Karte
Buchtipps
Bilder
Hauptstraße in Chuschir

Hauptstraße in Chuschir

auf der Hauptstraße

auf der Hauptstraße

mobile Sauna

mobile Sauna

schöner Strand

schöner Strand

Schamanenfelsen

Schamanenfelsen

Inselrundfahrt 1

Inselrundfahrt 1

Inselrundfahrt 2

Inselrundfahrt 2

Inselrundfahrt 3

Inselrundfahrt 3

Inselrundfahrt 4

Inselrundfahrt 4

Inselrundfahrt 5

Inselrundfahrt 5

Inselrundfahrt 6

Inselrundfahrt 6

Cape of Love

Cape of Love

Nikolai und Familie

Nikolai und Familie

Gemächlich durch die Zeitzonen - mit Speed durch die Landschaft

Russland - Südkorea - Japan - China - Mongolei

Insel Olchon

Auf staubigen und holprigen Sandstraßen geht es zur Unterkunft im Hauptort Chuschir. Die vier Chinesen aus dem Bus wohnen zusammen mit mir im „Baikal Minihotel“, 15 Minuten vom Zentrum entfernt, aber nahe am phänomenalen Sandstrand. Unter den Bäumen, mit absolut einmaligem Blick auf den See, stehen ein paar Zelte. Die Hotelanlage besteht aus Holzhäusern, rustikal aber gemütlich. Dusche und WC muss ich mit anderen Reisenden teilen. WLAN wird zwar angeboten, aber an den vier Tagen meines Aufenthaltes funktioniert es nicht. Ich gehe in den Ort, decke mich im Supermarkt mit Lebensmitteln ein und peile die Lage. Busausflüge sind möglich. Im Zentrum gibt es etliche Cafés, besonders beliebt ist das „Kudnieza“, weil hier der Internetempfang häufig möglich ist. Ein Internetcafé ist aber auch vorhanden, Souvenirshops und Touranbieter warten auf Kundschaft. Irina, die Hotelrezeptionistin, will sich um meine dreckigen Hemden kümmern. Auch hier, warum erwähne ich es überhaupt, rudimentäre Englischkenntnisse. Mein Abendessen nehme ich auf der Terrasse des Hotels ein: Brot, Mettwurst, Bananen und Baltika. Einige Gäste, darunter eine Gruppe junger Franzosen, essen im Hotelrestaurant. Leider hat es nur während der Mahlzeiten geöffnet und eine Bestellung à la Carte ist nicht möglich.

Hier nehme ich am nächsten Morgen mein Frühstück ein: Brot, Pfannkuchen und Kaffee. Auf den Brei verzichte ich. Dann gehe ich zum Internetcafé, das in einem Wohnwagen untergebracht ist, und bearbeite meine Emails und den Blog. Grigorij, der Inhaber, spricht gut Deutsch, er arbeitet als Deutschlehrer und war schon einmal mit dem Auto in Deutschland. Auch Bremen hat er damals besucht. Seine Frau betreibt nebenan in einer Jurte ein Souvenirgeschäft. Ich bin froh, ihn getroffen zu haben, kann ich doch so alle meine Fragen formulieren und meinen Wissensdurst stillen. Nachmittags regnet es. Bei einem Anbieter buche ich eine Tour für den nächsten Tag und gehe danach an den weißen Sandstrand. Drei mobile Saunawagen werden gerade aufgeheizt. Aus der Ferne dachte ich, es handele sich um Fischräuchereien. Dann sehe ich mir den Schamanenfelsen Mys Burchan an, das wohl meist fotografierte Objekt des Ortes. Es soll sich um eines der wichtigsten burjatischen Heiligtümer handeln. Auf der Herfahrt hatten wir schon andere schamanische Gedenkstätten, zu erkennen an den bunten Stofffetzen, gesehen. Ein paar Touristengruppen sind unterwegs. Dicke Wolken ziehen auf und ich beeile mich, in den Ort zu kommen. Unterwegs werde ich von einer Frau nach dem Weg gefragt. Wir gehen zusammen in ein Café, unterhalten uns angeregt und warten das Ende des Regens ab. Einmal fällt der Strom aus. Meine Gesprächspartnerin kommt aus der Gegend von Novosibirsk, spricht gut Englisch und ist mir bei der russischen Speisekarte behilflich. Der Vater ihres Freundes war als Soldat in Berlin und sammelt Bierdosen. Später treffen wir uns noch einmal im „Kudnieza“. Hier bestelle ich heimischen Weißfisch auf Toast.
Abends schreibe ich Ansichtskarten auf der Terrasse, nebenan grillen ein paar Russen Fisch und es riecht sehr verführerisch.

