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orthodoxe Heiliggeist-Kirche

orthodoxe Heiliggeist-Kirche

St. Kasimirkirche

St. Kasimirkirche

Rathaus

Rathaus

Nikolauskirche

Nikolauskirche

Gediminas-Turm

Gediminas-Turm

Blick auf die Burgruine und den Berg mit den drei Kreuzen

Blick auf die Burgruine und den Berg mit den drei Kreuzen

Blick auf Vilnius

Blick auf Vilnius

Kathedrale

Kathedrale

Blick aus dem Hotelfenster

Blick aus dem Hotelfenster

perfekter Reiseabschluss

perfekter Reiseabschluss

Vilnius und Kurische Nehrung

eine Fahrt durch das leicht winterliche Litauen

Vilnius

Es ist noch nicht einmal 5.00 Uhr (morgens!), als Karin und Werner in Bremen eintreffen. Mit kleinen Augen steigen wir ins Taxi und fahren zum Flughafen. Wir konnten einen sehr preiswerten Flug buchen und sind schon ganz gespannt auf die litauische Hauptstadt. Beim Online-Check-in wundere ich mich, erstmals sind bei einem Ryanairflug vorgegebene Plätze auf der Bordkarte vermerkt, das hatte ich bisher bei dieser Fluggesellschaft nicht erlebt. Entspannt drücken wir uns in die Sitze, schlafen etwas und nach gut 1 ½-stündigem Flug landen wir. In Vilnius ist es bereits eine Stunde später – und sechs bis sieben Grad kälter.

Ein öffentlicher Bus bringt uns ins Zentrum und der freundliche Fahrer zeigt auf das „Hotel Panorama“, es sind nur noch ein paar Meter zu gehen. Schnell belegen wir unsere vorher gebuchten Zimmer und freuen uns über den herrlichen Blick aus dem Fenster unserer Unterkunft. Vor uns liegt die Altstadt und die hohe Anzahl der Türme erstaunt und beeindruckt uns. Es soll mehr als 40 Kirchen in der Stadt geben und die Einheimischen sind der Meinung, dass man von jedem Platz der Altstadt aus jeweils mehrere Gotteshäuser sehen kann. Diese Einschätzung können wir ohne Einschränkung teilen. Erwartungsvoll marschieren wir dann, ausgerüstet mit einem aktuellen Stadtplan, los.

Als ersten Punkt steuern wir das Tor der Morgenröte an, auf der Karte auch als „Aušros Vartai“ oder “Gates of Dawn“ bezeichnet. Dieses letzte noch erhaltene Stadttor gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und gilt als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler. Es beherbergt das Bild der „Heiligen Jungfrau Maria, Mutter der Barmherzigkeit“. Passanten bekreuzigen sich, wenn sie diesen Ort passiert haben. Man erreicht die Marienkapelle über viele Treppenstufen und wir wundern uns, dass die Pilger den Weg nach oben betend und auf Knien zurücklegen.

In der folgenden Zeit werden wir noch mehrere Kirchen von innen und außen bestaunen. Ein junger Mann aus Russland spricht mich an und bittet um einen Kaffee. Wir gehen zusammen in eine Cafeteria und er nimmt das Getränk dankend an. Russen sind bei den Einheimischen nicht sehr beliebt, so erklärt er mir und konzentriert sich deshalb auf Touristen, auch, um sie für Stadtrundfahrten zu werben. Ich denke, dass er als kleiner Handlanger einen Bonus vom Tour-Veranstalter erhält. In der Selbstdarstellung von Vilnius heißt es dagegen, dass hier eine Atmosphäre der Gemütlichkeit, Freundlichkeit und Offenheit herrscht und die Stadt nicht nur ein Zuhause für Litauer, sondern auch für Russen, Polen, Juden und Zuwanderer aus Westeuropa und den Vereinigten Staaten ist. Wir haben keine Abfälligkeiten gegen Ausländer bemerkt und uns in diesen Tagen sehr wohl gefühlt. Vilnius zählt knapp 550.000 Einwohner und ist nicht nur Hauptstadt Litauens, sondern auch der geographische Mittelpunkt Europas.

