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Frischer Fisch gefällig?

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erster Hindutempel

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Schlangenbeschwörer

Schlangenbeschwörer

Affen vor dem Felsentempel

Affen vor dem Felsentempel

im Felsentempel

im Felsentempel

"kitschiger" Buddha

"kitschiger" Buddha

hier gehts hinauf

hier gehts hinauf

Löwentatze

Löwentatze

Wasserbecken auf dem Löwenfelsen

Wasserbecken auf dem Löwenfelsen

Löwenfelsen

Löwenfelsen

Zimtschäler

Zimtschäler

Zahntempel

Zahntempel

im Zahntempel

im Zahntempel

traditioneller Tanz

traditioneller Tanz

Schlachterei

Schlachterei

Tee - nichts als Tee

Tee - nichts als Tee

farbenfrohes Hindufest

farbenfrohes Hindufest

Teepflückerinnen

Teepflückerinnen

very british

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Rawana Falls

Rawana Falls

im Elefanten-Waisenhaus

im Elefanten-Waisenhaus

auf Safari

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Mutter mit Kind

Mutter mit Kind

Pfauen im Nationalpark

Pfauen im Nationalpark

lieber Abstand halten

lieber Abstand halten

beim Dondratempel

beim Dondratempel

Waran

Waran

hier wird Thunfisch entladen

hier wird Thunfisch entladen

Stelzenfischer bei der Arbeit

Stelzenfischer bei der Arbeit

Moschee und Leuchtturm in Galle

Moschee und Leuchtturm in Galle

Sri Lanka - Malediven

Landschaft, Kultur, Schweiß und Strand

Sri Lanka

Einleitung

Beschwingt und in bester Laune wegen des Derbysieges am Vortage steige ich Ostermontag in den Zug nach Hannover-Langenhagen und fliege via Istanbul und Malé nach Colombo. Nachdem wir die Städte Bagdad und Mossul, täglich im Fokus schrecklicher Nachrichten, überflogen haben, lehne ich mich erwartungsvoll in meinen Sessel zurück und genieße den Flug. Vor der Zwischenlandung auf den Malediven haben wir einen tollen Blick auf einige Inseln dieses Atolls und ich freue mich, in einigen Tagen selbst vor Ort zu sein. Flugansagen beginnen stets mit Ladies and Gentlemen und, das hatte ich bisher nicht gehört, mit „dear children“. Turkish Airlines scheint sich der Bedeutung der Nachwuchsförderung bewusst zu sein. Dann endlich ist unser Ziel erreicht, der Airbus setzt zur Landung an und ich staune über die sattgrüne Landschaft, die sich unter uns entfaltet, egal, wohin man schauen mag. Bei der Einreise warnen Schilder, dass die Einfuhr oder der Besitz von Drogen mit der Todesstrafe geahndet wird. Nimal erwartet uns bereits und nach kurzer Zeit ist die Gruppe vollständig versammelt. Noch etwas Bargeld am ATM-Automaten im Ankunftsbereich abheben, Kurs: 1 Euro entspricht etwa 158 Rupien, die Uhr um 3 ½ Stunden vorstellen und die Fahrt mag beginnen.

Vor einigen Monaten hatte ich eine relativ preiswerte Rundreise bei „Reise Service Deutschland“ gebucht, wobei es nicht einfach war, den Verkäufer zu überzeugen, dass ich auf das Komfortpaket „Genuss“ und das Kulturpaket „Entdecker“, jeweils 199,- Euro, verzichte. Es bedurfte immerhin einiger Telefonate, bis meine Buchung unter Dach und Fach war. Doch nun soll nicht weiter gemurrt werden, denn eine wirklich interessante Woche liegt vor uns, eine Rundfahrt durch eine wahrhaft eindrucksvolle Natur zu bedeutenden Stätten des Landes.

Unsere Reisegruppe ist relativ groß, sie besteht aus 32 Personen, vielleicht ist diese Anzahl erforderlich, um den günstigen Preis rechtfertigen zu können. Einige Gäste sind ab Hannover angereist, wir hatten uns im Flughafen schon prüfend beäugt, andere aus Düsseldorf, Stuttgart oder München. Angesichts dieser Größe habe ich manchmal kleine Schwierigkeiten, den Ausführungen Nimals zu folgen, im Bus funktionieren einige Lautsprecher nicht und man muss sich konzentrieren, um keine Informationen zu verpassen. Nimal hat die deutsche Sprache im Goethe-Institut, Colombo, erlernt. Wir werden ihn in den nächsten Tagen als freundlichen, kompetenten, hilfsbereiten und engagierten Reiseleiter erleben. Auch Nandera, unser Fahrer, erfüllt seinen Job einwandfrei, gerade im Hochland, bei der Fahrt durch die Teelandschaften, stellt er sein Können eindrucksvoll unter Beweis.

Während wir unserer ersten Herberge entgegenfahren hören wir von Nimal, dass sich der Tourismus in Sri Lanka stark entwickelt hat, derzeitig wird das Land von 2,2 Millionen Gästen jährlich besucht. Aber auch die Preise sind teilweise explodiert und betroffen davon sind u. a. auch die Grundnahrungsmittel wie Reis und Tee. Für ein Bier sind in der Regel mindestens 500 Rupien zu veranschlagen. Unser Weg führt an einigen Ziegelbrennereien vorbei. Erfreut höre ich, dass Sri Lanka malariafrei ist. Dann sind wir am ersten Ziel angelangt und betreten das vom Tsunami verschont gebliebene Resort „Club Palm Bay“ in Marawila bei Negombo, direkt an einer Lagune und am Ozean gelegen. Eine freundliche Empfangsdame hat ihre Hände vor der Brust zusammengelegt und begrüßt uns mit „Ayubowan“. Nachdem wir den Empfangscocktail ausgetrunken haben, dürfen wir endlich unsere Zimmer belegen.


