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Israel-Palästina
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Blick vom Ölberg

Blick vom Ölberg

Blick vom Ölberg

Blick vom Ölberg

Garten Gethsemane

Garten Gethsemane

Kirche der Nationen

Kirche der Nationen

Dormitiokirche

Dormitiokirche

Raum des Abendmahls

Raum des Abendmahls

Zionstor

Zionstor

Prachtstraße Cardo

Prachtstraße Cardo

Via Dolorosa

Via Dolorosa

Grabeskirche

Grabeskirche

in der Grabeskirche

in der Grabeskirche

in der Grabeskirche

in der Grabeskirche

Besalbungsstein

Besalbungsstein

Klagemauer

Klagemauer

Klagemauer

Klagemauer

Menora

Menora

Knesset

Knesset

Geburtskirche

Geburtskirche

eine der Grotten

eine der Grotten

Katharinenkirche

Katharinenkirche

See Genezareth

See Genezareth

auf dem See Genezareth

auf dem See Genezareth

auf dem See Genezareth

auf dem See Genezareth

Berg der Seligpreisungen

Berg der Seligpreisungen

Totes Meer

Totes Meer

Brotvermehrungskirche

Brotvermehrungskirche

Berg der Seligpreisungen

Berg der Seligpreisungen

Kapernaum

Kapernaum

Synagoge in Kapernaum

Synagoge in Kapernaum

Nazareth

Nazareth

Verkündigungskathedrale

Verkündigungskathedrale

hier wurden die Rollen gefunden

hier wurden die Rollen gefunden

Steinböcke in Aktion

Steinböcke in Aktion

Massada

Massada

Massada

Massada

Massada

Massada

Massada

Massada

Massada

Massada

zerklüftetes Mergelgelände

zerklüftetes Mergelgelände

Kalia Beach

Kalia Beach

Istanbul-Israel

Erinnerungen an eine feucht-kühle Pauschalreise

Israel

Am frühen Nachmittag landen wir in Tel Aviv. Mangels Zeitverschiebung brauchen unsere Uhren nicht verstellt werden. Die Passabfertigung ist schnell überstanden – bis auf einen jungen deutschen Mann, der im Iran geboren wurde. Es dauert und dauert, schließlich fahren wir ohne ihn ab. Miriam, die unserer Gruppe als Reiseleiterin zur Verfügung steht, verteilt weiße Mützen und Israel-Landkarten. Als sie dann, für zukünftig zu erwartende Eintritts- und Trinkgelder, noch 45,- Euro pro Person einsammelt, stößt sie nicht bei jedem der Mitreisenden auf Verständnis und ein paar Leute aus unserer Gruppe verlangen eine Quittung.

Gleich hinter Tel Aviv werden wir mit der Realität konfrontiert und sehen Grenzzäune neben unserer Straße. Im letzten Licht der Abendsonne fahren wir an Modi`in vorbei. Unsere Begleiterin erklärt, dass rund 10 Prozent der Israelis in Jerusalem wohnen. Die Stadtbevölkerung, insgesamt rund 780.000 Einwohner, besteht zu einem Drittel aus Moslems und zu einem weiteren Drittel aus strenggläubigen orthodoxen Juden. Sie sind gut zu erkennen an ihrem Hut und dem langen Mantel. Viele sind ohne Arbeit, eine besonders konservative Gruppe fordert, dass Werbung mit Frauen und Frauenbildern abgeschafft werden soll.

Nach gut einstündiger Fahrt erreichen wir Jerusalem und Miriam verlässt den Bus. Nun sind es nur noch ein paar Kilometer bis Bethlehem. Dann stehen wir vor der Einreise in das Westjordanland. Die Grenzprozedur verläuft relativ problemlos und auf palästinensischer Seite oder genauer gesagt nach Betreten der palästinensischen Autonomiegebiete steigt ein neuer Guide zu uns. Für die vorgesehene Besichtigung der Geburtskirche ist es allerdings zu spät. Ein paar der Mitreisenden steigen im Hotel „Intercontinental“ ab, der größte Teil unserer Gruppe übernachtet im Hotel „Bethlehem“.

Nach gemeinsamem Abendessen gehe ich noch ein paar Schritte nach draußen, aber es ist überhaupt nichts los im Ort und so verbringe ich die restlichen Stunden in der Hotelbar oder surfe kostenlos im Internet. Die Verständigung ist problemlos und die wichtigsten schriftlichen Angaben sind in hebräischer, aber auch in lateinischer Schreibweise.

