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Ehekarussell

Ehekarussell

Lorenzkirche

Lorenzkirche

Heilig-Geist-Spital

Heilig-Geist-Spital

Frauenkirche

Frauenkirche

Säbener Brunnen am Hauptmarkt

Säbener Brunnen am Hauptmarkt

Blick auf die Kaiserburg

Blick auf die Kaiserburg

Schönes Deutschland V

Ab in den Süden

Nürnberg

Was für ein günstiger Preis!
Für schlappe 13,40 Euro fahre ich mit dem IC 2037 bis Hannover und von dort mit dem ICE 787 weiter bis Nürnberg – und bin nach weniger als fünf Stunden Fahrt zehn Minuten früher als auf dem Ticket vorgesehen am Ziel. Einen Sitzplatz hatte ich nicht reserviert, denn im Bordrestaurant, wo man den Mundschutz abnehmen darf, finde ich immer einen freien Tisch. Leider ist das Frühstücksangebot heute sehr übersichtlich, denn ein Teil der Kühlung ist ausgefallen. Staunend betrachte ich neben den Gleisen die zahlreichen Felder mit Sonnenkollektoren.

Mein reserviertes Hotel „Steichele“, ein Weinhaus, ist fußläufig erreichbar. Nach dem Einchecken beginnt die Stadterkundung, es ist mein erster Besuch der fränkischen Metropole. Am Weissen Turm vorbei schaue ich mir den Hans-Sachs-Brunnen „Ehekarussell“ vom Braunschweiger Bildhauer Jürgen Weber an und genieße dann die unvermeidlichen Nürnberger Bratwürstl, im Brötchen mit Sauerkraut. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Lorenzkirche, eine Innenbesichtigung werde ich morgen vornehmen. Bei bestem Sonnenwetter und wolkenlosem Himmel gehe ich dann zur Museumsbrücke und habe von dort einen herrlichen Blick auf das Heilig-Geist-Spital, jetzt ein uriges Restaurant. Die Frauenkirche am Hauptmarkt ist mein nächstes Ziel, auch hier werde ich morgen intensiver vorgehen. Viele Stände mit Obst, Gemüse und anderen Köstlichkeiten prägen diesen Platz, aber auch der Schöne Brunnen (oder Säbener Brunnen) neben dem Rathaus. 40 farbig bemalte Figuren stellen auf vier Etagen das Weltbild des Heiligen Römischen Reiches dar. Diese 19 Meter hohe Sehenswürdigkeit wurde Ende des 14. Jahrhunderts erbaut.

Ein freundlicher Mann erkennt mich wohl als Tourist und empfiehlt mir auf das nahe gelegene Parkhausdeck zu steigen, von dort habe man eine wunderbare Aussicht auf die Kaiserburg. Und er hat Recht, zwar steht zu lesen, dass Eintritt nur mit gültigem Parkticket zulässig ist, aber was bedeutet das schon. Die Aussicht ist grandios und ich mag meinen Blick gar nicht abwenden. Überwältigt gehe ich zurück und gönne mir dann in der Nähe von der Bar Celona, ein Lokal gleichen Namens gibt es auch in Bremen an der Schlachte, in einem Café eine Tasse Kaffee und dazu einen Lebkuchen aus eigener Herstellung – wenn man schon in Nürnberg verweilt …

Gestärkt und motiviert geht es dann zur Sebalduskirche, der ältesten Pfarrkirche der Stadt. Ihre reichhaltige Innenausstattung zieht die Besucher in den Bann. Beim Weitergehen stören mich die manchmal rücksichtslosen Radfahrer, es fällt mir auf, dass in einigen Straßen ein Nachtfahrverbot besteht. Das Albrecht-Dürer-Haus hat heute Ruhetag, also weiter in Richtung Burg. Einen Moment bleibe ich in einem Tunnel und höre einer Cellistin zu. Dann ist die Kaiserburg erreicht und ich schaue mir die Außenanlagen an. Da das Restaurant meines Hotels montags geschlossen ist, gehe ich auf Empfehlung ins „Wirtshaus Hütt´n“, beliebt wegen seiner rustikalen fränkischen Spezialitäten, und stärke mich. Später noch ein Absacker im „The King´s Arms“ am Jakobsplatz in der Nähe meines Hotels und ein aufregender Tag neigt sich dem Ende zu.