Beginn der Rundreise

Am nächsten Morgen beginnen wir unsere einwöchige Rundreise. Doch bevor wir so richtig in Fahrt kommen, wird schon ein erster Stopp eingelegt. Im Nachbardorf kehren heimische Fischer mit ihren Booten zurück und ihre Frauen bieten den Fang, zumeist Sardinen, an. Ein paar Nachbarn haben sich zum Plausch versammelt. Dann setzt sich der Bus wieder in Bewegung und vorbei geht es an Cashewnussbäumen, an Mahagonibäumen und an blühendem Goldregen. Kurze Zeit später erreichen wir einen Hindutempel, einen Kovil, was übersetzt „Residenz Gottes“ heißt. Nimal erklärt, dass „Murungentempel“ eine weitere Bezeichnung ist. In Nachschlagewerken konnte ich diesen Namen aber nirgends ausmachen. Wir gehen um die Anlage herum, fotografiert werden darf nur der Eingangsbereich, und wir, als nicht dieser Konfession angehörend, dürfen das Gebäude nur von draußen betrachten.

Unterwegs erfahren wir, dass 70 Prozent der etwa 22 Millionen Einwohner buddhistischen Glaubens sind, 13 Prozent sind Hindus und 10 Prozent Muslime. Aber auch das Christentum spielt eine Rolle im Land. „Man kann den Glauben wechseln, aber als Hindu muss man geboren sein“, erklärt Nimal. In den Ortschaften wundere ich mich über Schilder und Poster mit „Happy new year“ und nehme dann zur Kenntnis, dass am 13. April Silvester und am 14. April Neujahr gefeiert wird. Ortsschilder sind in singhalesischer, tamilischer und englischer Sprache zu lesen. Die Singhalesen stellen mit rund 75 Prozent die Majorität, gefolgt von den Tamilen mit über 15 Prozent. Im 16. Jahrhundert wurde das Land von den Portugiesen kolonialisiert, danach von den Niederländern und zuletzt von den Engländern. In den nächsten Tagen werden wir erleben, dass jede Kolonialmacht ihre Spuren hinterlassen hat. Im Jahr 1948 wurde Sri Lanka, das bis 1972 Ceylon hieß, selbständig. Ein Bürgerkrieg in der Zeit von 1983 bis 2009 zwischen den tamilischen Separatisten und der von Singhalesen dominierten Zentralregierung forderte etliche Todesopfer, geschätzt 80.000 bis 100.000. Seit Januar 2015 ist ein neuer Präsident an der Macht, er verspricht, weniger autoritär als sein Vorgänger zu regieren.

Gewaltige Palmenhaine säumen den Weg. Aus den Kokosnüssen wird u. a. Sirup, Schokolade oder Weinbrand hergestellt, aus der Blüte ein Arrak, von dessen gleich bleibender Qualität wir uns an mehreren Abenden überzeugen werden. Aufgrund des Klimas ist eine Mehrfachernte im Jahr möglich. Während wir durch einen größeren Ort fahren ist linkerhand eine riesige Buddha-Statue auf dem so genannten Elefantenfelsen zu erkennen. Vor den Ampeln bemühen sich die TukTuk-Fahrer um einen guten Startplatz. Etwa acht Millionen dieser vorwiegend in Indien hergestellten Motorrikschas soll es im Lande geben. Den nächsten Halt legen wir bei einer öffentlichen Toilette ein, 50 Rupien kostet das kleine oder große Geschäft. Bezahlt wird überwiegend mit Scheinen, Geldmünzen wurden mir während dieser Reise nur zweimal gegeben. Nimal hat genügend Papiergeld dabei und so können wir jederzeit bei ihm wechseln. Vor dem Bus geht ein Schlangenbeschwörer seiner Arbeit nach. Gegen eine Gebühr dürfen wir ihn und seine beiden Kobras, die den Hindus heilig sind, fotografieren. Unser Reiseleiter erklärt, dass es sich um einen „Zigeuner“ handelt, der keine Schulbildung genießen konnte und nun auf diese Art und Weise seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Dann setzt sich der Bus wieder in Bewegung, vorbei an einem der zahlreichen Stauseen, an Zimtständen, an Teakholzbäumen, das Holz ist ein wichtiger Exportfaktor, an Grapefruit- und Feigenbäumen und an einem mit weißen Fahnen geschmückten Haus. Weiß ist die Farbe der Reinheit und der Trauer, in diesem Haus wird also, so Nimal, ein Verstorbener aufgebahrt. Auch auf dem Friedhof, wo er beigesetzt wird, wehen Stoffe in derselben Farbe. Dann ist unser nächstes Hotel in Dambulla erreicht, das Pelwehera Village Resort, und glücklich checken wir ein. Vor dem Abendessen noch ein Sprung in den Pool, dessen warmes Wasser aber auch keine richtige Abkühlung verschafft. Einige Damen fahren zu einem benachbarten Resort, um sich von der Ayurvedakunst verwöhnen zu lassen.


