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Straßenszene

Straßenszene

grüne Oase im hektischen Verkehr

grüne Oase im hektischen Verkehr

Avenue of Stars

Avenue of Stars

synphony of lights

synphony of lights

mit Uwe beim Abendessen

mit Uwe beim Abendessen

Mit Freu(n)den um die Welt

Erinnerung an ein fünfmonatiges Sommermärchen

Hongkong

Kalte acht bis neun Grad empfangen uns in Hongkong. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, denn die Einsreise geht recht zügig und auch auf meinen Rucksack braucht nicht lange gewartet zu werden. Die Verkehrsverbindung ins Zentrum ist ideal, aber auch der Service. Eine junge Frau schaut auf ihr Tablet und binnen kurzer Zeit hat sie die ideale Lösung. Man kann zwischen verschiedenen Alternativen wählen, ich entscheide mich für folgende Variante: zuerst mit dem Zug zum Bahnhof und von dort kostenloser Bustransport zum Hotel.
Mein Zimmer liegt im 21. Stock und ich habe einen guten Blick auf das Meer, wenn das Wetter denn etwas klarer wäre. Den warmen Temperaturen der letzten Wochen trauere ich etwas nach und krame den einzigen Pullover aus meinem Rucksack hervor. Im Zimmer liegt ein Multi Plug Stecker. Welch Glück, mein Adapter zeigt nämlich Ermüdungserscheinungen.
Hongkong, übersetzt „duftender Hafen“ ist eine Sonderverwaltungszone an der Südküste von China am Mündungsgebiet des Perlflusses. 95 Prozent der über sieben Millionen Einwohner sind chinesischer Abstammung. In den letzten 60 Jahren hat sich die Bevölkerung etwa vervierfacht. Das enorme Wachstum erforderte Landgewinnung durch Aufschüttung im Meer und den Bau gewaltiger Wolkenkratzer. Zum Territorium gehören 263 Inseln, auf der größten, nämlich Lantau Island, wurde der neue internationale Flughafen errichtet. Am 1. Juli 1997 übernahm die Volksrepublik China von den Briten die Kontrolle über Hongkong und damit war die 155-jährige Zeit als Kronkolonie endgültig vorbei. Trotzdem hat man den Eindruck, dass Chinesisches britisch geprägt ist, beim Besuch der Volksrepublik fühlte sich China anders an.
Dann heißt es hinaus in die Stadt, aber Vieles erscheint mir fremd und ich kann mich an zahlreiche Details und Feinheiten nicht mehr erinnern. Im Jahre 1987, als ich das bisher einzige Mal hier war, herrschten, wie oben beschrieben, noch andere Verhältnisse. Nun sehe ich mir die Umgebung an, gehe ans Meer und gönne mir in einer der vielen Salons eine Fußmassage. Die Masseurinnen haben weiter keine Kundschaft und freuen sich sichtlich über meinen Besuch. Der englischen Sprache nicht mächtig, versuchen sie eine Konversation mithilfe ihres Übersetzungsprogramms auf dem Handy. Es macht richtig Spaß und, nachdem eine Frau auch noch Kleinigkeiten zum Essen gekauft hat und nun stolz anbietet, entscheide ich mich für eine zusätzliche Nacken- und Rückenmassage. Es kostet nach unseren Maßstäben nicht viel. Für eine Stunde harter Handarbeit werden 148 Hongkong-Dollar verlangt, das entspricht 14,80 Euro.
Nachher esse ich noch eine Kleinigkeit in einem kleinen Imbiss und auch hier versteht die freundliche Kellnerin kein Wort und bittet einen Gast, für sie zu dolmetschen. Mir gefällt es, gerade diese Improvisationen geben einer Reise die gewisse Würze und verhindern, dass es allzu steril abläuft. Viele Passanten tragen einen Mundschutz. In der Hotelbar spielt ein Keyboarder und begleitet eine junge Sängerin, es hört sich gut an. Aber warum muss bei dieser Außentemperatur unbedingt noch die Aircondition laufen? Ich verstehe es nicht. Und dann holt mich die Wirklichkeit wieder ein, denn ich erfahre per Email, dass sich die Fahrt mit dem Containerschiff ein zweites Mal um eine Woche verspätet. Nachdem mein Ärger und Frust verraucht sind, nehme ich das Alternativangebot an und werde auf einem anderen Frachtschiff nicht wie geplant nach Hamburg, sondern nach Livorno fahren. Nicht, dass ich keine Zeit hätte, aber ich habe ich mich nunmehr darauf eingestellt, Mitte April wieder zu Hause zu sein. Später im Bett schalte ich noch den Fernseher ein. Gezeigt wird ein Film über Pandas, untermalt mit dem "Kuckuckswalzer" und "Ich weiß nicht was soll es bedeuten". Das weiß ich auch nicht, schon gar nicht in Bezug auf chinesische Bären.
Mit einem öffentlichen Bus fahre ich am nächsten Morgen für 30 Cents ins Zentrum und gehe in die Mall des IFC, wie das International Finance Centre hier kurzweg genannt wird. Sie befindet sich zwischen den beiden Türmen des Finanzcenters und bietet edlen Geschäften und Boutiquen Platz. Auf der dritten Ebene wurde ein Dachgarten angelegt. Von hier hat man beste Aussicht auf die Börsentürme auf der einen und Kowloon auf der anderen Seite. Es ist schon sehr eindrucksvoll, aber Dschunken, wie beim letzten Mal 1987, habe ich keine mehr gesehen. Damals dümpelten sie bedächtig im Wasser und galten als Attraktion. Immer, wenn ich in meinen Reiseführer schaue, werde ich freundlich gefragt, ob man mir behilflich sein kann. Auf der zweiten Ebene spielt ein Streichtrio, begleitet von einem Piano.
