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Teatro Romano

Teatro Romano

Fontana dell ´Elefante

Fontana dell ´Elefante

Hafen von Catánia

Hafen von Catánia

Blick auf den Ätna

Blick auf den Ätna

Taormina

Taormina

Teatro Greco

Teatro Greco

auf dem Ätna

auf dem Ätna

Sizilien

Insel am Ende des Stiefels

Trübe ist es in Deutschland, neblig und verhangen, also die beste Zeit oder der geeignete Anlass, in den Süden zu jetten. Harms und Wilfried sind meiner Meinung und so fliegen wir im November 1991 nach Catánia. Eigentlich hat das Reisen in dieser Jahreszeit bei uns schon Tradition, denn bis vor kurzer Zeit konnten wir Mitte November immer den Buß- und Bettag feiern und brauchten für 1 ½ Wochen Ferien unser Urlaubskonto mit nur vier Tagen zu belasten.

In Catánia angekommen, fahren wir mit einem Autobus ins Zentrum der Stadt und suchen uns eine Bleibe für einige Tage. Jetzt sind wir in der mit 400.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Siziliens, am Ionischen Meer gelegen. Den Ätna können wir von unserem Hotel aus erkennen.

Wir gehen zunächst zum Teatro Romano in der Nähe unserer Unterkunft. Es ist zu einem großen Teil freigelegt. Etwa 7.000 Zuschauer fanden früher auf den im Halbkreis angebrachten Sitzreihen Platz. Heute kann man diese Dimensionen nur noch erahnen.

Mittelpunkt der Stadt ist der Piazza del Duomo, der Domplatz, mit der Fontana dell ´Elefante. Der aus Lavagestein hergestellte Elefant gilt als Wappentier Catánias.
An der Ostseite des Platzes steht der Dom, ursprünglich im 12. Jh. erbaut, durch Erdbeben zerstört und danach wieder fast komplett neu errichtet.

Im schönen Hafen sehen wir die Motorboote und kleinen Yachten im Wasser schaukeln. Er liegt in der Nähe der Innenstadt, gilt wiederum als zweitgrößter der Insel und ist sehr bedeutsam für Sizilien.

Längere Zeit verweilen wir im Castello Ursino, einem quadratischen Kastell mit runden Ecktürmen. Im Inneren befindet sich ein Museum, das Museu Civico.
Es heißt, dass diese Festung früher auf einem Hügel am Hafen stand und ein Ausbruch des Ätnas im Jahre 1669 die ganze Umgebung verändert hat. Durch herabgeflossenen Lavastrom wurde ein Teil des Hafenbeckens zugeschüttet und die Bodenfläche um über 10 m erhöht.

Während eines Spaziergangs lockt ein Schild vor einem gewöhnlichen Restaurant mit einem preiswerten Mittagstisch. Wir treten ein und bestellen jeweils eine Portion des angebotenen Gerichtes. Der Wirt fragt, ob wir noch weitere Beilagen, Salat, Gemüse oder sonst was wünschen. Wir bejahen, denn es ist ja nicht teuer. Zum Schluss präsentiert er uns die Rechnung und wir fallen aus allen Wolken, mindestens der doppelte Preis ist fällig. Da wir nicht so viel italienisches Bargeld mit uns führen, fragen wir, ob auch Kreditkarten oder Euroschecks akzeptiert werden. Der Wirt verneint und droht mit der Polizei, wir murmeln nur "Mafia". Harms schlägt vor, unsere gesamten Devisen auf den Tisch zu legen, vielleicht finden wir ja einen Kompromiss.
Wir suchen in unseren Taschen und kommen auf knapp 80.000 Lire, die Rechnung ist auf 120.000 Lire ausgestellt. Der Wirt schnappt sich das Geld, brummelt in sich hinein, wir schnappen unsere Rucksäcke und hasten hinaus.
Wahrscheinlich haben gerade beide Parteien ein gutes Geschäft gemacht.

Mit dem Bus fahren wir zum vielleicht schönsten Ort Siziliens, nach Taormina. Die Stadt, 10.000 Einwohner, liegt malerisch auf einem Hügel direkt am Meer und ist touristisch sehr bedeutend. Ein Badestrand an beiden Seiten des Kaps steht den Wasserratten und Sonnenanbetern zur Verfügung.
Wir steigen zum Kastell auf dem Monte Táuro hinauf und sind überwältigt von der schönen Aussicht.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch das Teatro Greco, das Griechische Theater, ursprünglich vor Christi Geburt gebaut und im 2. Jh. n. Chr. von den Römern als Amphitheater umgestaltet. Zu Fuß gehen wir zu diesem wohl berühmtesten Bauwerk Taorminas. Auch hier belohnt der Ausblick auf die Umgebung und auf den Ätna die Mühsal der Wanderung und jeden Tropfen Schweiss. Goethe soll sogar behauptet haben, das Theater hätte "die schönste Kulisse der Welt".

