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Parlament

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Rathaus

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Festung Akershus

Festung Akershus

Königsschloss

Königsschloss

Nationaltheater

Nationaltheater

égalité usw.

égalité usw.

alte Stabkirche

alte Stabkirche

Wikingerschiff

Wikingerschiff

Kon-Tiki

Kon-Tiki

über Spitzbergen

über Spitzbergen

Landung nicht möglich

Landung nicht möglich

Monolith im Frognerpark

Monolith im Frognerpark

Oslo - Spitzbergen

von Anfang an mit Schwierigkeiten behaftet

Oslo

Am frühen Nachmittag landen wir auf dem Flughafen Oslo–Gardemoen. Warmer Sonnenschein und ein blauer Himmel stimmen auf die nächsten Tage ein. Die Rückenschmerzen kann ich gut aushalten, aber aufgrund der starken Medikation fühle ich mich müde und etwas schwindelig, zukünftig werde ich die Tabletten nur noch nachts einnehmen. Mit dem Zug fahre ich nach Oslo S, also zur Sentralstasjon, dem Hauptbahnhof, und erfreulich registriere ich, für Rentner sind die Fahr- und, wie ich später merke, Eintrittspreise günstiger. Nun ist es nicht mehr weit bis zu meinem bei Travel Overland gebuchten „P-Hotel“. So brauche ich nur ein Stück auf der Karl Johans gate, einer Flaniermeile, die vom Bahnhof bis zum Königsschloss führt, entlanggehen, bei der Domkirche auf die Parallelstraße zu wechseln und schon ist das Ziel erreicht.

Vor rund 30 Jahren war ich zum ersten und einzigen Mal in der norwegischen Hauptstadt, rund 680.000 Einwohner, und viele Bauwerke, so auch der Bahnhof, kommen mir bekannt vor. Mein Stadtrundgang führt zunächst zum Stortinget, dem Parlament, das von zwei Löwen aus Granit bewacht wird. Daneben erhebt sich das Grand Hotel. Und dann sehe ich auch schon die markanten quadratischen 66 und 63 Meter hohe Türme des wuchtigen Rathauses. Der rote Ziegelsteinbau, nur eine Straße trennt ihn vom innerstädtische Hafen und Oslofjord, wurde im Jahre 1950 anlässlich des 900-jährigen Stadtjubiläums eingeweiht. An jedem 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, wird hier der Friedensnobelpreis verliehen.

Nach einer kurzen Erfrischungspause nehme ich die Festung Akershus in Angriff und begegne auf dem Weg dorthin zwei Denkmälern: Tordenskjöld, einem Marineoffizier aus dem Großen Nordischen Krieg und George Washington. Der Bau der Festung begann im 13. Jahrhundert und wurde im 14. vollendet. Akershus hielt mehreren Belagerungen der Schweden stand, war jahrhundertelang ein Zuchthaus und diente den deutschen Besatzern als Gefängnis und Exekutionsplatz. Heute wird hier repräsentiert, man hat einen wunderbaren Blick auf den Fjord und die Innenstadt. Geraume Zeit halte ich mich hier auf und trinke dann auf dem Weg zurück noch eine Kleinigkeit im Zentrum, nach Abendessen steht mir nicht der Sinn, die Tabletten haben mir den Appetit verdorben.

Ein trockenes Brötchen bei Narvesen zum Frühstück, mehr lässt mein Magen noch nicht zu. Heute ist es nicht ganz so warm wie gestern, später wird sich der Himmel verdunkeln und auch einige Regenschauer sind zu überstehen. Gut, dass ich meinen Schirm nicht vergessen habe. Auch heute nerven mich die zahlreichen E-Roller, die sich vorwiegend auf Bürgersteigen ihren Weg bahnen. Das Königsschloss ist schnell erreicht. Dieses 100 Meter lange Gebäude beherbergt 173 Zimmer, die relativ schlichte Fassade wurde zusätzlich mit Säulen verschönert. Vor dem Schloss erhebt sich das Reiterstandbild von Karl III. Johan. Zwei Soldaten der königlichen Garde bewachen den Eingang und ich habe Glück und darf einer Wachablösung beiwohnen. Königs scheinen nicht zu Hause zu sein, denn die royale Flagge wurde nicht gehisst.