Jerusalem

Anderntags steht der Besuch von Jerusalem auf dem Programm. Um nicht Gefahr zu laufen, wichtige Punkte und Informationen zu übersehen, hatte ich mich nach jahrzehntelanger Abstinenz zu dieser Gruppenreise mit Führung entschlossen. Alles in allem hat es mir gefallen. Der heutige Tag ist aber so voll mit Programm, dass eine sympathische Mitreisende mir später mailen wird, sie hätte diese Stunden mehr mit einem Marathon als mit Urlaub verglichen. Wo auch immer wir in Jerusalem ankommen, immer sind schon zahlreiche Busse auf dem Parkplatz und dementsprechend viele Menschen zu eben dieser Sehenswürdigkeit unterwegs. Es ist teilweise äußerst schwierig, bei der mächtigen Geräuschkulisse den Ausführungen der Reisebegleitung zu lauschen und angesichts der Menge des Erlebten und Gesehenen nichts zu verwechseln. Trotzdem bemühe ich mich um eine Bestandsaufnahme dieses Tages:

Wieder passieren wir die Grenze. Ein bewaffneter Soldat schreitet durch den Bus, unsere Pässe werden jedoch, auch später, nicht kontrolliert. In Jerusalem steigt Miriam wieder zu uns und unser erster Halt ist auf einem busschwangeren Parkplatz auf dem Ölberg mit allerdings wunderschönem Ausblick auf die Altstadt. Der Tempelberg mit dem imposanten Felsendom und der gewaltigen goldenen Kuppel liegt vor uns, die Al-Aqsa-Moschee, die türkische Mauer, das jüdische und armenische Viertel, das christliche und moslemische Viertel, das spektakuläre russische Himmelfahrtskloster, auch Kirche der Maria Magdalena genannt, Marias Grabeskirche, der Garten Gethsemane und die Dormitiokirche. Nicht zu vergessen der riesige jüdische Friedhof. Die Gläubigen lassen sich hier beerdigen, um am Tag der Erlösung einen der vorderen Plätze bei der Auferstehung belegen zu können.

Wir genießen diesen zwar wettertrüben aber trotzdem grandiosen Ausblick über eine halbe Stunde und fahren dann mit dem Bus zur Basilika der Todesangst und dem Garten Gethsemane. Von Judas verraten wurde Jesus hier beim Gebet von den Soldaten gefangen genommen. Ein strahlendes Goldmosaik ziert das, auch Kirche aller Nationen genannte, Gotteshaus. Sein Neubau war möglich, weil mehrere Nationen sich an der Finanzierung beteiligt haben. Im Garten stehen noch acht uralte Olivenbäume. Manche gut unterrichtete Menschen nehmen an, dass einige dieser knorrigen Gewächse schon über 2.000 Jahre alt sind, also schon zum Zeitpunkt von Christi Geburt existierten.

Auch hier wittern findige Schirmverkäufer ihr Geschäft. Unser im Iran geborener Mitreisender ist auch wieder dabei, er wurde abends mit dem Taxi nach Bethlehem gebracht.Die Grabeskirche von Maria sehen wir nur von draußen, eine Innenbesichtigung ist, warum auch immer, nicht vorgesehen. Anschließend steigen wir wieder in den Bus, der in der Zwischenzeit irgendwo geparkt hat und von Miriam per Handy angefordert wird. Vorbei am jüdischen Viertel fahren wir auf den Zionsberg und gehen dann zur Dormitiokirche, die auch unter dem Namen Hagia Maria Zion Kirche bekannt ist. In den nächsten Stunden werden wir nur zu Fuß unterwegs sein, diverse religiöse Stätten sehen und eine Fülle von Informationen erhalten, sodass ich nicht garantieren kann, den einen oder anderen Punkt zu übersehen wenn nicht sogar zu verwechseln, denn die oben geschilderten akustischen Probleme werden nicht weniger. Manchmal, wenn der letzte zur Gruppe aufgeschlossen hat, ist Miriam schon zur Hälfte mit ihrer Erklärung durch. Auch verwirrt es mich zuweilen, dass bestimmte Bauwerke, zumeist Kirchen, auf der Landkarte anders als im Reiseführer bezeichnet werden oder mehrere Namen haben. Manchmal lässt Miriam meines Erachtens auch eine gewisse Souveränität vermissen, Nachfragen werden häufiger mit „das erkläre ich später“ beantwortet.

