besichtigung auf jeden Fall vornehmen und mich von der Gruppe trennen werde. Ansonsten habe ich an unserem Reiseleiter nichts auszusetzen, er ist geschichtlich gut informiert, gibt uns viele Einblicke in das türkische Leben, erklärt die Botanik am Straßenrand und ist der deutschen Sprache mächtig, wenn auch nicht perfekt.
So erfahren wir, dass der türkischen Bevölkerung nur im Winter die Arbeit fehlt, im Sommer gibt es, nicht zuletzt wegen des Tourismus, dieses Problem nicht. Das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei 800 TL, was mit den relativ hohen Spritpreisen überhaupt nicht in Einklang steht. Ein Liter Benzin kostet über 4 TL.

Unterwegs sehen wir viele Pinien und Platanen, kommen, gerade in der Gegend um Kumluca, an gewaltigen Orangenhainen und manchmal an Granatapfelplantagen vorbei. Häufig ist das blaue Wasser des Mittelmeeres zu erkennen. Immer wenn eine Pause eingelegt wird, warten geschäftstüchtige Mitarbeiter auf uns und bieten gepressten Granatapfel- oder Orangensaft an.
In Finike bessern einige Mitreisende an einem Geldautomaten ihr Barvermögen auf.

Kurz vor Demre, dem früheren Kale (=Festung), wo wir eine längere Besichtigungspause einlegen, beeindrucken mich die riesigen Gewächshäuser. Es werden u. a. Tomaten angebaut.


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