Nach einem kleinen Spaziergang durch den idyllischen Schlosspark mit schönen Wasserspielen ist das Nationaltheater in Sicht. Erbaut aus gelben Ziegelsteinen und Granit wurde es im Jahre 1899 eingeweiht. An der Fassade wurden die Namen der drei größten Dramaturgen des Landes verewigt: Ibsen, Holberg und Bjørnson. Gegenüber auf der anderen Straßenseite steht die Universität, das Hauptgebäude wurde 1852 eingeweiht. Leider kann ich sie heute nicht von innen besichtigen, die Aula mit den bekannten Gemälden von Munch hätte ich mir gern angesehen. Und dann, beim Anblick von drei bunten Toilettenhäuschen, muss ich doch schmunzeln. Sie heißen wie die Parolen der französischen Revolution, nämlich: liberté, égalité und fraternité (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit).

Den Rest des Tages verbringe ich museal, gar nicht schlecht, denn es wird ungemütlich und regnerisch. Am innerstädtischen Hafen beim Rathaus erwerbe ich ein Ticket für die etwa zehn Minuten dauernde Überfahrt auf die Museumsinsel Bigdøy. Zunächst besuche ich das norwegische Freilichtmuseum, das Norsk Folkemuset. Wie bereits zuvor erwähnt, erhält man als Rentner ein vergünstigtes Ticket. Insgesamt 155 Gebäude aus vielen Landesteilen wurden dort ab- und hier wieder aufgebaut. Besonders freue ich mich auf die Stabkirche von Gol, deren älteste Bauteile aus dem 12. Jahrhundert stammen sollen. Dieses Bauwerk hatte mich auch vor 30 Jahren fasziniert, ein derart gestaltetes Gotteshaus hatte ich vorher noch nie gesehen.

Im Wikingerschiffsmuseum, das ich anschließend besichtige, schaue ich mir das um 820 erbaute Osebergschiff an. Es wurde im Jahre 1904 unter einem Grabhügel am Oslofjord entdeckt und wieder zusammengesetzt. Vermutlich diente es als Bestattungsschiff und war Grabbeilage eines Königs oder Häuptlings. Zwei weitere Schiffe werden in den Seitenhallen gezeigt. Außerdem verfügt das Museum über reich verzierte Schlitten und Wagen.

Etwa einen Kilometer weiter befindet sich das Fram-Museum mit dem wahrscheinlich bekanntesten Polarschiff der Welt. Das 1892 fertig gestellte und 39 Meter lange Schiff konnte im Packeis driften, ohne beschädigt zu werden und war gut gedämmt, um in der Polarkälte eingesetzt zu werden. Fridtjof Nansen gab den Bauauftrag und nutzte die Fram (deutsch: vorwärts) in den Jahren von 1893 bis 1896 für Nordpolexpeditionen. Allerdings hat er den Nordpol nie erreicht. Kapitän war Otto Sverdrup, der von 1896 bis 1902 eigene Expeditionen unternahm, so u. a. zu den nach ihm benannten Sverdrup-Inseln im nördlichen Kanada. Auch Roald Amundsen versuchte sich an dem nördlichsten Punkt der Welt, beendete seine Pläne jedoch als bekannt wurde, dass andere Forscher, Cook und Peary, behaupteten, am Nordpol gewesen zu sein. So machte er eine Kehrtwende und erreichte im Jahre 1911 als erster Mensch den Südpol. Somit kann die Fram für sich in Anspruch nehmen, das Schiff zu sein, das am weitesten nördlich und südlich die Welt bereiste. In einem Nebenbau wird die Gjøa gezeigt, ein kleineres Schiff, mit dem Amundsen als erster Mensch 1906 die Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik durchsegelte.