Nun sind wir also in der Altstadt. Die Dormitiokirche ist unser erstes Ziel. Sie wurde in den vergangenen Jahrhunderten mehrere Male zerstört und wieder aufgebaut. An dieser Stelle soll die Jungfrau Maria entschlafen sein. Die einzelnen Kapellen sind verschiedenen Heiligen geweiht. Im Coenaculum (Abendmahlsaal), einem Raum mit gotischem Kreuzrippengewölbe, soll Jesus mit seinen Jüngern die letzte Mahlzeit zu sich genommen und die Eucharistie gefeiert haben. Wir gehen dann durch das Zionstor, wo noch vorhandene Einschusslöcher von den Kriegen im letzten Jahrhundert zeugen, ins armenische Viertel. Danach halten wir uns eine Zeit lang im jüdischen Viertel auf. Hier kann ein Teil der alten römischen Prachtstraße Cardo angesehen werden. Die Originalstraße wurde freigelegt, renoviert und liegt etwa sechs Meter unter dem heutigen Bodenniveau.

Nach dem Mittagessen, ich bestelle Hummus und Salat, kommen wir an der Erlöserkirche vorbei und orientieren uns in Richtung arabisches Viertel. In den Gassen ist es dunkel, da während der Gebetszeit in den Souks und Geschäften nicht gearbeitet wird.

Die Via Dolorosa, der Leidensweg Christi, führt durch die Altstadt vom Löwentor bis zur Grabeskirche, die an der Stelle entstand, wo Jesus vermeintlich ins Grab gelegt wurde. Der Überlieferung nach handelt es sich bei diesem Weg um die Strecke, die Christus vom römischen Statthalter Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung in Golgatha zurücklegen musste. Das Kreuz hatte er auf dem Großteil der Strecke selbst zu tragen. Insgesamt besteht die Via Dolorosa aus 14 Stationen, die teils durch verwinkelte Gassen mit alten Häusern führen. Wir haben jedoch nur einen Teil der Gedenkstätten gesehen, so die 9. Station. Am Eingang der koptischen Kirche zeigt eine Säule die Stelle, an der Jesus stürzte. Beim Weitergehen werden wir Zeuge eines äthiopischen Gottesdienstes.

Nun stehen wir vor einem der größten Heiligtümer des Christentums. Die Grabeskirche, auch Auferstehungskirche genannt, wird als Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu angesehen. Zu damaliger Zeit lag dieses Gebiet außerhalb der Stadtmauern. Einige Grabnischen können heute betreten und besichtigt werden, auch wir haben einen Blick hinein geworfen.

Mit dem Bau der Kirche wurde im Jahre 326 begonnen, sie war danach mehrere Male Opfer der Zerstörungswut und wurde wieder aufgebaut. Der früher unter freiem Himmel liegende Golgathafelsen befindet sich jetzt zwischen der Rotunde und Basilika.

Das Gotteshaus wird heute von sechs christlichen Konfessionen verwaltet, darunter die Griechisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische und die Armenisch Apostolische Kirche. Die von einer Rotunde umgebene Grabeskapelle gilt als der überlieferte Ort des Grabes. Nur mit Mühe gelingt es uns, einen Blick darauf zu werfen, immer drängeln sich andere Personen vor. Daneben ist der Besalbungsstein zu besichtigen. Hier wurde Jesus angeblich für die Bestattung vorbereitet. Die letzten fünf Stationen des Kreuzwegs befinden sich in der Kirche.

Für mich ist der Besuch dieses Hauses ein ganz großes und bedeutendes Erlebnis, allerdings findet man wegen der vielen, vielen Menschen kaum Gelegenheit zu Andacht und Ruhe. Es gibt wahrscheinlich keine Reisegruppe in Jerusalem, die diesen Ort bei einem Rundgang ausschließt.

