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Arabien
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Bab al Bahrain

Bab al Bahrain

Marokkanerinnen mit Wasserpfeife

Marokkanerinnen mit Wasserpfeife

Dilmun-Gräber

Dilmun-Gräber

im Rifa Fort

im Rifa Fort

Tree of Life

Tree of Life

im Museum

im Museum

Große Moschee

Große Moschee

in der Moschee

in der Moschee

Palasteingang

Palasteingang

Blick auf die Hochhäuser

Blick auf die Hochhäuser

Im Mittleren Osten

eine Reise durch die reichen arabischen Golfstaaten mit einem Abstecher nach Sana´a - oder auch - Moscheen, Souqs und Shopping-malls

Manama

Visum, Zoll und Gepäckannahme dauern nur einen kleinen Moment, das Visum, 10 Euro, kann ich am Passschalter bezahlen. Im Flughafen befindet sich ein Hotelinformationsbüro und ich komme der Empfehlung, ins "Sanrock" zu fahren, gerne nach. Ein Taxi ist schnell gefunden und für 5 Bahraini Dinar (BD), rund 9 Euro, geht es ins Zentrum der Hauptstadt. Ich wundere mich über die hohe Polizeipräsenz, denn an jeder Kreuzung stehen Fahrzeuge und bewaffnete Ordnungshüter, das kann doch wohl nicht mir gelten. Stimmt, George W. Bush wird in den nächsten Stunden erwartet.

Und wieder staune ich über die Skyline, die modernen Hochhäuser, wie sie fast die Wolken ankratzen, denn die Sonne hat sich, wie sollte es auch anders sein, verzogen. Im Hotel wird mir ein Zimmer mit Blick auf den Dhauhafen zugewiesen. Ich erkundige mich an der Rezeption nach Ausflugsmöglichkeiten im Land, höre aber, dass man Fahrten nur individuell mit dem Taxi organisieren kann.

Der Bab al Bahrain, das Tor Bahrain, ist das erste Ziel meines Spazierganges, dahinter befindet sich der Souq von Manama. Er ist nicht sonderlich interessant und hat vor allem nicht den Charme der sonst üblichen Basare, da sich die einzelnen Läden mehr oder weniger in modernen Gebäuden befinden.

Awadiya heißt der historische Stadtteil, hier hängen schwarze Transparente über der Straße, aber niemand kann mir erklären, was sie aussagen wollen. Im "La Fontaine Centre of Contemporary Art" besichtige ich eine Gemäldeausstellung.

Am späten Nachmittag hat die Touristeninformation im Bab al Bahrain geöffnet, aber auch hier erhalte ich keine brauchbaren Informationen über Ausflüge in die Umgebung, der Tourismus scheint noch keine große Rolle zu spielen. Die nächsten Schritte plane ich im "Starbucks" bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Schokoladenkuchen.

In Bahrain herrscht kein Alkoholverbot und im Hotelcafé habe ich die Auswahl zwischen holländischem Heineken- und Amstelbier oder Budweiser bzw. Fosters. Am Nebentisch feiern fünf junge Marokkanerinnen mit Sekt und shisha, wie die Wasserpfeife hier genannt wird. Ich mache ein Foto und werde anschließend zu einem Glas eingeladen.

Später bittet mich ein abseits sitzender Herr an seinen Tisch. Nach kurzer Irritation nehme ich die Einladung an. Mein Gastgeber ist aus Saudi Arabien, gut angetrunken und Ehemann von drei Frauen, darunter eine Beduinin und eine Frau aus Bahrain. Er ist außerdem Vater von 11 Kindern, Tornadopilot und Mercedesfahrer. Seiner Aufforderung, mich an den vor ihm stehenden Tequilas zu bedienen, komme ich aber nicht nach.

Wir unterhalten uns über das Leben in Arabien und ich erwähne auch, dass ich eigentlich auf dem Landweg von Kuwait nach Manama und von dort nach Qatar fahren wollte. Dieser Weg führt durch Saudi Arabien und hier stößt der normale Tourist an seine Grenzen, weil er kein Visum erhält. Selbst Nachfragen in Konsulaten und Botschaften halfen mir nicht weiter, immer wurde mir bedeutet, doch das Flugzeug zu nehmen.
Mein Gesprächspartner meint, er hätte da Bekannte und Möglichkeiten ..., ich habe es aber nicht darauf ankommen lassen.