Felsentempel in Dambulla

Die beeindruckende königliche Tempelanlage, die wir am nächsten Morgen besichtigen, liegt über 100 Meter oberhalb der Straße. Ein Mitreisender meint, dass wir 393 Stufen zu bewältigen hätten. Während des Aufstiegs werden wir permanent von Affen beobachtet – oder umgekehrt. Ein Affe springt mir auf die Schulter, wird aber gleich von einem Bauchladenverkäufer verscheucht. Oben angekommen, erfreuen wir uns über die prächtige Aussicht auf die nähere Umgebung. Am Eingang geben wir unsere Schuhe ab und der Rundgang mag beginnen.

Im Jahre 1991 wurden die weltbekannten Höhlen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. In den fünf einzelnen Höhlen, die für Besucher alle zugängig sind, können über 150 Buddhastatuen, Bilder und Fresken besichtig werden. Die ersten Bilder sollen vor über 2.000 Jahren entstanden sein. Im Reiseführer lese ich, dass die Exponate zu den wichtigsten religiösen Kunstwerken des Landes gehören. Es heißt, dass ein König im 1. Jahrhundert vor Christi hierher geflüchtet ist und nach seiner Rückkehr auf den Thron mit der Ausstattung der Tempel begonnen hat. Jeder folgende Herrscher sah sich veranlasst, die Sammlung zu verschönern und zu vermehren.

Die erste Höhle, Tempel des Götterkönigs, wird dominiert von einem 15 Meter langen liegenden Buddha. Höhle II gilt als spektakulärste der Anlage. Sie ist 52 Meter lang und wird beherrscht von einer Statue unter einem mit Drachen geschmückten Bogen.
Dann geht es wieder hinunter und kurz vor Erreichen des Parkplatzes erhebt sich der moderne Goldene Tempel, etwas kitschig anzusehen, mit einer etwa 30 Meter hohen sitzenden Buddhastatue.

Wir fahren zurück zum Hotel und unsere Freunde mit dem Kulturpaket „Entdecker“ nach kurzer Pause weiter nach Polonnaruwa, einer Ruinenstadt, einstmals Hauptstadt des Landes, und ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörend. Die restlichen Gäste legen sich an den Pool, jetzt sind genügend Liegestühle vorhanden, schwimmen, lesen oder relaxen und freuen sich auf das Abendessen und den anschließenden obligatorischen Arrak. Das in Sri Lanka angebotene Lions-Bier ist recht schmackhaft, aber, wie oben schon erwähnt, nicht ganz billig. Gleich am ersten Tag machte Nimal uns darauf aufmerksam, dass die Bedienung, zumeist junge Männer, zwar bemüht, aber nicht gut ausgebildet sei. Und diese Einschätzung kann ich voll und ganz bestätigen.


Sigiriya

Anderntags ist schon wieder ein UNESCO-Weltkulturerbe-Highlight angesagt, nämlich der Besuch des Wahrzeichens des Landes, der Aufstieg zur Felsenfestung aus dem 5. Jahrhundert. Schlappe 1.200 Stufen sind zu bewältigen, deshalb haben wir diesen Besuch auf den frühen Morgen verlegt, nachmittags hätte die Hitze, rund 35 Grad, uns möglicherweise unsere Grenze aufgezeigt. Mit einer gewissen Ehrfurcht vor der sportlichen Herausforderung creme ich mich mit Sonnenschutz ein und folge dann unserer Gruppe. Der auch „Löwenfels“ genannte 370 Meter hohe Monolith ragt senkrecht aus der Zentralebene empor und sein Gipfelplateau ist nur über schwindelerregende Treppen zu erklimmen, die an die Felswand montiert wurden. Zum Glück darf der Aufstieg in kurzen Hosen erfolgen, denn Sigiriya gilt als archäologische und nicht als sakrale Stätte. Auf halber Höhe erreicht man über eine Wendeltreppe eine überdachte Galerie. Hier ist das Fotografieren strengstens verboten. Gut erhaltene Fresken zeigen dralle Damen, die auch als himmlische Nymphen bezeichnet werden, wohl aber Konkubinen eines Königs darstellen.

Schnaufend geht es weiter hinauf und endlich sind wir, fast, am Ziel. Die zwei Löwentatzen sind erreicht und ich muss geraume Zeit warten, um ein Foto ohne davor posierende Menschen machen zu können. Hier, aber auch unten im Eingangsbereich, bieten Rote-Kreuz-Helfer hilfsbedürftigen Reisenden ihre Hilfe an. Jetzt noch einmal tief durchatmen und dann werden die restlichen Stufen zum Gipfel in Angriff genommen. Auf dem Plateau hat man einen phänomenalen Ausblick auf die Umgebung. Hier kann eine glatte Steinwand, die wohl einen Thron darstellen soll, besichtigt werden und ein aus dem Fels gehauenes Wasserbecken, das früher als Wasserspeicher gedient haben könnte. Glücklich, den anstrengenden Aufstieg ohne größere Komplikationen überstanden zu haben, warte ich bei den Löwentatzen auf den Rest der Gruppe. Nach dem Abstieg, auf dem Weg zum Parkplatz, kommen wir an einer in Fels gehauenen Audienzhalle und an der Kobrahöhle vorbei, die ihren Namen der Ähnlichkeit mit dem Nackenschild dieser Schlange verdankt. Am Bus werden wir mit dem Saft einer Kokosnuss überrascht. Bei diesem Getränk soll es sich um ein probates Mittel bei Bauchschmerzen oder Müdigkeit handeln.

