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Nordkap
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am Nordkap

am Nordkap

Skulpturen "Kinder der Welt"

Skulpturen "Kinder der Welt"

dies ist der nördlichste Punkt

dies ist der nördlichste Punkt

am Nordkap

am Nordkap

Rentiere am Nordkap

Rentiere am Nordkap

Stockfische in Honningsvåg

Stockfische in Honningsvåg

in Honningsvåg

in Honningsvåg

Wasserfälle - Fjorde - Seen

eine Reise durch Norwegen und Finnland

Honningsvåg und das Nordkap

Mein Platz ist in einem Bus mit deutsch- und französischsprachiger Reisebegleitung reserviert. Bis zum Nordkap sind 34 Kilometer zu fahren und so erfahren wir einige interessante Fakten über diese Gegend. Wir befinden uns im Bezirk Finnmark, von der Größe vergleichbar mit der Schweiz, nur das in den Alpen 184 Menschen pro Quadratkilometer leben und die Bevölkerungsdichte hier 0,5 Personen/qkm beträgt.
Der Ort Honningsvåg wurde von der deutschen Wehrmacht bis auf die Kirche total zerstört. Aus Angst flüchteten viele Bauern in das umlegende Gebirge und versteckten sich vor den Soldaten.

Ester, unsere Reiseleiterin, informiert uns weiter, dass in der Nordkap-Region jährlich 49.000 Tonnen Fisch verarbeitet werden. Haupterwerbsquelle ist die Fischerei, an zweiter Stelle wird der Tourismus genannt.

Bäume findet man so gut wie gar nicht, dafür Beeren und Alpenblumen. Die ca. 5.000 Rentiere, die sich hier im Sommer aufhalten, ernähren sich von Gras, Flechten und Moos. Zum Ende der Saison werden sie von den Samen in die Gegend von Karasjok getrieben und müssen dabei schwimmend ein 1,2 Kilometer breites Gewässer überqueren. Der Rücktransport im Frühling ist für die nun etwas geschwächten Tiere komfortabler, jetzt werden sie mit einem Militärboot über das Wasser gebracht.

Weiter erfahren wir, dass in der Zeit vom 20.11. bis zum 22.01 des Folgejahres keine Sonne scheint und per anno mit 150 Frosttagen gerechnet werden muss. Das Wasser am nördlichsten Strand erwärmt sich bis auf 7 Grad. Dagegen gibt es zwischen dem 14. Mai und dem 30. Juli keine Nacht.

Kurz vor dem Nordkap halten wir an einem von Samen betriebenen Kiosk. Ein Ehepaar in samischer Tracht hält einige Rentiere und verkauft Souvenirs. Ihr Wohnzelt kann besichtigt werden. Ester und unser Fahrer Arvid erklären mir während der Pause, wie ich am besten von Honningsvåg nach Finnland komme. Auf der Weiterfahrt sehen wir noch zahlreiche grasende Rentiere. Und dann, endlich, sind wir am Nordkap. Hatte es während der Herfahrt noch hin und wieder geregnet, so haben wir jetzt Glück. Zwar scheint die Sonne nicht, aber es ist zumindest trocken und auch der hier so häufig vorkommende Nebel hat sich verzogen.

Eigentlich ist Knivskjellodden nördlichster Punkt Europas, immerhin 1.380 m höher als das Nordkap, man hat sich halt früher bei der Bestimmung des Ortes geirrt. Kapitän Richard Chancellor, der hier 1553 strandete und den Namen prägte, hat es nicht besser gewusst. Mich stört es nicht. Zügig begebe ich mich zur Weltkugel am Ende des Hochplateaus, aber ein Foto ohne davor posierende Menschen gelingt mir nicht. Das Kap mit dem nördlichsten Punkt ist von hier gut zu erkennen, eine Wanderung dorthin wäre auch möglich.