Zum Abendessen gehe ich wieder ins Zentrum und speise in einem Restaurant in der Nähe des Bab al Bahrain. Später besuche ich den Nightclub im Hotel. Doch die Musik sagt mir nicht so zu, obwohl wirklich eine gute Stimmung unter den Gästen auszumachen ist. Mir ist der Gesang zu laut und zu verzerrt. Auf der Bühne tanzen sechs wohlproportionierte Frauen und werden von einigen anwesenden Männern mit Girlanden beschenkt. Es muss sich wohl um Bauchtanz handeln, den ich bisher nicht als Gruppenveranstaltung kannte.
Unter den Zuschauern sitzen auch Frauen, einige von ihnen sind verschleiert, es ist für mich als Europäer schon ein sehr fremdes aber auch prickelndes Erlebnis.

Auf der gleichen Etage befindet sich noch eine Diskothek. Aber auch hier das gleiche Bild und ähnliche Musik, nur sind die tanzenden Frauen schlanker, dafür ist das Bier etwas teuerer. Eintritt wird in beiden Etablissements nicht erhoben.

Am nächsten Morgen ist es kühl und regnerisch, viele Männer haben sich Ohrenwärmer angelegt. An der Rezeption handele ich mit einem Taxifahrer einen akzeptablen Preis aus und so fahren wir zunächst zu den Erdwallgräbern, den burial mounds. Diese Ansammlung von rd. 85.000 Gräbern aus dem 3. Jt. v. Chr. ist weltweit einmalig. Einige Grabbeigaben können im Nationalmuseum von Manama besichtigt werden. Der Friedhof aus der Dilmun-Ära erstreckt sich zu beiden Seiten des King Fahd Causeway. Außer mir verirrt sich kein weiterer Besucher in diese Gräberlandschaft, schon gar kein Tourist. Der Besuch ist kostenlos, Eintritt braucht nicht entrichtet zu werden.

Mein freundlicher Fahrer wohnt seit 20 Jahren in Bahrain, er ist gebürtig aus Kerala in Indien, verheiratet und freut sich über drei Kinder. Er ist sehr kundig und vermittelt mir viele interessante Informationen über das Land. So wurden die meisten der auffälligen und imposanten Hochhäuser in den letzten vier Jahren gebaut. Viele neue Siedlungen befinden sich auf einem Gebiet, dass in aufwändiger Arbeit dem Meer abgerungen wurde. Unterwegs ist der König immer präsent, er grüßt von riesigen Postern an der Straße, zumeist in Gesellschaft seines Sohnes und eines Onkels, dem Premierminister. Er hat sechs Frauen, u. a. aus Kuwait, Saudi Arabien und Dubai.

Weiter geht es nach Rifa, vorbei an dicken Pipelines, die zwischen Bahrain und Saudi Arabien verlegt wurden. Auf dem Weg sehen wir den Königspalast und die Moschee des Monarchen, die freitags allen Gläubigen zur Verfügung steht. Das 1812 erbaute Fort liegt auf einer Anhöhe und ist weithin sichtbar, bei klarem Wetter soll man von hier auch einen hervorragenden Blick auf Manama und andere Orte haben. Eintritt wird auch hier nicht erhoben und ich bin wieder einziger Gast.

Die Straße zu unserem nächsten Ziel führt durch karge Wüste und riesige Ölfelder, mitten im "Nichts" auf einmal der Palast einer Königsgemahlin. Abseits der Öl- und Gaspipelines wurden einige Beduinenzelte aufgebaut. Und dann stehen wir auch schon vor dem Lebensbaum, dem Tree of Life. Die über 400 Jahre alte Akazie gilt als Naturwunder, denn niemand kann sich erklären, woher sie das benötigte Wasser bezieht.
Zurück in die Hauptstadt kommen wir noch an einigen markanten Palästen der Königsfamilie vorbei. Der Fahrer hält im Parkhaus einer riesigen modernen Shopping-mall, wo ich in einer Wechselstube Geld tausche und ihm seinen Lohn gebe.