Bevor wir Zugang zur Klagemauer erlangen, werden unsere Taschen geröntgt und wir mit Metalldetektoren auf Sicherheit überprüft. Die, auch westliche Mauer genannte, Wand ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Viele Juden besuchen ihr Heiligtum, um hier zu beten. In den Mauernischen befinden sich zahlreiche Gebetszettel mit Wünschen und Bitten. Männer und Frauen nutzen getrennte Zugänge. Ein abgegrenzter Bereich gilt als Freilichtsynagoge. Wir haben nun Gelegenheit, jüdische Männer in ihrer traditionellen Bekleidung anzuschauen. Zur richtigen Ausstattung gehören der schwarze Hut, der lange schwarze Mantel, das weiße Kragenhemd, der Bart und die peyots, wie die Schläfenlocken genannt werden. Um in den Genuss dieser Frisur zu kommen, versagen sich die Jüngeren drei Jahre einen Friseurbesuch. Zur traditionellen Bekleidung gehört auch die Kippa, eine kreisrunde Kappe, in unterschiedlicher Farbe. Sie lässt Rückschlüsse auf Glaubensrichtung und politische Gesinnung zu.

Mit dem Holocaust werden wir an diesen Tagen nicht konfrontiert, abgesehen von dem Hinweis auf eine Gedenkstätte und das Grab von Schindler. Die sterblichen Überreste des Mannes, der über 1.200 Menschen vor dem Tod in der Gaskammer bewahrt hat, wurden in ein Grab auf dem Zionsberg umgebettet.

Pflastermüde steigen wir in den Bus und lassen uns erschöpft in die Sessel fallen. Auf der Rückfahrt nach Bethlehem kommen wir am Präsidentenpalast und einigen Ministerien vorbei. In der Nähe der Knesset, dem Sitz des israelischen Parlaments, legen wir noch einen Halt ein, können das Gebäude aber nur von draußen hinter einem mächtigen Zaun ansehen. Gegenüber befindet sich die Menora. Die siebenarmige Lampe gilt neben dem Judenstern als jüdisches Symbol. Ereignisse aus der jüdischen Geschichte werden auf diesem bronzenen Leuchter dargestellt.

Auf der Weiterfahrt will unser palästinensischer Fahrer trotz der Kälte die Busheizung nicht anstellen, er meint, dass dann die Scheiben beschlagen und seine Sicht behindert ist. Dafür fehlt mir irgendwie das Verständnis.

Bethlehem

An der Grenze werden wir wieder von unserem palästinensischen Begleiter in Empfang genommen. In Bethlehem wohnen etwa 60.000 Menschen. Nach kurzem Spaziergang erreichen wir die Geburtskirche, die über der vermuteten Geburtsstätte von Jesus errichtet worden sein soll. Sie blieb während der Kriege unbeschädigt und gilt als älteste erhaltene Kirche des Heiligen Landes. Normalerweise wird dieser Ort durch die kleine Demutspforte betreten. Eine angemeldete Beerdigung sorgt jedoch dafür, dass wir den größeren Eingang nutzen müssen. Jesus wurde bekanntlich in einem Stall geboren und die Ställe befanden sich zu der Zeit üblicherweise in Grotten. Die Geburtsgrotte steht Besuchern zur Besichtigung frei, wir hätten uns allerdings anstellen und über drei Stunden warten müssen. So steigen einige von uns in Nachbargrotten, so auch in die des heiligen Hieronymus, und werfen im Sinne des Wortes einen Blick durch das Schlüsselloch. Mich hat es nicht sehr gestört, ist dieser exakte Platz der Geburt doch auch nur angenommen und vermutet.Im Mittelschiff können Reste von Mosaiken aus dem 4. Jahrhundert bewundert werden.

1881 wurde die Katharinenkirche an die Geburtskirche angebaut. Ein Jesuskind aus Holz in Stroh gebettet wird in einem Seitenaltar gezeigt. Der hier zelebrierte Gottesdienst am Heiligen Abend wird in die ganze Welt ausgestrahlt. Während unseres Besuchs findet eine Kindstaufe statt.

Leider halten wir auf dem Nachhauseweg noch vor einem Souvenirshop und so dauert es noch, bis wir endlich müde das Hotel betreten können. Am Abend verweilt ein Hochzeitspaar einige Momente in der Hotelbar.

Fahrt zum See Genezareth

Am nächsten Tag lugt doch tatsächlich so dann und wann die Sonne aus den Wolken hervor. Wir verlassen Jerusalem und fahren zum See Genezareth. Heute ist Sabbat und im jüdischen Viertel begegnen uns nur Taxis. Öffentlicher Straßenverkehr findet an diesem Tag nicht statt.

