Karte
Buchtipps
Bilder
zufällig ist Uwe auch in Peking

zufällig ist Uwe auch in Peking

Himmelstempel 1

Himmelstempel 1

Himmelstempel 2

Himmelstempel 2

Himmelstempel 3

Himmelstempel 3

sonntags ist Tanz angesagt

sonntags ist Tanz angesagt

köstliche Pekingente

köstliche Pekingente

Menschenschlange vor dem Platz des Himmlischen Friedens

Menschenschlange vor dem Platz des Himmlischen Friedens

Platz des Himmlischen Friedens

Platz des Himmlischen Friedens

in der Verbotenen Stadt

in der Verbotenen Stadt

in der Verbotenen Stadt 2

in der Verbotenen Stadt 2

in der Verbotenen Stadt 3

in der Verbotenen Stadt 3

in der Verbotenen Stadt 4

in der Verbotenen Stadt 4

Blick auf die Verbotene Stadt

Blick auf die Verbotene Stadt

an der Chinesischen Mauer

an der Chinesischen Mauer

bei den Ming-Gräbern

bei den Ming-Gräbern

Gemächlich durch die Zeitzonen - mit Speed durch die Landschaft

Russland - Südkorea - Japan - China - Mongolei

Peking

Uwe wartet bereits in der Ankunftshalle. Er hat wieder beruflich in der Hauptstadt von China (über 20 Millionen Einwohner) zu tun und wir hatten uns ja auch schon häufiger in verschiedenen Ländern und auf mehreren Kontinenten getroffen. Gemeinsam fahren wir zum „Crowne Plaza“, zentral in der Wangfujing Road gelegen, wo ich vor ein paar Tagen ein Zimmer online gebucht hatte. Abends verabreden wir uns am Yashow Market, speisen dann in der Sanlitun-Gegend und halten uns auch später in diesem mit Bars und Kneipen reichlich gesegneten Viertel auf. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir ein Dachlokal im 5. Stock unter freiem Himmel. Leider bemerken wir erst auf dem Rückweg, dass es auch einen Aufzug gegeben hätte. Angesichts des Getränkesortiments und der Musikberieselung habe ich immer wieder das Gefühl, in Singapur, New York oder einer anderen kapitalistischen Metropole zu sein – jedoch nicht in Peking. Wie hat es sich verändert! Fleißige Menschen verlegen nach 22.00 Uhr noch Gehwegplatten. Zum Ausklang des Abends fahren wir in Maggie´s Bar, von der ich gehört hatte und die ich unbedingt kennen lernen wollte. Wir finden eine super Location vor, eine tolle philippinische Lifeband und auch hier fällt es schwer zu begreifen, dass wir uns in der chinesischen Hauptstadt aufhalten. Auch wenn ich mich wiederhole, das hat mit der Situation 1987 aber auch gar nichts mehr zu tun. Eine Einblendung auf einem der Screens über dem Tresen besagt, dass, wenn einem die Musik zu laut erscheint, man zu alt für diese Bar ist. Aber es wird auch mit demselben Medium geraten, sich nachts nicht mit einer Rikscha oder einem nicht registrierten Taxi ins Hotel fahren zu lassen. Es müssen wohl viele deutsche Gäste anwesend sein, denn der DJ legt später Spider Murphy´s "Skandal im Sperrbezirk" auf, wechselt zu Udo Lindenberg und lässt dann Helene mit uns atemlos durch die Nacht schreiten.

Am nächsten Mittag treffen wir uns am Himmelstempel. Das Fahren mit dem Taxi ist erschwinglich, man sieht, im Gegensatz zur Fahrt mit der Metro, etwas von der Stadt und die Hotels haben kleine Kärtchen, auf denen die üblichen touristischen Ziele auf Englisch und Chinesisch verzeichnet sind. Auch in Peking sind manche Taxifahrer durch ein Schutzschild vom Beifahrer getrennt. Über riesig breite Straßen, gesäumt von vielen neuen Gebäuden, geht es vorwärts. Mir erscheint die Stadt sehr sauber.

Die gewaltige Tempel- und Parkanlage habe ich auch wesentlich kleiner in Erinnerung. Früher beteten hier die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien für eine gute Ernte. Dominiert wird dieser Platz von der „Halle der Ernteopfer“, auch „Halle des Erntegebets“ genannt und der von einer Echomauer umgebenen „Halle des Himmelgewölbes“. Viele Familien sind unterwegs und nutzen den Sonntag zu einem Spaziergang an frischer Luft. Auf diesem Areal kann man sich stundenlang bewegen. Die beiden Haupttempel sind nur von außen zu besichtigen, ob das früher auch so war? Ich weiß es nicht mehr. Eine kilometerlange doppelte Mauer umgibt die gesamte Anlage. Am Nordeingang spielen ein paar Gruppen mit traditionellen Instrumenten auf, ein paar Schritte weiter vergnügen sich Männer und Frauen beim Tanz am Sonntagnachmittag.

