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Schwarzhäupterhaus

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Dicke Margarethe und Olaikirche

Dicke Margarethe und Olaikirche

alte Stadtmauer

alte Stadtmauer

alte Stadtmauer

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alte Stadtmauer

alte Stadtmauer

Rathaus

Rathaus

Kiek in de Kök

Kiek in de Kök

Alexander-Nevsky-Kathedrale

Alexander-Nevsky-Kathedrale

Alexander-Nevsky-Kathedrale

Alexander-Nevsky-Kathedrale

Pikk Hermann

Pikk Hermann

Blick auf die Stadt

Blick auf die Stadt

Markt auf dem Rathausplatz

Markt auf dem Rathausplatz

Markt auf dem Rathausplatz

Markt auf dem Rathausplatz

im Open-Air-Museum

im Open-Air-Museum

im Open-Air-Museum

im Open-Air-Museum

Bahnhof Paldiski

Bahnhof Paldiski

hübsche Bedienung

hübsche Bedienung

glücklich vereint im Bierkeller

glücklich vereint im Bierkeller

Tolle Tage in Tallinn

Kaum berichtet die Presse, dass Ryanair einen Direktflug nach Tallinn plant, schon fragt Schimmi, ob unsere erste gemeinsame Skatreise nicht nach Estland gehen soll. Werner hat nichts dagegen und so werde ich, da 1999 schon einmal hier, mit der Planung betraut.

Nach rund 100 Minuten Flugzeit sind wir am Ziel und dürfen unsere Uhren von 9.00 h auf 10.00 h vorstellen. Unser bereits gebuchtes Hotel „St. Barbara“ ist mit dem Taxi schnell erreicht. Zwar fahren auch Shuttlebusse vom Flughafen in die Innenstadt, aber bei drei Personen rechnet sich schon mal der bequemere Transport. Die Unterkunft liegt optimal am Rande der Altstadt und bis zum Rathausplatz oder zu den anderen Sehenswürdigkeiten sind es zu Fuß nur ein paar Minuten.

Gleich nach dem Einchecken machen wir uns bei herrlicher Vormittagssonne auf den Weg und beginnen die erste Stadterkundung. Tallinn hat sich seit meinem letzten Besuch vor 13 Jahren mächtig herausgeputzt. Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass die Stadt im vergangenen Jahr zur Kulturhauptstadt erklärt wurde.

Der Freiheitsplatz liegt quasi direkt vor unserer Unterkunft und so können wir gleich einen Blick auf die Nikolaikirche, den Turm „Kiek in de Kök“ und die Alexander-Nevsky-Kathedrale mit den weithin sichtbaren Zwiebeltürmen werfen. Und dann ist auch schon das Rathaus im Fokus. Das Gebäude erinnert an einen Palazzo und stellt sicherlich mit seinem Turm und dem Laubengang eines der Prunkstücke der Stadt dar. Im Reiseführer wird das Bauwerk als das einzig erhaltene gotische Rathaus in Nordeuropa beschrieben.

Der mittelalterliche Platz selber ist ein Juwel. Unterschiedliche Fassaden aus der Zeit der Gotik zieren die umliegenden Häuser. Zahlreiche gastronomische Betriebe, die heute guten Umsatz mit der Außenbewirtschaftung machen, bestimmen das weitere Bild. Bekannt ist die über 600 Jahre alte Apotheke. Wir nehmen an einem der vielen Tische Platz und legen eine erste Lunchpause ein. Der Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert. Heute, am 15. Mai, wird der Tallinn-Tag gefeiert. Auf einer großen Bühne inmitten des Platzes finden Musikdarbietungen und folkloristische Aufführungen statt. Permanent sehen wir Reisegruppen, die ihrem mit Schirm oder Handstock bewaffneten Leiter folgen. Diesen Ansturm habe ich 1999 noch nicht erlebt. Tallinn, das frühere Reval, verfügt über eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Innenstädte Europas. Etwa 400.000 Menschen leben in der estnischen Metropole. Das Nebeneinander von Gemütlichkeit und Urbanität, von Mittelalter und Gegenwart und die unverkennbaren Einflüsse von Russland und Skandinavien verleihen der Stadt ein einzigartiges Flair. Gut die Hälfte der Tallinner sind Esten, gefolgt von den Russen, die einen Anteil von über 40 % ausmachen. Nach der Wende hat man sich aber lieber an den Skandinaviern als an den Russen orientiert, was aber auch an der Sprache liegt. Estnisch kommt dem Finnischen sehr nahe. Vereinzelt tauchen auch noch deutsche Straßennamen auf, es wird lediglich ein „i“ angehängt, wie z. B. bei „Kreutzwaldi“. Wir haben aber überhaupt keine Verständigungsprobleme, ist Englisch doch allgegenwärtig und zumindest in touristischen oder gastronomischen Betrieben obligatorisch. Manche Wörter wurden auch von anderen Sprachen übernommen. So kann es vorkommen, dass ein Este im „büroo“ arbeitet, danach mit dem „Takso“ in eine „butiik“ fährt, und dann, nachdem er die „Politsei“ abgehängt hat, sich in einem „restoran“ ein „menüü“ bestellt.Während der Sommermonate ist die estnische Hauptstadt ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe. Auch in diesen Tagen sehen wir immer ein paar dieser Riesen im Hafen dümpeln. Regelmäßige Fährverbindungen bestehen nach Helsinki.

