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Marienkirche

Marienkirche

so geht Kutsche fahren heute

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Tuchhallen

Tuchhallen

Schindlers ehemalige Emaillefabrik

Schindlers ehemalige Emaillefabrik

Wawel

Wawel

Heiße Tage in Südpolen

schwitzend durch Krakau, Zakopane und Breslau

Krakau

Eine Stunde und elf Minuten benötigt die Boeing 737 von Frankfurt/Main bis Krakau. Mehr Probleme bereitet uns der Kauf einer Fahrkarte für den Bus vom Flughafen bis in die Innenstadt – der Automat funktioniert nicht bzw. er nimmt keine Münzen an. Auch der Fahrer versucht ohne Erfolg, den Automaten um die begehrten Fahrscheine zu erleichtern. Schließlich telefoniert er, zwei Damen nehmen sich der Sache an und nach kurzer Zeit können wir, zumindest mit Kreditkarte, die Fahrt bezahlen. Vom Bahnhof dann noch ein paar Minuten zu Fuß und schon ist das Hotel „Old Time“ erreicht. Wir hatten es vorab im Internet gebucht. Krakau ist mit knapp 760.000 Einwohnern nach Warschau zweitgrößte Stadt Polens.

Nun also hinein ins Geschehen. Der Rynek, also der Ring oder der Marktplatz bzw. Hauptmarkt ist nach 20 Minuten erreicht. Mit 200 mal 200 Metern soll es sich um den größten mittelalterlichen Platz in Europa handeln. Beim Betreten staunen wir über die vielen Tauben, der Legende nach sind es verzauberte Ritter. Sie werden von den Passanten jedenfalls fürsorglich gefüttert. Aber auch Cafés, Bistros und andere Lokale sind in großer Anzahl vorhanden. Wir suchen uns einen schattigen Tisch am Rathausturm und lassen das Geschehen auf uns einwirken. Nach kurzer Zeit hören wir eine Trompete: Zu jeder vollen Stunde spielt ein Trompeter auf dem Turm der Marienkirche den „Hejnal“. Gesehen haben wir den Musiker allerdings nicht. Dieses Signal erinnert an das Jahr 1241, als ein Bläser die schlafenden Bürger so lange vor einem Angriff warnte, bis ihn ein Pfeil tötete.

Gestärkt marschieren wir durch die Tuchhallen, das wohl auffälligste Gebäude des Platzes. Das gelb-rot strahlende Bauwerk ist 118 Meter lang und teilt den Hauptmarkt in zwei Teile. Früher wurde hier, wie der Name schon vermuten lässt, mit edlen Tüchern gehandelt, heute mit Souvenirs und Ramsch. Oben an den Wänden sind Wappen verschiedener polnischer Städte zu sehen, in der höheren Etage kann eine Galerie besucht werden.

Am Denkmal des polnischen Dichters Adam Mickiewicz vorbei schlendern wir zur Marienkirche, dem Wahrzeichen der Stadt. Ihre unterschiedlich hohen Türme, 81 und 69 Meter, sind weithin sichtbar. Berühmt ist der prachtvolle Altar des Bildhauers Veit Stoß aus Nürnberg.

Immer wieder fahren zweispännige Kutschen an uns vorbei, eine angenehme Art der Stadtbesichtigung. Der Lenker wird meist von einer hübschen Dame begleitet. Aber auch Elektroautos bringen Interessierte zu den jeweils begehrten Sehenswürdigkeiten, und das zu einem akzeptablen Preis, der außerdem auch noch verhandelbar ist. Vom Abendessen in einem Restaurant direkt am Marktplatz sind wir enttäuscht, wir finden es überteuert und schlecht.

Am nächsten Morgen fahren wir mit der Straßenbahn nach Kazimierz ins Judenviertel. Es ist Sonntag und die Fahrkartengeschäfte sind geschlossen. So stehen wir unentschlossen vor dem Automaten in der Bahn und kramen in unseren Taschen nach Münzen, aber wir haben nur Scheine. Schließlich erbarmt sich eine freundliche Frau und hilft uns aus unserer Not.
Langsam gehen wir durch die ul. Szeroka, die Breite Straße, und entspannen uns in einem der zahlreichen schattigen Lokale. Dann besichtigen wir die Alte Synagoge, Synagoga Stara, und fahren weiter zur ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler. Hier wird in verschiedenen Ausstellungen auf die unvergessliche Hilfe des Fabrikbesitzers hingewiesen, aber auch das polnische Alltagsleben während der deutschen Besatzung gezeigt.

Ein Elektrotaxi bringt uns dann zum nächsten Highlight, dem Wawel. Die ehemalige Residenz der polnischen Könige steht auf einem 228 Meter hohen Kalkhügel an der Weichsel. Zahlreiche Monarchen wurden hier feierlich gekrönt.
Eine lange Schlange wartet vor dem Kassenhäuschen. Man kann zwischen verschiedenen Angeboten wählen, wir entscheiden uns für die Königsgemächer. Die Besichtigung der Kathedrale ist kostenlos.

Die Wawelkathedrale besteht aus insgesamt 19 Kapellen. Ein imposanter Hochaltar ist absoluter Blickfang im Kirchenschiff. Zahlreiche Könige wurden hier, wie oben beschrieben, gekrönt, aber auch bestattet. Ihre sterblichen Überreste wurden teils im Mittelschiff, aber auch in der Krypta beigesetzt. Auch polnische Dichter und Politiker fanden hier ihre letzte Ruhe.

Über einen Arkadenhof erreichen wir den Eingang des Wawelschlosses. In den königlichen Gemächern sind riesige Wandteppiche, filigrane Kamine, wertvolle Möbel und kostbare Bilder zu bewundern. Wir haben Zeit und schlendern gemütlich durch die einzelnen Säle, der Senatorensaal ist mir wegen seiner Größe und Ausstattung besonders in Erinnerung geblieben.

Zum Abendessen bestellen wir die polnische Nationalspeise Bigos, eine hauptsächlich aus Sauerkraut bestehende Köstlichkeit. Hier, im Schatten einiger Hochhäuser in der Nähe des Theaters, lässt es sich gut aushalten. Auf der Rückfahrt zum Hotel, heute gönnen wir uns ein Taxi, kommen wir am Verteidigungsbollwerk Barbakane vorbei.


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