Abends verabreden wir uns im „King Roast Duck“, denn hier soll die Pekingente besonders gut schmecken. Vorsorglich bitte ich im Hotel, uns einen Tisch zu reservieren, wir hätten aber immer einen Platz gefunden. Leider versteht uns keiner und die Reservierung hätte ich mir sparen können. Glücklicherweise ist die Speisekarte bebildert. Es schmeckt vortrefflich und wir haben nach kurzer Zeit auch den Bogen raus und wissen, wie wir das Fleisch mit den weiteren Zutaten verbinden, ein Blick auf den Nachbartisch ist dabei recht hilfreich. Es regnet heftig, als wir aus dem Lokal treten und die privaten Taxifahrer nutzen diese Notlage aus. Schließlich einigen wir uns auf einen Fixbetrag, der Fahrer muss mich aber wohl falsch verstanden haben, denn bei der Ankunft ist er mit dem Fahrgeld überhaupt nicht einverstanden, hat aber dennoch ein gutes Geschäft gemacht.
  
Seit Tagen versuche ich auf die Facebookseite zu kommen, allerdings ohne Erfolg. Uwe meint, dass dieses soziale Netzwerk in China nicht unterstützt wird. Während meines Aufenthaltes weilen auch die Spieler von Bayern München in Peking, gestern haben sie im Olympiastadion gegen Valencia gespielt. Auf der Wangfujing Road tanzen kurz vor Mitternacht noch einige Paare, ein Mann beherrscht den Walzer links herum perfekt.

Nach dem Frühstück fahre ich zum Büro der BTC Reiseagentur und nehme das Zugticket für die Weiterfahrt nach Ulan Bator in Empfang. Dann mit dem Taxi weiter zum Tian´anmen, dem Platz des Himmlischen Friedens. Obwohl es sich um den größten Platz der Welt handelt, staut sich die Fußgängerschlange vor dem Eingang. Unglücklicherweise fängt es noch an zu regnen und so sehe ich vor mir nur eine Armada von Schirmen. Über den gesamten Platz haben sich Besuchergruppen verteilt. Angesichts des Regens überlege ich, nach Hause zu fahren, aber viele Alternativen bieten sich nicht an, denn für den nächsten Tag habe ich bereits einen Ausflug zur Chinesischen Mauer gebucht. Also ausharren und dem Wetter Paroli bieten. Auf die Besichtigung des Mao-Mausoleums verzichte ich, da ich schon einmal in diesen heiligen Hallen gewesen war. So betrete ich die Verbotene Stadt durch das Mittagstor und reihe ich mich im Außenhof in eine der vielen langen Schlangen vor dem Ticketcenter für den Besuch ein und übe mich in Geduld. Beim Kauf muss der Pass vorgelegt werden, Kinder unter 1,20 Meter haben freien Eintritt. Eine entsprechende Messlatte ist am Kassenhäuschen angebracht. Leider ändert sich das Wetter nicht und so gehe ich etwas missmutig in die Anlagen des Palastes, der bis 1911, also bis zur Revolution, Residenz der Ming- und Qing-Kaiser war.

Im Jahr 1406 wurde mit dem Bau des Kaiserpalastes begonnen. Dem Einsatz von etwa einer Million Sklaven ist es zu „verdanken“, dass er im Jahre 1420 beendet werden konnte. Auf der Grundfläche von 720.000 Quadratmetern befinden sich 890 Paläste mit symbolischen 9.999 Räumen, da nur dem Himmel 10.000 Zimmer zustehen. Im Außenhof befinden sich u.a. die Halle der Höchsten Harmonie, die Halle der Mittleren Harmonie und die Halle zur Erhaltung der Harmonie.

Durch das Tor der Himmlischen Reinheit gelangt man in den inneren Hof mit dem Palast der Himmlischen Reinheit, der Halle der Berührung von Himmel und Erde und dem Palast der Irdischen Ruhe. Die Bezeichnung „Verbotene Stadt“ entstand durch die Maßnahme, dass der einfachen Bevölkerung der Zutritt zum Kaiserpalast verboten war. Angesichts der vielen Menschen mit ihren Regenschirmen und dem schlechten Wetter bin ich ganz froh, die Anlage durch die Königlichen Gärten verlassen zu können. Es ist schon recht nervig, wenn der Weg permanent von Gästen, die für ein Selfie stehen bleiben, versperrt wird.

