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Petrikirche

Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Blick von der Petrikirche

Roland

Roland

Schwedentor

Schwedentor

Schwedentor

Schwedentor

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

Jugendstilhäuser in der Neustadt

orthodoxe Kathedrale

orthodoxe Kathedrale

Freiheitsdenkmal

Freiheitsdenkmal

Freiheitsdenkmal

Freiheitsdenkmal

Wachablösung vor dem Freiheitsdenkmal

Wachablösung vor dem Freiheitsdenkmal

Schwarzhäupterhaus

Schwarzhäupterhaus

Schwarzhäupterhaus

Schwarzhäupterhaus

Schwarzhäupterhaus mit Roland

Schwarzhäupterhaus mit Roland

Dom

Dom

Katzenhaus

Katzenhaus

Katzenhaus

Katzenhaus

Drei Brüder

Drei Brüder

Schloss

Schloss

turmträchtige Skyline

turmträchtige Skyline

turmträchtige Skyline

turmträchtige Skyline

endlich Freizeit

endlich Freizeit

Stadtmusikanten

Stadtmusikanten

Stadtmusikanten

Stadtmusikanten

Livenplatz

Livenplatz

Livenplatz

Livenplatz

Gildehäuser

Gildehäuser

Gildehäuser

Gildehäuser

in Jurmala

in Jurmala

in Jurmala

in Jurmala

in Jurmala

in Jurmala

"Miss Baltica" oder "Paris des Nordens"

eine Reise nach Riga

Nach 90minütigem Flug setzt die B 737 von Ryanair zur Landung an. Kurz das Gepäck in Empfang nehmen, etwas Geld tauschen und schon steigen wir in den Bus Nr. 22, der uns bis zum Bahnhof bringt. Von hier sind es nur noch ein paar Schritte zum Hotel "Radi un Draugi". Die Zimmer hatten wir vor Wochen reserviert. Vor 10 Jahren, bei meinem ersten Besuch der baltischen Metropole, war das Haus leider ausverkauft. Ich kann diesen Betrieb unbedingt empfehlen, er liegt zentral und das Preis-Leistungsverhältnis ist optimal. Wir benötigen in den nächsten Tagen kein Taxi und keinen Bus und sind auch nicht auf die "Hop on - hop off" - Angebote angewiesen, die lettische Hauptstadt lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. In Riga ist es wegen der Zeitverschiebung schon eine Stunde später, heimische Währung ist der Lats, 1 LVL entspricht 1,40 Euro. Wechselautomaten sind in der Stadt ausreichend vorhanden.

  Doch nun hinein ins Geschehen. Wir schlendern ein paar Meter und schon stehen wir vor der imposanten Petrikirche. Zwei Kinder unterhalten die Vorbeigehenden mit Violine und Cello. Das Innere der Kirche besticht durch seine Schlichtheit, zur Zeit unseres Besuches findet ein Gottesdienst statt. Anschließend verabschiedet der Pastor seine Gäste mit Handschlag. Ein Fahrstuhl bringt uns auf die Aussichtsplattform des Turms in 71 m Höhe. Von diesem Punkt kann ganz Riga überblickt werden. Dem Besucher bietet sich ein wunderbares Panorama, die einzelnen markanten Bauwerke sind auch aus dieser Höhe gut erkennbar, man erhält einen Eindruck über die Stadtparks und über den Verlauf der Düna, eindrucksvolle Brücken überqueren den Fluss.

  Gleich hinter der Kirche beginnt der Rathausplatz, der sicherlich zu den meist besuchten Stellen der Vecrĩga, der Altstadt mit UNESCO-Weltkulturerbe-Auszeichnung, gehört. Stadtführer bieten ihre Dienstleistung an. Das ursprünglich 1334 erbaute Schwarzhäupterhaus wurde während des 2. Weltkriegs zerstört und in den 90er Jahren wieder originalgetreu aufgebaut, es ist mit seinen Skulpturen und Reliefs sicherlich der Blickfang dieses Platzes. Sein Name bezeichnet eine alte Bruderschaft, die Compagnie der schwarzen Häupter, die nur unverheiratete Kaufleute aufnahm. An einem der nächsten Tage werden Hartmut und ich dieses Gebäude auch innen besichtigen und die Gemälde, Möbel und andere Ausstellungsstücke in den Salons und Gemächern bewundern.

Riga liegt zu beiden Seiten der Düna oder Daugava, die nach etwa 15 km in die Ostsee mündet. Gegründet wurde die Stadt im Jahre 1201 vom Bremer Domherrn Albert von Buxhoeveden, die teilweise Ähnlichkeit mit Bremen ist frappierend. Auch hier steht ein Roland dominant vor dem Rathaus, beide Städte gehörten der Hanse an. Im Bremer Haus Schütting, dem Ort der Handelskammer, befindet sich ein Schwarzhäupterzimmer. Und auch auf die Stadtmusikanten muss man nicht verzichten, sie stehen neben der Petrikirche. Es handelt sich um ein Geschenk des Bremer Senats an die Partnerstadt Riga anlässlich der Unabhängigkeit im Jahre 1991. Hinsichtlich der Einwohnerzahl differieren die Reiseführer zwischen 725.000 und 890.000, etwa jeder dritte Lette wohnt in der Hauptstadt, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes, wenn nicht sogar des Baltikums.

