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Oper

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Teil des Majdan

Teil des Majdan

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue

Dnepr und Unterstadt

Dnepr und Unterstadt

Michaelskloster

Michaelskloster

St. Andreaskirche

St. Andreaskirche

Sophienkathedrale

Sophienkathedrale

Silvester in Lemberg

zum Jahresausklang nach Lwiw und Kiew

Kiew

Am nächsten Morgen empfängt mich blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Gleich nach dem Frühstück schnappe ich meinen Reiseführer und gehe los. Zunächst folge ich dem Shevchenko Boulevard und erlebe gleich, dass das Spazierengehen durchaus anstrengend ist. Es geht hinauf und hinunter, Kiew besteht aus einer Ober- und einer Unterstadt und ist zu beiden Seiten des Dnepr (Dnjepr) angesiedelt. Das eigentliche städtische Treiben findet diesseits des Flusses statt. Wegen der zahlreichen Klöster und Kirchen und der Bedeutung der orthodoxen Christenheit wird die ‚Stadt auch „Jerusalem des Ostens“ genannt. Knapp drei Millionen Einwohner zählt die Kapitale.

An der Oper lege ich die erste Pause ein und lese im Reiseführer, dass sie 1901 von einem deutschen Architekten gebaut wurde und das beste und schönste Operhaus des Landes sein soll. Im Jahre 1911 fand hier ein Attentat auf den Ministerpräsidenten der zaristischen Regierung statt. Er hatte eine Landreform geplant, die möglicherweise die Oktoberrevolution verhindert hätte …

Eine freundliche junge Frau zeigt mir den Weg zum Majdan und begleitet mich eine Weile auf dem Weg hinab. Der Platz der Unabhängigkeit, größter Platz der Stadt und durch den Chreschtschatyk-Boulevard geteilt, ist weltbekannt. Beide Teile des Platzes sind durch das unterirdische Einkaufszentrum „Globus“ und durch die Metrostation miteinander verbunden.
Berühmt wurde der Majdan durch die Orange Revolution im Jahre 2003, als man gegen den Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen demonstrierte und Ende 2013/Anfang 2014, als sich bis zu einer knappen Million Menschen hier versammelten, um gegen die Weigerung des Präsidenten, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterzeichnen, aufbegehrten.

Seit 2001 wird der südliche Teil des Platzes vom 59 Meter hohen Unabhängigkeitsturm dominiert. Eine Frau mit einem vergoldeten Zweig in der Hand steht auf der Erdkugel und soll die Friedensliebe symbolisieren. Den Platz säumen noch u. a. das im Zuckerbäckerstil erbaute Hotel Ukraina, Paläste, Springbrunnen, ein Museum und das Hauptpostamt.

Und ab jetzt werde ich nur noch Kirchen besichtigen, jedenfalls meistens. Aber ich muss gestehen, sie sind ein Juwel, es ist eine Augenweide, jedenfalls für mich, ihre goldenen Kuppel im hellen Licht der Mittagssonne unter blauem Himmel glänzen zu sehen. Gerade nach den eher düsteren (nur wetterbedingt) Tagen in Lemberg, wo sich die Sonne nur sporadisch heraustraute, genieße ich diese Helligkeit und kann mich gar nicht satt sehen. Wieder geht es mühevoll einen Hügel hinauf und dann stehe ich vor der Alexanderkirche. Sie wurde nach dem Sieg Zar Alexander I. über Napoleon gebaut, Grundsteinlegung und Weihe waren im Jahre 1817 und somit ist dieses Bauwerk das älteste römisch-katholische Gotteshaus in Kiew.