Abends ist es recht kalt und regnerisch und ich bedaure, nur kurzärmlige Hemden eingepackt zu haben. Der Kellner im Chinarestaurant fragt, ob ich mein Getränk unbedingt gekühlt haben möchte. Später auf dem Heimweg staune ich über die wechselnde Illumination bei einem Hochhaus, es ist ein tolles Bild. Nach Nachtclub steht mir nicht der Sinn und so spiele ich im Café des Hotels mit einigen Thaifrauen Billard und unterhalte mich danach mit einer Philippinin, die hier seit einer Woche im Service arbeitet und vorher in Dubai tätig war. Von dieser Stadt schwärmt sie fortwährend. Ihr Dienst beginnt um 19.00 Uhr und endet um 04.00 Uhr, auf eine günstigere Tagschicht braucht sie, so zumindest erklärt sie es mir, in den nächsten Monaten noch nicht zu hoffen.

Auch der nächste Tag findet ohne Sonne statt. Mit dem Taxi fahre ich zum Nationalmuseum und diesen Besuch kann ich wirklich jedem Reisenden empfehlen und ans Herz legen. Eintrittsgeld ist hier natürlich auch nicht fällig und ich bin ausnahmsweise nicht einziger Gast, wobei die Anzahl der weiteren Interessierten noch im einstelligen Bereich liegt.

Fasziniert bin ich von den Darstellungen des Alltags, den Händlern und Handwerkern, dem Treiben und Handeln im Souq. Aber natürlich ist auch der Saal mit den Dilmun-Gräbern und den Bestattungsbeigaben interessant und einmalig. Die zeitgenössische Malerei hat mich nicht so angesprochen. Bedauerlicherweise ist die Erklärung manchmal nur in arabischer Sprache und somit für mich nicht immer nachvollziehbar.

Einsam und verlassen komme ich mir vor, wie ich als einziger Passant auf dem Fußgängerweg neben dem verkehrsreichen Al Fatih Highway zur Ahmed al Fateh Moschee gehe, meistens am Wasser entlang. Einige Autos parken vor dem Marina Club, das Funland hat noch geschlossen und in den wenigen Teehäusern unterhalten sich einige Männer, am Fähranleger ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Von einer Häuserwand prangt das Firmenschild “Kühne & Nagel“.

Die in gelbem Farbton gehaltene Große Moschee ist wegen ihrer Ausmaße nicht zu verfehlen, beide 70 m hohen Minarette liegen permanent im Blickfeld. Am Eingang nehmen mich zwei Frauen in Empfang, begleiten mich, zeigen mir viele Details und geizen nicht mit Erklärungen. Die Unterhaltung entwickelt sich prächtig, denn eine der Damen hat viele Jahre in Deutschland, in Hannover, gewohnt, die andere, eine Ägypterin, war auch schon in meinem Heimatland.

Beide geben sich viel Mühe, ihr Wissen "an den Mann zu bringen" und so erfahre ich einiges über den Islam, den Koran und über das Leben der Muslime. Die Moschee fasst insgesamt 7.000 Besucher, davon im Innenhof 1.800, ein separater Bereich bleibt Frauen und Kleinkindern vorbehalten. Im Inneren finden gut 5.000 Gläubige Platz, der Raum oben auf der Balustrade ist für die weiblichen Gäste reserviert.

Der ganze Komplex, hier auch islamisches Zentrum genannt, beeindruckt mich, der Marmor aus Italien, die Lampen aus Frankreich, das Teakholz aus Indien, die Teppiche aus Schottland und der 3,5 t schwere Leuchter aus Österreich. Mit dem Bau der Moschee wurde 1983 begonnen, das Land dem Meer abgerungen. Ich darf überall fotografieren, einen Händedruck zum Abschied lehnen beide Frauen ab, decken mich aber mit reichlich Informationsmaterial ein und mit einer kleinen Tüte Orangensaft.

Auf dem nicht enden wollenden Weg ins Hotel zurück sehe ich noch zwei Königspaläste hinter dicken Mauern. Hin und wieder halte ich an, um ein Glas Tee zu trinken. Nach kühlen Getränken ist mir bei dieser Witterung nicht der Sinn, im Hotelfahrstuhl stört mich sogar schon die Aircondition.

Der Flug nach Doha in Qatar hat eine Stunde Verspätung, dauert aber nur 25 Minuten. Auch diese Strecke hätte ich lieber, wie bereits erwähnt, auf dem Landweg zurückgelegt, wenn es denn möglich gewesen wäre.

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