Nun können wir unseren Stadtspaziergang fortsetzen. Gleich hinter dem Rathausplatz sehen wir die Heiliggeistkirche mit der barocken Wanduhr und dann erreichen wir auch schon die Lange Straße. Die „Pikk tänav“ besticht durch ihre Gildehäuser mit den einmaligen Fassaden, dem Schwarzhäupterhaus und den Jugendstilbauten. Ganz in der Nähe ist die Olaikirche mit ihrem 124 m hohen Turm zu sehen. Früher haben sich die Seeleute an diesem weithin sichtbaren Bauwerk orientiert. Kurz darauf stehen wir vor den „Drei Schwestern“, spätgotischen Handelshäusern, in denen jetzt ein First-class-Hotel untergebracht ist. Schräg gegenüber erkennen wir die Dicke Margarethe. Ihre bis zu 5,50 m dicken Mauern gehören zur Stadtmauer. Die wuchtigen Türme haben einen Durchmesser von 25 m und sind somit dicker als hoch. Ein paar Tage später werden wir das Maritime Museum in den Innenräumen besichtigen und vom Turm die weite Aussicht auf das Baltikum genießen.

Nun wenden wir uns der Laboratoriumstrasse zu und gehen entlang der Stadtmauer zum Platz der Türme. Von hier hat man einen besonders schönen Blick auf die alte Befestigung mit ihren, wie es der Name vermuten lässt, gut erhaltenen Türmen. Früher gab es deren 40, jetzt noch 26, einige können besichtigt werden.

Nach einer notwendigen Pause verlassen wir die Unterstadt und steigen auf den Domberg (Toompea). Kiek in de Kök, schon wieder ein Turm, heißt unser erstes Ziel. Früher als Wehrturm genutzt, stellt er heute einen Teil des Tallinner Stadtmuseums dar. Sein plattdeutscher Name deutet an, dass man früher einen guten Blick in die benachbarten Küchen hatte. Auf einer Grasfläche daneben versuchen sich einige jüngere Leute als Bogenschützen.

Dominiert wird der Domberg von der eindrucksvollen Alexander-Nevsky-Kathedrale mit ihren prächtigen Zwiebeltürmen. Da momentan geschlossen, werde ich an einem der nächsten Tage wiederkommen, den schönen Innenraum der russisch-orthodoxen Kirche besichtigen und mich an den Ikonen erfreuen.

Das Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft öffnet seine Türen nur bevorrechtigten Personen, nicht aber den Touristen, denn in seinen Mauern residiert das Parlament. Auf Pikk Hermann, dem 48 m hohen Eckturm Langer Hermann, weht tagsüber die estnische Flagge. Er wurde als Teil der Burg auf dem Domberg errichtet. Auf dem Rückweg kommen wir noch an der Domkirche vorbei, bevor wir von einer Aussichtsplattform einen gigantischen Blick auf den Hafen, die Ostsee und die vielen Türme der Stadt genießen. Abwärts gehend erfreuen wir uns noch an den schönen Zeichnungen, die von den Künstlern an der Stadtmauer befestigt sind. Schimmi erwirbt ein paar dieser Exemplare.

