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Castle in Kinvarra

Castle in Kinvarra

bei Kinvarra

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glücklich vereint

glücklich vereint

Black Head

Black Head

Black Head

Black Head

Brücke in Doolin

Brücke in Doolin

bei den Cliffs

bei den Cliffs

bei den Cliffs

bei den Cliffs

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Pub in Doolin

Pub in Doolin

Dublin, Temple Bar

Dublin, Temple Bar

unterwegs

unterwegs

unterwegs

unterwegs

bei Galway

bei Galway

Pub in Bray

Pub in Bray

Brücke in Oughterard

Brücke in Oughterard

Temple Bar

Temple Bar

Temple Bar

Temple Bar

Temple Bar

Temple Bar

Irland

stürmische Tage auf der Grünen Insel - oder - unterwegs von Pub zu Pub

Anstrengend werden sie werden, die nächsten Tage. Fünf unternehmungsfreudige Männer im besten Alter und eine gut gefüllte Skatkasse, die Voraussetzungen könnten nicht besser sein.
Dank Ryan Air liegt Dublin nur gut 1 ½ Stunden von Bremen entfernt und am Preis für das Ticket ist auch nichts auszusetzen.

Wilfried hatte die Reise Ende letzten Jahres geplant, den Flug und die meisten Übernachtungen im Internet gebucht und sich um ein Mietauto gekümmert. Er wurde unterstützt durch Simon, der als echter Ire das Land und die Szene perfekt kennt und sich freut, uns seine Heimat zeigen zu können. Harms und Heiner sind mit von der Partie, dass ich an der Fahrt teilnehmen kann, ergibt sich berufsbedingt erst einige Wochen vorher. Wir fliegen am 07. März 2008.

Den Dubliner Flughafen habe ich wesentlich kleiner und übersichtlicher in Erinnerung, aber mein bisher einziger Irlandaufenthalt liegt auch schon rund 25 Jahre zurück. Simon meint, der Airport und die angrenzende Verkehrsführung sei gerade in den letzten Jahren mächtig vergrößert und erweitert worden.
Nach dem Auschecken begeben wir uns zur Autovermietung und nehmen den VW Bora in Empfang.

Eigentlich wollten wir die ersten Tage in der Hauptstadt verbringen, aber das an diesem Wochenende stattfindende Rugby-Länderspiel Irland vs. Wales hat so viele Zuschauer angezogen, dass es uns unmöglich ist, eine Unterkunft zu einem akzeptablen Preis zu erhalten. Also weiter westwärts bis Galway, einmal quer über die Insel. Es dauert, bis wir das Straßengewirr um den Flughafen herum hinter uns lassen können, Rush hour und die vielen Baustellen erleichtern das Fortkommen nicht gerade. Simon erweist sich im Linksverkehr aber als sicherer Fahrer.

Einmal verpassen wir im dicken Verkehrsgetümmel die richtige Abfahrt und sind gezwungen, einen Passanten zu fragen. Und so erleben wir gleich am ersten Tag irische Gastfreundlichkeit. Ein Mann erklärt uns nicht nur den Weg, nein, er fährt gut 10 km vor uns her, bis wir wieder in der richtigen Spur sind. Auf der Autobahn, hier ist eine Mautgebühr zu entrichten, geht es zügig voran und wir haben Zeit genug, um unterwegs bei einsetzender Dunkelheit noch eine Pause einzulegen.

Genüsslich stoßen wir in Kinegad auf einen schönen Urlaub an und lassen uns die samtschwarze Flüssigkeit schmecken. In den folgenden Tagen werden wir überwiegend dunkles Stout trinken, Guinness, Kilkenny und Smithwicks. Beim Lagerbier handelt es sich meist um Importware, Heineken wird eigentlich in jedem Pub ausgeschenkt.

