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fliesengeschmückte Wand

fliesengeschmückte Wand

Rossio mit Nationaltheater

Rossio mit Nationaltheater

Christo Rei

Christo Rei

Brücke des 25. April

Brücke des 25. April

Denkmal der Entdeckungen

Denkmal der Entdeckungen

Denkmal und Brücke des 25. April

Denkmal und Brücke des 25. April

Turm von Belem

Turm von Belem

in Queluz

in Queluz

maurisches Wartehäuschen

maurisches Wartehäuschen

Lissabon und Porto

zwei Wochen im vorweihnachtlichen Portugal

Lissabon

Wir treffen uns im Hauptbahnhof Osnabrück. Inge und Harms sind in Minden, ich in Bremen losgefahren. Zusammen geht es dann nach Amsterdam und von dort weiter mit Air Portugal.
Wieder einmal gestattet uns die Buß- und Bettagswoche einen Kurzurlaub. Einige Zweifel plagen uns schon, ist es der rechte Zeitpunkt, Lissabon zu besuchen, schließlich wütete am 25. August 1988 ein Großfeuer und zerstörte einen bedeutenden Teil der Altstadt.

Während des Fluges haben wir einen herrlichen Ausblick auf die Pyrenäen. Nach der Ankunft am Spätnachmittag, wir fliegen etwa 2 ¾ Stunden, suchen wir uns ein preiswertes Hotel in der Alfama mit Sicht auf das Castello de Sao Jorge, gerade abends im Flutlicht ein schönes Bild.

Um den ersten Tag der Reise gebührend zu würdigen, kehren wir in ein Fischrestaurant am Hafen ein und sorgen dafür, dass der Wein während des Essens nicht ausgeht. Geld hatten wir vorher schon getauscht, 1,- DM entspricht 77 Escudos.
Wohlig gesättigt bitten wir um die Rechnung, sie wird uns präsentiert, wir gucken uns an, schlucken ein paar Mal und müssen dann akzeptieren, dass wir gerade unser halbes Urlaubsbudget verjubelt haben.

Lissabon, größte Stadt Portugals, hat zu dieser Zeit etwa eine Million Einwohner, zählt man die Vorrote dazu, dürften es knapp zwei Millionen sein. Die Stadt liegt auf einem hügeligen Gelände am rechten Ufer des Tejo.

Am nächsten Morgen konzentrieren wir uns zunächst auf die Alfama, eines der ältesten Wohnviertel. Wir steigen hinauf zum Castello de Sao Jorge und genießen den Blick auf die Altstadt, die Unterstadt Baixa und die Oberstadt Chiada. Die Burg liegt auf dem höchsten der östlichen Stadthügel und war früher auch königliche Residenz. Eine ebenfalls phänomenale Aussicht bietet der Aussichtspunkt Santa Luzia.

Der Gang durch das maurische Viertel ist sehr interessant, es riecht nach Fisch, kleine Bars laden zur Pause ein, in den Straßen herrscht geschäftiges Treiben. Vor den Häusern ranken Bougainville und zwitschern Kanarienvögel, schöne Fliesen schmücken die Hauswände ganz oder teilweise. Kleine verwinkelte Gassen schlängeln sich den Berg hinunter, vor den Häusern hängt Wäsche zum Trocknen.

Sehenswert ist die Sao Vicente de Fora, eine nach dem Erdbeben 1755 zum Teil wieder restaurierte Kirche mit schöner Innenausstattung, besonders beeindruckt bin ich von den Azulejos im Kreuzgang.

Die Kathedrale Sé gehört ebenfalls zu unserem Besichtigungsprogramm. Auch dieses Bauwerk wurde einige Male durch Erdbeben zerstört. Zwei zinnengekrönte Glockentürme und eine Fensterrosette zeigen sich dem Besucher als erstes.

Unser nächstes Ziel ist der Praca do Comércio. Der "Handelsplatz", der sich zum Tejo öffnet, ist Sitz verschiedener Ministerien. Die den Platz begrenzenden Gebäude sind mit schönen Arkadengängen versehen, in der Mitte erhebt sich das Reiterstandbild von König José.

Dann fahren wir mit dem Lift hoch in die Bairro Alto. Hier sind die Auswirkungen des Feuers noch gut erkennbar. In einem Restaurant erholen wir uns von den Strapazen der letzten Stunden. Ein Küchenmitarbeiter ist dabei, Fischspieße herzurichten. Es sieht sehr lecker aus und uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Dieses Gericht, so erklärt man uns, wird erst am Abend angeboten. Für uns ist es sofort klar, dass wir wiederkommen werden.

