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MS VESTERÅLEN

MS VESTERÅLEN

Aurora borealis

auf der Suche nach dem Nordlicht

Ankunft in Bergen

Fast schon hätte ich für diesen Reisebericht einen anderen Titel gewählt oder wählen müssen, etwa "Das versteckte Licht" oder "Nordlicht, versteckt hinter den Wolken". Aber dann, am 5. Tag nach Überschreitung des Polarkreises oder des arctic circle, haben wir das schon nicht mehr zu hoffen gewagte Glück und tauchen ein in die mystische, magische Welt der nordischen Himmelserscheinungen. Doch der Reihe nach:

Lautes Klingeln schreckt mich aus dem Schlaf, aber es ist nicht der Wecker, sondern Simon. Er steht vor der Tür, um mich zum Flughafen zu fahren. Habe ich den Weckruf überhört oder womöglich den Alarm falsch eingestellt? Keine Ahnung, vor allen Dingen bleibt mir keine Zeit mehr, die Ursache des Problems zu lösen. Schnell die Zähne geputzt und dann ins Auto - das Rasieren fällt heute aus. Aber wir sind rechtzeitig am Bremer Flughafen und meine Hektik klingt langsam ab. Nach dem Einchecken wird mein Laptop auf Sprengstoff untersucht. In der Abfluglounge treffe ich Nena, sie ist auf dem Weg nach Peru. Später in Amsterdam, beim Warten auf den Anschlussflug, trinken wir noch einen Kaffee zusammen. Vor dem Start werden die Flügel der Fokker 70 vorsichtshalber mit einem Enteisungsmittel behandelt. Nach etwa 90-minütiger Flugzeit erreichen wir Bergen. Es regnet zwar, manchmal muss sich das Flugzeug durch dicke Wolken quälen, aber die zahlreichen Inseln, die bei der Landung vor uns auftauchen, ergeben ein schönes Bild und ich freue mich auf die nächsten Tage. Der Hurtig-Bus fährt zur jeweils vollen Stunde und so bleibt mir noch Zeit für ein Pølse, also für eine Bratwurst im Brötchen, bevor ich als einziger Gast in diesem Fahrzeug zum Hafen gefahren werde.

Das Schiffs-Terminal ist nach einer halben Stunde erreicht und um 16.00 Uhr öffnet die "VESTERÅLEN" ihre Pforten, sie wird während der nächsten 12 Tage unser Zuhause sein. Erwartungsvoll gehe ich die Gangway hinauf. Für mich ist die Kabine 330 steuerbord reserviert, ein Bullauge hatte ich gar nicht erwartet.

In meinem Fahrpreis ist Frühstück und ein Dreigang-Abendessen enthalten und, um es vorweg zu sagen, ich wurde nie enttäuscht. Im Gegenteil, die Vielzahl und Anrichtung der einzelnen Gerichte hat mich positiv überrascht. Selbst meine speziellen Wünsche beim Nachtisch finden stets Gehör bei der freundlichen Bedienung. So werden wir u.a. mit Lachs-Carpaccio, Entenbrust, Bacalao, Lamm, frischem Lofoten-Dorsch und gebackenem Eismeersaibling verwöhnt. Beim Dessert bilden häufig Beeren die Grundlage. Zum Dinner wird uns ein fester Platz zugewiesen, meine Tischbachbarn kommen aus Bad Dürkheim, Frankfurt und aus der Nähe von Heilbronn und Mainz. Alle Bordansagen erfolgen in norwegischer, englischer und deutscher Sprache, die Rezeption und Cafeteria sind rund um die Uhr besetzt, Svein, unser häufig schmunzelnder Reisebegleiter, steht uns tagsüber zur Verfügung. Bezahlt wird, jedenfalls halten es die meisten Passagiere so, mit einer Bordkarte, der sogenannten Cruisecard. Um den bekannten hohen norwegischen Preisen zu begegnen, habe ich mich mit zwei Flaschen Rum eingedeckt und werde in den nächsten Tagen statt eines Glases Bier lieber einen Grog oder einen Becher Tee trinken, passt ja auch viel besser bei dieser Witterung. Einen Reise-Wasserkocher hatte ich vorsichtshalber eingepackt.
Eigentlich wollte ich auf eine organisierte Reise verzichten, hatte aber kein Frachtschiff gefunden, das in dieser Zeit über den Polarkreis fährt. Im Nachhinein bereue ich die Entscheidung nicht, denn gruppendynamische Prozesse wie im Sommer 2013 auf den riesigen Schiffen dieser Linie sind nicht erkennbar und die "VESTERÅLEN" ist ja auch eines der kleineren und älteren der Flotte. Sie strahlt eine gewisse Gemütlichkeit, eine angenehme Behaglichkeit aus. Hin und wieder hört man das Ächzen und Knarren der Balken oder Holzbohlen. In den Kabinen kann ein Lautsprecher für nächtliche Polarlicht-Ansagen aktiviert werden. Während unserer 12-tägigen Passage ist leider eine solche Ankündigung, zumindest nachts, nicht erforderlich.


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