Ein kleines Mädchen kommt an unseren Tisch, zeigt auf einen Block und sagt etwas, das ich nicht verstehe. Es sieht aus, als ob sie ein Los verkaufen möchte. Ich schüttele bedauernd den Kopf und sie entfernt sich. Kurze Zeit später herrscht uns eine junge Frau, nicht die Mutter, an und beschwert sich, dass wir das Kind verstört hätten. Simon versucht noch, die Sache richtig zu stellen, die Frau lässt ihn aber gar nicht aussprechen. Meine Mitreisenden zögern nicht, mich in den nächsten Tagen an diesen Vorfall zu erinnern.

Gegen 22.00 Uhr sind wir an unserem ersten Ziel, checken im Hotel "Kingsvalley" am Stadtrand von Galway ein und lassen den Tag in der Bodkin´s Bar ausklingen.

Nach einem guten irischen Frühstück mit Eiern, Bacon, Würstchen und Black Pudding steigen wir wieder in unser Auto und orientieren uns in Richtung Cliffs of Moher. Die Landschaft ist fantastisch und schon nach kurzer Zeit können wir den ersten Blick auf die Galway Bay erhaschen. In Kinvarra halten wir an, spazieren am Wasser entlang, erfreuen uns an den farbigen Häusern, fotografieren das romantische Dungaire Castle und legen dann eine kleine Pause in einem gemütlichen Pub ein. Jetzt sind wir im "Burren" angekommen, einem schroffen Karstland. Manche Wohnungen werden noch mit Torf geheizt, der Geruch des Rauchs, der aus dem Schornstein steigt, ist unverkennbar.

Die Weiterfahrt ist sehr interessant, das Wetter wird stürmischer und rauer, hohe Wellen peitschen an die immer steiler werdende Küste. Einen besonders guten Eindruck von der Natur erhalten wir am "Black Head".

Gegen Mittag kommen wir in Doolin an, dem Zentrum der irischen Folkmusik. Nach einem überaus reichhaltigen Lunch geht es weiter und kurze Zeit später haben wir unser Tagesziel erreicht, die Cliffs of Moher.

Die Klippen sind 8 km lang, weithin sichtbar und sicherlich eine der Attraktionen der irischen Westküste. Bei meinem letzten Besuch konnte ich noch direkt an die bis zu 230 m hohe Steilküste fahren, jetzt muss das Auto auf einem Parkplatz abgestellt werden. Ein Besucherzentrum wurde direkt in den Fels hineingebaut. Wir spazieren bis zum O ´Brien`s Tower und beobachten, wie sich die Wellen unter uns an der Felswand brechen, es ist ein grandioses Schauspiel. Gerade der Sturm und die jetzt einsetzende Dunkelheit verleihen dem Naturspektakel noch einen ganz besonderen und einmaligen Reiz.

Den Rest des Tages bleiben wir in Doolin, die Übernachtung im "Tir Gan Ean House" hatte uns der Hotelier aus Galway tagsüber telefonisch vermittelt. Eigentlich wollten wir abends in den auch im Reiseführer beschriebenen O´Connor`s Pub, einer bekannten Musikkneipe, aber es regnet und eine Frau empfiehlt uns ein Lokal in der Nähe. Gern nehmen wir den Vorschlag an, essen etwas und frönen anschließend dem Kartenspiel. Irgendwann beginnt ein Trio mit irischer Volksmusik und kurze Zeit später ist der Pub zum Bersten voll. Wir erleben eine Stimmung, wie sie besser und ausgelassener nicht sein könnte. Gäste aller Altersklassen vergnügen sich hier, erfreuen sich an der Musik und feiern fröhlich in den Sonntag hinein. Die Band, Akkordeon, Gitarre und Flöte, selbst dem heimischen Bier nicht abgeneigt, sorgt in bester Manier dafür, dass der Wirt einen guten Umsatz einfährt. Gegen 1.00 Uhr wird der Zapfhahn hoch gestellt.