So nutzen wir den Spätnachmittag, um eine Fahrt mit der Straßenbahn zu unternehmen, und es hat sich gelohnt.
Insbesondere die Strecke durch die Alfama ist mir nachhaltig in Erinnerung. Das Auf und Ab, das Bremsen, das Hantieren mit den Bremsrädern und die Fahrkunst des Chauffeurs, all das verlangt nach Bewunderung und Beifall. Die Wagen der "Elektrico" sind alt, die Sitzbänke noch aus Holz und die Kurbeln scheinen noch aus einer anderen Epoche zu sein.

Dann, zurück in der Bairro Alto, steuern wir das uns schon bekannte Lokal an und genießen den Fisch.
Nach dem finanziellen Desaster des ersten Abends achten wir jetzt mehr auf die Preise. Alles in allem kommt mir Lissabon nun doch relativ preiswert vor. Für eine warme Mahlzeit mit einer Flasche Wein werden rd. 10,- DM verlangt, auch der gelegentliche Drink zwischendurch ist bezahlbar. Wir bestellen uns normalen Rot- oder Weißwein, aber natürlich auch den weltbekannten Portwein, der mir allerdings nicht so besonders schmeckt. Allabendlich trinken wir im Zentrum immer ein Glas Aufgesetzten mit Kirsche.

Das Frühstück nehmen wir im Hotel ein, es ist recht übersichtlich, u. a. wird Tomatenmarmelade serviert, ich hatte sie vorher noch nicht gegessen.
Der Chefportier, ein Österreicher, ist den Kunden gern behilflich, einem ausländischen Gast versichert er, "that goes in order".

Natürlich sehen wir uns auch den Rossio an, einen schönen imposanten Platz im Mittelpunkt der Stadt mit Brunnen und einer Statue von König Pedro IV. Das Nationaltheater befindet sich hier, außerdem eine Reihe von Lokalen und Souvenirgeschäften.

Von hier sind es nur ein paar Schritte zur Praca da Figueira und zur Praca dos Restauradores mit dem Obelisk, der an die Männer, die Portugals Unabhängigkeit von Spanien hergestellt haben, erinnert. An diesem Platz beginnt die Prachtstraße Lissabons, die Avenida da Liberdade. Sie ist 1.200 m lang, 90 m breit und endet an der Rotunda bzw. an der Praca Marques de Pombal mit dem gleichnamigen Denkmal. Die Avenida ist Adresse für internationale Fluggesellschaften, für Spitzenhotels und Kinopaläste.

Aus der Ferne von verschiedenen Aussichtspunkten haben wir die "Brücke des 25. April" schon erblickt, sie ist weithin sichtbar und führt über den Tejo zum Problemviertel der Stadt. Aber auf dieser Seite wurde auch die bekannte Christus-Statue errichtet. Und da wollen Harms und ich zu Fuß hin, Inge kennt uns und versucht gar nicht erst, uns aufzuhalten oder umzustimmen, es hätte ja doch keinen Zweck.

Dann gehen wir los. Es dauert, bis wir endlich oben sind, kalter Wind pfeift uns um die Ohren und ein Bürgersteig ist nicht vorhanden. Harms schreitet voran, ich hinterher, wir marschieren so weit rechts, wie möglich, der Verkehr braust an uns vorbei. Mit einer Hand halten wir uns permanent am Geländer fest, es ist sehr mühsam. Plötzlich werden wir von einer Polizeistreife überholt und aufgeklärt, dass die Brücke nur für Fahrzeuge, nicht aber für Fußgänger erlaubt ist. Es folgt eine kurze Diskussion, die aber von Verständigungs- oder Sprachschwierigkeiten beherrscht wird. Wir stellen uns dumm und geben vor, nichts zu verstehen. Schließlich gebieten uns die Polizisten, in ihr Auto einzusteigen und fahren uns ans andere Ende der 2,3 km langen Brücke, die damals zu den längsten Europas gehörte. Eigentlich sind wir ganz froh, dass die Sache so gut ausgegangen ist.

Inge wartet, verschmitzt lächelnd, auf uns und zu dritt besuchen wir Christo Rei. Wir müssen unseren Kopf gewaltig in den Nacken legen, um die 28 m der Staue bestaunen zu können, der Ausblick auf die Innenstadt gegenüber ist grandios.