Nürnberg zählt gut 500.000 Einwohner, wurde im Jahre 1050 erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich bald zum größten und mächtigsten Handelsplatz Frankens. Neben dem bekannten Maler Albrecht Dürer wirkten weitere Berühmtheiten in der Stadt: so u. a. der Dichter Hans Sachs und der Erfinder der Taschenuhr, Peter Henlein.

Am nächsten Morgen werde ich durch das Piepen meines Handys wach, die ersten Gratulanten melden sich. Nach einem guten Frühstück gehe ich zur U-Bahn, erwerbe eine Tageskarte und fahre zum „Memorium Nürnberger Prozesse“, leider hat das Museum heute geschlossen. Die Dauerausstellung im Justizgebäude informiert über die in der Zeit von 1945 bis 1949 im Schwurgerichtssaal stattgefundenen Gerichtsverfahren.

Also zurück ins Zentrum und dann mit der Tram weiter zur nächsten Ausstellung, nämlich zum „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“. Hier fanden ab 1933 die jährlichen Parteitage der NSDAP statt. Das Zentrum wird derzeit umgebaut und die Dauer- durch eine Interimsausstellung ersetzt. Verschiedene Medien beleuchten die damaligen Ereignisse, Bilder, Dokumente, Filme und Fotos, aber auch Biographien und Zeitzeugenberichte. Nach der Besichtigung verlasse ich nachdenklich die Halle und gehe am Großen Dutzendteich entlang um die Gesamtanlage herum, schaue mir die Kongresshalle von allen Seiten an und staune über die Größe des Volksfestplatzes.

Mein nächstes Ziel ist das größte Gotteshaus von Nürnberg, die zweitürmige Lorenzkirche in der Innenstadt, bekannt wegen ihrer drei Orgeln. Einem Prospekt entnehme ich, dass es sich um die größte Orgelanlage in einer deutschen evangelischen Kirche handelt. Aber auch die anderen Kunstwerke sind eindrucksvoll und einmalig, wie u.a. die Schöne Madonna oder das Veit-Stoss-Kruzifix.

Nun noch ein kurzer Aufenthalt in der Frauenkirche am Hauptmarkt. Auch hier staune ich über die zahlreichen Kunstwerke aus dem Mittelalter. Die Lochgefängnisse im Gewölbe des Alten Rathauses, ebenfalls aus dieser Zeit, sind momentan geschlossen und so gehe ich weiter zum Albrecht-Dürer-Haus. Es wurde 1420 errichtet und diente dem berühmten Maler als Wohn- und Arbeitsstätte. Ich schlendere durch die einzelnen Räume auf mehreren Etagen und werde mittels Audiophone gut informiert über das Selbstportrait, die anderen Bilder, Graphiken, Malwerkzeuge und Lebensweise.

Mein letzter Besichtigungspunkt des heutigen Tages ist erreicht: die Kaiserburg, die ich mir von außen schon ein paar Male angesehen habe. Sie war im Mittelalter eine der bedeutendsten Kaiserpfalzen des Heiligen Römischen Reiches. Schnell besorge ich mir ein Ticket und beginne meinen Rundgang, der mich durch die um 1200 entstandene romanische Kaiserkapelle, eine Doppelkapelle, führt. Der Palas, ebenfalls aus dieser Zeit, besteht aus zwei übereinander liegenden Sälen und einem Wohntrakt.

Nun freue ich mich auf mein Geburtstagsabendessen im Weinhaus, erhalte auch einen nicht ganz so idealen Platz und muss zu meiner Enttäuschung hören, dass die fränkische Spezialität, Schäufele, ausverkauft sei. Schnell erkundige ich mich nach anderen Restaurants und man nennt mir die „Trödelstuben“ auf der Liebesinsel. Nach kurzer Diskussion erhalte ich dort noch einen freien Platz und genieße das hier typische Gericht, eine flache Schweineschulter, das in anderen süddeutschen Regionen, in der Schweiz und im Elsass unter ähnlicher Bezeichnung populär ist. Serviert wird die Speise mit Knödel und Sauerkraut. Die Lüsterweibchen an der Decke, Kronleuchter mit Geweihstangen und Figuren, gefallen mir. Auch im Weinhaus, wo ich die letzten Stunden des Tages verbringe, kann man sie bewundern.

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