Unsere nächste Tagestour planen wir bis Clifden. Simon hatte den Ort schon häufiger besucht und wir folgen gern seiner Empfehlung. So kehren wir nach Galway zurück, legen eine kurze Rast ein und fahren dann in nordwestlicher Richtung weiter in die Region "Connemara", einem einsamen Moorland mit vielen kleinen und urigen Seen. Schafe grasen auf dem wenig fruchtbaren Boden, auf einem Hof wird, welche Überraschung, eine kleine Lamaherde gehalten.

Mitten in der kargen Landschaft halten wir vor einem unscheinbaren Pub an und glauben anfangs, nicht mehr in Irland zu sein. Hier wird nur Gälisch gesprochen, das Fernsehen überträgt eine Partie des in dieser Region sehr populären Sports "Hurling" und der Kommentar kommt lautstark in gälischer Sprache aus dem Radio. Einige Gäste fragen interessiert, wie das Spiel heißt, dem wir so leidenschaftlich am Kartentisch nachgehen.

Auf kleinen Landstraßen geht es weiter, das Wetter hat umgeschlagen und es ist wieder trübe, windig und regnerisch. Die Beschilderung erfolgt meist zweisprachig, allerdings vermissen wir häufig Hinweise auf die folgenden größeren Orte, Vorwegweiser könnten in Irland ruhig zahlreicher angebracht sein.

In strömendem Regen erreichen wir gegen 21.00 Uhr unser Ziel. Clifden, am Owenglin River gelegen, zählt rund 2.000 Einwohner und ist einzige Stadt in Connemara. Im "Foyles Hotel" verbringen wir die nächste Nacht, vorher stärken wir uns noch im benachbarten Restaurant mit leckeren Flusskrebsen und beenden den Sonntag mit gemütlichem Kartenspiel.

Auch am anderen Morgen hat sich das Wetter nicht verbessert. Wir orientieren uns wieder in Richtung Galway. Einmal nehmen wir eine falsche Abzweigung, da ein Spaßvogel am Verkehrsschild gedreht hat. Ein paar Fotos mache ich im bei Anglern sehr bekannten und beliebten Ort Oughterard, konzentriere mich aber auf die im Zentrum befindliche alte Steinbrücke und auf die graue Ortskirche. Die Stadt Galway lassen wir dank des an vielen Kreuzungen vorherrschenden Kreisverkehrs relativ zügig hinter uns und in Ballinasloe ist Mittagspause angesagt.

Hier trifft mich der Schreck, habe ich morgens im Hotel doch meinen Brustbeutel mit Führerschein, Personalausweis etc. vergessen. Das ist mir auf allen bisherigen Reisen noch nie passiert!
Aber die Angelegenheit findet ein gutes Ende, wir verabreden telefonisch, dass meine Wertsachen per Express an das bereits reservierte Hotel in Dublin versandt werden – und es hat geklappt.

Gegen Abend kommen wir in Bray an. Diesen Ort wollten wir seit vielen Jahren besuchen, da Simon hier geboren wurde und lange gelebt und gearbeitet hat. Leider ist es schon dunkel und wir können nur erahnen, wie schön es tagsüber sein kann. Das Lokal "Jim Doyle & Sons", das Simon früher betrieben hat und nun seinem Bruder gehört, liegt direkt an der Promenade. Die Lage an der Strand Road könnte nicht besser sein und wir sind sehr beeindruckt. Zwar haben wir schon häufig über die Zeit und Arbeit in Bray gesprochen, aber dennoch, der Besuch dieses Pubs hat uns mehr als überrascht. Wir lernen Simons Verwandtschaft kennen und verbringen den Abend in seiner alten Heimat. Ein paar 100 m weiter liegt das Geburtshaus von James Joyce, dem wohl bekanntesten Schriftsteller des Landes.
Gegen Mitternacht halten wir vor dem "Eganshouse Hotel" in Dublin, unserer letzten Station auf dieser Reise.