Nun folgt für mich der Höhepunkt des Tages, nämlich der Besuch des Kon-Tiki-Museums auf der anderen Straßenseite. Beim Hinflug hatte ich mit dem Lesen des gleichnamigen Buches von Thor Heyerdahl, das ich als Kind verschlungen habe, begonnen. Als weitere Reiselektüre hatte ich mir „Die Pest“ von Albert Camus, passend zur Pandemie, eingesteckt. Heyerdahl ließ in Peru ein Floss aus Balsaholz bauen und stach 1947 mit einer sechsköpfigen Mannschaft in See. Mit dieser Expedition wollte er beweisen, dass es früher möglich gewesen sein könnte, von Südamerika nach Polynesien zu kommen. Im peruanischen Callao begann die Expedition und 101 Tage und rund 7.000 Kilometer später wurde sie in Raroia im Tuamotu-Archipel beendet. Französich-Polynesien im Südpazifik war erreicht. Später veröffentlichte Heyerdahl einen Dokumentarfilm über das Abenteuer. Er wurde in über 70 Sprachen übersetzt und erhielt einen Oscar, der im Museum ebenfalls ausgestellt ist.
Auch eine Moai-Figur von den Osterinseln ist hier zu bestaunen und, natürlich, die Ra II. Mit diesem Boot aus Papyrus wollte Heyerdahl beweisen, dass Amerika schon vor Kolumbus oder den Wikingern entdeckt worden sein könnte. Und diesen Beweis hat er 1970 angetreten. Das in Afrika gebaute Vorgängerboot, die Ra I, brach kurz vor dem Ziel, der Karibikinsel Barbados, auseinander. Die von indigenen Männern in Südamerika am Titicacasee gebaute Ra II hielt den Wellen und dem Wetter stand.

Anschließend fahre ich zum Hotel zurück und ruhe mich aus, die Tabletten machen müde. Abends finde ich einen gemütlichen Platz auf dem Außenbalkon des „Café Cathedral“, stärke mich mit Rentiercarpaccio und trinke ein paar Gläser sündhaft teueres Bier. Bezahlt wird obligatorisch mit Kreditkarte, Bargeld scheint in Norwegen keine große Rolle mehr zu spielen.

Am nächsten Morgen verzichte ich wiederum auf das Frühstück, schnappe mir mein Gepäck und gehe zum Bahnhof. Mit dem etwas teueren Direktzug fahre ich nach Gardemoen, checke sofort ein und freue mich auf den Flug. Nach der Landung in Tromsø müssen alle Passagiere die Maschine verlassen, durch die Passkontrolle und neu einchecken. Ellen, meine norwegische Sitznachbarin, fragt, ob ich auch an der morgen beginnenden Expedition teilnehmen werde und erklärt mir dann, sie hätte im Flughafen mit einem Verwandten auf Spitzbergen telefoniert. Und der nun hat ihr erklärt, ich bin fassungslos, dass ab sofort wegen Coronavorfällen an Bord keine Rundreisen mehr stattfinden, jedenfalls nicht in den nächsten Wochen und nicht die unsrige. Aber es soll ein Ersatzprogramm seitens Hurtig angeboten werden.

Pünktlich um 16:44 Uhr liegt Spitzbergen unter uns. Dieser Name wird in Deutschland für den gesamten Archipel verwendet, die Norweger nennen die Inselgruppe Svalbard, übersetzt „Kühle Küste“ und Spitzbergen oder Spitsbergen ist der Name der Hauptinsel. Bergkuppen, die aus dem Schnee ragen, Eisberge und eine Winterlandschaft liegen unter uns, man mag den Blick gar nicht abwenden. Ich bin begeistert, wenn nur die Pandemie nicht wäre …

Nach einiger Zeit setzt das Flugzeug zur Landung an und nun sehen wir, wie das Land von dickem Nebel oder von undurchdringlichen Wolken belegt ist, vom Flughafen ist nichts zu sehen. Wir kreisen ein paar Male und hören aus dem Bordlautsprecher, dass eine Landung wegen des Bodennebels nicht möglich sei und wir zurückfliegen müssen. Leider ist die Akustik sehr schlecht und natürlich möchte jeder Reisende wissen, wie es denn nun weitergeht. Zurück in Tromsø erfahren wir, dass morgen kein Flug nach Spitzbergen angeboten wird, wohl aber von Oslo. Also zurück in die norwegische Hauptstadt, dort warten wir lange auf ein Hotelvoucher, fahren mit mehreren Bussen zum Gardemoen Airport Hotel und bilden wieder eine lange Schlange vor dem Eingang. Eine Rezeptionistin hat rund 200 Gäste zu bedienen, das hätte man seitens des Hotels auch besser organisieren können, schließlich war es schon ein paar Stunden bekannt, dass dieser Ansturm bewältigt werden muss. Um 1:45 Uhr betrete ich mein Zimmer und eile sofort zurück in die Hotelbar, warte bis die letzten Gäste abgefertigt wurden und erhalte dann die ersehnte Erfrischung. Die Dame an der Rezeption ist auch für die Getränke zuständig.