Beim Weitergehen auf dem Wladimir-Hügel habe ich einen fantastischen Blick auf den Fluss Dnepr, auf die Brücken, die Unterstadt und das Umland. Etwas unterhalb sieht man das Denkmal von Fürst Wladimir (Volodymyr). Sein fast fünf Meter hoher Korpus steht auf einem 16 Meter hohen Sockel. Etwas weiter zwischen den Bäumen erkenne ich schon die goldenen Kuppeln des Michaelsklosters. Es wurde im Jahre 2000 wieder aufgebaut und ist dem Erzengel Michael geweiht. Früher befanden sich im Innenraum Reliquien der Märtyrerin Barbara. Sieben Kuppeln zieren das kobaltblaue Gebäude. Viele Menschen sind unterwegs und besichtigen die Fresken und Mosaiken. Zahlreiche Reisegruppen lassen sich vom Begleiter die Details erzählen. In der Nähe befindet sich das Funicular, eine Standseilbahn, die die Oberstadt mit der der Talstation verbindet.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur St. Andreaskirche, gut zu erkennen am grünen Dach. Sie wird z. Zt. renoviert und steht für eine Innenbesichtigung nicht zur Verfügung. Dem heiligen Andreas, Apostel Konstantinopels und Nationalheiliger Russlands, geweiht, gilt sie als schönste im ukrainischen Barock errichtete Kirche der orthodoxen Welt. Zarin Elisabeth I. beauftragte den italienischen Baumeister Rastelli mit dem Bau und fertig gestellt wurde das Meisterwerk im Jahre 1754.

Sophienkathedrale heißt mein nächstes Ziel. Auf dem Weg dorthin verweile ich einen Moment und sehe mir die an der Straße ausgestellten Gemälde und Bilder an – Gemäldegalerie oder Vernissage Open Air. Der himmelblaue 76 Meter hohe Glockenturm ist weithin sichtbar und erleichtert mir den Weg oder die Orientierung. Vor der Kathedrale hat sich ein Weihnachtsmarkt etabliert. Im Mittelalter war die über 1.000 Jahre alte Sophienkathedrale Sitz der Metropoliten der gesamten Kiewer Rus, dem Vorläufer der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland. Im Innenraum sind einzigartige Mosaiken zu besichtigen. Zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörend gilt die Kirche als eines der herausragendsten Bauwerke europäisch-christlicher Kultur.

Jetzt habe ich mir aber auch eine Pause verdient, gegenüber dem Goldenen Tor trinke ich einen Kaffee und gönne mir ein Stück Kuchen. Das größte der vier Kiewer Stadttore wurde 1037 errichtet und selbst die Mongolen haben vor ihm kapituliert. Es diente bis zum 18. Jahrhundert als Haupteingang der Stadt und beherbergt heute ein Museum. Nun habe ich genug gesehen und mache mich auf den Heimweg, halte aber, bereits wieder auf dem Shevchenko Boulevard, noch einmal an, um mir die Wladimirkathedrale, zumindest von außen, anzusehen. In meinen Unterlagen lese ich, dass Großfürst Wladimir das Christentum in die Kiewer Rus einführte. Sein Denkmal hatte ich ja schon Stunden zuvor gesehen. 30 Jahre wurde an der Kirche erbaut, eingeweiht wurde sie im Jahre 1896.

Nun ist der letzte Tag angebrochen. Eigentlich hatte ich noch geplant, das Höhlenkloster Lawra anzusehen, aber es liegt nicht so zentral und eigentlich ist mein Kopf auch voll wegen der gestrigen Marathontour. So mache ich kleine Spaziergänge, lese in der Hotellobby und fahre dann für einen Festpreis mit dem Taxi zum Flughafen. Seit einigen Monaten gibt es eine Direktverbindung von Bremen nach Kiew, die ungarische Fluggesellschaft „Wizz Air“ bedient diese Strecke. Bei der Buchung wusste ich noch nicht, ob ich mit Koffer oder Reisetasche verreisen werde und so hatte ich kein Gepäckstück angegeben. Also heißt es nun für mich: Nachzahlen, das hätte ich eigentlich auch wissen müssen …

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