Die nächsten Stunden halten wir uns wieder in der Unterstadt auf und besuchen das Lokal „Olde Hansa“. Das Bier wird in Tonkrügen serviert, die Kellner haben ihre Tracht angelegt und die Gästeschar scheint nur aus Touristen zu bestehen. Eine kleine Funzel sorgt für das nötige Licht in der Toilette und ich bin gar nicht sicher, ob ich mich nicht in die Damenabteilung verirrt habe.Die heutige Stadtbesichtigung schließen wir im Bereich der Viru-Straße ab, schauen uns das Viru-Tor an und schlendern an den Blumenständen und den zahlreichen Bistros und Cafés vorbei. Zwar scheint die Sonne, aber trotzdem ist es ein klein wenig kühl und man hat jetzt am späten Nachmittag nicht unbedingt Lust, draußen an der frischen Luft zu sitzen. Den Abend verbringen wir im Bierkeller unseres Hotels, einem wuchtigen Gewölbe mit rustikaler Ausstattung und sehr freundlicher und aufmerksamer Bedienung. Marian ist stets bemüht, dass es uns an nichts mangelt und jedes Glas Bier wird mit einem charmanten Lächeln serviert. Auf dem hoteleigenen Parkplatz stehen die Fahrzeuge der Gäste aus den anderen baltischen Staaten, aus Skandinavien und Russland.

Am nächsten Morgen überlegen wir, ob wir bei diesem schönen Wetter nicht eine Fahrradtour entlang der Ostsee machen wollen, entscheiden uns dann aber, mit öffentlichem Verkehrsmittel zu fahren. Kristina, die hübsche und sehr aufmerksame Mitarbeiterin an der Hotelrezeption, ist uns bei der Planung behilflich und empfiehlt einen Ausflug nach Rocca al Mare. So steigen wir in der Nähe des Hotels in den Trolleybus Nr. 6 und fahren bis zur Haltestelle „Zoo“. Nun sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Open-Air-Museum, unserem heutigen Ziel.Es macht Spaß, durch die weitläufige Anlage direkt am Meer zu gehen, die renovierten Reetdachhäuser, die landwirtschaftlichen Dienstgebäude, wunderschön restaurierte Mühlen und die alte Kirche zu besichtigen. Ein paar Schulklassen und einige russische Reisegruppen teilen sich das Museum mit uns, es ist aber alles andere als überlaufen.Zum Schluss setzen wir uns vor den Dorfkrug, essen eine leckere Suppe und spielen ein paar Runden Skat. Das heimische Saku-Bier schmeckt auch zu dieser Zeit schon recht süffig. Ebenfalls im Angebot sind mehrere Sorten Cidre. Dieses Getränk scheint in Estland sehr populär zu sein.Am späteren Nachmittag gehe ich, wie beschrieben, noch einmal auf den Toompea und besichtige die Alexander-Newsky-Kathedrale. Leider stören für die Restaurierung notwendige Gerüste den Gesamteindruck. Aber unabhängig davon ist der Blick auf die russischen Ikonen und andere Wandverzierungen sehr interessant.

Das Abendessen nehmen wir im Restaurant „Kuldse Notsu Körts“ ein. Es liegt zwar fast direkt am Rathausplatz, hat aber nicht ganz so überteuerte Preise, wie man sie sonst in den umliegenden Lokalen vorfindet. Das Essen schmeckt prima und wir sind hier nicht zum letzten Mal eingekehrt. Gerade wenn man neugierig auf die estnische Küche ist, sollte ein Besuch dieses zentral gelegenen Hauses nicht versäumt werden.

Anderntags hat sich die Sonne versteckt. Wir gehen zum Bahnhof und besteigen den Zug nach Paldiski, etwa 50 km von Tallinn entfernt. Baumaßnahmen sorgen dafür, dass die Fahrt in Klooga zu Ende ist und wir die restliche Strecke im Bus zurücklegen müssen. Aber wir haben nichts auszustehen. Aus dem Busfenster erkennen wir prächtige Datschen. Der Preis für einen Liter Benzin, so sehen wir an einer Tankstelle, ist in Estland etwa 30 Cents günstiger als in Deutschland.

Am Bahnhof ist die Reise zu Ende. Doch wo sind wir gelandet, Plattenbauten soweit das Auge reicht. Im Reiseführer ist zwar zu lesen, dass hier in den letzten Jahrzehnten wenig verändert wurde, aber diese postsowjetische Präsenz hätte ich nicht erwartet. Man hat den Eindruck, in einem Museum des Kalten Krieges zu sein. Menschen sind kaum auf der Straße, abgesehen von den Arbeitern am Fährhafen. Hier werden hunderte von Autos nach Russland verschifft.

Paldiski war früher von der zivilen Außenwelt abgeschlossen, die Bewohner benötigten eine Sondererlaubnis, um den Ort zu verlassen. Es herrschte höchste Sicherheitsstufe, weil an einem Kern-Reaktor trainiert wurde. Heute befindet sich vor Ort ein Stützpunkt der estnischen Marine. Wir wandern an dem nicht sehr einladenden Strand entlang und besuchen dann das einzige Gasthaus. Hier erhalten wir interessante Informationen über den Ort und dürfen in den ausgelegten Fotoalben blättern. Der Bildhauer Amandus Adamson lebte und starb hier, ein kleines Museum gedenkt seiner.

