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auf dem Birjusa-Fluss

auf dem Birjusa-Fluss

auf dem Birjusa-Fluss 2

auf dem Birjusa-Fluss 2

ob sich ein Fisch in dem Netz verfängt?

ob sich ein Fisch in dem Netz verfängt?

Picknick am Ufer

Picknick am Ufer

sibirische Weite

sibirische Weite

typisches Holzhaus

typisches Holzhaus

im Dorf

im Dorf

artgerechte Tierhaltung

artgerechte Tierhaltung

Gemächlich durch die Zeitzonen - mit Speed durch die Landschaft

Russland - Südkorea - Japan - China - Mongolei

Taischet

Diesen Aufenthalt hatte ich bereits im Vorfeld gebucht. Alexeji und sein Sohn Artjun warten schon im Bahnhof und fahren mich dann in das Dorf Birjusa, am gleichnamigen Fluss gelegen. Es scheint sich um Bekannte meines Reiseagenten zu handeln, denn Reisende, die ich später treffe und hier ebenfalls gebucht hatten, waren auch in diesem Dorf. Alexeji begrüßt mich gleich mit der Bemerkung, nicht gut Deutsch oder Englisch sprechen zu können. Er fährt mich zu seinem Haus, das von einem sehr schönen bunten Garten geschmückt wird, und zeigt mir mein Zimmer. Mittlerweile bereitet Ehefrau Tatiana ein leckeres Frühstück. Dann werde ich zum Fluss gefahren, wo Schwager Ivgenij kurze Zeit später mit seinem Boot anrauscht. Er ist sehr freundlich und bemüht, erklärt mir einiges, vermag mir aber keine Frage zu beantworten, weil er mich einfach nicht versteht. Hier ist tatsächlich noch viel Luft nach oben.

Wir fahren den Fluss entlang, suchen unter einigen Bäumen Schutz vor dem hereinbrechenden Regen und halten dann an einer Stelle, wo Ivgenij versucht, mit einem Netz Fische für das Mittagessen zu fangen, leider ohne Erfolg. Auch die späteren Versuche enden ergebnislos. Was soll´s, wir legen an und kochen Tee auf einem Lagerfeuer. Dazu gibt es Brot, Tomaten, Pilze und Kartoffeln, und alles selbst gepflückt oder aus eigenem Garten. Ein tolles Mahl, wenn da nicht die Moskitos wären, zwar hat Ivgenij ein Spray dabei, aber es ist nur eine kleine Hilfe.

Nach dem leckeren Mittagessen folgt eine Exkursion über die Taiga und wir klettern einen rutschigen Hang hinauf. Leider habe ich nur Straßenschuhe an, denn auf diese Aktivität war ich nicht vorbereitet. Mein Begleiter zeigt mir Elchspuren, wilden Thymian und erklärt mir die Heilkraft des Birkenwassers. Hier scheint die Natur noch sehr gesund zu sein, denn weit und breit ist keine Industrie, geschweige denn ein Fabrikschornstein, zu sehen. Ein Adler zieht über uns seine Bahnen. Leider kommt es auch in dieser Region wegen weggeworfener Zigarettenkippen oder vergessener Flaschen zu Waldbränden. Oben angekommen haben wir eine tolle Aussicht auf Sibirien. Am Ufer des Flusses halten sich viele Menschen auf und machen Picknick.

Zurück im Ort nimmt mich Tatiana, nicht die Ehefrau, sondern eine gut Englisch sprechende Dame aus Birjusa, unter ihre Fittiche und zeigt mir das Dorf. Holzhäuser in blauer und grüner Farbe bestimmen das Bild. Das Grün soll den Frühling symbolisieren und während der langen Wintermonate einen Kontrast zum weißen Schnee bilden. Der 650 Einwohner zählende Ort hat Probleme, junge Leute oder Familien an sich zu binden und wirbt mit interessanten Angeboten, um diese Menschen hier zu behalten. Die meisten Einwohner arbeiten in Taischet bei der Bahn, denn die Stadt liegt an einem Eisenbahnknotenpunkt. Hier kreuzen sich die Transsib und die BAM, die Baikal-Amur-Magistrale.

Früher vor der Perestroika fuhren regelmäßig Busse in die Stadt, jetzt ist man auf das Auto angewiesen, über das viele der zumeist alten hier lebenden Personen nicht verfügen. Auch sollen nach dem politischen Wechsel viele Männer arbeitslos geworden sein und im Alkohol Trost gesucht haben. Nach der Rückkehr bittet Alexeji mich ins Dampfbad, ein wahrer Genuss nach den Tagen im Zug!

Beim hervorragenden Abendessen, Bratkartoffeln, Salat, Pilze, Saft und Tee, erfahre ich, dass das Thermometer in dieser Gegend im Sommer auf plus 35 Grad steigt und im Winter auf minus 40 Grad, in extremen Jahren sogar auf minus 55 Grad fällt. Kinder haben im Sommer drei Monate Ferien. Schade, dass die beiden Männer zwar einiges erklären, aber nicht auf bestimmte Fragen aus beschriebenen Gründen eine Antwort geben können, dann wäre dieser Abstecher noch interessanter geworden. Gegen 21.00 Uhr bringt mich die Familie zurück zum Bahnhof. Der Zug Nr. 70, Moskau-Tschita, fährt pünktlich vor und hat nur einen Aufenthalt von drei Minuten. Schnell suche ich mir meinen Platz. Heute teile ich das Abteil mit zwei sympathischen Damen aus Schweden. Sie sind schon ein paar Tage unterwegs, haben wegen der starken Hitze von der 3. in die 2. Klasse gewechselt, sind auf dem Weg zum Baikalsee und von dort nach China. Ich bin froh, wieder einmal eine nette Unterhaltung führen zu können und lade Emma und Marlin zu einem Drink in den Speisewagen ein. Hier sind wir längst nicht die einzigen Gäste und dieser Wagon ist auch wesentlich moderner und ansprechender. Es wird ein lustiger Abend.

Am nächsten Morgen werden wir mit einem kleinen Tütenfrühstück überrascht und pünktlich um 8.30 Uhr fahren wir, nachdem wir die Angara überquert haben, in den Bahnhof von Irkutsk ein.





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