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Seidenstraße
Landkarte von StepMap
StepMap Seidenstraße

Ein kleines Stück entlang der Seidenstraße

Taschkent

Mit einstündiger Verspätung setzt sich der Bus in Bewegung. Wir fragen einen Offiziellen, ob wir uns nicht umsetzen dürfen, schließlich wollen wir doch was sehen. Er bittet eine Frau, für uns Platz zu machen, wir gehen jedoch ganz nach hinten und haben endlich die gewünschte Beinfreiheit.

Auf geht's in den Abend hinein, links schneebedeckte Berge, die anmutig die letzten Strahlen der Abendsonne reflektieren, rechts Graslandschaft im Sonnenuntergang. Ab und zu begegnet uns eine Kuhherde.

Die Strecke Bishkek/Taschkent führt ein kleines Stück durch Kasachstan, aber wir haben uns erkundigt und im "Lonely-planet" nachgelesen, dass ein separates Visum nicht erforderlich ist.

Gegen 22.30 erreichen wir die Grenzstation, schnell an den kirgisischen Zöllnern vorbei, dann Passkontrolle auf der anderen Seite. Wilfried wird aus dem Bus herausgewunken, kurze Zeit später bin auch ich an der Reihe. Der Grenzer erklärt, dass wir ohne Visum nicht weiter dürfen. Wilfrieds Transitvisum, das er für die letzten Tage vor dem Rückflug braucht, wird erst in zehn Tagen gültig, an meinem ist nichts auszusetzen, da für 4 Wochen ausgestellt. Umständlich blättert man in den Formularen, nimmt ein Blatt hervor, legt es wieder weg. "Wieviel Trinkgeld müssen wir denn wohl abdrücken", denken Wilfried und ich unisono.

Es ist wenig Verkehr an der Grenze, ab und an kommt ein bewaffneter Posten herein, unsere Angelegenheit stagniert. Ich hole den Reiseführer hervor, lese die entsprechende Passage vor, keine Reaktion. Jetzt nur nicht aus der Haut fahren. Wir erklären, daß er uns die Pässe geben soll, wir fahren zurück, auch das ist im Moment nicht möglich, Formulare, Formulare. Irgendwann kommt ein LKW-Fahrer herein, er spricht, welch ein Glück, fließend Deutsch. Unser Glücksfall hat lange in Bremen gewohnt, jetzt lebt er im Nachbarort Oyten, wie klein die Welt doch ist. Er kann die Grenze erst ab 0.00 Uhr überqueren, vorher ist seine Genehmigung nicht gültig.

Von ihm erfahren wir, dass es tatsächlich keine Schikane ist, sondern dass die Vorschriften vor einigen Monaten geändert wurden. Mit seinem Partner, so bietet er uns an, können wir zurückfahren nach Bishkek. Vorher muss Wilfried noch unterschreiben, dass ihm an der Grenze nichts widerfahren ist, auf das er einen Entschädigungsanspruch hat.

Auf kirgisischer Seite gibt es keine Probleme, mit Handschlag verabschieden wir uns vom Grenzpolizisten.

Irgendwann nach 24.00 Uhr und einigen Flaschen Bier steigen wir in den Mercedes des Begleiters und fahren die Strecke zurück, gefolgt von einem LKW mit dem Autokennzeichen HB.

Wir mögen vielleicht eine halbe Stunde gefahren sein, schon wieder eine Polizeikontrolle, nach kurzer Zeit kann die Fahrt fortgesetzt werden.

Nachdem die Hälfte der Strecke zurückgelegt ist, hält der Wagen in einem Ort an. Der LKW fährt in eine Hofeinfahrt, wir wechseln in einen Transporter und setzen die Fahrt fort, einmal unterbrochen von einer Kontrolle und dem obligatorischen Händedruck. Unser Freund setzt uns vor dem Businesscenter-Hotel ab, wir checken ein und sinken zähneknirschend in Schlaf.

Was ist zu tun? Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, um im Hotel die Flugmöglichkeiten nach Taschkent zu erkunden. Auch muss, falls wir am selben Tag nicht weiterkommen, Wilfrieds Visum verlängert werden, am nächsten Tag ist es bereits ungültig. Die Mitarbeiterin im Hotel bemüht sich redlich, ein rechter Erfolg ist ihr allerdings nicht beschieden.

Im Reiseführer entdecken wir ein Büro, das uns vielleicht weiterhelfen kann, leider geschlossen. Kurz daneben ein weiteres Reisebüro. Wir treten ein, erhalten für den nächsten Tag einen Flug und die Adresse von OVIR.

Dorthin gehen wir, schon mit stark verbesserter Laune. Es empfängt uns eine ältere Dame mit dem Charme einer Beamtin an der DDR-Grenze, ein lustiger Herr und eine weitere, aber freundliche Dame.

Der Mann erklärt uns, es ist Samstag, keiner arbeitet, es wird Wodka getrunken. Schließlich und nach gutem Zureden geht es doch, nach einer Stunde sollen wir wiederkommen und das Visum in Empfang nehmen.

Den Tag verbringen wir bei herrlichem Wetter in der Stadt, machen einen langen Spaziergang durch den Park, sitzen an der Hauptstraße im Café und beobachten die vorbeiflanierenden Leute. Hübsche, modisch gekleidete Damen lustwandeln auf der Straße, verschleierte Frauen bilden die Ausnahme.

Im Schatten der Bäume werden selbstgebackene Torten verkauft. Ein Musiker fährt mit seinem Equipment per Taxi vor.

Gegen Abend beobachten wir vor dem Weißen Haus, dem Präsidenten-, Kabinetts- und Parlamentsgebäude, einen Wachwechsel. Der Stechschritt steht dem der russischen Kollegen in nichts nach.

Aufgrund der politischen Situation entscheiden wir uns, von Taschkent sofort nach Samarkand, dem eigentlichen Höhepunkt unserer Reise, weiterzufahren. Auf Taschkent und andere Stätten wollen wir, sollte es zu einer plötzlichen Abreise kommen, eher verzichten.

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