Den Rest des Tages verbringen wir entspannt in der Hotelanlage, schwimmend, lesend, dösend oder sonst wie. Niedliche Streifenhörnchen erregen unsere Aufmerksamkeit.


Matale

Auf der Fahrt nach Matale halten wir noch kurz an einem Gemüsemarkt. Im Ort hatten wir Geld getauscht und die Karte eines Mitreisenden wurde vom Automaten nicht herausgegeben. Unser Fahrer wartet, bis die Bank öffnet und kann das begehrte Stück dann in Empfang nehmen, alles ganz unbürokratisch. Dann ist der Gewürzgarten, unser Ziel, erreicht und ein sehr gut Deutsch sprechender Mann erklärt uns die einzelnen Pflanzen, geht auf den therapeutischen Wert ein und hin und wieder dürfen wir auch probieren.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit versuche ich eine Auflistung der vorgestellten Gewürze und Früchte: Nelke, Kakao, Zitronengras, Papaya, Sandelholz, rote und grüne Ananas, Kardamom, grüner Pfeffer, Vanille, Kurkuma, Curry und Aloe. Einmal werde ich als Versuchsperson ausgewählt, unser Erklärer gibt eine Salbe auf meinen Arm und nach mehrminütiger Einwirkung reibt er mit einem Lappen die Reste weg und – auch die Haare sind verschwunden. Ein probates Mittel zum Haare entfernen. In einer kleinen Hütte sitzt ein Mann und schält Zimtäste. Um einfacher an die Kokosblüten zu kommen, sind einige Palmen obern mit einer kleinen Strickleiter verbunden. Ein gewandter junger Mann demonstriert uns, wie auf diese Weise Kokosnüsse oder die für den Arrak so wichtigen Blüten geerntet werden. Er geht von Wipfel zu Wipfel und braucht nur einmal hochzuklettern.
Zum Schluss der Veranstaltung treffen wir uns in einem Gemeinschaftsraum, trinken ein Glas Tee und haben Gelegenheit zu einer Kopf- und Rückenmassage. Dieses Angebot nehme ich gern an. Später kommt der unvermeidliche Gang durch den Gewürzshop und so manches Produkt wandert über den Ladentisch.

In Matale kommen wir bei der Weiterfahrt an einem Hindutempel vorbei und orientieren uns dann weiter in Richtung Kandy. Unterwegs geht Nimal auf das Gesundheitswesen im Lande ein und meint, dass die Krankenversorgung kostenlos sei. Allerdings ist es nicht einfach, behandelt zu werden, denn auf einen Arzt kommen 3.000 Patienten. Sollte man seinen Job verlieren, ist man auf sich selbst angewiesen, denn Arbeitslosengeld wird in Sri Lanka nicht gezahlt. Dafür brauchen Eltern aber kein Geld für Schulbücher auszugeben, diese Kosten werden vom Staat übernommen. Pro Jahr erhält jedes Kind eine Schuluniform. Dann ist die Stadt Kandy erreicht und wir gehen zum Mittagessen. Bei den meisten Lokalen, die wir mittags ansteuern, können wir zwischen einem kompletten Buffet, oder auch nur einer Vor- Haupt- oder Nachspeise wählen. Nach dem Lunch steht der Besuch des hiesigen Zahntempels auf dem Programm.


Kandy

Kandy, über 100.000 Einwohner, war Hauptstadt des letzten singhalesischen Königreiches und konnte sich gegen koloniale Eroberungen wehren, bis es 1815 von den Briten erobert wurde. Die Stadt liegt auf einer Höhe von etwa 500 Metern und ist somit klimatisch angenehmer als beispielsweise Colombo. Ein künstlicher See im Zentrum verleiht Kandy noch ein besonderes Flair. Wir verlassen den Bus und steuern einem weiteren UNESCO-Weltkulturerbe entgegen, nämlich dem Zahntempel.

Auf der weitläufigen Anlage neben dem besagten See kommen wir an einem „Kanonenkugelbaum“ vorbei. Am Eingang sind die Schuhe abzugeben und wenn ich oben ausgeführt habe, dass es in Kandy kühler als im Flachland sei, so habe ich doch erhebliche Probleme, barfuß über das aufgeheizte Gestein zu gehen. Viele Besucher haben sich mit Blüten als Opfergabe eingedeckt.

In diesem Tempel ist ein Zahn des Buddhas, die wohl bedeutendste buddhistische Reliquie des Landes, untergebracht. Er befindet sich in einem goldenen Kästchen in Form eines Stupas und ist nicht zu sehen, jedenfalls nicht von den normalen Besuchern. Nur wenige Menschen bekommen den linken Eckzahn zu Gesicht. Bei einer jährlich stattfindenden Prozession wird die Reliquie auf einem Elefanten durch die Stadt getragen. Kandy ist aufgrund dieses heiligen Besitzes ein wichtiger Pilgerort, was zu einem gewissen Wohlstand geführt hat. Wir staunen über das goldene Dach des Tempels, schauen uns die wie Holzpfähle aussehenden Steinsäulen der Audienzhalle an und durchschreiten einen Schreinsaal mit sitzenden Buddhas. Draußen, auf dem Weg zum Bus, kommen wir an etlichen Kiosken vorbei, die schöne Blüten in vielen Farben in ihren Auslagen anbieten.

