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in Stalída

in Stalída

neugierige Dachhasen

neugierige Dachhasen

Fahrt zur Ebene

Fahrt zur Ebene

Homo Sapiens Village

Homo Sapiens Village

Kloster Kroustallénias

Kloster Kroustallénias

Blick auf das Hochplateau

Blick auf das Hochplateau

in der "Zeus-Höhle"

in der "Zeus-Höhle"

Lassithi-Ebene

Lassithi-Ebene

in Psichró

in Psichró

Kloster Kera

Kloster Kera

Herbstvergnügen auf Kreta

Stalída

Gunda und Rolli haben zur Silberhochzeitsfeier nach Kreta eingeladen. Zusammen mit Heidi, Kelly, Matthias und René fliege ich Ende September 2019 auf die größte griechische Insel. Es ist mein erster Flug mit Sundair, einer Gesellschaft mit Sitz in Stralsund, die seit einigen Monaten auch den Flughafen Bremen ansteuert. Der Pilot ist so freundlich und macht uns beim Vorbeiflug auf den Berg „Olymp“ aufmerksam, sein Gipfel leuchtet in der Mittagssonne. Ursprünglich hatten wir alle einen Germania-Flug gebucht, aber bekanntlich ist die Firma insolvent und glücklicherweise wurde uns allen auch der Flugpreis erstattet. In Heraklion, gebräuchlicher ist nunmehr wohl die Schreibweise „Iráklio“, nehme ich meinen Mietwagen, einen Škoda, in Empfang und dann geht es ostwärts auf der Autobahn meinem heutigen Ziel entgegen. Die Sonne brennt vom Himmel und das Thermometer zeigt 30 Grad an. Mein Navi tut sich schwer mit der griechischen Schreibweise und so frage ich ein paar Male nach, bis ich ohne Umwege endlich mein Hotel erreiche. Ein Zimmer in den „Villiana Holiday Apartments“ wird an den nächsten Tagen mein/unser Zuhause sein. Es liegt etwas abseits vom Zentrum in einer ruhigen Seitengasse, aber in vier Minuten ist das Meer erreicht.

Natürlich treibt es mich gleich an den Strand, ich bin erstaunt, dass viele Plätze in den Bars unbesetzt sind, dieser Eindruck festigt sich noch, als ich zum Abendessen wieder ein Restaurant direkt am Wasser aufsuche. Trotz idealer Lage bin ich fast einziger Gast. Später nehme ich noch ein paar Drinks in einem benachbarten Hotel ein und freue mich über die Livemusik, besonders der Bouzoukispieler hat es mir angetan. Natürlich gehören bekannte Stücke wie „Griechischer Wein“ oder „Ein Schiff wird kommen“ zu seinem Repertoire, aber auch eingängige griechische Weisen, die ich bisher nicht kannte.

Nach einem späten Frühstück setze ich mich am nächsten Morgen wieder in mein Auto, fahre zurück zum Flughafen, knapp 40 Kilometer, und warte auf Tatiana. Sie hat einen Direktflug von Sankt Petersburg gebucht und landet pünktlich. Zurück in Stalída, auch unter „Stális“ bekannt, stürzen wir uns ins Meer, essen danach zu Abend und gehen dann wieder zum Hotel mit Musik, doch heute unterhält eine andere Band, die mir nicht so zusagt.

Den nächsten Tag verbringen wir am Wasser, für fünf Euro können zwei Liegen und ein Sonnenschirm gemietet werden. Jetzt bin ich doch erstaunt über die vielen Menschen, die es sich ebenfalls am Strand gemütlich machen. Permanent sind Boote unterwegs mit mutigen Menschen in luftiger Höhe unter dem Fallschirm. Tatiana meint, dass sie mit einigen Freundinnen vor ein paar Jahren das Parasailing ebenfalls ausprobiert habe. Heute ärgere ich mich ein wenig, dass ich es nicht auch versucht habe. Abends suchen wir uns wieder ein Lokal mit Blick auf das Meer und lassen den Tag im besagten Hotel bei einem Glas Wein ausklingen.

Ein karges Frühstück im Hotelzimmer, dann heißt es Sachen zusammenpacken und Abschied von Stalída nehmen. Der freundliche Apartmentvermieter raunt mir noch zu, beim nächsten Besuch doch direkt bei ihm und nicht über einen Zimmervermittler zu buchen. Auf Empfehlung von Conny wollen wir uns eine Fahrt auf die Lassíthi-Ebene nicht entgehen lassen. Unser Weg führt über drei große Serpentinenschleifen mit herrlicher Aussicht auf das Meer nach Mochós, dieses Dorf soll einen der schönsten Dorfplätze Kretas haben. In Homo Sapiens Village legen wir eine kleine Pause ein, hier können Nachbauten von Windrädern angeschaut werden. Den Besuch des Freilichtmuseums ersparen wir uns, da mein Reiseführer nicht sehr positiv darüber berichtet. Eigentlich wollten wir hier einen Kaffee trinken, aber da die Toilette nicht funktioniert, machen wir uns wieder auf den Weg.