Danach trennen wir uns, Schimmi und Werner fahren mit dem Direktbus nach Tallin zurück, ich steige in Klooga wieder in den Zug.Abends stärken wir uns in einem kaukasischen Restaurant. Besonders in Erinnerung werden mir die wunderbaren gerösteten Knoblauchzehen bleiben. Anschließend trinken wir ein paar Gläser Bier im Karja Kelder, dem angeblich ältesten Pub der Stadt. Der Preis für Pils ist in diesem Keller unschlagbar. Wir schreiben zwar den Monat Mai, aber es ist schon spürbar, dass wir der Mitsommernacht entgegen gehen. Gegen 22.oo Uhr ist es, anders als in Deutschland, noch relativ hell.

  Auf dem Heimweg sehen wir, dass einige Blumenfrauen seit Stunden ungeschützt im Regen sitzen und auf Kundschaft warten. Wir kaufen einer Dame die restliche Ware ab und überraschen Marian und ihre Kollegin mit einem bunten Strauß. Nach dem üblichen Kartenspiel zappe ich noch durch die Fernsehprogramme. Bei Arte wird als einzigem Sender Deutsch gesprochen, auf einem estnischen Kanal wird eine Folge der deutschen Telenovela „Sturm der Liebe“ gezeigt, natürlich synchronisiert.

Nun ist auch schon der letzte Urlaubstag angebrochen. Nach dem Frühstück wandern wir zum zentralen Busbahnhof und fahren nach Pirita. Der Ort liegt ungefähr sechs Kilometer von Tallinn entfernt. Hierher war ich auch 1999 gefahren und gern erinnere ich mich an die Wanderung zurück, immer an der Ostsee entlang. Auch heute verlassen wir den Bus am Stadtrand und machen uns auf den Weg. Es weht ein heftiger Wind und Schimmi scheitert fast bei dem Versuch, sich eine Zigarette anzustecken. Trotzdem ist es ein sehr angenehmer Spaziergang, immer die Silhouette mit den Türmen von Tallinn und den Hafen mit den dicken Pötten vor Augen.

Zunächst kommen wir am Ehrenmal aus der Sowjetzeit, errichtet als Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus, vorbei. Auf der gegenüberliegenden Seite steht das Marienberger Schloss, es kann von außen, nicht aber von innen besichtigt werden. Und dann statte ich meinen estnischen Kollegen einen Besuch ab. Schon vom Bus aus hatte ich die blauen „Creditreform“-Lettern gesehen. Das Büro besteht seit 2002 und mittlerweile werden bereits 32 Mitarbeiter beschäftigt. Die Lage des Hauses ist einzigartig, einfach die Straße überqueren und schon ist man direkt an den Wellen der Ostsee. Ich unterhalte mich einige Zeit mit dem Verkaufsleiter und schließe mich dann wieder meinen Reisepartnern an.Die Sängerfestwiese ist unser nächstes Ziel. Hier herrscht rege Betriebsamkeit, denn in den nächsten Tagen wird diese Stelle Start und Ziel des Stadtmarathons sein. Berühmt wurde die Anlage 1988, als sich rd. 300.000 Menschen versammelten und singend den Willen nach Freiheit demonstrierten. So spricht man auch von Singender Revolution. Kurze Zeit später, im Jahre 1991, erlangte Estland seine Unabhängigkeit.

Jetzt noch am Denkmal Russalka, das an die ertrunkenen Seeleute des gleichnamigen Panzerschiffes erinnert, vorbei und dann sind wir auch schon im Hafen. Die Fähren sind über riesig lange Gangways zu betreten. Hier ist was los. Viele Geschäfte haben sich auf hochprozentige Ware eingestellt, denn Tallinn gilt als beliebter Einkaufsplatz für skandinavische Gäste. Den Rest des Nachmittags verbringen wir unterschiedlich, ich entspanne mich bei einer Honigmassage.

Abends gönnen wir uns noch einmal ein Essen im schon beschriebenen Restaurant „Kuldse Notsu Körts“ und sind auch jetzt wieder sehr angetan vom Service und von den Speisen. Ein paar Momente später hätten wir keinen Platz mehr gefunden, denn die meisten Tische sind reserviert. Jetzt noch ein kleiner Abstecher zu einem Bierlokal im Zentrum und dann zurück. Im Keller unseres Hotels lassen wir diese Reise bei einigen Runden Skat würdig ausklingen.

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