Damit die darstellende Kultur nicht zu kurz kommt fahren wir ein paar Kilometer weiter bis zum „Oak Ray Ball Room“ und nehmen an einer Tanzvorstellung teil. Jeder Gast erhält einen Begleitzettel in seiner Landessprache, aber die Übersetzung ist verbesserungswürdig und nicht ganz einfach zu verstehen. Es handelt sich um ein Ritual und beginnt mit dem Blasen auf einer Muschel, dann kommen bis zu vier Trommler hinzu und danach vier hübsche junge Frauen. In wechselnden farbenfrohen Gewändern werden die einzelnen Tänze zelebriert, so u. a. der Soldatentanz, der Pfauen- und der Heilige Tanz. Ein angenehmes Spektakel, das später draußen auf der Straße fortgesetzt wird. An der frischen Luft beobachten wir Feuerschlucker und Männer, die eine brennende Fackel über den Arm streifen oder barfuß über eine Feuerstelle gehen.

Nach diesen ereignisreichen Stunden freue ich mich auf ein Feierabendbier, aber leider entscheidet sich die Mehrheit unserer Gruppe, in einen Laden mit Stoffen, Saris, Sarongs und Shirts zu fahren. Heinrich meint, wir sollten nach oben ins Restaurant gehen, wo wir heute unser Mittagessen hatten, und ein Getränk bestellen. Leider hat das Lokal geschlossen und so warten wir draußen auf die Weiterfahrt, die nun nicht mit dem Bus fortgesetzt wird, sondern mit zwei kleineren Shuttles. Es geht einen Berg hinauf und das hätte unser Tata nicht geschafft. Im Hotel „Hilltop“ werden wir die nächste Nacht verbringen.


Teeplantagen im Hochland

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des Tees, denken wir, doch zunächst wird ein Diamantenmuseum angesteuert. Ein Film demonstriert, wie das schwierige Unterfangen der Diamantenförderung vonstatten geht, später haben wir, wer hätte das gedacht, noch ausreichend Zeit zum Einkaufen. Wahrscheinlich muss man diese Unterbrechungen in Kauf nehmen, wenn man einen derart günstigen Gesamtpreis beanspruchen darf.

Auf der Fahrt nach Nuwara Eliya kommen wir wieder an zahlreichen heimischen Gewächsen vorbei und sehen z. B. Maniok, rote Bananen, Papaya- und Avocadobäume, Betelnusspalmen, Bambus, Kautschuk- und Nelkenbäume und natürlich Tee. Das satte Grün, von dem wir an den vergangenen Tagen und heute umgeben sind, fasziniert mich. Ich hätte nicht gedacht, eine solche grüne Landschaft vorzufinden. Die heutige Rundreise gefällt mir außerordentlich gut. Lediglich Heinrich´s Hinweis, er hätte ein Hitlerplakat gesehen, betrübt mich etwas.

In einer Kleinstadt verlassen wir unseren Bus und schlendern gemütlich durch die Straßen, sehen uns die Auslagen an, schauen einem Schlachter beim Zerkleinern von Lammfleisch zu und versuchen, die feilgebotenen Früchte namentlich richtig einzuordnen.
Auf einer Fläche von über 200.000 Hektar wird in Sri Lanka Tee angebaut. Er ist größtes Exportprodukt des Landes, gefolgt von Textilien, Bekleidung, Edelsteinen, Kokosprodukten und Kautschuk. Teeblätter können drei Jahre nach Pflanzung des Strauches erstmalig geerntet werden. Etwa 25 Jahre hält eine Pflanze aus, sie wird alle vier Jahre beschnitten. Der Tee wird im Hochland angebaut, da es hier kühler ist und eine Temperatur über 25 Grad das Wachstum negativ beeinflusst. Wir bewegen uns hier auf einer Höhe zwischen 1.500 und 2.000 Metern, die höchste Erhebung misst etwa 2.500 Meter. In der Teeindustrie sind über eine Million Menschen beschäftigt, also rund fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

Am frühen Nachmittag erreichen wir die von einem Schotten gegründete „Glenloch Tea Factory“, ein riesiger Mangobaum steht dominant auf dem Hof. Ganga, eine sympathische junge Frau mit gutem Organ, ist für die Betriebsführung zuständig. Sie erklärt uns lautstark, denn die Produktion geht unvermindert weiter, dass eine Teepflückerin an einem achtstündigen Arbeitstag 20 bis 30 Kilogramm Teeblätter erntet. In dieser Fabrik wird nur eine Sorte verarbeitet. Unterschiedliche Trocknungs- und Fermentierungstechniken beeinflussen, ob schwarzer, grüner oder weißer Tee produziert wird. Auch die Stärke kann durch verschiedene Sortierungen und Bearbeitungen beeinflusst werden. Dann endlich dürfen wir Platz nehmen und von dem köstlichen Nass probieren. Später haben wir selbstverständlich noch Gelegenheit, in dem gut sortierten Verkaufsraum die eine oder andere Sorte Tee zu kaufen. Aber wenn man schon mal hier ist …

Auch die Weiterfahrt ist sehr interessant und eindrucksvoll. Unser Fahrer beherrscht die engen Straßen und Serpentinen souverän. Wieder kommen wir an gewaltigen Teeplantagen vorbei und können nun auch Pflückerinnen bei der Arbeit zusehen. Doch die Damen, zumeist Tamilen, haben es nicht leicht, sie wohnen in erbärmlichen Baracken und erhalten etwa vier US Dollar pro Tag. Den ansässigen Singhalesen war die Arbeit zu hart, so dass die englischen Teebarone seinerzeit in Indien für personellen Nachschub sorgten und indische Tamilen, die in Sri Lanka bis heute eine Randgruppe darstellen, ins Land holten.