Der jüdische Feiertag beginnt freitags nach Sonnenuntergang und endet am Samstag nach Einbruch der Nacht. Ehelicher Sex spielt in dieser Zeit eine nicht unerhebliche Rolle. Freitags und samstags ist schulfrei.

Unterwegs in der Judäa-Wüste sehen wir Beduinen, Schafherden und das Tote Meer. Auch Jericho, in einer riesigen Oase gelegen, ist vom Bus gut zu erkennen. Ansonsten nur ödes Land, es heißt, dass ein Drittel der israelischen Fläche aus Wüste besteht. Die Beduinen halten gern, so wird uns mitgeteilt, gemischte Herden, also Schafe und Ziegen, da die Ziegen schneller sind, behänder klettern können und dadurch immer auf frisches Gras stoßen. Manchmal sind große Dattelpalmenhaine an beiden Seiten der Straße, sie wurden in den letzten Jahren auf Pflückhöhe gezüchtet, um die Ernte zu vereinfachen. Riesige Gartenflächen mit Gewächshäusern erinnern an Holland. Laut Miriam sind die von Palästinensern bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen kleiner und nicht so kultiviert, das mag aber sehr wohl ihre persönliche Einschätzung sein. Auch erkennt man die arabischen Gehöfte an den Wasserbehältern auf dem Dach, während israelische Bauern an ein Wasserversorgungsnetz angeschlossen sein sollen.

Kurz vor Bet Shean überqueren wir wieder einmal die Grenze, werden aber auch dieses Mal nicht kontrolliert. Es ist für Außenstehende nicht einfach, die jeweilige Gebietssituation zu erkennen und zu begreifen. So wird unterteilt in „A“ (Autonomie), und dann abgeschwächter in „B“ und „C“. Letzteres Gebiet soll in Israel verbleiben.

Danach geht es ein paar Kilometer an der durch einen Zaun gesicherten Grenze zu Jordanien entlang und wir kommen an einigen Kibbuzim vorbei. Miriam erklärt uns, dass es früher eine wesentlich größere Anzahl von Kommunen gegeben habe, heute zählt man rund 150. Insgesamt sollen derzeit etwa 120.000 Menschen in dieser Form zusammenwohnen, von denen nur noch 15 Prozent in der Landwirtschaft arbeiten. Die sozialistische Grundidee als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten überholt. Das Zusammenleben erweist sich als schwierig, da, so Miriam, zwei Juden drei Meinungen haben. Nach gut zwei Stunden sehen wir das blaue Wasser des See Genezareth.Wir fahren durch das grüne Galiläa, durchqueren die Stadt Tiberias und sehen in der Ferne am anderen Seeufer die Golanhöhen. Der Fluss Jordan, der von einer kleinen Brücke überspannt wird, entspricht an dieser Stelle eher einem kleinen Bach. Im Genezareth-Tal werden tropische und subtropische Früchte angebaut und geerntet.

Der See ist bis zu 40 Meter tief, enthält viel Trinkwasser und ist Heimat von angeblich 21 Fischarten. Die Fischer gehen nachts ihrer Arbeit nach, wir besteigen unser Holzboot jetzt, nachdem 8,- Euro bezahlt wurden. Bisher habe ich keine israelische Währung benötigt. Der übliche Umrechnungsfaktor im Hotel und in den Geschäften liegt bei 1 : 5, man erhält also fünf Schekel für einen Euro. Euro- und Dollarscheine werden gern angenommen. Ein mitreisendes Ehepaar hat sein Barvermögen Miriam gegeben, als sie, wie beschrieben, prophylaktisch Cash für Eintritt und Trinkgeld erhoben hat und erhebliche Probleme, einen Geldautomaten zu finden. Gestern in Jerusalem wurden sie von Miriam nur auf „später“ vertröstet und abends in Bethlehem ist es auf eigene Faust „gelungen“, allerdings hatten sie statt Schekel oder Euroscheinen unfreiwillig Jordan Dinar in Händen. Hier hätte man vielleicht auch eine professionellere Hilfestellung der ortskundigen Reiseleitung erwarten können.Auf dem Parkplatz, aber auch später an anderen Stellen und Orten unserer Rundfahrt, treffen wir auf Nigerianer. Es heißt, dass sie vom Staat oder von der Kirche eine geldliche Zuwendung erhalten, um sich diese Reise zu ermöglichen. Man glaubt es nicht, aber hier scheint tatsächlich die Sonne!

