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Königsschloß

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Rathaus

Rathaus

Rathaus

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Stabkirche

Stabkirche

Vigelands-Anlage

Vigelands-Anlage

Vigelands-Anlage

Vigelands-Anlage

Vigelands-Anlage

Vigelands-Anlage

Skandinavische Metropolen

Oslo

Etwas schwerfällig steige ich am 23.09.1988 in den Zug, denn Stunden zuvor hatten wir die offizielle Einweihung unseres neuen Bürohauses gefeiert und so etwas hinterlässt Spuren. Es geht über Puttgarden, Rødby, Helsingør, Helsingborg und Göteborg. Von hier bis nach Oslo bin ich einziger Gast im Abteil und kann mich wunderbar ausstrecken, einen Platz im Liegewagen hatte ich nicht gebucht. Die Fahrt dauert insgesamt gut 19 Stunden und ich finde sie einfach herrlich. Gerade bei Tagesanbruch, als die Sonne den Kampf gegen den Morgennebel gewinnt, ist es wunderbar und stimmungsvoll, durch die Wald- und Seenlandschaft Norwegens zu fahren und aus dem Zugfenster zu schauen.

Ein zentral gelegenes Hotel ist schnell gefunden, die Nacht im "Ansgar Hotell" in der Moellergaten kostet 250 Kronen (NKR) einschließlich sehr gutem Frühstücksbüffet. Beim Geldtausch erhalte ich für 251,- DM den Gegenwert von 900 NKR.

Da ich vorhabe, einige Museen zu besichtigen, erwerbe ich für 75,- NKR die "Oslo Kortet", die Oslo Karte, und diese Investition hat sich schnell amortisiert und total gelohnt, denn mit ihr sind alle Kosten für Nahverkehr und Museumseintritt abgedeckt.

Nun aber hinein ins Vergnügen. Oslo, bis 1924 Christiania genannt, hat rund 450.000 Einwohner, zählt jedoch flächenmäßig zu einer der größten Stadtgebiete Europas. Sie ist Universitätsstadt und zugleich Sitz von Regierung und Parlament, dem Storting.

Zunächst mache ich einen langen Spaziergang und sehe mir die interessantesten Gebäude im Zentrum an. Am Dom mit den schönen Glasgemälden des Malers Vigeland beginne ich meine individuelle Tour. Von hier geht es weiter zum Parlament, zwei Granitlöwen wachen am Fuß der Auffahrtsrampe.
Auf dem Weg zum Schloss komme ich an der Universität mit dem berühmten Wandgemälde von Munch vorbei, aber die Räume sind leider geschlossen und ein Besuch nicht möglich.

Direkt am Oslofjord steht das imposante Rathaus, das Wahrzeichen der Stadt. Die beiden unterschiedlich hohen Türme sind weithin sichtbar. Interessant ist die astronomische Uhr im Rathaushof.

Am Nationaltheater vorbei gehe ich zur alten Festung Akershus. In diesem mittelalterlichen Bauwerk befinden sich heute das Widerstands- und das Verteidigungsmuseum.

Mit der Fähre fahre ich vom Rathausplatz zur Halbinsel Bygdoy und besichtige zunächst das Norwegische Seefahrtsmuseum. Hier wird u. a. gezeigt, wie der Mensch den Herausforderungen und Gefahren der See begegnet ist. Daneben, im Framhus, ist das Polarschiff "Fram" zu besichtigen. Es wurde hergestellt für die Polarreise von Fridtjof Nansen.

Am meisten interessiert hat mich jedoch das Kon-Tiki-Museum mit dem gleichnamigen Holzfloß und den Schilfbooten RA I und RA II. Im Jahr 1947 segelte der berühmte Thor Heyerdahl mit einem Floß aus Balsaholz von Peru über den Stillen Ozean nach Polynesien und konnte dadurch beweisen, dass diese Inselgruppe vor Jahrhunderten nicht nur von Asien, sondern auch von Amerika erreichbar war. Das Buch über diese Expedition habe ich als Kind verschlungen.

Die Reise mit RA I musste nach 54 Tagen wegen Schäden am Tau abgebrochen werden, mit RA II jedoch war Heyerdahl erfolgreicher und hat demonstriert, dass Amerikas Urbevölkerung Impulse von Kulturen der Alten Welt erhalten haben konnte. Er segelte 1970 von Marokko über den Atlantik bis nach Barbados in der Karibik, wo er nach 57 Seetagen ankam. Bei der Herstellung von RA II halfen Indianer vom Titicacasee. In Südamerika habe ich ähnliche Boote auf den Urosinseln, die bekanntlich im genannten See liegen, gesehen.

Fasziniert hat mich auch das Haus mit den drei Wikingerschiffen, die über 1.000 Jahre alt sind und Ende des 19. Jahrhunderts bzw. 1904 ausgegraben wurden.

Im Norwegischen Volksmuseum bin ich in erster Linie von der Ausstellung auf dem Freigelände angetan, so sind über 100 Holzgebäude und einige Stabkirchen zu besichtigen.

Natürlich statte ich auch dem Frogner-Park mit der bekannten Vigelands-Anlage einen Besuch ab und gehe über die Brücke mit den Bronzefiguren, die Stadien des Lebens darstellen. Besonders beeindruckt bin ich vom Brunnen, vom Monolith und vom Rad des Lebens.

Am letzten Tag mache ich noch einen Ausflug nordwestlich aus der Stadt hinaus und fahre mit der Bahn zur 7 km entfernten bekannten Wintersportstätte Holmenkollen. Jetzt, außerhalb der Saison, kann alles besichtigt werden und man darf die Schanze hinaufsteigen. Von oben hat man eine gute Aussicht und erkennt aber auch, dass zum Skispringen eine gehörige Portion Mut aufgeboten werden muss, jedenfalls ist das mein Eindruck als Nordlicht.

Ansonsten ist der Aufenthalt in Oslo nicht billig, ein Halber Liter kostet 39 NKR, ein normales Abendessen 300 NKR. Samstagabend stehen große Menschenschlangen vor den Lokalen und werden nur zögerlich hereingelassen. Am Sonntag haben viele Restaurants geschlossen. Zur Feier des Tages gönne ich mir in einem der wenigen geöffneten Häuser ein Gericht aus Rentierfleisch.

Die Stadt kommt mir sehr sauber vor, Graffiti habe ich nicht ein einziges Mal gesehen. Auffallend viele Kinder fahren Skateboard. Bei Nachfragen wird mir immer freundlich auf Englisch geantwortet, ich habe es nicht erlebt, dass man mich nicht verstanden hat.

Rundum zufrieden und um viele Eindrücke reicher packe ich meine Sachen zusammen, checke aus und gehe zum Bahnhof.

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