In der 1988 eröffneten Nordkaphalle gönne ich mir einen Aquavit, es kostet zwar, aber wann hat man noch einmal die Möglichkeit… Auch habe ich hier Gelegenheit, meine Ansichtskarten in einen Briefkasten zu werfen, damit sie den Nordkapstempel erhalten. Anschließend gehe ich noch zu den Skulpturen der „Kinder der Welt“. Sieben Kinder aus unterschiedlichen Ländern bastelten Figuren zum Thema „Frieden auf Erden“.

Zurück auf der Nordlys hole ich meinen Koffer, checke aus und belege, nachdem ich bei der Tourist-Information nachgefragt habe, ein Zimmer im „Hotel Rica“, denn genau vor dem Hoteleingang hält der Bus nach Rovaniemi. Obwohl viele Reisegruppen nach und nach ihr Zimmer belegen, gelingt es mir, den Preis etwas zu drücken.

Das rund 3.500 Einwohner zählende Fischerdorf Honningsvåg liegt am 71. nördlichen Breitengrad. Dicke Kreuzfahrtschiffe warten im Hafen, Fischfabriken und Werften gehören zum weiteren Bild. Einen Besuch der Artico Ice Bar versage ich mir. Zum einen, weil ich auf den Lofoten schon ein ähnliches Erlebnis hatte, zum anderen, weil auch Eintrittsgeld verlangt wird. Stattdessen gehe ich zum Ortsausgang und schaue mir die Holzgestelle zum Fischtrocknen aus nächster Nähe an.

Den Abend verbringe ich in einem gut besuchten Lokal in der Nähe des Hotels und lasse mir den Bacalao noch einmal schmecken. Als Nachtisch wird mir ein Stück Marzipan geschenkt, woher die das wohl wissen.

Kurz nach 23.00 Uhr setzen sich fünf Busse mit Aida-Gästen zur Fahrt ans Nordkap in Bewegung. Aber auch ihnen ist das Glück nicht hold, die Mitternachtssonne macht Pause.
Zurück im Hotel wundere ich mich über die Stille in der Lobby und in der Bar. Jeder der zumeist aus Asien stammenden Gäste unterhält sich, entweder mit Handy, Netbook oder Tablet, eine Konversation untereinander findet nicht statt.

Pünktlich um 5.10 fährt der finnische Bus vor und die lange Fahrt bis Rovaniemi beginnt. Zusammen mit mir ist eine sympathische Krankenschwester eingestiegen, sie will ihre Verwandten in Tampere besuchen. Wir unterhalten uns prächtig und sind in den nächsten Stunden einzige Gäste im Bus. Rentiere grasen am Wegesrand, einmal muss der Bus abbremsen, als vier Tiere nebeneinander die Straße für sich in Anspruch nehmen. Leider habe ich den Fotoapparat nicht schnell genug zur Hand. Nach gut 40minütiger Fahrt, häufig durch Tunnel hindurch, begegnet uns das erste Auto. Viele Wohnmobilfahrer verbringen die Nacht abseits der Straße auf kleinen Parkplätzen.

In der Nähe von Karasjok fahren wir um 9.30 h über die Grenze und sind in Finnland. Hier ist es eine Stunde später und die Uhr muss auf 10.30 h vorgestellt werden. Mein erstes Empfinden ist, dass ich nichts mehr lesen kann, die finnische Sprache ist mir überhaupt nicht vertraut. Ortschilder sind zweisprachig, in Finnisch und Samisch, so z. B. Ivalo bzw. Avvil.
Aber auch hier das wunderschöne und mittlerweile vertraute Bild, Seen, Schären, Ausläufer in allen Variationen. Am Inarisee wird eine kleine Pause eingelegt, das Thermometer zeigt mittags angenehme 19 Grad an. Prächtige in Pinkfarben blühende Wildblumen schmücken das Ufer des riesigen Gewässers. Meine Begleiterin schreibt mir den finnischen Namen der Pflanze auf, Maitohorsma, aber bisher habe ich keine deutsche Übersetzung gefunden. Nach gut elf Stunden sind wir am Ziel.
Später, nachdem dieser Reisebericht schon veröffentlicht ist, erfahre ich von einer fachkundigen Leserin, dass es sich bei dieser Pflanze um ein Weidenröschen handelt.

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