Über Brücken geht es durch riesige Kaufhäuser weiter zum Exchange Square mit den beiden Börsentürmen und dann zum Statue Square, der für meine Begriffe im Reiseführer etwas zu sehr hervorgehoben wird. Auf einer öffentlichen Toilette erlebe ich, wie ein Mann selbst beim Pinkeln mit dem Handy telefoniert.
Zurück fahre ich wieder mit dem Bus, habe aber wohl nicht aufgepasst oder vielleicht bin ich an der richtigen Haltestelle auch nicht vorbei gekommen. Jedenfalls bleibe ich über eine Stunde in dem Fahrzeug und habe für weniger als einen Euro eine umfassende Stadtrundfahrt. In einem etwas höher gelegenen Bezirk fällt mir ein auf Terrassen angelegter Friedhof auf.
Während ich in der Hotelbar auf Uwe warte, registriere ich, dass heute Valentinstag ist. Das Restaurant hat sich auf diesen Feiertag eingestellt und passende Festmenüs im Angebot. Es scheint gut angenommen zu werden, denn permanent strömen neue Gäste zum Eingang des Esstempels.
Kurz nach 8.00 Uhr abends ist er da. Wir haben schon einige Länder zusammen "erobert" und ich freue mich, dass Uwe, der in diesen Wochen beruflich in Beijing zu tun hat, sich die Zeit nimmt und "mal eben" für ein Wochenende nach Hongkong fliegt. Kurz eingecheckt, ein Begrüßungsbier in der Hotelbar und dann fahren wir in den Kneipenbezirk Lan Kwai Fong, und hier tobt das Leben. Schnell ist ein Restaurant gefunden. Die Gerichte werden mit Bild erklärt und vereinfachen die Bestellung, dann geht es auf die Pirsch. Leider, so haben wir festgestellt, gehören wir wohl schon zu den älteren Gästen in dem Vergnügungsviertel. Diese Gegend ist in erster Linie der Jugend vorbehalten. Hübsche Frauen mit hohen Hacken und kurzen Röcken beleben das Bild, aber auch gestylte junge Männer. Und aus allen Lokalen dröhnt laute Musik.
Frisch ausgeruht fahren wir mit der Star Ferry nach Kowloon. Leider ist der Himmel den ganzen Tag über verhangen und lässt keine Sonne durch, aber zumindest regnet es nicht. Etliche Schlepper versuchen uns eine Rolex zu verkaufen oder in ein Geschäft für Herrenkleidung zu lotsen. Hier werden die Anzüge und Hemden noch individuell angepasst und maßgeschneidert.
Wir jedoch gehen erstmal frühstücken, d.h. wir reihen uns in eine lange Schlange vor einer Kasse ein, bestellen und bezahlen und warten dann wieder vor der Essensausgabe. Aber ich will hier nicht lästern, das Team ist super eingespielt und die Mannschaft hat beste Arbeit geleistet. Draußen stehen ein paar Mädchen und fotografieren sich gegenseitig. Als Kavalier alter Schule frage ich, ob ich nicht ein Foto von ihnen als ganze Gruppe machen soll. Sie stimmen sofort freudig zu, sind dann aber viel mehr an einem Bild zusammen mit Uwe oder mir interessiert.
Dann geht es wieder an die frische Luft, am alten Uhrenturm und an der derzeit angesagten und kontrovers diskutierten Sehenswürdigkeit, dem Cultural Centre, vorbei zur Avenue of Stars, dem Pendant zum Walk of Fame. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir nur zwei der zahlreichen auf dem Boden verewigten Schauspieler bekannt sind, darunter Bruce Lee.
Jetzt haben wir uns aber auch eine Pause verdient. Das im Art Deco Stil erbaute pompöse Peninsula Hotel bietet sich geradezu an und wir ruhen uns eine Weile aus. Auf ein Getränk verzichten wir aber nach einem Blick auf die Karte. Uwe fragt, was eine Übernachtung kostet und erfährt, dass 5.880 Dollar, also knapp 600,- Euro, fällig sind, und das Frühstück wird extra berechnet.
Auf der stark belebten Nathan Road geht es dann per pedes weiter zum leider noch geschlossenen Temple Market. Hier findet allabendlich der bekannte Nachtmarkt statt. Am von Hochhäusern umgebenen Tin-Hau-Tempel beenden wir unseren Kowloonrundgang. Er ist der Göttin der Seefahrer gewidmet. Aber auch andere Götter werden in den insgesamt fünf Tempelgebäuden verehrt. Den restlichen Nachmittag, es ist immer noch sehr trübe, erholen wir uns im Hotel und tanken Kraft für den Abend.
Und die brauchen wir auch. Erst fahren wir wieder rüber nach Kowloon und sehen uns die "symphony of lights" an. Es ist schon sehr beeindruckend wenn die Laserkanonen ihr Lichttheater präsentieren. Viele Gäste stehen am Wasser und schauen sich das Spektakel an. Die Illumination der Hochhäuser auf der Hongkong-Seite, verbunden mit der passenden Musik, sucht seinesgleichen. Zum Abendessen bleiben wir in diesem Stadtteil, fahren dann aber wieder zurück und machen der Bar-Szene unsere Aufwartung.
Dann folgt leider schon der nächste Abschied. Nach einem gemeinsamen Frühstück in einem gemütlichen Café muss ich meine Sachen packen und zum Flughafen fahren. Mein nächstes Ziel heißt Hanoi, Uwe fliegt ein paar Stunden später zurück nach Peking. Mir wird empfohlen, wieder den Zug zum Airport zu nehmen, weil Busse wegen eines Stadtmarathons ausfallen oder zumindest nicht den Fahrplan einhalten können.

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