Den selben Weg mögen wir nicht zurückgehen, statt dessen marschieren wir nach Giardini-Naxos. In einem Lokal spielen wir einige Runden Skat und trinken ein paar Flaschen Wein.
Es ist bereits dunkel geworden und Zeit zum Abendessen. Wilfried und ich suchen, weinselig wie wir sind, eine Trattoria auf und bestellen Spaghetti. Es ist das beste Pastagericht, das ich bisher in meinem Leben gegessen habe.

Harms wartet noch auf dem Beckenrand eines Brunnens auf uns. Von der Busfahrt zurück nach Taormina kriege ich nichts mit, ein fester Schlaf hat mich übermannt.

Am nächsten Morgen geht es zum berühmtesten Vulkan der Insel. Der weiße Gipfel des Ätnas ist hinter dicken Wolken verborgen. Je höher wir kommen, desto nebliger wird es, vereinzelt liegt Schnee neben der Straße. Wir fahren bis Nicolosi, der Porta dell ´Etna, in etwa 700 m Höhe. Leider spielt das Wetter nicht mit und die Seilbahn wird zu unserem großen Bedauern nicht in Betrieb genommen.
Stunde um Stunde verrinnt, aber es wird nicht besser und leider ergibt sich witterungsbedingt keine Möglichkeit, höher auf den Vulkan zu kommen, wenngleich auch auf dieser Ebene schon Krater zu besichtigen sind.

Etwas frustriert kehren wir nach Catánia zurück. Harms und Wilfried fahren am nächsten Tag nach Palermo weiter, ich versuche noch einmal, auf den Ätna zu kommen und kehre wieder nach Nicolosi zurück. Aber leider hat Petrus sich auch heute wieder gegen mich verschworen und unverrichteter Dinge begebe ich mich am späten Nachmittag ebenfalls zum Bahnhof und kaufe eine Fahrkarte nach Palermo.

Jetzt sind wir also in der mit ca. 650.000 Einwohnern größten Stadt Siziliens, in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und, wenn man den Gazetten glauben soll, der Hauptstadt der Mafia.
Was hatten wir nicht alles gelesen und vernommen, man soll immer mehr als vorsichtig sein, bestimmte Plätze und Stellen meiden, bei Stadtrundfahrten werden die Bustüren von innen verriegelt etc.
Wir waren zu keiner Zeit davon betroffen, haben von der Existenz der Mafia nichts wahrgenommen und uns genauso sicher gefühlt wie in Venedig, Genua oder anderen italienischen Städten. Warum sollte man uns auch was anhaben, wir bringen doch Devisen und füllen die Kassen der Firmen, Institutionen und Vereinigungen, die am Tourismus partizipieren. Man würde sich nur ins eigene Fleisch schneiden.

In einem Prospekt wird ein arabischer Schriftsteller aus dem 14. Jahrhundert zitiert:
"Palermo ist schmutzig und märchenhaft, wie ein Zug aus einer Haschischpfeife."

Die Altstadt ist sehr sehenswert und die meisten touristisch interessanten Punkte sind zu Fuß bei einem Rundgang gut erreichbar.
Unser Spaziergang führt uns an dem Teatro Massimo und am Politeama Garibaldi, einem schönen Theater an der Piazza Rugero Settimo, vorbei, bevor wir im Giardino Inglese, im Englischen Garten mit alten Bäumen, Palmen und Statuen, eine Verschnaufpause einlegen.

Vom Quattro Canti, einem kreisförmigen Platz, begeben wir uns zur Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Könige und Kaiser wurden hier beigesetzt.
Der Palazzo dei Normanni, unser nächstes Ziel, ist heute Sitz des sizilianischen Parlaments.

Über Monte Pellegrino, wo wir uns einen Moment aufhalten, fahren wir weiter nach Cefalù. Das 13.000 Einwohner große Städtchen liegt am Fuße des Felsens Rocca di Cefalù.
Der Ort ist arabisch geprägt, eine Palme vor den beiden Türmen der Kathedrale vermittelt mediterranes Flair.

Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Catánia und verbringen dort die restliche Zeit unseres Sizilienurlaubs. Auf dem Rückflug, kurz vor der Zwischenlandung in Neapel, ist der Vesuv unter uns. Einen kurzen Moment gelingt uns ein Blick in den Krater. Wenn wir schon nicht in den Ätna hineinsehen können....

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