In einem Dorf, durch das wir fahren, findet ein Hindufest statt. Damen in farbenfrohen Saris stehen auf der einen Seite und winken uns zu. Direkt am Straßenrand sehen wir zunächst, dass sich Personen um einen mit nacktem Oberkörper auf dem Bauch liegenden Mann bemühen. Der langsam fahrende Bus fährt dann an einer Personengruppe vorbei, die einem wie vorher beschrieben liegenden Mann Fleischerhaken durch die Rückenhaut bohrt. Ein weiterer Vorgang zeigt, wie so ein malträtierter Mann an einem Gerüst aufgerichtet wird. In drei folgenden Sequenzen hängt jeweils ein Mann an drei Haken, die durch die Rückenhaut gezogen worden sind, waagerecht unter einem Gerüst. Auffallend ist dabei, dass kein Tropfen Blut zu sehen ist. Dies geschieht nach Aussagen des Reiseleiters an bestimmten Hindu-Feiertagen, vornehmlich um ein Gelübde einzulösen. Und weiter geht es durch spektakuläre Landschaften, Teefelder werden von Gemüseterrassen abgelöst, einmal wundere ich mich über eine Allianz-Werbung mitten in der Natur. Dann ist Nuwara Elya erreicht. Ein SOS-Kinderdorf wurde hier vor Jahren errichtet. Beim im Tudor-Stil gebauten Grand-Hotel halten wir an und haben Gelegenheit, hier ganz auf englische Art Teatime zu zelebrieren oder uns den schönen englischen Rasen und die gepflegte Gartenanlage anzuschauen. Nebenan befindet sich ein Golfplatz.

Ein Großteil unserer Gruppe fährt vom nahe gelegenen Bahnhof mit dem Zug weiter, ich hätte auch gern an dieser Fahrt teilgenommen, aber kein Ticket mehr erhalten. Von einer Anhöhe beobachten wir, wie sich der Zug langsam über eine Brücke zum Bahnhof quält. Der bekannte Film „Die Brücke am Quai“ wurde hier in Sri Lanka gedreht, auch „Indiana Jones“. Der kleine Rest der Gruppe fährt dann mit dem Bus zu unserer nächsten Bleibe. Eine Zeit lang haben wir den höchsten Berg des Landes im Fokus, auf dem Lake Gregory vergnügen sich Wassersportler. Gegen Abend erreichen wir Bandarawela und kurze Zeit später stoßen die Bahnfahrer zu uns. Das „Orient Hotel“ wirbt mit happy hour, leider finde ich die Dachbar erst später, aber es stört mich nicht. Beim Abendessen, ich habe wie ausgeführt nicht am Buffet teilgenommen, sondern mir ein Tellergericht mit Reis und Currygemüse bestellt, lese ich erstaunt, dass Werder in Ingolstadt gewonnen hat – und das ist mir später ein Glas des heimischen Arrak auf der Dachterrasse in sehr angenehmer Abendkühle wert. Wegen des gemäßigteren Klimas ist diese Stadt bei Rentnern und Pensionären sehr beliebt.


Elefanten und mehr

Heute werden wir vom Muezzin geweckt. Das Frühstück hat mir wieder ausgezeichnet geschmeckt, besonders gefallen mir die tropischen Früchte, wie Papaya, Ananas oder Melone, heute gab es zusätzlich Maracuja, auch Passionsfrucht genannt. Vor uns liegt der für mich angenehmste Tag dieser Rundreise. In Wellawaya halten wir kurz an, um Geld abzuheben, dann fahren wir weiter bis Ella. In diesem idyllischen Bergdorf stehen wir staunend vor dem Rawana-Wasserfall. Nimal macht uns auf am Straßenrand stehende Tamarindebäume aufmerksam, übersetzt „Datteln aus Indien“, in Deutschland ist auch die Bezeichnung Indische Dattel oder Sauerdattel gebräuchlich. Er informiert uns weiterhin, dass bei einer Hochzeit in Sri Lanka durchaus 300 bis 1.000 Gäste eingeladen werden. Gefeiert wird mehrere Tage. Am ersten Tag schmückt sich die Braut mit einem weißen oder hellen Sari zum Zeichen der Jungfräulichkeit und Reinheit, am zweiten Tag, nach der Hochzeitsnacht, trägt sie rot. Frauen trinken keinen Alkohol und rauchen nicht. In Sri Lanka soll es über 480 verschiedene Vogelarten geben, teils endemisch. Ein paar Pfauen streifen durch die Landschaft. Einmal muss unser Fahrer abrupt abbremsen, denn ein Waran überquert gemächlich die Fahrbahn. Auf einem Feld wird Zuckerrohr angebaut. Nachdem wir eine riesige Staudammbrücke hinter uns gebracht haben, ist unser erstes Tagesziel erreicht: das Elefantenwaisenhaus in Udawalawe.