Am nächsten Vormittag schlendern wir über den Diebesmarkt, einen Flohmarkt, der einmal wöchentlich stattfindet. Mein Versuch, hier ein Paar Turnschuhe zu kaufen, schlägt leider fehl, denn ich finde keine passende Größe und lebe wohl auf zu großem Fuß.

Nachmittags fahren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den westlichen Stadtteil Belém und besichtigen zunächst das Heinrich dem Seefahrer gewidmete Denkmal der Entdeckungen. Es ist dem Tejo zugewandt und dem Bug einer Karavelle nachgebaut.
Ebenfalls in dieser Gegend am Fluss befindet sich der Torre de Belém, ein Turm, der früher als Festung, Leuchtturm und Gefängnis diente.

Das Mosteiro dos Jerónimos oder auch Hieronymuskloster, das wir als nächstes besuchen, erinnert an die Kolonien Portugals bzw. an die großen Entdeckungen Mitte des letzten Jahrhunderts. Hier befindet sich auch der Sarkophag von Vasco da Gama, dem Entdecker Indiens.
Während wir auf den Bus ins Zentrum zurück warten, lädt uns ein freundlicher älterer Herr zu einem Glas Wein ein und wir folgen seiner Einladung gern.

Anderntags auf dem Weg nach Queluz kommen wir an einem Aquädukt vorbei. Es sind gut 15 km zu fahren und der Ausflug hat sich gelohnt. Der pinkfarbene Palácio Nacional und der schön angelegte Garten werden auch das „Versailles Portugals“ genannt. Früher königliche Sommerresidenz, dient der Rokokopalast heute noch als Gästehaus für den Hochadel oder wird für Repräsentationszwecke genutzt. In der Schlossküche können alte Gerätschaften bewundert werden.

Abends entscheiden wir uns für Kultur und besuchen ein Fadolokal in der Bairro Alto. Der für mein Verständnis melancholische Nationalgesang, der die Schönheit Portugals und die Liebe besingt, ist mir zu traurig und ich bin froh, als der Vortrag zu Ende ist. Vielleicht hätte es mir besser gefallen, wenn mehrere Gäste zugehört und entsprechend Stimmung gemacht hätten.

Am letzten Urlaubstag unternehmen wir einen Ausflug nach Sintra und sehen uns den Königspalast mit den konischen Küchenschornsteinen, den Wahrzeichen des Schlosses, an. Der Innenraum wird von schönen Azulejos, die u. a. Jagdszenen darstellen, geschmückt.

Auf dem Weg zur Maurenburg hinauf, kommen wir an einem wunderschönen Wartehäuschen mit maurischen Bögen vorbei. Oben angekommen ist der Ausblick auf Sintra und Umgebung phantastisch. Der Nationalpalast von Pena (Palácio Nacional da Pena), unser letzter Besichtigungspunkt, erinnert an bayrische Königsschlösser. Wen wundert´s, er wurde von einem deutschen Baumeister erstellt.

Nun heißt es leider Abschied nehmen, Inge und Harms bleiben noch ein paar Tage in Lissabon, ich muss leider zurück. Eine schöne, interessante und harmonische Woche in Portugals Hauptstadt neigt sich dem Ende zu.
Zu meinem Leidwesen verspätet sich der Abflug um neun Stunden und man beruhigt uns mit verschiedenen Ausreden, einmal heißt es Nebel in Faro, dann Nebel in Amsterdam, später ist die Crew nicht komplett und einmal ist ein technischer Defekt Ursache.

Jedenfalls ist der letzte Zug von Amsterdam nach Bremen bereits abgefahren. Ein junger Mann fragt, ob er mir bei der Zimmersuche behilflich sein dürfe, ich bejahe und wir treten in ein Hotel ein. Er geht zur Rezeption und bespricht die Angelegenheit, erhält von mir, da nur Gulden akzeptiert werden, einen Hundertmarkschein, mein letztes Geld, und geht zum Wechseln. Ich warte und warte. Nach geraumer Zeit frage ich den Portier. Natürlich, so sagt er, erinnere er sich an den jungen Mann, er hat sich nach der Adresse eines anderen Hotels erkundigt......

Geld weg, Laune weg, Urlaub vorbei – die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges am nächsten Morgen scheint stillzustehen, kein Bett, kein Zimmer, keine Winterbekleidung – und dann die nasskalte Novemberwitterung. Ich ärgere mich über meine eigene Dummheit.

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