Irland hat sich in den vergangenen Jahren mächtig entwickelt, die früher eher beschauliche Hauptstadt gehört jetzt zu den europäischen Spitzenmetropolen. Wirtschaftswachstum, geringe Arbeitslosigkeit, ökonomischer Mut und unternehmerische Weitsicht sollen aber, so Simon, auch den Preis und die Inflation in die Höhe getrieben haben. So ist beispielsweise der Immobilienverkehrswert im letzten Jahrzehnt gewaltig nach oben katapultiert, man spricht von mehreren 100 %. Wir erleben diesen Anstieg nur teilweise. Benzin kostet hier weniger als in Deutschland, die Hotel- und Bewirtungspreise sind etwa mit den unseren zu vergleichen, lediglich das Bier ist etwas teurer. An der Forderungshöhe unseres Autovermieters ist auch nichts auszusetzen. Ich hatte mir, nach Simons Erzählungen, den Aufenthalt doch preislich aufwändiger vorgestellt.

Das Land zählt gut 4 Mio. Einwohner, darunter rund 1 Mio. in der Hauptstadt. Allerdings sollen über 40. Mio. Menschen noch einen irischen Pass besitzen. Sie wohnen in allen Teilen der Welt, einen besonders hohen Anteil an irischen Staatsbürgern haben Amerika (Boston, Massachusetts), England und Australien. Seit 1949 gehört Irland nicht mehr dem Commonwealth an.

Mit dem Stadtbus fahren wir am nächsten Morgen ins Zentrum und steigen in der 0´Connel Street aus, Dublins Prachtboulevard. Hier befindet sich u. a. eine Statue von James Joyce und das geschichtsträchtige General Post Office, dem Schauplatz des 1916 stattgefundenen Osterputsches. Heute werden in den Räumen wieder Postgeschäfte abgewickelt und wir staunen über die prächtige Einrichtung.

Da uns nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht beschließen wir, uns einer Bus-Stadtbesichtigung anzuschließen. Die Fahrzeuge halten an 23 markanten Plätzen, man kann bei Bedarf aussteigen, sich die Gegend ansehen und mit einem der folgenden die City Tour fortsetzen.

Gleich nach der Anfahrt wird uns der Millenium Spire erklärt, ein 120 m hoher Leuchtturm aus Edelstahl: "Stiletto in the ghetto". Wir überqueren dann den River Liffey und fahren am Trinity College vorbei, Irlands bekanntester Hochschule. Am Merrion Square können wir beobachten, wie Oscar Wilde sich auf einem Fels bequem in Stellung setzt. City Hall, Dublin Castle, Molly Malone, ein Pub, der nur Platz für acht Personen hat, und Christchurch Cathedral sind weitere Sehenswürdigkeiten auf dieser Tour. Die Guinnesbrauerei und der Phoenixpark mit dem Wellington Monument sind die nächsten Stationen. In der Nähe der Temple Bar verlassen wir den Bus und verbringen den restlichen Tag in diesem Bezirk, der sich in den letzten Jahren zum Zentrum des Dubliner Nachtlebens entwickeln konnte.
Harms, unser Geldverwalter, ahnt, dass die letzten Bar-Reserven draufgehen werden.

Die Pubs, ihre Einrichtung und ihr Flair faszinieren mich. Natürlich wechseln wir einige Male die Lokalität. Längere Zeit verweilen wir in der Bar "The Oliver St. John Gogarty". Hier wird bereits nachmittags irischer Folk angeboten. Ein Instrument ist mir nachhaltig in Erinnerung: Die Uileann Pipe, eine Art Dudelsack, bei dem die Luft nicht mit dem Mund hinein geblasen wird, sondern mit einem Blasebalg. Simon verlässt uns hier, um sich mit seinen Kindern zu treffen. Später sehen wir uns wieder in der "Temple Bar".

Dieser Pub hat es in sich. An einem ganz normalen Wochentag ist es fast unmöglich, einen Sitzplatz zu ergattern. Die Atmosphäre ist einfach einzigartig und die Stimmung könnte besser nicht sein. Das Duo mit Gitarre und Banjo ist daran nicht ganz unschuldig. Bei dieser fetzigen Lifemusik muss ganz einfach gute Laune aufkommen.

Man kann auch sagen: Ein Abschied nach Maß.

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