Diese Aufzuchtsstation wurde im Jahre 1995 gegründet. Bis zum heutigen Tage konnten bereits 120 Tiere ausgewildert werden, rund 50 junge Elefanten werden zurzeit gehalten. Sie bleiben fünf Jahre hier und werden dreimal am Tag mit Kuhmilch gefüttert. Beim „Mittagessen“ sind wir anwesend und beobachten das drollige Treiben. Pünktlich erscheinen die Jungtiere und warten am Gatter. In kleinen Gruppen werden sie hereingelassen und erhalten ihre Mahlzeit entweder aus der Flasche oder mittels Schlauch und Trichter. Ein paar Junggesellen versuchen sich ein zweites Mal anzustellen, was natürlich vom Mitarbeiter bemerkt wird. Wütend trompetend trollen sie davon.

Nach unserer Mittagspause beginnt ein weiteres Highlight dieses Tages. Verteilt auf mehrere Jeeps beginnen wir die Safari durch den Udawalawe-Nationalpark. Über zwei Stunden brausen wir durchs Gelände und beobachten Vögel und Säugetiere, zunächst ein kleines Chamäleon. Es folgen Pfauen, die hier als heiliges Tier gelten, Elefanten, Langhorn- und andere Büffel, Eisvögel, Regenläufer, Hauben- und Seeadler, Fliegenfresser, Fischreiher, Fischadler, Marabus, viele Termitenhügel und Pelikane. Geraume Zeit verweilen wir an einem See, beobachten Krokodile, Elefantenherden und amüsieren uns über etliche Büffel, die bis auf den Kopf im Wasser liegen und relaxen. Dickhäuter spielen eine große Rolle im Lande, Etwa 20 Stunden benötigen sie täglich für die Nahrungssuche, ihr Tagesbedarf bewegt sich um 200 Kilogramm. Es ist ein interessantes Bild, wie sie die Gras- oder anderen Büschel mit ihrem Rüssel drehen und dann endlich abreißen und ins Maul stecken. Gab es Ende des 18. Jahrhunderts noch 10.000 bis 20.000 Tiere dieser Gattung, so hat sich der Bestand heute auf 3.000 bis 4.000 reduziert. Ihre Lebenserwartung ist aufgrund der von den Briten in großem Stil praktizierten Großwildjagd stark gesunken. Da die Elefanten auf der Suche nach Nahrung auch in Siedlungen der Menschen vordringen, ist ein Konflikt zwischen Bauer und Tier nicht auszuschließen.

An großen Bananenfeldern vorbei fahren wir zum Hotel und werden mit einer Blüte empfangen. Nach einem Erfrischungsbad im Pool habe ich Probleme mit der Dusche in meinem Zimmer. Ein Mitarbeiter der Anlage klärt mich auf. Unser Abendessen nehmen wir an langen Tafeln unter freiem Himmel ein, da es der letzte Abend mit Nimal ist, werden wir mit einem Arrak-Cocktail verwöhnt. Ein Duo unterhält uns mit schönen Melodien. Das Bezahlen der Getränke ist nach wie vor sehr umständlich, obwohl überall mit Computern gearbeitet wird. Am nächsten Morgen frühstücken wir ebenfalls draußen und erhalten als Abschiedsgeschenk ein Paket Tee.


Ende der Rundreise

Nun ist also der letzte Tag der Rundreise angebrochen. Und immer noch gibt es etwas Neues in der Botanik zu beobachten. Heute wird uns ein Regenbaum gezeigt, später mehrere Feuer- oder Flammenbäume, wegen der Blütezeit auch Maibaum genannt. Ein Marathonläufer quält sich über die Straße – und das bei einer Temperatur von über 30 Grad. Den buddhistischen Dondratempel sehen wir uns von draußen an, zwei Elefanten stehen angebunden in der Nähe, ein Waran schleicht bedächtig durch das Gras. Dondra bedeutet südlichster Punkt. Dann ist die Stadt Matara am Indischen Ozean erreicht und wir hören, dass hier 700 Tote beim Tsunami zu beklagen waren. Doch das Leben geht weiter und Liebespärchen hocken einträchtig unter einem Sonnenschirm. Vor einer Tankstelle herrscht großer Andrang, abends wird mir ein Mann im Reisebüro mitteilen, dass Mitarbeiter der Ölindustrie streiken. Zahlreiche Reception Halls bieten ihre Dienstleistung an, sie werden gern gemietet, um hier eine Hochzeitsfeier auszurichten. Etliche Hotelprojekte befinden sich im Bau, am Straßenrand werden Fische verkauft. Mangobäume zieren den Weg, Nimal meint, dass der Mangobaum in seinem Garten zweimal im Jahr Früchte trägt.

Eine Viertelstunde halten wir an einem Steg und sehen den Fischern beim Entladen ihres Fangs zu. Heute ist Thunfisch an der Reihe. Er wird auf dem Schiff oder Boot in Wannen gelegt und dann auf bereitstehende Lieferwagen getragen. Und dann – endlich – sind die Stelzenfischer in Sicht. Jeder hockt auf einer dicht an der Küste in den Meeresboden gerammten Stange und angelt mit der Leine. Im Reiseführer lese ich, dass die Standorte heiß begehrt sind und vom Vater auf den Sohn vererbt werden. Nimal jedoch meint, dass sie mehr oder weniger ihrer Arbeit nachgehen, um den Touristen ein einmaliges Motiv zu geben. Früher, bei starkem Seegang, haben sie sich zusätzlich als Zimtschäler betätigt.