Sobald wir in Genossar das Boot erklommen haben wird die deutsche Fahne gehisst. Nach ein paar informativen Erklärungen wird Musik angestellt und kurz darauf tanzen die ersten weiblichen Gäste, etwas später, bei der Melodie von Hava Nagila, wird zur Polonaise gestartet, ich gehe stattdessen lieber auf das Vorschiff und schaue mir die Gegend an. Zum Schluss können Souvenirs erworben werden, natürlich auch CDs mit der soeben gehörten Musik und beim Verlassen des Schiffs erhält jeder, wenn er denn möchte, eine Teilnahmeurkunde. Leider fängt es gerade jetzt wieder an zu regnen.

Nun geht es weiter zum Berg der Seligpreisungen. Wir kommen an Bananenplantagen vorbei. Manche Stauden sind mit Tüchern umgeben, um eine gleichmäßige Reife zu forcieren.„Selig sind …“, so beginnen die acht Seligpreisungen von Jesus in der Bergpredigt. Sie werden mit bunten Glasgemälden an den Wänden der achteckigen Kirche gewürdigt. Den Besuchern ergibt sich von hier ein herrlicher Blick auf den See und auf die Stadt Tiberias, bei schönerem Wetter wäre ich wohl ins Schwärmen geraten.

Unser nächstes Ziel, die Brotvermehrungskirche bei Tabgha, befindet sich an dem Ort, wo die Speisung der Fünftausend stattgefunden haben soll. Das heutige Gebäude wurde auf den Grundmauern aus dem 5. Jahrhundert errichtet, ein Teil des alten Gemäuers ist noch sichtbar. Die Kirche besticht durch ihre schönen alten byzantinischen Mosaiken.

Nun ist es nicht mehr weit bis Kapernaum. Jesus wohnte zeitweilig in diesem auch Kafarnaum genannten Fischerdorf, predigte hier und vollbrachte einige Wunder. Diesem Ort entstammen auch mehrere Jünger, darunter der Apostel Petrus. Eine katholische Kirche wurde über der Ausgrabungsstätte seines Hauses errichtet. Reste einer Synagoge aus dem 3. oder 4. Jahrhundert wurden ebenfalls ausgegraben und können besichtigt werden. Weiter sind antike Gegenstände ausgestellt, darunter eine Ölpresse und ein Schrein, in der sich die Bundeslade befunden haben könnte, nämlich Tafeln mit den zehn Geboten, die Moses von Gott erhalten hatte.

Nach dieser umfangreichen Besichtigungstour haben wir uns das Mittagessen redlich verdient und kehren in ein Restaurant, direkt am See gelegen, ein. Zur Auswahl stehen ein Salatteller oder ein Menü mit Salat, Fisch, Datteln und Kaffee. Ich lasse mir den hier gefangenen Petrusfisch oder Tilapia schmecken und beende die Mahlzeit mit frischen Datteln und mit Kardamon gesüßtem Kaffee. Ein Mitreisender hat eine kleine Auseinandersetzung mit der Bedienung, wahrscheinlich geht es um eine Verständnisschwierigkeit. Er hatte sich nur ein paar Gurken- und Tomatenscheiben geholt und sollte den kompletten Salatpreis bezahlen.

Gestärkt steigen wir wieder in den Bus und fahren Nazareth entgegen. Unterwegs kommen wir durch Kana oder Kanaan. Möglicherweise handelt es sich um den Ort, wo Jesus anlässlich einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein verwandelt haben soll. Ein italienisches Restaurant wirbt mit „Le nozze di cana“. Vor einer Tankstelle hat sich eine lange Schlange gebildet. Ein Liter Benzin kostet acht Schekel.