Deutschbaltische Kaufleute spielten eine bedeutende Rolle in der Geschichte von Riga. Sie bildeten damals zusammen mit den Adligen die Oberschicht, auch meine Lehrfirma hatte hier ihre Wurzeln. Nach der Unabhängigkeit entwickelte sich die Wirtschaft. An die sowjetische Vergangenheit erinnert nicht mehr viel, abgesehen von den Russen, die mit einem Drittel der Gesamtbevölkerung die größte ethnische Minderheit repräsentieren.

Jedoch macht sich auch hier die aktuelle Wirtschaftskrise bemerkbar. Die Arbeitslosigkeit steigt an, viele Letten sind derzeit nicht in der Lage, in der Hauptstadt mit den relativ hohen Preisen einzukaufen oder hier ein Restaurant zu besuchen. Ältere Leute bieten Produkte aus dem heimischen Garten an, um ihr Einkommen aufzubessern. Auch Bettler bitten um ein Almosen. Diese Schicht steht in starkem Kontrast zu den modisch bewussten Rigaer Frauen, die mit ihren Miniröcken und High Heals Blicke auf sich ziehen. Es ist schon bemerkenswert, wie sie in ihren hochhackigen Schuhen elegant über das Kopfsteinpflaster der Plätze schreiten, zumeist mit dem Handy am Ohr.

Aber jetzt setzen wir den Spaziergang fort. Der Dom ist unser nächstes Ziel. Bei dem wuchtigen Backsteingebäude handelt es sich um das größte Gotteshaus des Baltikums. Etwa 5.000 Gläubige finden Platz in dieser Kirche. Berühmt ist ihre Walcker-Orgel, wir haben Glück und können ihren schönen Klang bewundern.

Auf dem Domplatz legen wir eine Pause ein und sind doch erstaunt über die relativ hohen Preise für kleine Snacks, dafür ist das einheimische Bier wohlschmeckend und preiswert. Bei Selbstbedienung kostet ein Halber nur 1 Lats. Zwei Damen aus dem Salzburger Land leisten uns Gesellschaft. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und ein mächtiger Regenguss treibt uns ins Lokal hinein. Es wird der einzige Schauer bleiben. An den nächsten Tagen erfreut uns regelrechtes Sommerwetter und Temperaturen über 25 Grad bei strahlendem Sonnenschein sind nicht die Ausnahme. Wir schreiben zwar Ende August/Anfang September 2009, aber der Herbst scheint noch in weiter Ferne zu sein und so können wir jeden Abend draußen sitzen, unter freiem Himmel essen, Karten spielen und bis in die Nacht hinein an der frischen Luft verbringen.

Beim Weitergehen kommen wir zwangsläufig am Pulverturm vorbei, dem einzig erhaltenen Festungsturm. Er ist über 25 m hoch und beherbergt ein Kriegsmuseum, das wir aber nicht besichtigen. Ganz in der Nähe befindet sich das Schwedentor, ein Relikt aus der schwedischen Besatzungszeit. Die Soldaten brachen angeblich einfach, um schneller zurück in die Kaserne zu kommen, ein Loch in ein Wohnhaus. Zwei junge Frauen stehen unter dem Gemäuer und unterhalten die Passanten mit ihrer Musik.

Und dann sind wir auch schon am Freiheitsdenkmal. Eine Ehrenwache schützt dieses bedeutendste Denkmal des Landes. Wir haben Glück und können einer Wachablösung beiwohnen. Während der sowjetischen Besatzungszeit wurde immer wieder versucht, die Statue zu entfernen oder umzudeuten, glücklicherweise ohne Erfolg.

Nun verlassen wir die Altstadt und steuern über den Stadtkanal auf den Esplanade-Park zu. Auf einer Bühne vor dem Rainis-Denkmal zeigen junge Männer ihr akrobatisches Können und ihre Ballgeschicklichkeit. Während wir uns bei einem kühlen Bier entspannen, hören wir aus dem Radio die lettische Fassung des alten Schlagers "Ich möchte der Knopf an deiner Bluse sein".

Am Rande der Esplanade erhebt sich die russisch-orthodoxe Christi-Geburt-Kathedrale. Die große goldene Kuppel ist weithin sichtbar. Das Gotteshaus wurde während der Sowjetzeit als Planetarium zweckentfremdet, ist jetzt aber wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt, wie wir an einem der nächsten Tage auch sehen können.

Nach ein paar Minuten erreichen wir die Albertstraße (alberta iela) und sind im Zentrum der Jugendstil-Baukultur. Die etwa Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Häuser mit ihren Masken, Tieren und Figuren sind eine Augenweide und unbedingt eine Besichtigung wert.