Zurück laufe ich zu Fuß, nachdem die Taxifahrer den Wettervorteil ausnutzen und nur für einen Festpreis fahren wollen, der nicht akzeptabel ist. So spaziere ich die nächste Zeit am nahen Boulevard Wangfujing entlang und erhole mich von den Besuchsstrapazen in einigen Teestuben und gegen Abend bei einer Fußmassage. Passend zum morgigen Programm treffen Uwe und ich uns abends im Restaurant "Great Wall".

Gegen 8.00 Uhr fahren wir am nächsten Morgen los: zwei Damen aus Mallorca, drei Philippininnen, die in Australien zu Hause sind, Holger aus Gütersloh und ich. Cindy ist unsere freundliche und gut unterrichtete Reisebegleiterin. Gebucht hatte ich eine Fahrt zur Mauer und zu den Ming-Gräbern, heute wird aber, so Cindy, nur die Mauer bei Juyongguan besichtigt und auf die kaiserlichen Grabstätten verzichtet. Den vielleicht berühmtesten Mauerabschnitt bei Badaling schenken wir uns, da er von Peking weiter entfernt ist und mit Sicherheit, so Originalton Cindy, wesentlich überlaufener sein wird. Zurzeit sind Sommerferien in China und dementsprechend viele einheimische Gäste unterwegs. Das klingt einleuchtend und mich stört es nicht, da ich diese Anlage 1987 schon einmal besucht hatte. 40 Kilometer trennen uns von Juyongguan, unterwegs wird noch bei einer Jadefabrik angehalten. Einige Mitreisende erliegen dem Kommerz und kaufen ein paar Schmuckstücke, ich setze mich in die Bar und frühstücke.

Leider ist es sehr trübe und die Mauer nur in kurzer Entfernung gut zu erkennen. Im Schweiße des Angesichts klettere ich, wie die meisten Touristen, bis zum ersten Turm, Holger quält sich bis zum höchsten Punkt. Als geübter Marathonläufer macht es ihm nichts aus. In meinem Reiseführer lese ich, dass die Mauer eine Länge von über 6.000 Kilometern hat, laut letzter Vermessung chinesischer Behörden soll die Gesamtlänge jedoch knapp 9.000 Kilometer betragen. Auf jeden Fall handelt es sich um eines der interessantesten Bauwerke des Landes, das errichtet wurde, um China vor nomadischen Reitervölkern, insbesondere vor den Mongolen, zu schützen. Man nennt dieses imposante Gebilde auch den größten Friedhof der Welt. Zum Bau wurden Gefangene, Straftäter und Sklaven verdonnert. Starben sie, so wurde ihr Leichnam einfach in die Baumasse befördert. Nördlich von Peking wurde ein Teil der Mauer mit den Aussichts- und Wachtürmen renoviert und restauriert.

Beim leckeren und vielfältigen Mittagessen, das wir gemeinsam einnehmen, überrascht uns Cindy mit der Information, dass wir doch noch zu den Ming-Gräbern fahren. Zwar ist ein großer Teil der Begräbnisstätte momentan nicht zugänglich, so auch nicht der mir besonders in Erinnerung gebliebene „Weg der Seelen“, aber wir sehen uns zumindest das Areal des Changling an, das Grab selbst kann nicht besichtigt werden. Im Jahre 1409 ließ ein Kaiser die Anlage, in der insgesamt 13 Ming-Kaiser begraben sind und in der sich sieben Grabkammern der kaiserlichen Konkubinen befinden, malerisch von Bergen umrahmt, die wir aber wegen der heutigen diesigen Witterung nicht sehen können, anlegen.

Nachdem wir noch eine Seidenfabrik besichtigen durften, fahren wir zu den imperialen Gärten und werden in die hohe Kunst des Teetrinkens eingeführt. Danach endet eine sehr interessante Fahrt, auf der wir viele Informationen, auch über das Leben in China an sich, erhalten haben. So erfahren wir von Cindy, dass eine Wehrpflicht nicht besteht, die Ein-Kind-Ehe weiterhin im Land propagiert wird und für Kindergarten und Universität sehr viel Geld zu zahlen sind. Für allgemein bildende Schulen wird keine Gebühr erhoben.

Nun ist der letzte Tag in China angebrochen. Mit dem Taxi fahre ich zum Bahnhof und habe hier doch einige Mühe, bis ich unter Mithilfe freundlicher Helferinnen die richtige Plattform für meinen Zug gefunden habe.


Reisebericht bewerten (bisher 44 Stimmen)