Nazareth

Im oberen jüdischen Teil der Stadt ist, da Sabbat, nicht viel los, im unteren arabischen Teil tobt das Leben. Nazareth hat etwa 66.000 Einwohner. Wir fahren direkt zu der weithin sichtbaren römisch-katholischen Verkündigungskapelle. Sie wurde über jener Höhle erbaut, in der Maria wohnte, als ihr der Erzengel Gabriel erschien und verkündete, dass sie mit dem Heiland schwanger sei. Bei diesem Sakralbau handelt es sich um die größte Kirche im Nahen Osten und um eine der heiligsten Stätten des Christentums. Die Basilika erstreckt sich über zwei Stockwerke, unten die Heilige Grotte und oben die katholische Pfarrkirche. In der Haupthalle hängen von Gläubigen aus der ganzen Welt gestiftete Mosaiken. Die Mauern dieser Pilgerkirche wurden ebenfalls etliche Male zerstört und wieder neu aufgebaut. Papst Benedikt XVI hat an diesem Ort im Jahre 2009 eine Messe gelesen.

Unweit der Basilika steht die Josephskirche. Sie wurde 1914 auf den Resten einer Kreuzfahrerkirche gebaut und man vermutet, dass sich Josephs Zimmermannswerkstatt hier befand.

Auf der Rückfahrt wird eine DVD eingelegt, die noch einmal alle Sehenswürdigkeiten der letzten Tage in Erinnerung bringt. Der Heimweg gefällt mir, denn unser Busfahrer hat auch die Heizung angestellt. Abends in der Hotelbar wird mit einem Beamer das Spiel Barcelona gegen Saragossa gezeigt.

Fahrt an das Tote Meer

Um 6.00 Uhr ist die Nacht vorbei, eine Stunde später setzt sich der Bus wieder in Bewegung. Den ersten Teil der Strecke kennen wir schon von gestern. Das Meer leuchtet in der Morgensonne, ja, heute haben wir das Wetter, das wir verdienen. In der Nähe von Qumran halten wir an. Miriam zeigt uns die Felsen, wo Schriftrollen, die als wichtigste Entdeckung für die Geschichte des jüdischen Volkes gelten, von einem Hirten auf der Suche nach einer entlaufenen Ziege gefunden wurden.

In der Zeit zwischen 1947 und 1956 wurden hier in elf Höhlen etwa 850 Rollen mit hebräischen Schriftzeichen aus dem antiken Judentum gefunden, die ältesten stammen aus der Zeit von 250 v. Chr. Viele der Fundobjekte sind zerstört, meistens hergestellt aus gegerbtem Schaf- oder Ziegenleder, aber auch aus Papyrus oder Kupferblech. Sie wurden in Tonkrügen gelagert. Eine über 7 Meter lange Rolle des Buches Jesaja ist relativ gut erhalten. Die Exemplare können im Israel-Museum in Jerusalem besichtigt werden.

Ein paar Kilometer weiter biegen wir von der Straße ab in die Oase En Gedi, wo sich David auf der Flucht vor König Saul versteckt hatte. Reste einer alten Synagoge sind noch zu erkennen. Die hiesigen Thermalquellen sind bekannt wegen ihres relativ großen Heilungserfolges. Hier haben wir Gelegenheit, drollige Klippschliefer und Steinböcke unter Akazien in freier Wildbahn zu bestaunen.

Das Tote Meer ist mit über 400 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der Erde. Etwa 65 Kilometer lang, misst es an der breitesten Stelle 18 Kilometer. Knapp die Hälfte des Sees gehört zu Israel. Der Wasserspiegel sinkt jährlich um etwa einen Meter. Gespeist wird das Meer vom Jordan und anderen kleinen Flussläufen. Ein Abfluss ist nicht vorhanden, da, bedingt durch die Hitze, eine überdurchschnittliche Menge des Wassers verdunstet. Durch diesen Prozess steigt der Anteil der Mineralien erheblich an, die Salzkonzentration liegt bei etwa 30 Prozent. Aber es bilden sich auch Hohlräume, die schon dazu führten, dass Autos versanken. Mit Hilfe des „Toten Meer Projekts“, d. h. durch den Bau einer Wasserzufuhr vom Roten ins Tote Meer, soll eine weitere Verschlechterung der Situation verhindert werden.In der Nähe des Ufers befinden sich Treibhäuser der hier ansässigen Kibbuzim. Angebaut werden überwiegend Tomaten und Datteln. Im Reiseführer lese ich, dass auch die Orte Sodom und Gomorra am Toten Meer angesiedelt waren.