Dann sind wir am letzten Programmpunkt angelangt, die Stadt Galle, etwa 100.000 Einwohner, will von uns touristisch erobert werden. Man ist sich nicht sicher, ob der Name der Stadt vom portugiesischen Gallo (Hahn) oder von der heimischen Übersetzung „Fels“ herrührt. Wir steigen aus dem Bus und wandern zur von den Niederländern erbauten Festungsanlage, die ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Leider hat es angefangen zu regnen. Viele Tamilen betreiben hier Goldhandel. Wir steigen auf die Festungsmauer und gehen ein Stück entlang, beobachten auf dem Flagrock junge Männer, die, natürlich gegen einen bestimmten Obolus, zwischen dicke Felsen ins Meer springen. Ein Bobadillabaum wird uns gezeigt, eine deutsche Übersetzung ist nicht vorhanden. In der Nähe des Leuchtturms ist eine Schildkröte im seichten Wasser am Ufer zu erkennen. Und dann stehe ich vor der weißen Moschee. An meinem Geburtstag 2014 musste das Frachtschiff, auf dem ich 21 Tage zum Abschluss meiner Weltreise mitfuhr, südlich von Galle ankern, um einen kranken Matrosen von Bord zu lassen. In der Ferne war ein weißes Gebäude zu erkennen und wurde mir als besagte Moschee in Galle erklärt.

Später schlendern wir noch ein wenig durch die Innenstadt und kommen am Gericht vorbei, sehen die holländische Kirche und können erkennen, dass die Stadt britische und niederländische Züge trägt. Kolonialbauten, historische Kirchen, Moscheen, Tempel, alte Handels- und Regierungsgebäude, all das macht Galle aus.

Ein letztes Mal steigen wir in den Bus, noch einmal lauschen wir den Erklärungen unseres Begleiters, einmal noch schenken wir einer Zimtplantage und einigen Kautschukbäumen Beachtung, noch ein Foto von Ölpalmen, die seinerzeit aus Malaysia eingeführt wurden, und dann sind wir am Ziel. Eine wunderbare Rundreise, eine interessante Woche mit vielen einmaligen Eindrücken, mit fremden Gerüchen und zauberhaften Landschaften, liegt hinter uns. Herzlich verabschieden wir uns von Nimal, vom sehr umsichtig fahrenden Nandera und dem Beifahrer Dasantha. Meine Mitreisenden werden die nächste Woche im Tangerine Beach Hotel in Kalutara verbringen, ich für ein paar Tage auf die Malediven fliegen.

Abends verlasse ich die Hotelanlage und gehe etwas spazieren. Im Reisebüro erkundige ich mich nach Fahrmöglichkeiten zum Flughafen Colombo. Angeblich kommt nur ein Taxi infrage. Er bietet mir eine einfache Fahrt für 60,- Euro an und lässt sich schließlich auf 55,- Euro ein. Ich solle unbedingt bei ihm buchen, weil seine Gesellschaft genügend Treibstoff habe und Taxis von der Straße möglicherweise wegen des aktuellen Streiks unterwegs liegen bleiben könnten. Aber ich möchte erst mit unserem Reisebetreuer sprechen, vielleicht gibt es dort ja bessere Angebote. An der Hotelrezeption kann man mir nicht weiterhelfen.

In der Nachbarschaft warten diverse Restaurants auf hungrige Gäste. Ich nehme im Lokal mit dem für Sri Lanka sehr typischen Namen „Zenit Sankt Petersburg“ Platz, bestelle ein Bier und Nudeln mit Gemüse. Am Nebentisch sitzen Sara und Saskia aus Kassel. Die Schwestern kennen sich hier gut aus und haben ihre Ausflüge von Kalutara aus organisiert. Sie empfehlen mir, einen Zug bis Colombo zu nehmen und dann mit dem Taxi weiterzufahren. Wir unterhalten uns noch geraume Zeit sehr angeregt und wetteifern mit Reiseerlebnissen.

Am nächsten Morgen informiert uns Milan über Tour- und Freizeitangebote, man hat die Möglichkeit, Wale zu beobachten, eine Schildkrötenfarm zu besichtigen oder sich einfach eine Ayurveda-Behandlung zu gönnen. Ich spreche ihn wegen der Fahrt zum Flughafen an und er bietet mir einen guten Preis. Gern nehme ich sein Angebot an, denn ich fliege bereits am frühen Nachmittag und nicht, wie ich gestern bei den Schwestern dachte, gegen Abend und dann hätte ich mit dem Zug ein kleines Zeitproblem oder müsste ganz früh losfahren.

Nachmittags liege ich im oder am Pool, lese sehr viel und beobachte die auch hier häufig herumlaufenden niedlichen Streifenhörnchen. Ein Bad im Meer ist nicht möglich, denn eine rote Flagge warnt davor, ins Wasser zu gehen. Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist dafür verantwortlich, dass meine Fotolinse beschlagen ist und ich erst nach ein paar Minuten in der Lage bin, halbwegs vernünftige Bilder zu knipsen.

Mein Taxifahrer ist anderntags rechtzeitig im Hotel und nach 90minütiger Fahrt sind wir am Flughafen, ich checke ein und ein freundlicher Inder überlässt mir seinen Fensterplatz. Nach einer guten Stunde setzt der vollständig besetzte Airbus zur Landung an, unter uns sind ein paar Atolle mit ihren leuchtenden weißen Sandstränden zu sehen und ich freue mich auf die nächsten Tage.

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