Beim Frühstück treffe ich Ellen wieder. Sie hat sich noch einmal bei ihrem Verwandten erkundigt und weiß nun, dass sich das Alternativprogramm ausschließlich auf Longyearbyen, also nur auf die Hauptstadt, bezieht. Inselausflüge oder Kanufahrten sind nicht vorgesehen, sie und ihr Mann Olav werden die Reise im nächsten Jahr nachholen. Ich überlege einen kleinen Moment und entscheide mich dann ebenfalls für diesen Weg. Ellen telefoniert mit ihrem norwegischen Reiseveranstalter und gibt mir dann ihr Telefon, damit auch ich eine Umbuchung auf später organisieren kann. Eine halbe Stunde später teilt mir das Hurtigbüro Hamburg mit, dass die Verlegung auf nächstes Jahr in Ordnung geht.

Ellen und Olav sind professionelle Stadtführer in Oslo. Sie bieten mir an, mich in den Frognerpark zu begleiten, kostenlos natürlich, aber ich lehne freundlich ab, denn es sind im Moment noch zu viele Unbekannte im Spiel. So telefoniere ich mit meinem Bremer Reisebüro und bitte darum, meinen Rückflug von Sonntag auf Donnerstag vorzuverlegen und das Hotel für die ursprünglich letzte Übernachtung von Samstag auf Sonntag zu stornieren. Lieber buche ich hier im Gardemoen Airport Hotel für morgen ein Zimmer und kann dann gemütlich mit dem Shuttle zum Flughafen fahren. Mit dem Zug fahre ich zurück ins Zentrum, erhalte ein Zimmer im „P-Hotel“, telefoniere noch einmal mit dem Reisebüro und sende eine Bestätigungsmail.

Heute zeigt sich das Wetter wieder von seiner besten Seite. Froh, alles Wichtige eingeleitet zu haben, erwerbe ich ein 24-Stunden-Ticket und fahre mit der Metro, die hier „T-bane“ heißt, zum Frognerpark und freue mich auf die Skulpturen des Herrn Vigeland. Im Schatten der Magnolien- und Mammutbäume schlendere ich an Rosenbeeten vorbei zu einer Brücke, die beidseitig von Personendarstellungen flankiert ist. Beliebtes Fotomotiv ist der „Sinnataggen“, der Trotzkopf, ein kleiner Junge, der trotzig mit dem Fuß stampft. Dann bin auch schon am Bronzebrunnen, der den Kreislauf des Lebens widerspiegelt. Hauptattraktion des Parks ist aber wohl der aus 121 in sich verwobenen menschlichen Figuren bestehende Monolith. Über eine Million Besucher zählt der vielleicht schönste Park Oslos jährlich.

Mit der Metro fahre ich zurück und schaue mir dann noch die Oper an, daneben befindet sich das Munch-Museum. Dem im Jahre 2008 eingeweihten Musiktempel kann man im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach steigen, man muss aber vorsichtig sein, denn gewollte Stolperfallen erschweren das Weiterkommen. Vom Dach hat man einen guten Blick auf die im Fjord befestigte Skulptur „She lies“. Eine Innenbesichtigung der Oper ist momentan nicht möglich, im Reiseführer lese ich, dass hier der mit knapp 400.000 Euro teuerste Bühnenvorhang zu bewundern ist. Zum Abendessen suche ich mir wieder einen Außenplatz im Café Cathedral, vorher aber sende ich noch eine Email ans Reisebüro, da ich noch keine Bestätigung der Umbuchung erhalten habe.

Der nächste Tag ist wieder trübe und regnerisch, meine Stimmung ebenfalls, denn die Lufthansa hat es innerhalb von 14 Stunden nicht geschafft, meinem Reisebüro zu antworten. Wir telefonieren ein paar Male, dann gehe ich samt Gepäck zum Bahnhof und versuche, ein Zugticket zu kaufen. Aber das ist nicht möglich, da die Fahrt durch Schweden führt – Corona sei Dank. Also fahre ich zurück zum Flughafen, eventuell gibt es ja eine Möglichkeit bei Norwegian Air Shuttle. Doch dann erhalte ich den erlösenden Anruf und erfahre, dass morgen ein Flug mit SAS über Kopenhagen bis Hamburg möglich sei. Sofort akzeptiere ich und erhalte auch kurze Zeit später die erlösende Email. Eigentlich wollte ich an diesem Tag noch den Holmenkollen besichtigen, aber das wird beim nächsten Mal erledigt.

Reisen kann ganz schön anstrengend sein – aber wir werden es immer wieder versuchen.

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