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Lange Brücke mit Krantor

Lange Brücke mit Krantor

Großes Zeughaus

Großes Zeughaus

Pietà

Pietà

Langer Markt mit Rechtstädtischem Rathaus

Langer Markt mit Rechtstädtischem Rathaus

Krantor

Krantor

Hohes Tor

Hohes Tor

Blick auf das Goldene Tor

Blick auf das Goldene Tor

Artushof

Artushof

Polens Norden

Danzig, Marienburg, Frische Nehrung und Zoppot

Danzig

Der Flug hört sich etwas ungewöhnlich an, aber eine bessere Alternative haben wir in diesem Preissegment nicht gefunden. Von Bremen über München nach Danzig, eine gute Stunde nach Süden und dann wieder nordwärts. Mit dem Taxi fahren wir zum reservierten „Hotel Artus“, wunderbar zentral im Schatten der Marienkirche und des Rechtstädtischen Rathauses gelegen. Marian, der Fahrer, empfiehlt sich auch gleich für weitere Transporte.

Viele Lokale haben gegen 22.00 Uhr noch geöffnet, leider nicht ihre Küchen und nur mit Mühe gelangen wir noch zu unserem Abendessen. In einer Brauereigaststätte lassen wir den Tag ausklingen.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Stadterkundung und bei herrlichem Sonnenwetter machen wir uns auf den Weg. Bis zur Mottlau, einem Nebenfluss der Weichsel, brauchen wir nur ein paar Minuten und dann sehen wir auch schon die vielen Ausflugsdampfer, die in Erwartung auf Fahrten zur Westerplatte oder nach Zoppot auf dem Wasser dümpeln. Wir halten uns heute vorwiegend in der Rechtstadt (Glówne Miasto) auf, im historischen Teil der alten Hansestadt. Vom Kriege zerstört, wurden die prächtigen Bauwerke renoviert und strahlen wieder in früherem Glanz. Gemütlich schlendern wir am Fluss auf der so genannten Langen Brücke entlang, sehen uns das Frauentor und die dahinter beginnende Frauengasse an. Geschmückte Bürgerhäuser liegen zu beiden Seiten, viele Souvenirhändler finden Platz in diesen mit Freitreppen oder Terrassen versehenen Gebäuden. Und Bernstein kann an jeder Ecke erworben werden. Nicht ohne Grund wird Danzig auch als Welthauptstadt des Bernsteins bezeichnet.

Ein paar Schritte weiter, ebenfalls an der Langen Brücke, erhebt sich das Wahrzeichen der Stadt, das Krantor, ein Stadttor aus Backstein und Holz. Es wurde im 15. Jahrhundert nach einem Brand neu errichtet und gehörte damals zu den ältesten Hebeeinrichtungen dieser Art im deutschsprachigen Raum. Heute ist ein Teil des Maritimen Museums an dieser historischen Stelle untergebracht.
Nachdem wir auch noch das Häckertor gesehen haben, orientieren wir uns stadteinwärts und besuchen die Markthalle mit ihren interessanten Lebensmitteln und anderen Angeboten. Beim Weitergehen leuchtet schon ein nächstes Baujuwel vor uns in der Mittagssonne: das Große Zeughaus. Dieses einstige Waffenarsenal, palastartig in Szene gesetzt, ist mit seinen vergoldeten Reliefs und Skulpturen ein absoluter Blickfang. Im Obergeschoss befindet sich eine Kunsthochschule.

Unser positiver Gesamteindruck und unser Staunen nehmen beim Betreten der Langgasse bzw. des Langen Markts, Danzigs guter Stube, noch zu. War ich 1995, beim ersten Besuch der Stadt, schon fasziniert von dem Gesehenen, so verstärkt sich dieser Eindruck beim gegenwärtigen Spaziergang noch. Schimmi und Werner sind genauso angetan. Ja, hier wurde viel Geld in Renovierung und Wiederherstellung investiert. Wie Perlen an der Schnur ziehen sich die einzelnen Bauwerke und Tore an der Fußgängerzone entlang: Das an einen Triumphbogen erinnernde Hohe Tor, der Stockturm mit dem Bernsteinmuseum, das mit Arkaden und Säulen geschmückte Goldene Tor, das an Glanz und Größe der Stadt erinnernde Rechtstädtische Rathaus mit dem dominanten Turm, der Neptunbrunnen und der mit einer einmaligen Fassade versehene Artushof, früher Börse, heute Veranstaltungsort von Festen reicher Bürger. Kein Wunder, dass die Stadtführer an diesen Tagen viel zu tun haben, ständig kommen uns Reisegruppen entgegen.

Erschlagen von den gesehenen und bestaunten Schätzen steuern wir wieder das Ufer der Mottlau an und besteigen das hier aufgebaute Riesenrad, vergleichbar mit dem „London eye“. Die Aussicht auf die Innenstadt, die geschilderten Tore am Fluss und das Umland ist fantastisch, schade nur, dass sich die Sonne kurzzeitig von uns verabschiedet. Zum Schluss unseres Stadtrundganges besuchen wir noch die „dicke Marie“, wie die Marienkirche in deutscher Zeit genannt wurde, Europas größte Backsteinkathedrale. Reiche Danziger gaben ihren Obolus, um sich hier für ewig ein Denkmal zu setzen. Das aus fünf Kirchenschiffen bestehende Gotteshaus misst 105 mal 66 Meter. Für die Besichtigung des Innenraums wird eine kleine Eintrittsgebühr verlangt. Langsam schlendere ich durch die langen Gänge und lasse die Bilder auf mich einwirken, eine Kopie des „Jüngsten Gerichts“, die 12 Meter hohe Astronomische Uhr, der mit reichlich Blattgold geschmückte Hochaltar oder die im Jahre 1410 aus Kalkstein geformte Pietà. Draußen am dicken Gemäuer der Kirche ist ebenfalls eine Sonnenuhr zu besichtigen, hergestellt im Jahre 1533 und vor einigen Jahren renoviert. Dieses war durch die Spende eines norddeutschen Kaufmanns möglich.

Nun haben wir uns aber auch eine Pause verdient. Den Rest des Tages verbringen wir in der Nähe des Hotels, später essen wir im zu unserer Unterkunft gehörenden „Mon Balzak“, wo auch eine sehr reizvolle Außenbestuhlung zum Verweilen einlädt. Zu jeder vollen Stunde kommt man in den Genuss des Glockenspiels vom Turm des Rechtstädtischen Rathauses. Gegenüber sorgt ein „24 Stunden-Laden“ dafür, dass den Einheimischen oder Gästen die Getränke nicht ausgehen. Wir genehmigen uns, quasi als Referenz an die Stadt, ein Glas „Danziger Goldwasser“.



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