Nachdem wir den 900 Meter hohen Ambélos-Pass hinter uns haben ist die auf etwa 800 Metern gelegene Hochebene, ein rundes zehn Kilometer langes und fünf Kilometer weites Plateau im Díkti-Massiv, erreicht. Über 20 Dörfer säumen seinen Rand, um möglichst wenig des fruchtbaren Bodens zu vergeuden. Immer wieder halten wir an, um die Umgebung zu bestaunen, das Ambiente auf uns einwirken zu lassen und um zu fotografieren. Und natürlich sehen wir auch die ersten Windräder, gab es früher rund 10.000 Stück, um Wasser aus versteckten Hohlräumen im Kalkgestein auf die Felder zu pumpen, so hat sich die Anzahl doch stark reduziert und die meisten werden auch elektrisch betrieben. Dank ihrer charakteristischen weißen Segel sind sie ein beliebtes Fotomotiv.

In einer gemütlichen Taverne in Sichtweite zum Kloster Kroustallénias kurz vor Ágios Geórgios holen wir die nötige Kaffeepause nach und essen eine Kleinigkeit. Auch hier können Windräder begutachtet werden. Dann geht es weiter zum besagten Kloster, das in meinem Reiseführer auch als „Kristallénias“ bezeichnet wird. Im Zentrum des Widerstands gegen die Türken stehend, wurde es von denen im 19. Jahrhundert zerstört. Der deutschen Wehrmacht diente es während der Besatzung als Gefängnis. Ein Museum steht zur Verfügung, es ist aber während unseres Besuchs geschlossen. Und dann ist Diktéon Àndron, die Höhle von Psichró und die wohl berühmteste Höhle der Insel, erreicht.

Ein Parkplatzwächter weist uns ein, kassiert 2,50 Euro, und zeigt uns die Richtung zur Tropfsteinhöhle, aber wir brauchen nur den Massen folgen, sie haben dasselbe Ziel. Dieser Kultort oder Touristenmagnet ist Gottvater Zeus geschuldet. Er wurde hier der Legende nach im 2. Jahrtausend v. Chr. von Ziegen aufgezogen, da seine Mutter fürchtete, Vater Kronos würde ihn als möglichen Konkurrenten verschlingen, wie bereits mit seinen Geschwistern geschehen. Es geht stramm den Berg hinauf, man hätte für den Marsch zur in 1.025 Meter Höhe gelegenen Höhle auch einen Esel mieten können. Tatiana unterhält sich ein paar Male mit anderen russischen Touristen, die schon wieder hinabsteigen. Nachdem wir 6,- Euro Eintritt entrichtet haben geht es hinab in die Höhle. Im Inneren umfängt uns feuchte Kühle, aus den nassen moosüberwachsenen Felsen bilden sich Stalaktiten. Der Höhlengrund steht unter Wasser. Zurück beim Parkplatz erfrischen wir uns mit einem frisch gepressten Granatapfelsaft. Tatiana besteht dann noch auf einen Besuch der Diktamus-Taverne, die in einer Broschüre als besonders typisch beschrieben wird. Hier essen wir eine Kleinigkeit und nach dem Besuch einiger Souvenirgeschäfte, ich schaue mir in der Zeit lieber ein paar Windräder an, machen wir uns endlich wieder auf den Weg.

Nachdem wir die Hochebene verlassen haben, halten wir noch für einen kurzen Besuch beim Kloster Kera. Es gehört zu den wichtigsten religiösen Zentren der Insel. Auch dieses Bauwerk aus dem frühen Mittelalter wurde von den Türken mehrmals zerstört. Die im Templon hängende Gottesmutter-Ikone wurde angeblich von Lazarus, den Jesus vom Tode erweckt hat, gemalt. Der Legende nach wurde sie dreimal von Türken nach Istanbul entführt, kam aber immer eigenständig zurück, beim letzten Mal sogar mit der Kette und der Säule, an der sie gefesselt war.

Eine verdreckte Windschutzscheibe und eine nicht funktionierende Scheibenwaschanlage machen die Fahrt nach Georgioúpoli gegen die tief stehende Abendsonne nicht einfacher – aber wir kommen ohne Probleme an und fahren auch nicht an der eher schlecht beschilderten Abzweigung vorbei.

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