Der 400 Meter über das Tote Meer emporragende Tafelberg Massada, manchmal auch Masada geschrieben, war die letzte Zufluchtsstätte der Juden gegen die römische Armee im Jahre 73 n. Chr. Der Komplex war vom jüdischen König Herodes zu einer Festung gebaut worden. Unser Bus bringt uns bis zum Eingang, dann fahren wir mit der Drahtseilbahn auf das Bergplateau hinauf. Der Ausblick von der Spitze ist phänomenal. Wir haben eine wunderbare Sicht auf das Tote Meer und auf die Umgebung mit dem zerklüfteten Mergelgelände. An eine ähnlich bizarre Landschaft dieser Art kann ich mich nicht erinnern.

Herodes ließ Paläste, Speicher und ein Wasserversorgungssystem bauen, weiterhin eine Synagoge, Swimmingpool und ein Badehaus. Die Essensvorräte waren so üppig vorhanden, dass rund 900 Personen zwei Jahre ohne Nachschub auskommen konnten, so wurden Körner, Feigen, Oliven, Granatäpfel, gesalzenes Fisch und Fleisch gehortet und Wasser in einer Zisterne gesammelt. Nach dem Fall von Jerusalem verschanzte sich eine Gruppe von über 960 Personen in der Festung und konnte den Angriffen der Römer über drei Jahre widerstehen. Die wiederum ließen eine riesige Erdrampe bauen und kurz bevor Massada gestürmt wurde, vereinbarten die Eingeschlossenen, nicht in die Hände der Römer zu fallen. Zehn Mann wurden ausgewählt, die zunächst alle anderen und danach sich selbst getötet haben.

Die Anlage wurde zwischen 1960 und 1970 wieder ausgegraben, so wurde u. a. ein Weinkrug gefunden, auf dem der Name „Herodes“ geschrieben ist.

Nach dieser intensiven Besichtigungstour haben wir uns eine Erfrischung verdient. Das Bad am Kalia Beach kostet zwar Eintritt, aber wenn man dann schon mal am Toten Meer ist …

Auch hier sind wir natürlich nicht die einzigen Gäste, der Busparkplatz ist wieder einmal gut belegt. Nach dem relativ teueren Mittagessen gehen wir hinunter an den Strand und steigen ins Wasser. Ein paar Gäste haben sich den ganzen Körper mit Schlamm eingerieben, dem hier heilende Kräfte nachgesagt werden. Auch ich reibe mein rechtes Knie damit ein. Dann stürze ich mich in die Fluten und bitte meine Mitreisenden, entsprechende Fotos mit meiner Kamera aufzunehmen. Natürlich gehört ein kultiges Bild als Souvenir dazu, denn wo sonst kann man sich ins Wasser legen, Füße und Hände nach oben strecken oder ein Buch lesen. Das Salzwasser macht es möglich und untergehen kann selbst der unsportlichste Nichtschwimmer niemals. Man sollte nur darauf achten, dass kein Wasser in die Augen spritzt. Beim Hinausgehen trete ich in ein mindestens 50 cm tiefes Schlammloch.

Nun sind wir eigentlich mit den Programmpunkten durch. Kurz vor Jerusalem wird uns noch eine Besichtigung der Herberge des Barmherzigen Samariters geschenkt. Hier sind in einer renovierten Karawanserei schöne und wertvolle Mosaiken ausgestellt.

Als wir am nächsten Morgen gegen 3.00 Uhr Bethlehem in Richtung Tel Aviv verlassen, ist das Grenztor noch verschlossen. Ich glaube nicht, dass es in den nächsten Jahren ganz abgeschafft wird.

Epilog

Die Gruppenreise hat mir, von Ausnahmen abgesehen, relativ gut gefallen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir an diesen Tagen so viel zu sehen bekommen. Auf eigene Faust wäre es mir bestimmt nicht gelungen, dieses umfangreiche Programm in der gleichen Zeit zu bewältigen. Mit einigen Mitreisenden halte ich noch Kontakt.

Zu Hause angekommen merke ich, dass ich weniger Probleme mit meinem neuen Knie habe, ob das wohl am Schwimmen im Toten Meer liegt? Auch vor Jahren, nach einem Bad auf jordanischer Seite, verschwand ein Hautausschlag.

Herzlichen Dank sage ich einigen Mitreisenden, die mir später meine Erinnerung aufgefrischt haben, als ich, speziell beim Spaziergang durch Jerusalems Altstadt, etwas „den Faden verloren hatte“.

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