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im Hotel

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unterwegs in Paraguay

unterwegs in Paraguay

Mit Freu(n)den um die Welt

Erinnerung an ein fünfmonatiges Sommermärchen

Paraguay

Der Flug von Panama-City nach Asunción dauert 5,5 Stunden und um 23.00 Uhr Ortszeit bin ich endlich am Ziel angekommen. Jetzt trennen uns nur noch vier Stunden Zeitunterschied von der Heimat. Mein Fahrer wartet schon am Ausgang. Er ist als einziger des Hotelpersonals der englischen Sprache mächtig und fährt einen Mercedes. Mir kommt der Abholservice relativ teuer vor und ich sage es ihm auch, aber danach unterhalten wir uns wie Freunde. Pedro ist gebürtiger Chilene und der Liebe wegen in Paraguay geblieben.
Die Fahrt zum Hotel motiviert nicht zu einem längeren Aufenthalt in der Hauptstadt von Paraguay, zugleich mit 544.000 Einwohnern größte Stadt des Landes. Als mein Abholer meint, dass heute gut 42 Grad in Asuncion gemessen wurden, entscheide ich mich, am nächsten Morgen das Land in Richtung Brasilien zu verlassen.
Im Hotel Mbucuca unterhalte ich mich geraume Zeit noch mit meinem liebenswerten Fahrer und ein klein wenig auch mit seiner Freundin, der Chefin, die aber nur Spanisch spricht. Der Name des Hauses, ein indigenes Wort der hiesigen Urbevölkerung, bezeichnet eine einheimische Frucht. Pedro meint, dass die Bevölkerung genug hat von Korruption und sich eine ehrliche und weniger raffgierige Regierung wünscht.
Irgendwann kommt die Sprache auch auf chilenischen Wein und so erfahre ich, dass der Name des edlen Getränks, das mir Heiligabend kredenzt wurde, daher rührt, dass der Weinbauer seine besten Produkte in den Keller stellt und seinen Bediensteten sagt, dort sei der Teufel drin. Niemand traut sich dann, an dem Fass oder der Flasche zu naschen. Zur Abrundung der netten Unterhaltung sorgt Pedro noch dafür, dass mir Sopa Paraguaya, eine kuchenähnliche Speise, die man hier nur zu Weihnachten und Neujahr isst, gereicht wird. Sie besteht u. a. aus Zwiebeln, Mais, Eiern, Milch und Salz.
In der Nacht ist es trotz Klimaanlage sehr heiß und ich schlafe schlecht. Um 6 Uhr stehe ich auf, greife mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und warte auf Pedro. Kurze Zeit später fahren wir zum Busbahnhof, es herrscht wegen der Feiertage kein großes Verkehrsaufkommen und wir sind zügig dort. Jetzt heißt es, schnell Geld wechseln, ein Ticket kaufen und ab in den Bus, der bereits fertig zur Abfahrt ist. Beim Einsteigen wird mein Pass kontrolliert. Gut, dass Pedro mir zur Seite steht, allein hätte ich es, glaube ich, nicht mehr rechtzeitig geschafft. Und den Transport zum Busbahnhof brauche ich nicht zu bezahlen.
Der Bus setzt sich pünktlich in Bewegung, zum Einkaufen von Reiseproviant bleibt keine Zeit mehr. Dafür habe ich Glück und gerade noch einen Platz im Direktbus ergattert. 5 ½ Stunden dauert die Fahrt bis zur Grenzstadt Ciudad del Este. Manchmal steigen Verkäufer ein und bieten Snacks und Getränke an. Unterwegs fällt mir ein Schild "Bayernwald" auf. Riesige Weidegebiete und große Rinderherden sind zu beiden Seiten der Straße zu sehen. Einige Menschen wohnen in Zelten vor dem Ortseingang. Ziegen und Rinder grasen angepflockt am Wegesrand. Hin und wieder begegnet uns ein Ochsenkarren, der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Ein paar Orte scheinen sich auf Möbelproduktion spezialisiert zu haben, jedenfalls stehen Hunderte von Stühlen, Tischen und sonstigen Holzartikeln an der Straße. Manchmal durchbricht ein Sonnenblumenfeld die Landschaft. Melonen können unterwegs erworben werden.
In Ciudad del Este beginnt eine zähe Wartezeit, geschäftstüchtige Menschen gehen an den Wartenden vorbei, putzen Scheiben oder verkaufen Scheibenwischer, Sonnenbrillen und Süßigkeiten. Gelbe Mototaxis sind im Einsatz und drängeln sich vor. Doch irgendwann später haben wir es geschafft und betreten brasilianischen Boden. Auf der Brücke der Freundschaft überqueren wir den Grenzfluss Paraná. Die Abfertigung in Paraguay geht relativ zügig, aber auf brasilianischer Seite ist nur ein Grenzbeamter für uns zuständig. Glücklicherweise dürfen wir das schwere Gepäck im Bus lassen. Das ist der Vorteil der Direktverbindung.

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