Nach dem Frühstück warte ich anderntags auf den Bus, der mich zur Inselrundfahrt abholt. Eine Russin, die mit zwei Freunden aus Moskau ebenfalls die Tour plant, bittet mich in den gerade ankommenden Minibus. Aber es ist der falsche, doch das Problem ist schnell geklärt und fünf Minuten später sitze ich im richtigen Fahrzeug. Unser Reiseleiter heißt Igor, er lässt sich auch gern mit George anreden. Die Gästeschar besteht außer mir aus acht Russen und Denis aus Südkorea. Er hat Theologie studiert und eine Arbeitserlaubnis für Dänemark, weiß aber noch nicht, in welcher Branche er später tätig sein wird. Über sandige und holprige Pisten, manchmal durch einen halben Meter tiefe Schlaglöcher, brausen wir durch den Nadelwald oder über die Steppe. Insgesamt werden fünf Stopps eingelegt, an schamanischen Orten oder an Stellen mit grandioser Aussicht auf das Meer, auf die schroffen Steilküsten oder die weißen Strände.
Zunächst halten wir in Charantzy, wo sich vor der Revolution eine buddhistische Anlage befand. Ein freundlicher Moskauer, der auch etwas Englisch spricht, leiht mir sein Fernglas. Aber es ist diesig und eine Fernsicht momentan nicht möglich. Weiter geht es bis Pestschanaja, was etwa „viel Sand“ bedeutet. Hier befand sich früher ein Gulag, wohin in der Stalin-Ära Polen, Ukrainer, Letten und andere deportiert wurden. Dann wird es steiler und es geht bergauf. Der Fahrer muss mit äußerster Genauigkeit und Präzision zwischen dem Fahrweg und den tiefen Rinnen lavieren. Ein normaler PKW hätte hier keine Chance. Der nächste Stopp erfolgt im so genannten White Cape „Sagan Hushbun“, wo früher ebenfalls Schamanen lebten. Danach kommen die „Drei Brüder“, drei große Felsen, die abgesondert vor der Steilküste stehen. Eine Legende rankt sich um diese Felsengruppe. Hier spricht mich eine russische Reiseleiterin an, wir hatten uns gestern beim Schamanenfelsen getroffen. Als sie hört, dass ich allein von Moskau nach Wladiwostok reise, ohne einer Gruppe anzugehören, schüttelt sie ungläubig den Kopf und sagt wortgetreu: Tapfer, tapfer! Mir kommt es nicht riskant vor. Schließlich erreichen wir die Nordspitze, das Cap Choboi, einen heiligen Ort, und staunen über die Steilküste und das unglaubliche Panorama. An einer Stelle können wir fette Baikalrobben beobachten. Zum Mittagessen gibt es eine Fischsuppe vom heimischen Omulfisch und eine Tasse Tee. Denis und ich erhalten von Igor, wenn wir danach fragen, eine Spezialinfo auf Englisch. Nachdem wir uns noch das Cape of Love angesehen haben, hierher kommen kinderlose Paare und erhoffen sich Nachwuchs, denn die Felsformation sieht aus, wie eine empfangsbereite Frau, fahren wir in das Dörfchen Usuri, wo es früher eine Wetterstation gab.

Zurück in Chuschir gönne ich mir in einem Lokal einen leckeren Räucherfisch und werde, zurück im Hotel, von Nikolai eingeladen, an den Tisch seiner Familie zu kommen. Er hat den Grill angeworfen, spricht gutes Englisch und so verleben wir einen sehr lustigen Abend. Nikolai und seine Frau Helena haben Ökonomie studiert, wohnen in Irkutsk und sind mit dem PKW hergefahren. Zur Familie gehören noch die kleine Alexandra (Sascha) und der fünf Monate alte Artjun. Mein Gastgeber zieht das in Russland gebraute Amstel-Bier dem Baltika-Bier vor, ich bin da eher anderer Meinung.