Am Livenplatz lassen wir in einem der zahlreichen Lokale den Abend ausklingen. Täglich wechselnde Lifebands unterhalten die Gäste, Stücke von CCR, der Creedance Clearwater Revival-Band, sind hier immer noch sehr angesagt.

Im warmen Schein der Vormittagssonne setzen wir am nächsten Morgen unsere Stadterkundung fort. Die Gildehäuser am Livenplatz, Symbole hanseatischer Macht, sind unser nächstes Ziel. Heute beherbergt die Große Gilde einen Konzertsaal der Philharmonie. Vor über 600 Jahren hatten sich hier deutsche Kaufleute zusammengeschlossen, desgleichen deutsche Handwerker in der Kleinen Gilde. Letten hatten lange Zeit keinen Zutritt. Aus diesem Grund entstand eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt, das Katzenhaus, 1909 von einem enttäuschten, reichen, lettischen Kaufmann erbaut, dem die Mitgliedschaft in der Gilde verwehrt wurde. Zwei schwarze Katzen auf dem Dach des Hauses zeigten den arroganten Deutschen ihr Hinterteil. Später wurde er doch aufgenommen und musste seine Figuren umdrehen lassen.

Die "Drei Brüder", unser nächstes Ziel, haben, außer, dass es sich jeweils um ein Haus handelt, nichts miteinander zu tun. Sie stehen nebeneinander, sind aber unterschiedlich im Alter, in der Farbe und im Baustil. Es soll sich um eine Anlehnung an die "Drei Schwestern" in Tallin handeln. Zwei Musiker mit Tenorhorn und Bariton begrüßen alle ankommenden Gäste mit "Ännchen von Tharau".

Auf dem Weg zum Fluss kommen wir noch am Rigaer Schloss vorbei, das allerdings mehr einer Burg ähnelt. Heute Sitz des Präsidenten, war es früher einige Jahrhunderte lang Hauptsitz des Deutschen Ordens. Am Ufer der Daugava haben wir einen wunderbaren Blick auf die moderne Brücke im Norden, das futuristische Bankgebäude gegenüber und auf die Eisenbahnbrücke im Süden. Später gehe ich noch auf die andere Uferseite und genieße die Aussicht auf Riga und die eindrucksvolle Silhouette mit den vielen Türmen. Den Rest des Nachmittags erholen wir uns in einem Steakhaus (Steiku Haoss oder Steiku Restorãns) im Zentrum und wechseln später zum Domplatz. Auch hier werden wir mit Lifemusik erfreut.

Nach ausgiebigem Frühstück marschieren wir anderntags in Richtung Bahnhof und wundern uns über die vielen Kinder und Erwachsenen im Sonntagsanzug und in Festtagstracht, die meisten mit Blumen in der Hand. Wir halten einige junge Leute an, fragen und erfahren, dass heute erster Schultag ist und er auf gebührende Weise gefeiert wird.

Mit dem Zug brauchen wir etwa 25 Minuten, um an den Ostseestrand von Jurmala zu gelangen. Holzhäuser am Stadtrand und in den kleineren Ortschaften prägen das Bild. An der Station "Majori" steigen wir aus und ein paar Minuten später haben wir den ganzen weißen Strand fast nur für uns. Lediglich ein paar Spaziergänger nutzen die Gunst der Stunde und ich nutze die Gelegenheit für ein kühles Bad im baltischen Meer. Das Wetter meint es wieder gut mit uns und so verbringen wir hier fast den ganzen Nachmittag.

Später in Riga besuchen wir das "Reval Hotel Latvija", fahren in den 26. Stock und genießen in der Skyline Bar bei ein paar Flaschen Bier das unvergleichlich schöne Stadtpanorama im Glanz der untergehenden Sonne. Auf dem Weg zurück ins Zentrum haben wir Gelegenheit für eine Besichtigung der Christi-Geburt-Kathedrale. Es findet gerade eine Andacht statt. Das Haus wurde weitgehend restauriert und schöne wertvolle Ikonen sind an den Wänden zu bewundern.

Der letzte Tag steht zur freien Verfügung. Ich mache einen Spaziergang, an der Nationaloper und dem Freiheitsdenkmal vorbei, zur Neustadt. Auf dem Rückweg verweile ich geraume Zeit im schönen Park Esplanade. Später auf dem Domplatz treffe ich Horst und wir trinken ein paar Gläser Bier zusammen, er hatte sich in der Stadt einige Kaufhäuser angesehen.

Gegen Abend besuche ich zusammen mit Hartmut das von den Einheimischen auch "Schwarzer Sarg" genannte Okkupationsmuseum neben dem Schwarzhäupterhaus. In seinen Räumen wird die Besetzung durch die Nationalsozialisten und später die Sowjets eindrucksvoll dokumentiert.

Nun ist der letzte Tag angebrochen. Mit einem Taxi fahren wir zum Flughafen, checken ein und lassen uns wohlig und zufrieden in die Flugzeugsessel fallen, der Ausflug hat sich gelohnt.

Paldies Riga

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