Nun also weiter hinein in die Altstadt. Gleich darauf erregt die orthodoxe Heiliggeist-Kirche unsere Aufmerksamkeit. Es soll sich dabei um das wichtigste russisch-orthodoxe Sakralbauwerk des Landes handeln. Ihre Kuppel, das Märtyrergrab und die Ikonen sind absoluter Blickfang. Ein freundlicher Wärter gebietet mir, die Hände aus den Jackentaschen zu nehmen. An der Philharmonie vorbei geht es dann zur St. Kasimirkirche, einem der schönsten Gotteshäuser der Stadt mit einer 40 Meter hohen Kuppel und glänzender Fassade. Was hat dieses Haus nicht schon alles erlebt, nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten russische Soldaten den Platz als Schnaps- und Weinlager, danach richteten die Sowjets in diesem schönen Bauwerk ein Museum für Atheismus ein – wie makaber.

Gemütlich schlendern wir weiter und bestaunen auf der linken Seite das pompöse „Radisson Blu Royal Astorija Hotel“ mit der interessanten Außenfassade. Gleich darauf erreichen wir das Rathaus und den, wie sollte es auch anders sein, weitläufigen Rathausplatz. Ganz in der Nähe erhebt sich die älteste erhaltene Kirche Litauens, nämlich die russisch-orthodoxe Nikolauskirche. Danach heißt es, die umfangreichen sakralen Erlebnisse zu verarbeiten und so steuern wir ein gemütliches Café an und suchen uns dort ein lauschiges Plätzchen. Das Lokal gefällt uns, so lässt sich der Tag gut angehen. Auf der Speisekarte sind alle Preise sowohl in der heimischen Währung als auch in Euro angegeben. Grundsätzlich ist es in Litauen preiswerter als in Deutschland, mal sehen, wie sich die Preisgestaltung in ein paar Wochen entwickeln wird, denn ab 2015 wird der Litas vom Euro abgelöst. Derzeitig beläuft sich der Kurs auf 1 : 3,34 Lt.

Es ist zwar trocken, aber diesig, dicke Wolken gestatten der Sonne nur ab und zu einen kurzen Durchblick. Uns stört es nicht. Gestärkt klettern wir auf den Gediminas-Berg und besichtigen den gleichnamigen Turm, das Wahrzeichen der Stadt. Die Burganlage, früher auch als Staatsgefängnis genutzt, wurde bei einem Angriff zerstört und nicht wieder aufgebaut. Von der Panoramaplattform haben wir einen perfekten Blick auf Vilnius, auf die Alt- und Neustadt, den Fluss Neris und den Hügel mit den drei Kreuzen. Obwohl relativ nahe, können wir den Zusammenfluss von Vilnia und Neris von dieser Stelle nicht erkennen. Auf einer hölzernen Wendeltreppe besteigen wir den Turm und haben noch einmal eine wunderbare Sicht auf die Umgebung. Drinnen informiert eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt.

Mit dem Besuch der Kathedrale beenden wir den heutigen Stadtrundgang. Das wichtigste katholische und wohl auch erste Gotteshaus Litauens wurde den Heiligen Stanislaus und Ladislaus geweiht. An der Hauptfassade sind die vier Evangelisten dargestellt, im Giebelrelief die Familie Noahs.
In der Sowjetzeit diente das Haus als Gemäldegalerie, bevor es 1989 wieder an die katholische Kirche zurückfiel. Der eher schlichte Innenraum sagt mir sehr zu, aber auch der Hauptaltar. In früherer Zeit wurden hier litauische Großfürsten gekrönt. Seit dem 18. Jahrhundert besteht die auch heute noch aktuelle klassizistische Bauweise. Wie im Baltikum häufiger anzutreffen, hat man auch hier den Glockenturm separat mit kleinem Abstand zur Kathedrale errichtet.

Nachdem wir uns ein paar Geschäfte in der Gedimino pr. angesehen haben, suchen wir uns ein uriges Lokal und essen zu Mittag, ich bestelle die hier beliebten Cepelinai, auch Zeppelin genannt, mit Hackfleisch gefüllte Kartoffelklöße, die es aber wahlweise auch mit Pilz-, Quark-, Käse- oder Speckfüllung gibt. Es schmeckt sehr gut, auch das dazu passende einheimische Bier vom Fass. Für den schnellen Hunger stehen zahlreiche Narvesen-Kioske, die mir aus Norwegen bekannt sind, zur Verfügung.

Zurück im Hotel organisieren wir uns für die folgenden zwei Tage ein Mietauto und suchen uns, wieder in der Altstadt, ein Restaurant für den Abend. Am Rathausplatz werden wir fündig und verbringen die nächsten Stunden bei gutem Essen und Trinken und in angenehmer fröhlicher Atmosphäre im „Amatininku Uzeiga“, einem typischen litauischen Lokal. Und es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir dieses Haus beehren.


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