Der Baikalsee, burjatisch reicher See, ist mit 1.642 Metern der tiefste und mit mehr als 25 Millionen Jahren der älteste Süßwassersee der Erde. Seine Länge beträgt 636 Kilometer, die Breite bis zu 80 Kilometer. Er wird von über 300 Flüssen gespeist. Mit über 20.000 Kubikkilometern Wasser, doppelt so viel wie die Ostsee, bräuchten alle Flüsse der Erde ein Jahr, um den See zu füllen. Er deckt 20 Prozent des gesamten Süßwasserbestandes der Erde ab. Im Winter bedeckt eine bis zu 1,50 Meter dicke Eisschicht den See. 22 Inseln befinden sich im Baikal, die größte davon ist Olchon mit 90 Kilometer Länge und 15 Kilometer Breite. Etwa 1.500 Einwohnern leben hier, davon 1.200 im Hauptort Chuschir.

Am nächsten Morgen bittet Irina uns, nur das Plumpsklosett zu benutzen, auf der Insel herrscht Stromausfall. Im Hotel treffe ich Alexandra aus Essen, sie und ihr Freund sind mit dem bisherigen Ablauf der Reise nicht ganz zufrieden. Sie hatten ihren Urlaub bei derselben Bremer Firma wie ich gebucht. Mittags ist der Strom wieder da und ich gehe zum Internetcafé und erledige meine Post. Hier gebe ich auch die Ansichtskarten ab, denn Grigorijs Frau besorgt Briefmarken und kümmert sich darum. Später, zurück in Deutschland, denke ich lange Zeit, dass die Karten nicht ankommen und sie das Geld für die Briefmarken eingesteckt hat. Aber das stimmt nicht. Zehn Tag nach meiner Rückkehr liegen auch die Ansichtskarten im Briefkasten. Wie steht es schon in der Bibel: Die Letzten werden die Ersten sein.
Im Ort kehre ich wieder auf ein Bier in ein schon bekanntes Lokal ein. Die Dorfpolizei sitzt an einem Tisch und stärkt sich.

Abends verweile ich wieder mit Nikolai auf der Terrasse, er hat sich inzwischen meine Website und den Blog angesehen und ist ganz begeistert, dass auch er darin vorkommt. Nebenan wird ebenfalls gegrillt und die Lautstärke schwillt zunehmend an. Als Nikolai nach seiner Familie schaut, werde ich an den Tisch gebeten. Sechs Russinnen und ein Russe aus Irkutsk, Moskau und Sankt Petersburg, wir waren uns in den letzten Tagen immer mal begegnet, essen und trinken - oder umgekehrt. Eine Frau spricht ganz wenig Deutsch, sie kann fast keine meiner Fragen beantworten, dafür aber den Text des Loreley-Liedes „Ich weiß nicht was soll es bedeuten …“ fehlerfrei aufsagen, eine andere versteht etwas Englisch, aber was macht das schon. Einer kennt Werder, der andere Becks, sofort gibt jeder sein Wissen über Bremen zum Besten. Nikolai sitzt mittlerweile auch an unserem Tisch und ist ein vorzüglicher Übersetzer. Die Wodkagläser werden immer nachgefüllt, auf Gott und die Welt angestoßen, aber auch auf Deutschland und mich. Einfach grandios. Dann schleiche ich mich heimlich davon, um am nächsten Morgen auf der Rückfahrt nicht allzu verkatert zu sein. Wer kann schon wissen, dass meine Kumpane ebenfalls im Bus sind, jedenfalls sechs davon, sie haben Abschied gefeiert und bestimmt nicht an die Rückfahrt gedacht. Mit Sicherheit können sie den Wodka besser vertragen als ich.
Es ist sehr heiß im Bus, den Fahrer kenne ich schon, er hatte uns vor Tagen von Irkutsk zur Fähre gebracht. Dieses Mal brauchen wir den Bus nicht zu wechseln. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten und dann, endlich mal wieder auf Teerstraßen, geht es geradeaus nach Süden. Kühe und Pferde suchen Schatten unter dem Dach einer Bushaltestelle. Am Bahnhof Irkutsk werden wir abgesetzt, mein Zug geht in gut vier Stunden, aber eine Frau muss lange acht Stunden auf ihre Weiterfahrt nach Sankt Petersburg warten.


Reisebericht bewerten (bisher 44 Stimmen)